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Kapitel 7

Autor: Nebelklang
Das halblaute Lachen bohrte sich wie ein Dorn in Charlottes Brust.

Isabel ... hatte gesehen, wie Gabriele Charlotte ohrfeigte.

Und sich ganz offen darüber amüsiert.

Sie hatte sogar mitbekommen, wie kalt Konstantin zusah, ohne Charlotte in Schutz zu nehmen.

Auch wenn Charlotte Konstantin längst nicht mehr wollte – dass ausgerechnet die Frau, die ihre Ehe zerstörte, sie so erlebte, war für sie ... zutiefst demütigend.

Mit einem kalten Seitenblick auf die Angreiferin sagte Konstantin zu Isabel nur „Wir reden gleich weiter“ und beendete den Videoanruf.

Seine unbewegten Augen streiften flüchtig Charlottes gerötete Wange und blieben dann an Gabriele hängen. Seine Stimme klang kühl und schneidend: „Tante Gabriele, was soll das?“

Ob es Charlotte wehtat, fragte er nicht.

Charlotte erwartete gar nicht, in seinem Gesicht auch nur einen Hauch von Mitgefühl zu entdecken.

In diesen sieben Jahren hatte sie sich längst an seine Gleichgültigkeit gewöhnt.

Und sie hatte gelernt, damit zurechtzukommen.

Unter Konstantins Blick zuckte Gabriele unwillkürlich zusammen.

Schließlich war Charlotte noch immer seine Frau.

Wer sie schlug, schlug im Grunde auch ihm ins Gesicht.

Ob Charlotte lebte oder starb, mochte ihm egal sein – sein eigenes Ansehen war ihm wichtiger als sie.

Bei diesem Gedanken zeigte Gabriele sofort auf Charlotte. „Das ist doch alles ihre Schuld! Dass du mit Isabel im Krankenhaus warst, ist an die Öffentlichkeit gelangt! Es war genau die Klinik, in der Charlotte arbeitet – wer sollte es sonst gewesen sein? In dem Post stehen lauter gehässige, schmutzige Andeutungen! Da steht, dass Isabel von dir schwanger ist! Und dass ihr beide ...“

Weiter brachte sie es nicht über die Lippen.

Sie konnte Charlotte nur wütend anstarren.

Isabel war schließlich die Verlobte ihres Sohnes Florian Sternberg!

Ob die beiden sich trennen sollten, war noch gar nicht offiziell besprochen.

Das war eine öffentliche Ohrfeige für ihren ganzen Familienzweig!

Wie sollte sie sich in ihren Kreisen noch blicken lassen? Das Gespött war ihr sicher!

Deshalb hasste sie Charlotte für ihre Unfähigkeit!

Sieben Jahre lang hatte Konstantin mit ihr geschlafen, und trotzdem hatte sie nicht den kleinsten Platz in seinem Herzen erobert.

Weil Charlotte ihren Mann nicht halten konnte, sah er sich anderweitig um – und ruinierte damit Florians Verlobung!

Auch Charlotte war überrascht.

Sie hatte zwar angekündigt, sich öffentlich bei Isabel zu entschuldigen, aber getan hatte sie nichts dergleichen.

Und weil das Ganze ausgerechnet jetzt ans Licht kam, sah es ganz danach aus, dass sie dahintersteckte.

Charlotte zog ihr Handy hervor und suchte nach den Stichworten.

Den Post gab es tatsächlich.

Man merkte, dass der Verfasser jedes Wort sorgfältig abgewogen hatte.

Die heimliche Beziehung zwischen Konstantin und der Verlobten seines Cousins wurde darin zur großen Liebe verklärt.

Unwillkürlich sah Charlotte zu Konstantin hinüber.

Erst jetzt bemerkte sie, dass er sie schon die ganze Zeit beobachtete.

Im nächsten Moment fragte er wie ein Unbeteiligter: „Stört sie dich so sehr?“

Er sprach es nicht aus.

Doch Charlotte hörte heraus, was er meinte.

Er war also überzeugt, dass sie Isabel aus Eifersucht am liebsten vernichtet hätte?

Dass man ihr grundlos etwas anhängte, ließ ihre Miene versteinern. „Wenn der Post von mir wäre, hätte ich eure Beziehung garantiert nicht so beschönigt.“

Warum sollte sie die Affäre der beiden auch noch schönfärben?

Gabriele glaubte ihr kein Wort. „Natürlich traust du dich nicht, offen zu schimpfen! Du willst ja nicht, dass Konstantin dich vor die Tür setzt!“

Jeder bei den Sternbergs wusste doch, dass Charlotte ohne Konstantin nicht leben konnte.

