Mag-log inKlara sah ihn verdutzt an. „Moment. Stimmt bei dir wirklich etwas nicht?“Sebastian verschlug es die Sprache.„Überleg gefälligst, bevor du den Mund aufmachst!“Jetzt wurde er wütend.Klara schlug seine Hände weg. „Weißt du, Menschen reagieren besonders empfindlich, wenn jemand genau ihre Schwachstelle trifft. Eine schöne Frau lässt es zum Beispiel kalt, wenn jemand sie hässlich nennt. Sie weiß schließlich, dass sie schön ist. Bei mir war es früher mit meinem Fuß anders. Sobald jemand etwas darüber sagte, wurde ich wütend. Weil mit meinem Fuß tatsächlich etwas nicht stimmt.“„Und? Worauf willst du mit deinem ganzen Gerede hinaus?“Klara verdrehte die Augen. „Darauf, dass du vielleicht so wütend bist, weil du tatsächlich nicht kannst. Wenn bei dir alles funktioniert, kann dir doch egal sein, was ich sage.“„Du ...“ Langsam brachte sie ihn völlig in Rage. „Na schön. Wirklich erstaunlich, wie scharf und giftig deine Zunge inzwischen ist. Ich kenne dich seit zwölf Jahren, und so schla
Sebastian lachte kalt auf und packte Klaras Handgelenk. Mit einem kräftigen Ruck zog er ihre Hand vom Tor und trat in den Garten.„Komm, Frau Wolf.“Er legte den Arm um ihre Taille und rief zum Haus hinüber: „Oma, sollen Klara und ich noch etwas Obst kaufen gehen?“Klara beschäftigte allerdings etwas ganz anderes. Ihr Reisepass lag vermutlich noch auf dem Tisch.Ihre Großmutter kam lächelnd aus dem Haus. „Nicht nötig. Wir haben noch allerlei Obst da.“„Gut, dann lassen wir das.“Sebastian hielt Klara weiter im Arm und sah mit einem triumphierenden Blick auf sie hinunter. Die Herausforderung darin war unverkennbar: Na los, trau dich. Mach mir vor deiner Oma eine Szene.Klara presste die Lippen zusammen und schwieg.Mach doch, was du willst. Es sind ohnehin nur noch ein paar Tage.Als sie das Haus betrat, sah sie sofort zum Tisch. Zum Glück lag der Reisepass nicht mehr dort. Jemand räumte ihn inzwischen weg.„Macht es euch gemütlich. Ich schneide die Wassermelone auf“, sagte ihre
„Ach herrje!“Der Großmutter war es entsetzlich peinlich. Nicht wegen des kleinen Missgeschicks an sich. Sie wollte sich nur vor Sebastian nicht blamieren und damit auch Klara in ein schlechtes Licht rücken.Sebastian stand sofort auf. „Schon gut, Oma. Das wischen wir einfach weg.“Im Restaurant gab es feuchte Tücher. Mit einem davon säuberte er ihr behutsam die Hände und die Mundwinkel. Bei den Flecken auf ihrer Kleidung wollte sie sich allerdings nicht mehr helfen lassen. Darum kümmerte sie sich selbst mit einer Papierserviette.Bald war alles wieder sauber.„Jetzt mache ich dir auch noch solche Umstände, Sebastian“, sagte sie schuldbewusst.„Aber wie kannst du denn so etwas sagen, Oma?“ In seinen Augen lag plötzlich Wehmut. „Mich hat doch auch meine Oma großgezogen. Ich wünsche mir bis heute, noch ein paar Jahre länger für sie sorgen zu können ...“In diesem Moment waren Sebastians Gefühle aufrichtig.An der Ecke des Gangs zu den privaten Speiseräumen tauchten kurz Charlotte und
„Oma? Klara?“Sebastian sah die beiden überrascht an.Klaras Großmutter nahm sofort an, dass ihre Enkelin ihn herbestellte, und lächelte ihn an. „Da bist du ja, Sebastian! Setz dich. Klara und ich haben schon bestellt. Wir wussten nicht, was du essen möchtest. Such dir noch etwas aus.“Sebastian kam allerdings nicht, um mit ihnen zu essen.Klara sagte nichts. Mit einem kaum merklichen Lächeln zupfte sie ein Stück von ihrem Brot ab und tunkte es in den hausgemachten Dip. Die verschiedenen Aromen entfalteten sich auf ihrer Zunge. Köstlich.Nach kurzem Zögern setzte Sebastian sich neben sie. „Schon gut, Oma. Ich bin immer so beschäftigt und komme kaum dazu, mit euch zu essen. Ihr wart zuerst da, also bestellt ihr natürlich schon. Ich finde schon etwas.“Klara traute ihren Ohren kaum. Färbte Charlottes scheinheilige Art nach all der gemeinsamen Zeit etwa schon auf ihn ab?Sebastian winkte einen Kellner heran und bestellte ein Steak.Noch bevor das Essen kam, klingelte sein Handy.Ihr
Klara drehte sich um und verließ die Praxis.Dabei fiel ihr selbst etwas auf: Ganz gleich, wo sie inzwischen hinging, sie duckte sich nicht mehr weg. Sie bewegte sich nicht mehr so vorsichtig und ängstlich wie früher, immer in der Sorge, jemand bemerkte ihr Hinken.Ja, mit ihrem Bein und ihrem Fuß stimmte etwas nicht. Das war eine Tatsache. Aber es war weder ihre Schuld noch ein Makel. Warum sollte sie sich dafür schämen?Liebe konnte einen Menschen wirklich klein machen.Oder vielmehr die Liebe zu jemandem, der einen nicht genauso schätzte.Kaum entschied man sich, diesen Menschen nicht mehr zu lieben, konnte man plötzlich wieder den Kopf heben und frei atmen.Mit dieser Erkenntnis verlor auch die Begegnung in der Praxis ihren Schrecken. So schäbig Sebastian und Charlotte sich auch benahmen, es tat ihr nicht mehr weh. Nichts war aufregender als die Aussicht, endlich selbst die Flügel auszubreiten.Hinter ihr schien Sebastian noch immer ihren Namen zu rufen. Charlotte wiederum ri
Sein Blick veränderte sich.Klara lächelte und begrüßte ihn ganz unbefangen. „Hallo, Herr Wolf.“„Was machst du hier? Bist du schon aus dem Krankenhaus entlassen?“Seinem Blick nach zu urteilen, freute er sich kein bisschen über die Begegnung.„Ja. Was für eine nette Überraschung“, erwiderte sie lächelnd.Seine Miene verfinsterte sich. „Und du sagst mir nicht einmal Bescheid, dass du entlassen wirst?“Klara strahlte ihn an. „Ich wollte dich eben nicht stören. Aber ich halte euch nicht länger auf. Ich gehe dann.“„Warte.“Sebastian hielt sie mit seiner Stimme zurück.Sie hob leicht die Brauen. Was gab es denn noch?„Wieso? Hast du etwa Zeit, mich nach Hause zu bringen?“„Warte, dann fahren wir zusammen zurück“, sagte er.„Nicht nötig.“ Sie lächelte. „Schatz, wir müssen in unterschiedliche Richtungen.“Bald trennten sich ihre Wege ohnehin endgültig. Noch sechs Tage.Sein Gesicht wurde finster. „Wo willst du denn hin, wenn du nicht nach Hause fährst?“„Reg dich nicht auf, Sebast







