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KAPITEL 4: Der Schatten des Alphas

Author: Pearl's pen
last update publish date: 2026-09-04 13:55:54

Tristans POV

Zwölf Vorstandsmitglieder saßen um den Tisch von Apex Dynamics, und ihre Stimmen erhoben sich zu einem sinnlosen, nervigen Summen.

Sie stritten über die jüngsten Lieferkettenstörungen an den westlichen Grenzen unseres Territoriums. Es war ein entscheidendes Thema und betraf Millionen von Dollar … komplexe Rudelgebietsstreitigkeiten und die Sicherheit unserer Fracht. Doch ich brachte es nicht fertig, mich dafür zu interessieren.

Ich saß schweigend am Kopfende des Tisches, während mein Wolf unruhig im Hintergrund meines Geistes hin und her lief und an den Wänden meines Schädels kratzte. Die verfluchte Magie in meinem Blut ließ meine Haut in einer ständigen, schmerzhaften Erinnerung an die Last jucken, die ich trug, doch ich hielt mein Gesicht zu einer emotionslosen Maske, die Augen starr nach vorne gerichtet.

Neben mir kämpfte mein Beta Jesse Woodrow einen aussichtslosen Kampf.

„Wenn wir die Lieferungen über den Nordpass umleiten, verlieren wir zwanzig Prozent unserer Gewinnspanne an Zöllen“, argumentierte Jesse, und seine kalten grauen Augen musterten den Raum, sein Ausdruck ständig berechnend.

Er war ehrgeizig und klug, doch seiner Aura fehlte die Dominanz, die nötig war, um diese alten Wölfe zu beherrschen.

Ein älteres Vorstandsmitglied, Jenkins, mit rotem Gesicht und lautem Mundwerk, schlug mit der Faust auf den Tisch. Die Kaffeetassen klirrten. „Und wenn wir nicht umleiten, werden die Rogue-Rudel die Fracht abfangen! Wir haben letzten Monat drei Lastwagen verloren! Du redest davon, uns auszubluten, Woodrow! Du weißt nicht, wie man mit den Grenzen umgeht!“

„Wir haben Sicherheitsteams“, schoss Jesse zurück, der Kiefer fest zusammengekniffen. „Wir beugen uns keinen Rogues und zahlen keine Erpressungsgelder an die nördlichen Rudel.“

„Eure Sicherheitsteams sind nutzlos!“ schrie ein anderes Mitglied und sprang von seinem Stuhl auf.

Dutzende Stimmen überlagerten sich und erzeugten ein aggressives Geräusch.

Jesses Hände umklammerten die Tischkante. Er versuchte, sie zu manipulieren … die Zahlen zu verdrehen, doch er scheiterte kläglich.

Ich hatte genug von diesem Zirkus …

Ich beugte mich vor, legte die Hände flach auf das Holz und stand dann langsam auf.

Es war eine einfache, ruhige Bewegung, doch die Wirkung war absolut sofortig. Das Geschrei verstummte im selben Augenblick … abgeschnitten, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Zwölf Paar Augen richteten sich auf mich, weit aufgerissen und plötzlich erfüllt von urtümlicher Angst.

Ich knurrte nicht … ich fletschte nicht die Zähne … ich ließ meine Alpha-Aura einfach nur einen Bruchteil hervorsickern.

„Die Lieferungen gehen über den Nordpass“, sagte ich ruhig. „Wir zahlen die Zölle. Apex Dynamics ist keine Wohltätigkeitsorganisation für Rogue-Plünderer, und ich werde keine Winthrop-Leben riskieren, um eine zwanzigprozentige Marge zu retten.“

Jenkins schluckte schwer, und die rote Farbe wich vollständig aus seinem Gesicht, während er sich langsam wieder in seinen Stuhl sinken ließ.

„Jeder Mann, der meine Strategie noch einmal in Frage stellt“, fuhr ich fort, und meine silbernen Augen fixierten Jenkins, „wird seinen Platz an diesem Tisch dauerhaft leer vorfinden. Sind wir uns einig?“

Mehrere Männer nickten hastig, die Augen auf den Tisch gesenkt.

„Sitzung beendet.“

Ich drehte mich um und ging durch die Doppeltüren hinaus, ohne auf eine einzige Antwort zu warten, und Jesse eilte hinter mir her in den Flur.

