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Kapitel 62

Author: J. C. Veyra
last update Last Updated: 2026-02-15 06:10:34

Kapitel 62 – Hinweise und Zweifel

Aero

Jede Sekunde fühlte sich an wie ein Schlag. Elara war verschwunden, und obwohl ich ihre Präsenz noch schwach spürte, war sie verschwunden, als hätte die Welt sie verschluckt. Mein Wolf brüllte, wild, ungeduldig, voller Panik und Zorn, doch ich zügelte ihn. Jede Aktion musste überlegt, präzise sein. Kein Fehler. Nicht jetzt.

Kaelen und die Beta hatten sich entlang der möglichen Fluchtwege positioniert, jede Straße, jede Gasse, jeder Schatten überwacht. Doch selbst mit ihrem scharfen Blick, mit der Kraft des Rudels, war Elara verschwunden. Mein Herz raste, mein Wolf heulte innerlich. Ich konnte spüren, dass sie in Sicherheit war – zumindest teilweise. Irgendetwas in der Luft sagte mir das. Aber wo? Wer? Warum?

„Alpha… wir haben etwas“, meldete Kaelen nach einer Minute, die sich wie Stunden anfühlte. „Ein Hinweis. Keine direkte Spur… aber eine Präsenz. Schwach, aber stabil. Nordöstlich von hier, abgelegene Gegend. Keine Zerstörung, kein Kampf, nur… Konzentration.“

Mein Herz setzte aus. Nordöstlich… Ich spürte die Energie, kaum wahrnehmbar, aber da. Mein Wolf reagierte sofort, seine Sinne scharf, fokussiert. „Wir bewegen uns jetzt“, knurrte ich. „Beta, deck die Flanken. Kaelen, wir gehen zentral. Jede Sekunde zählt. Bereit?“

Wir rasten durch die Straßen, jede Bewegung synchronisiert, jedes Signal vom Rudel sofort umgesetzt. Mein Wolf war wie entfesselt, instinktiv reagierend, jedes Hindernis analysierend, jede Spur prüfend. Und doch war sie nicht sichtbar. Nur der schwache Puls ihrer Energie, der mich leitete, als wäre ein unsichtbarer Faden zu ihr gespannt.

Wir erreichten schließlich einen abgelegenen Pfad, der ins Gebüsch und zu einer kleinen Lichtung führte. Mein Wolf brüllte innerlich – jemand hatte sie hier versteckt. Aber wer? Wer konnte es wagen, Elara so nah zu mir zu bringen und gleichzeitig ihre Sicherheit zu gewährleisten?

Plötzlich ein Geräusch. Kein Angriff, kein Knacken von Zweigen – eher ein Signal, vertraut, stabil. Mein Herz raste. Mein Wolf war in Alarmbereitschaft, aber weniger aggressiv – eher fokussiert, konzentriert. Ich spürte die Präsenz eines Mannes. Nicht aggressiv. Stark. Beschützend.

„Bleibt zurück“, knurrte ich zu Kaelen und Beta, die sofort innehielten. Ich trat vorsichtig vor, jede Bewegung kontrolliert. Mein Wolf schnupperte, witterte die Energie. Und dann sah ich ihn – eine vertraute Silhouette, groß, kraftvoll, Augen streng, doch voller Sorge.

„Vater?“ Mein Herz stolperte. Mein Wolf knurrte kurz, skeptisch, doch spürte auch die vertraute Energie. Ich konnte die Wahrheit nicht sofort fassen. „Sie… Sie beschützen mich?“

Er nickte, die Stirn gerunzelt. „Ja, Aero. Ich habe sie weggebracht. Es war die einzige Möglichkeit, sie vor Selina und den anderen Abtrünnigen zu schützen. Sie wissen, dass sie schwanger ist. Sie werden alles tun, um sie zu bekommen.“

Mein Wolf brüllte innerlich, wild, mischte Zorn und Erleichterung. Ich konnte es nicht glauben – mein Vater hatte sie entführt… und doch beschützt. Mein Herz raste, Emotionen überschlugen sich: Panik, Wut, Dankbarkeit, Verwirrung.

