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KAPITEL 5: Wiedererkennung

Author: Pearl's pen
last update publish date: 2026-09-04 13:58:58

Tristans POV

Mein Wolf schlug gegen meine Rippen, in dem Moment, als ihr Gesicht ins Licht kam. Dieselben scharfen Haselnussaugen. Dasselbe trotzige Kinn. Die Frau von der Gala im Elysian Moor – die, die meine Geldbörse geleert und vor dem Morgengrauen aus meinem Bett geschlüpft war – stand direkt vor mir, drei Fuß entfernt, immer noch zitternd von den Straßenschlägern, die ich gerade niedergeschlagen hatte. Meine Brust zog sich so fest zusammen, dass es wehtat. Sie war real, nicht irgendeine fiebrige Erinnerung, die mein verfluchter Geist in einer der langen Nächte ausgebrütet hatte, in denen der Riss in meiner Seele mir den Schlaf verweigerte.

Ich bewegte mich, bevor ich denken konnte. Meine Hand schloss sich um ihren Ellbogen, um sie zu stützen. Der Kontakt traf mich wie ein unter Strom stehender Draht. Ein heftiges Zittern schoss meinen Unterarm hinauf, direkt in mein Blut. Es hatte nichts mit Besorgnis zu tun. Mein Körper kannte sie, bevor mein Verstand fertig war, aufzuholen. Ihre Haut war warm unter meinen Fingern, weich trotz der schlanken Muskeln, die ich darunter spürte. Mein Wolf stürmte vorwärts mit einem Knurren, das durch meine Brust vibrierte. Mein. Er markierte sie im selben Atemzug als Territorium und als gefunden.

Sie riss sich sofort los und wich hart gegen den rostigen Maschendrahtzaun zurück. Ihre Knöchel wurden weiß um den Riemen ihrer Handtasche. Diese Haselnussaugen weiteten sich, als sie mich wirklich ansah. Die Wiedererkennung traf sie wie ein Schlag. Ich sah den genauen Moment, in dem es passierte … die Art, wie sich ihre Lippen öffneten, wie ihr Atem stockte. Sie kannte mich. Nicht als Tristan Winthrop, den Alpha, den sie noch nicht getroffen hatte. Sie kannte mich als Glenn. Den Mann, dessen Bett sie geteilt hatte. Den Mann, dessen Geld sie gestohlen hatte.

„Ich … mir geht’s gut“, sagte sie schnell, die Stimme zitternd, aber bemüht, fest zu klingen. „Danke. Das hätten Sie nicht tun müssen.“

Ich blieb stehen und musterte sie. Sie sah genauso aus, wie ich sie in Erinnerung hatte. Langes, dunkelbraunes Haar, jetzt etwas zerzaust vom Gerangel. Weiche, karamellfarbene Haut. Dieser wachsame Ausdruck, der sie zugleich schön und fluchtbereit wirken ließ. Sie trug wieder einfache Kleidung, nichts wie das schwarze Kleid von der Gala, doch sie schmiegte sich immer noch an ihre athletische Figur auf eine Weise, die meinen Wolf aufmerksam machte.

Sie schluckte schwer. „Mein Name ist Sarah. Ich kenne Sie nicht, okay? Ich bin dankbar für die Hilfe bei diesen Typen, aber ich muss wirklich gehen.“

Die Lüge kam glatt und automatisch. Natürlich tat sie das. Eine Frau, die auf den Straßen von Cresthaven überlebte, würde einem Fremden in einer dunklen Gasse nicht ihren echten Namen nennen. Ich kannte ihren echten Namen ohnehin schon. Jasmine Trivett. Er hatte auf dem Ausweis in der Geldbörse gestanden, die sie mir gestohlen hatte. Ich hatte sie vor Tagen durch meine Kontakte zurückbekommen, zusammen mit einer Spur, die viel zu lange zu verfolgen gewesen war. Sie wusste nicht, dass ich sie hatte. Sie wusste nicht, dass ich seit dem Morgen, an dem ich allein in dieser Suite mit leeren Taschen und ihrem Duft noch auf den Laken aufgewacht war, nach ihr gejagt hatte.