„Alpha“, begann Jesse und fiel neben mir in Schritt. „Ich hatte sie. Ich wollte sie von der Westroute überzeugen.“

„Du hast den Raum verloren, Jesse“, antwortete ich flach, ohne ihn auch nur anzusehen. „Kümmere dich um die Papiere für die nördlichen Zölle. Ich will sie bis morgen früh auf meinem Schreibtisch haben.“

Ich winkte ihn ohne ein weiteres Wort ab und steuerte direkt auf mein privates Büro am Ende des Flurs zu, verzweifelt nach ein paar Minuten Ruhe. Doch in dem Moment, als ich den massiven Raum betrat, fühlte ich mich, als würde ich ersticken.

Die Konzernwelt trieb mich in den Wahnsinn. Die verfluchte Energie in meinen Adern pulsierte heiß und wütend wegen dieses Erbes – mein Wolf war destabilisiert.

Ich konnte keine richtigen Mate-Bindungen eingehen … ich war völlig isoliert an der Spitze der Nahrungskette, insgeheim einsam, regierte ein Imperium und war doch innen leer.
Mein Wolf wollte jagen. Er wollte den Dreck unter seinen Krallen spüren und das Mondlicht auf seinem Fell. Er wollte aus dem Käfig dieses zivilisierten Lebens ausbrechen.

Ich konnte hier nicht bleiben …

Mein Fahrer Miller wartete bereits am Auto. Er öffnete rasch die Tür für mich und senkte den Kopf respektvoll.

„Bring mich nach Hause“, befahl ich, löste die Krawatte und knöpfte den obersten Knopf meines Hemdes auf, während ich mich in den weichen Ledersitz sinken ließ.

„Sofort, Sir.“

Das Auto glitt aus der Garage und auf die neonbeleuchteten Straßen von Cresthaven. Ich beobachtete, wie die Lichter der Stadt hinter den Fenstern verschwammen, während das Biest in mir wütend an meinen Rippen kratzte und nach einer Befreiung verlangte, die ich ihm nicht geben konnte.

„Halt das Auto an“, sagte ich abrupt.

Miller trat auf die Bremse, sichtlich überrascht, und sah mich im Rückspiegel an.

Wir waren in einem raueren, heruntergekommenen Teil der Stadt, meilenweit von meinem Anwesen entfernt. „Sir? Wir sind noch nicht zu Hause. Das ist keine gute Gegend.“

„Halt genau hier. Sofort.“

Miller zog rasch an den Bordstein, neben einer dunklen, schmalen Gasse, und drehte sich auf seinem Sitz um, tief besorgt um meine Sicherheit. „Geht es Ihnen gut, Mr. Winthrop? Soll ich auf Sie warten? Ich kann die Security rufen.“

Ich traf seinen Blick im Spiegel und ließ das Silber hell in meinen Augen aufblitzen – eine gefährliche Warnung, ohne ein Wort zu sagen.

Miller schluckte schwer, und sein Gesicht wurde blass. „Entschuldigung, Sir. Einen schönen Abend noch.“

Ich stieg aus dem SUV und schob die Tür zu. Die Reifen quietschten leicht auf dem Asphalt, als Miller davonfuhr und mich völlig allein auf dem schmutzigen Bürgersteig zurückließ.

Ich holte tief und lange Luft aus der kalten Nachtluft und begann, ruhig die Straße entlangzugehen. Ich hatte nirgendwo hin … kein Ziel im Sinn. Ich ging einfach, um den Kopf freizubekommen, und ließ den gleichmäßigen, repetitiven Rhythmus meiner Schritte meinen aufgewühlten Wolf beruhigen.

Ich war etwa drei Blocks weit gekommen, als meine Ohren ein Geräusch auffingen … es war leise, begraben unter dem entfernten Summen des Stadtverkehrs, doch mein Wolf fing es sofort ein … das Scharren von Stiefeln auf Kies … eine bedrohliche Männerstimme und dann ein keuchender Laut der Angst … eine Frauenstimme.

Mein Wolf stürmte vorwärts und vibrierte förmlich vor Aufregung. Er hatte nach einem Kampf gebettelt, nach der Möglichkeit, Aggression freizusetzen, und es fühlte sich an, als hätte das Schicksal uns gerade die perfekte Gelegenheit in den Schoß gelegt.

Ich drehte den Kopf in Richtung des Geräuschs und glitt lautlos in eine dunkle, schmale Gasse zwischen zwei verlassenen, vernagelten Ladenfronten.

„Komm schon, Schätzchen. Taschen leeren. Gib die Handtasche her, und vielleicht müssen wir dich nicht verletzen.“

Drei Männer hatten eine Frau gegen einen rostigen Maschendrahtzaun gedrängt. Sie waren schmutzig, stanken nach Bier, Schweiß und Rauch … menschliche Straßenschläger.