„Warum…?“ Ich keuchte. „Warum so extrem? Sie war doch in Sicherheit! Ich hätte sie beschützt!“

Er schüttelte den Kopf, ernst. „Aero… du hättest Minuten gebraucht, und diese Minuten wären entscheidend gewesen. Ich habe sie in Sicherheit gebracht, bevor jemand sie erreichen konnte. Niemand sollte wissen, dass sie hier ist. Nicht Selina, nicht die Abtrünnigen. Nicht einmal du, bis wir sicher waren, dass du kommen würdest.“

Mein Wolf knurrte, mischte sich mit meiner eigenen Unsicherheit. Panik und Alpha-Instinkt kämpften gegeneinander. Ich wollte rennen, sie in die Arme nehmen, sie beschützen. Gleichzeitig verstand ich die Logik. Effizienz. Sicherheit. Mein Vater hatte gehandelt, bevor Gefahr real wurde.

Ich trat näher, spürte Elara, fühlte die Energie ihres Babys in ihrem Bauch, den Puls ihres Herzschlags, die leichte Angst in ihrem Wolf. „Elara…“ Meine Stimme war tief, bebend vor Emotionen. „Alles ist gut. Ich bin hier. Ich finde dich. Ich bringe dich zurück.“

Sie sah mich an, Tränen in den Augen, Angst und Erleichterung gemischt. „Aero… ich… ich verstehe… aber ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Ich dachte, du wärst wütend…“

Mein Herz stach. „Wütend? Nein. Verwirrt. Besorgt. Verzweifelt. Aber nie wütend auf dich.“ Mein Wolf brüllte leise, beruhigt durch die Nähe, das vertraute Band, die Präsenz.

„Wir müssen schnell handeln“, sagte mein Vater ernst. „Sie werden nicht aufgeben. Sobald sich herumgesprochen hat, dass sie schwanger ist, werden noch mehr Abtrünnige kommen. Wir müssen sie bewegen, bevor jemand von ihrer Präsenz erfährt.“

Ich nickte, die Alpha-Kraft pulsiert in mir, Adrenalin, Panik, aber fokussiert. „Rudel mobilisieren. Jede Einheit bereit. Wir holen sie zurück – lebendig. Keine Fehler. Keine Ablenkungen.“

Mein Wolf schrie nach Bewegung, nach Jagd, nach Schutz. Ich spürte die Kraft meiner Verbündeten, die Präsenz meines Rudels, die Nähe meines Vaters und Elara. Jeder Atemzug, jede Bewegung, jedes Signal zählte.

„Vater… danke“, flüsterte ich, obwohl wir keine Zeit hatten, stehen zu bleiben. „Für alles. Aber jetzt müssen wir sie zurückbringen. Zusammen.“

Er nickte, ernst, zustimmend. „Ja, Aero. Zusammen. Ich habe sie nur beschützt. Jetzt liegt es an dir, sie sicher zu mir zurückzubringen. Und an uns allen, sie zu beschützen, bevor jemand anderes sie findet.“

Ich spürte den Wolf in mir, wild, jagend, aber fokussiert. Die Jagd war noch nicht vorbei. Selina, die Abtrünnigen – sie wussten noch nicht, wer wir waren. Wer unser Rudel war. Wer ich war. Und sie würden den Preis bezahlen, wenn sie es versuchen.

„Bereit?“ fragte mein Vater, ruhig, aber alarmiert.

„Bereit“, knurrte ich, meine Alpha-Energie pulsiert, mein Rudel reagiert, mein Wolf angespannt. „Jetzt holen wir sie zurück. Und jeder, der es wagt, uns zu stoppen… wird es bereuen.“

Und mit diesen Worten stürzten wir uns in Bewegung, Rudel, Vater, ich selbst – die Jagd ging weiter, und diesmal war sie präzise, konzentriert und unwiderstehlich.

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