Ich ließ sie die Lüge behalten. Ich bewegte mich nicht von ihrem Fluchtweg. Meine Schultern blieben entspannt, doch mein Körper blockierte den einfachsten Weg aus der Gasse. Lass sie es spüren. Lass sie verstehen, dass ich kein zufälliger guter Samariter war.

„Sie sehen aus, als hätten Sie eine raue Nacht gehabt“, sagte ich und hielt meine Stimme tief und gleichmäßig. Derselbe Ton, den ich bei der Gala benutzt hatte, als ich ihr Handgelenk erwischt hatte. „Diese drei haben nicht gespielt.“

Sie rieb sich den Ellbogen, an dem ich sie gepackt hatte, die Augen huschten an mir vorbei zum Ausgang der Gasse. „Ich habe gesagt, mir geht’s gut. Nur … Pech. Passiert hier manchmal.“

Pech. Richtig. Ich konnte die Angst riechen, die noch an ihr haftete, auch wenn ihr Omega-Duft seltsam gedämpft war. Dieses Unterdrückungsamulett, das sie trug – ich hatte seine kalte Präsenz an ihrer Brust gespürt, in jener Nacht, als meine Hände ihren Körper erkundet hatten. Es dämpfte sie, sperrte ihre Wölfin ein. Der Gedanke ließ meinen eigenen Wolf knurren. Sie sollte sich nicht so verstecken müssen.

Ich erinnerte mich an jede Sekunde jener Nacht. Die Art, wie sie absichtlich gegen mich gestoßen war. Die geübte Bewegung ihrer Finger, die zu meiner Tasche glitten. Der Schock in ihren Augen, als ich sie erwischt hatte. Dann die Hitze. Die Art, wie sie mir in die Suite gefolgt war, obwohl die Angst in Wellen von ihr abrollte. Der Striptease, den ich verlangt hatte. Die Art, wie sie sich unterworfen hatte, mit sturem Trotz in ihrem Blick, während sie das schwarze Kleid abstreifte. Die Art, wie sie unter mir zerbrochen war, keuchend und zitternd, ihr Körper mich umklammernd, als hätte sie noch nie etwas so Gutes gespürt. Und dann das leere Bett am Morgen. Das fehlende Bargeld.

Mein Kiefer spannte sich. Ich hatte Wochen damit verbracht, sie aufzuspüren. Hehler zu verhören. Der magischen Spur auf jener Taschenuhr zu folgen, von der sie nicht einmal gewusst hatte, dass sie wichtig war. Alles, weil sie mir in die Augen geblickt, genommen hatte, was sie wollte, und verschwunden war. Niemand tat das mit mir. Niemand ließ meinen Wolf so besessen werden.

„Sie zittern“, sagte ich zu ihr.

„Mir ist kalt“, schoss sie zurück. Wieder eine Lüge.

Ich machte einen langsamen Schritt näher. Nicht genug, um sie vollständig einzufangen, aber genug, dass sie den Kopf neigen musste, um mich weiter anzusehen. Sie war eine gute Stück kleiner als ich. Wahrscheinlich 1,68 m zu meinen 1,93 m. Der Unterschied fühlte sich richtig an. „Sie müssen mich nicht anlügen, Sarah.“

Ihre Augen verengten sich bei dem Namen. Sie erinnerte sich, dass sie ihn in jener Nacht auch gesagt hatte. „Ich kenne Sie nicht“, wiederholte sie. „Und ich schulde Ihnen nichts. Danke für die Hilfe, aber ich gehe jetzt.“

Sie versuchte, an mir vorbeizukommen. Ich verlagerte mein Gewicht gerade so weit, dass ich ihr im Weg blieb, ohne sie erneut zu greifen. Die Macht lag da zwischen uns. Meine Alpha-Aura drückte leicht gegen sie – nicht befehlend, aber erinnernd. Ihr Atem stockte. Sie spürte es. Selbst mit diesem Amulett, das ihre Sinne dämpfte, spürte sie mich.

Für eine Sekunde flackerte etwas anderes über ihr Gesicht. Nicht nur Angst. Die Anerkennung des Zugs. Dieselbe Chemie, die uns in jenes Hotelbett gezogen hatte. Ihre Wangen wurden leicht warm. Sie erinnerte sich auch, wie gut es gewesen war. Wie oft sie gekommen war. Wie sie die Kontrolle verloren und die Laken durchnässt hatte. Ich konnte die Erinnerung in der Art sehen, wie ihr Blick für einen halben Sekundenbruchteil auf meinen Mund fiel, bevor sie sich fing.

