LOGIN**~Joan~**
Überall war es still. Niemand sagte ein Wort, wir starrten uns nur an. Eine Minute lang, oder zwei? Aber das tat nichts, um den harten Ausdruck auf Aarons Gesicht zu mildern. Seine Augen huschten nur zwischen uns hin und her. Wie kommt er hierher? Woher wusste er überhaupt, dass wir hier waren? Rhoda hatte darauf bestanden, dass er keine Ahnung hatte — sie hatte es ihm nicht einmal erzählt. "Rhoda...", seine Stimme war leise, kalt, so wie sie es immer gewesen war. Er war keiner, der viel redete, aber wenn er es tat, trug sie eine gewisse Selbstsicherheit. "Möchtest du erklären, was du ohne meine Erlaubnis in 'meinem' Haus machst?" Rhoda schwieg. Hätte ich sie nicht so gut gekannt, hätte ich fast geglaubt, der Mann vor uns wäre nicht ihr Bruder. Sieben Jahre waren kein großer Altersunterschied, aber Aaron ließ es wie eine große Sache erscheinen. Er ließ alles wie eine große Sache erscheinen. Sein Blick wanderte zu mir, und ich wappnete mich innerlich für das, was ich kommen wusste. "Und du", murmelte er, sein Ton wurde noch ein wenig kälter. Ich konnte seine Verärgerung förmlich spüren. "Folgst meiner Schwester immer noch überall hin, wie ich sehe." "Okay. Bevor du das alles falsch verstehst, ich hatte keine Ahnung, dass das hier dein Haus ist", sagte ich leise und stieß Rhoda mit dem Ellbogen an. Das war nicht der Zeitpunkt für sie, verdammt nochmal still zu bleiben. "Keine Ahnung?", unterbrach er mich und stand auf. Und oh Mann, der Mann war ziemlich groß. Seine Größe konnte manchmal auch einschüchternd wirken. "Du willst, dass ich glaube, das war nicht deine Idee?", fragte er, und ich presste die Lippen zusammen. Da haben wir's. Ich atmete tief durch und ignorierte den Ärger, der bereits in mir aufstieg. "Wie gesagt, ich hatte keine Ahnung, dass dieses Haus dir gehört, bis wir hier ankamen", murmelte ich. Und Rhoda schwieg immer noch. "Und wessen Idee war es dann?", fragte er, ohne den Blick von mir zu wenden. "Vielleicht hätte deine Schwester dir erzählt, dass wir dein Haus benutzen würden, wenn du nicht so ein kontrollsüchtiges Arschloch wärst", schoss ich zurück. Okay. Wenn Rhoda nicht reden würde, würde ich nicht still bleiben und die Schuld für etwas auf mich nehmen, von dem ich nichts wusste. Rhodas Augen huschten zwischen mir und ihrem Bruder hin und her. Sie hatte Angst vor ihm. Aaron trat einen Schritt auf mich zu, seine Augen wurden dunkler. Rhoda hob die Hand und stellte sich vor mich. "Aaron, hör auf — bitte", sagte sie leise. "Sie hat recht. Das war meine Idee. Lass es nicht an ihr aus." Sie trat einen Schritt näher zu ihm, während ich einen Schritt zurückwich. "Du warst schon immer Ärger, Joan. Vom allerersten Moment an, als ich dich sah, wusste ich, dass du Ärger bedeuten würdest", seine Stimme hatte eine Kälte an sich. Ich ballte die Fäuste und unterdrückte den Drang, ihm so richtig die Meinung zu sagen. Ich war schließlich in seinem Haus. "Weißt du was?", sagte ich nach einer Weile, trat einen Schritt vor und erwiderte seinen Blick direkt. "Fick. Dich." Ich hob meinen Mittelfinger und streckte ihn ihm ins Gesicht, bevor ich davonstürmte, zu dem Zimmer, in dem wir unsere Taschen gelassen hatten. Es kam nicht in Frage, dass Aaron mir den einen Urlaub ruinierte, den ich in einem Jahr gehabt hatte. Ich würde meinen Trip genießen — ohne dass sein