Charlotte war diese Sicht zuwider.

Doch plötzlich stellte sie mit Bitterkeit fest, dass sie dem nichts entgegenzusetzen hatte.

Früher hatte sie sich tatsächlich voll und ganz Konstantin verschrieben und dabei jeden Stolz über Bord geworfen.

Konstantin musterte Charlotte flüchtig.

Ob sie sich verteidigen wollte, kümmerte ihn nicht. Sein Blick streifte ihre gerötete Wange, dann wandte er sich an Monika, die von dem Lärm angelockt worden war: „Hol meiner Frau ein Kühlpack.“

Die Haushälterin, die dem Schauspiel gebannt gefolgt war, schreckte auf und beeilte sich.

Konstantins Worte rissen Charlotte aus ihrem stummen Groll.

Seine ‚Fürsorge‘ ließ sie inzwischen völlig kalt.

Für sie war das keine Hilfe in der Not, weder Anteilnahme noch echte Sorge – nur seine gute Kinderstube.

Eine gewohnte Höflichkeit an der Oberfläche, ohne jedes Gefühl.

Sich etwas einzubilden, war das Gefährlichste überhaupt.

Konstantin wandte sich wieder an Gabriele und legte seinen Standpunkt dar: „Wenn das weiter hochkocht, schadet es allen. Im Interesse des Rufs der Familie wird die Verlobung zwischen Isabel und Florian gelöst. Nach außen erklären wir, dass es nie eine Verlobung gegeben hat.“

Gabrieles Miene erstarrte.

Damit hatte sie nicht gerechnet.

Eigentlich war sie gekommen, um Rechenschaft zu fordern.

Doch jetzt ... blieb ihr offenbar keine andere Wahl.

Charlotte hielt das Kühlpack an ihre Wange und betrachtete mit einem Anflug von Selbstironie Konstantins vornehmes Gesicht.

Das also war sein eigentliches Ziel.

Er nutzte die Gelegenheit, um Isabels Verbindung zum zweiten Familienzweig endgültig zu kappen. So konnten Isabel und er später ... ganz offiziell zusammen sein.

Konstantin hatte es offensichtlich eilig, Isabel an seiner Seite einen festen Platz zu geben ...

„Monika, begleite Tante Gabriele hinaus.“

Konstantin hatte gar nicht um ihre Meinung gefragt.

Er warf Charlotte noch einen undeutbaren Blick zu, dann drehte er sich um und ging wieder nach oben.

Gabriele kochte vor Wut. Doch gegen Konstantin, den designierten Erben, der bald die alleinige Macht in der Familie übernehmen sollte, wagte sie nichts zu sagen.

Im Gehen funkelte sie Charlotte giftig an: „Hausfrauen sind einfach zu nichts nütze! Außer mit Töpfen und Pfannen herumzuhantieren, kannst du gar nichts. Was nützt dir dein hübsches Gesicht? Wenn du Isabel wenigstens an Können oder Raffinesse das Wasser reichen könntest, wärst du nicht so tief gefallen. Charlotte, das hast du dir selbst zuzuschreiben!“

Charlotte hatte nicht einmal mehr Lust, darauf zu antworten.

Sie fand inzwischen ja auch, dass sie all die Jahre voller Hingabe und vergeblicher Hoffnung wie mit Blindheit geschlagen gewesen war.

Charlotte ging ins Bad.

Obwohl sie Gabrieles Ohrfeige größtenteils ausgewichen war, verriet ihr heller Teint eine leichte Rötung und Schwellung.

Sie wusch sich die Stelle, die diese Frau berührt hatte, mit klarem Wasser ab.

Dann wartete sie, bis sie sich gefasst hatte.

Sie hatte nicht vor, für die Veröffentlichung des Vorfalls in der Notaufnahme den Kopf hinzuhalten.

Von Monika erfuhr sie, dass Konstantin wieder im Schlafzimmer war.

Diesmal klopfte sie an. Das hier war ohnehin bald nicht mehr ihr Zuhause.

Sie wusste, wie sich ein Gast zu benehmen hatte.

Die Tür war nur angelehnt, drinnen war es still.

Charlotte wartete einen Moment.

Erst dann hörte sie jemanden sprechen.

„War deine Tante bei Charlotte?“ Claudias Stimme drang aus dem Lautsprecher eines Handys.

Konstantin kam aus dem Badezimmer, ging zum Schrank und beugte sich vor, um etwas zu suchen. „Ja.“

„Dass du mit Isa in der Gynäkologie warst – hast du das verbreitet oder Isa? Damit Charlotte als Sündenbock den ganzen Zorn des zweiten Familienzweigs abbekommt?“

Bei diesen Worten zog sich in Charlotte alles zusammen.