Die Frau umklammerte ihre Handtasche fest an der Brust, den Kopf gesenkt, und versuchte, sich vor ihren greifenden Händen zusammenzuziehen.

Ich trat tiefer in die Gasse, meine Schuhe knirschten leise auf einer zerbrochenen Bierflasche.

„Gibt es hier ein Problem?“ fragte ich.

Meine Stimme war gefährlich weich und hallte von den Ziegelwänden wider.

Die drei Männer wirbelten herum, und der größte von ihnen – ein kahlköpfiger Typ mit einer hässlichen Narbe über der Wange – musterte mich von oben bis unten. Er nahm meinen maßgeschneiderten italienischen Anzug, meine Schuhe und meine entspannte Haltung in sich auf und stieß ein raues Lachen aus, völlig falsch einschätzend, was hier vor sich ging.

„Schau dir das an“, höhnte der Kahlköpfige und zog ein silbernes Klappmesser aus der Jackentasche. „Ein kleiner Reicher hat sich auf dem Weg zurück in seine Villa verlaufen. Dreh dich um und geh weg, Anzugträger, bevor ich dein hübsches Gesicht ruinieren und dir auch noch die Uhr abnehme.“

„Ich glaube nicht“, sagte ich ruhig.

Der Kahlköpfige stürzte sich vor. Er war langsam, ungeschickt und völlig menschlich. Ich musste meinen Körper nicht einmal verlagern. Ich trat einfach zur Seite, packte sein ausgestrecktes Handgelenk und verdrehte es hart.

Der Knochen brach mit einem lauten, befriedigenden Knacken, und der Mann schrie vor Qual auf und ließ das Messer fallen. Bevor er überhaupt fallen konnte, trieb ich mein Knie nach oben in seine Brust und schickte seinen schweren Körper nach hinten gegen die massive Ziegelmauer. Er sackte auf den schmutzigen Boden, völlig bewusstlos.

Die anderen beiden starrten mich in absolutem Schock an, dann übernahm blinde Wut ihren gesunden Menschenverstand. Sie stürmten gemeinsam auf mich zu, doch ich ging ihnen frontal entgegen.

Ich packte den zweiten Mann an der Kehle, hob ihn mit einer Hand einen Zentimeter vom Boden und schleuderte ihn gewaltsam auf die Motorhaube eines ausrangierten, rostigen Autos.

Ich drehte mich anmutig herum, wich einem wilden, schlampigen Schlag des dritten Mannes aus. Ich fing seinen Arm ab, trat nah an ihn heran und versetzte ihm einen brutalen, strafenden Schlag gegen die Rippen – und spürte, wie drei von ihnen unter meinen Knöcheln sofort knackten.

Der dritte Mann keuchte nach Luft, fiel auf die Knie und umklammerte seine Seite, während der zweite verzweifelt von der verbeulten Motorhaube kletterte, einen entsetzten Blick auf seine kaputten Freunde warf und rannte. Er sprintete die dunkle Gasse hinunter und verschwand wie ein Feigling in den Schatten. Der Typ mit den gebrochenen Rippen taumelte keuchend vor Schmerz hinterher.

In weniger als dreißig Sekunden war die Gasse wieder völlig still.

Ich rollte meine breiten Schultern, spannte die Muskeln an, um die restliche Anspannung abzubauen. Mein Wolf schnurrte vor selbstzufriedener Genugtuung, während ich ruhig die Vorderseite meiner Anzugsjacke glattstrich – mein Atem vollkommen gleichmäßig.

„Geht es Ihnen gut?“ fragte ich sanft und drehte mich zu der verängstigten Frau um.

Sie war immer noch flach an den Maschendrahtzaun gepresst, der ganze Körper zitterte heftig. Sie hatte die Arme schützend um die Taille geschlungen.

„J-ja“, stammelte sie mit einer Stimme, die weich und furchtbar vertraut klang. „Danke. Vielen, vielen Dank, ich dachte …“

Sie hob langsam den Kopf, und das schwache gelbe Licht der Straßenlaterne traf ihr Gesicht.

Mein Atem stockte physisch in meiner Kehle, und meine Brust zog sich so fest zusammen, dass es wehtat.

Ich starrte in ihre Haselnussaugen und sah ihre weiche, karamellfarbene Haut, ihre schlanke, athletische Figur und diese sturen, wunderschönen Lippen.

Es war sie …!

Das Mädchen von der Gala im Elysian Moor …!

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