Mein Wolf drängte härter. Der Fluch flackerte als Antwort auf und schickte einen Schmerzstoß durch meine Schläfen. Ich ignorierte ihn. Ich hatte mit Schlimmerem gelebt. Der Riss in meiner Seele machte Bindungen unmöglich, machte meinen Wolf instabil, doch jetzt wollte er sie. Er wollte die Frau beanspruchen, die mich ausgeraubt und dann mit meinem Duft auf der Haut verschwunden war.

„Sie sind in jener Nacht vor mir weggelaufen“, sagte ich leise. Es hatte keinen Sinn mehr, so zu tun. „Haben meine Geldbörse mitgenommen und sind gegangen, bevor ich überhaupt nach Ihrem echten Namen fragen konnte.“

Ihr Gesicht wurde blass. „Ich weiß nicht—“

„Tu es nicht“, schnitt ich ihr das Wort ab. „Wir beide wissen, was in dieser Suite passiert ist. Sie können sich weiter Sarah nennen, wenn es Sie sicherer fühlen lässt. Aber ich weiß, was ich gespürt habe. Ich weiß, was Sie auch gespürt haben.“

Sie wich erneut zurück, bis der Zaun sich in ihren Rücken grub. Der Riemen ihrer Handtasche war immer noch fest in ihren Fingern umklammert. „Es war ein Fehler. Eine Nacht. Das war’s. Ich brauchte das Geld, und Sie … Sie haben mich gehen lassen. Also sind wir quitt.“

Quitt? Das Wort ließ mich beinahe lachen. Nichts daran fühlte sich quitt an. Sie hatte keine Ahnung, wer ich wirklich war. Keine Ahnung, dass der Mann, den sie ausgeraubt hatte, der Alpha des Winthrop-Rudels war. Keine Ahnung, dass ich seitdem nach ihr gesucht hatte. Keine Ahnung, dass ihr kleiner Diebstahl etwas in mir geweckt hatte, das der Fluch vor Jahren zu töten versucht hatte.

Ich ließ die Stille wieder sich dehnen, ließ sie das Gewicht davon spüren. Sie war zäh und stur. Ich konnte das in jeder Linie ihres Körpers sehen. Jahre des Überlebens in Cresthaven hatten sie so gemacht. Aber sie war auch erschöpft. Ich sah es in den Schatten unter ihren Augen, in der Art, wie ihre Schultern zu viel Gewicht trugen.

„Ich bin nicht hier, um Ihnen wehzutun“, sagte ich schließlich. Es war wahr, denn ich wollte nur Antworten. Ich wollte sie. Aber nicht so. Nicht zitternd in einer Gasse, nachdem sie beinahe von Menschen ausgeraubt worden war.

„Dann gehen Sie aus dem Weg“, sagte sie. „Lassen Sie mich nach Hause gehen.“

Ich hielt ihren Blick einen langen Moment. Dann trat ich zur Seite. Nicht ganz, nur genug. Sie glitt schnell an mir vorbei, streifte nah genug, dass ihr Arm erneut meinen streifte. Der Kontakt schickte ein weiteres Zittern durch mich. Mein Wolf knurrte leise vor Zufriedenheit.

Sie schaute nicht zurück, als sie eilig aus der Gasse hinausstürmte. Aber ich blieb stehen und beobachtete sie. Die Art, wie sie einmal über die Schulter blickte, bevor sie um die Ecke verschwand. Sie wusste, dass ich noch da war. Sie wusste, dass das hier noch nicht vorbei war.

Ich blieb lange in der Gasse, nachdem sie weg war. Meine Hand spannte sich an meiner Seite, erinnerte sich an das Gefühl ihres Ellbogens. Der Fluch pulsierte wütend, doch zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich die Einsamkeit in meiner Brust ein wenig weniger scharf an.

Sie war mein. Sie wusste es nur noch nicht.

Ich zog mein Telefon heraus und tätigte den Anruf. „Finde ihre Adresse. Die Frau von der Gala. Jasmine Trivett. Und bereite den Proxy vor. Heute Nacht.“

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