Mit einer so absurden Möglichkeit hatte sie nicht gerechnet.

War sie etwa das Feigenblatt für die verdrehte Liebe der beiden?

Doch Konstantin antwortete nicht.

Ob er damit zustimmte oder es nicht für nötig hielt, darauf einzugehen, blieb offen.

Lachend fuhr Claudia fort: „Das wird keine großen Wellen schlagen. Das ersticken wir im Keim. Charlotte ist dir doch mit Haut und Haaren verfallen. Sie bringt es nicht übers Herz, dir Ärger zu machen.“

„Ich weiß.“

Diesmal antwortete Konstantin.

Sein Ton war beiläufig. Welchem Teil von Claudias Worten er zustimmte, war nicht klar.

Draußen vor der Tür krümmte Charlotte stumm die Finger.

Hastig hob sie den Kopf und versuchte, sich zu sammeln.

An Konstantins Regel, dass sie wie eine Fremde anklopfen sollte, hielt sie sich nicht länger. Sie stieß die Tür auf und trat ein.

Konstantin wandte den Kopf, sagte aber nichts.

Das Telefonat war bereits beendet.

Charlotte würdigte ihn keines Blickes. Die Sache mit dem Post wollte sie auch nicht mehr klären – sonst half sie am Ende noch denen, die sie hintergangen hatten.

Sie ging zum Safe, tippte den Code ein und nahm das Heilkundebuch heraus, das ihr so viel bedeutete.

Konstantins Blick ruhte zwei Sekunden lang auf ihrem schmalen Rücken. Ihm entging nicht, dass sie aufgewühlt war.

Doch er fragte nicht nach.

Mit langen Schritten kam er vom Balkon zurück.

Als er am Schminktisch vorbeiging, fiel sein Blick auf den Umschlag, der darauf lag.

Abrupt blieb er stehen.

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Último capítulo

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 30

    Konstantin ging noch einmal ins Arbeitszimmer, um etwas zu holen.In kürzester Zeit hatte er sich für die ungeheure Summe von sechsundzwanzig Millionen die Gelegenheit erkauft, Isabel glücklich zu machen.Auf ihn warten?Hatte er sie noch alle?Charlotte war bereits vor Tagen ausgezogen, und er schien es nicht einmal bemerkt zu haben.Wie gleichgültig musste sie ihm sein, dass ihm selbst das entging?Ihr war beinahe zum Lachen zumute.Sie hatte keine Lust, sich weiter mit Konstantin abzugeben. Nachdem sie das Familienfoto sicher verstaut hatte, verließ sie das Haus.Als sie wieder in ihren alten Opel stieg, stellte sie genervt fest, dass der Wagen schon wieder streikte.Der Motor sprang einfach nicht an.Egal wie oft sie es versuchte, das Auto verweigerte den Dienst.Wenn man Pech hatte, ließ einen selbst der eigene Wagen im Stich.Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz nach acht war.Charlotte stieg aus, um nach dem Fehler zu suchen, doch es half nichts.Als Konstantin heraus

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 29

    Charlotte hatte nicht damit gerechnet, Konstantin zu Hause anzutreffen.Früher war er kaum je da gewesen. Doch bei ihren letzten Besuchen war sie ihm jedes Mal begegnet.Als er das Geräusch an der Tür hörte, hob er den Blick. Charlotte sah abgehetzt aus. „Hast du so viel zu tun bei der Arbeit?“Sie schien derart beschäftigt, dass sie in letzter Zeit kaum noch heimkam.Vom Anwesen der Sternbergs hatte er erfahren, dass sie schon seit Tagen keine Heilkost mehr vorbeigebracht hatte.Früher hatte Charlotte sogar Wege gefunden, ihm stärkende Suppen direkt in die Firma liefern zu lassen.Auch das war inzwischen ausgeblieben.Er wusste, woran es lag.Immer noch die Sache mit Isabel.Diesmal zeigte Charlotte allerdings deutlich mehr ‚Rückgrat‘ als sonst.Sie wollte darauf nicht eingehen und wandte sich an Monika. „Wo ist das Foto?“Monika trocknete sich die Hände ab und deutete auf den Platz, an dem Konstantin saß. „Auf dem Tisch vor Herrn Sternberg.“Erst jetzt bemerkte Charlotte das Familien

  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 28

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  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 27

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  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 26

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  • Das Kind bleibt. Du kannst gehen   Kapitel 25

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