gottverdammtes, unerträglich gutaussehendes Gesicht ständig herumschwirrte. Ich riss meine Kleider aus dem Schrank und stopfte sie in schnellen Bewegungen in meine Tasche. Es war mir egal, dass es spät war, ich würde ein Hotel finden, die Nacht woanders verbringen, überall, nur nicht hier. Vom Flur aus hörte ich Rhodas gedämpftes Schreien — sie hatte sich endlich vom Schock erholt, aber es war mir egal. "Aaron, wag es ja nicht! Du kannst nicht ständig so ein Arschloch zu ihr sein, jedes Mal wenn sie hier ist!" Ihre Stimme kam näher, Schritte näherten sich, während ich meine Tasche zuzog, bereit zu gehen. Die Tür schwang auf, und da standen sie — Aaron einfach dastehend und Rhoda hinter ihm, mit einem genervten Gesichtsausdruck. Ihre Blicke huschten zu meiner gepackten Tasche, Rhodas Augen wurden glasig, als sie einen Schritt vortrat. "Jo...", flüsterte sie, ihre Stimme brach. Ich sah sie an und ignorierte Aaron völlig. "Nur damit du es weißt", sagte ich ruhig, "dein Bruder ist ein Arschloch. Und ja, ich schicke dir morgen früh meine Adresse." Ich trat vor und wartete darauf, dass sie mir aus dem Weg gingen. Aarons Stimme hielt mich auf. "Du gehst zu dieser Tageszeit nicht", sagte er, keine Feststellung, sondern ein Befehl. Ich starrte ihn an, in der Hoffnung, dass die Dolche in meinen Augen ihn zu Tode durchbohren könnten. Es würde Rhoda wehtun... Aber es war den Versuch wert. "Nein", sagte ich genervt. "Du bestimmst nicht, was ich tue." Sein Kiefer spannte sich an, etwas Dunkles huschte über sein Gesicht. "Versuch's, Joan. Mal sehen, ob ich dich nicht selbst hierher zurückschleife. Und glaub mir, das wäre nichts, was dir gefallen würde", murmelte er, und irgendwie sandte die Drohung Wärme in meinen Unterleib. Verdammt soll er sein. "Du wirst morgen früh gehen", fuhr er fort. "Ich lasse dich nicht im Zorn davonstürmen und irgendwo ermordet werden, nicht, dass es mich betreffen würde. Und außerdem..." Er warf einen Blick zu Rhoda. "Wir müssen noch reden." Damit drehte er sich um und verließ das Zimmer. Ich blinzelte Rhoda an, fassungslos. "Hat er mir gerade gedroht?", fragte ich. Rhoda trat vor und schlang die Arme um mich. "Es tut mir leid, Jo", flüsterte sie, ihre Stimme brach leicht. "Ich wollte nie, dass das passiert. Ich hätte dich da nicht mit reinziehen sollen." Ich seufzte und legte meine Arme um sie. "Es ist nicht ganz deine Schuld", murmelte ich. So sehr ich ihren Bruder auch hasste, ich konnte nicht leugnen, dass er widerlich gutaussehend war. "Bleib einfach für die Nacht", flehte Rhoda. "Bitte." Ich seufzte erneut. "Gut. Ich bleibe", murmelte ich. Ich blieb nicht wegen Aarons kaum verhüllter Warnung oder der seltsamen Wärme, die seine Drohung in mir geweckt hatte. Ich blieb, weil Rhoda mich darum gebeten hatte. Nicht wegen Aaron. Ganz bestimmt nicht wegen ihm.♡Astrid♡Nachdem ich mir das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt hatte, schlenderte ich hinaus, um Adrian zu suchen. Mit etwas Glück war er noch zu Hause. Falls nicht, würde ich ihn anrufen müssen.Ich ging zu seiner Tür und klopfte. Einmal. Zweimal. Keine Antwort.Ich wandte mich ab und ging in Richtung Fitnessraum. Er war also schon weg. Früher als sonst.Ich stieß die Tür auf und betrat den kühlen Raum. Ich sollte ein paar Kalorien verbrennen und etwas Anspannung abbauen, bevor ich Joan und Aaron traf.Doch dann blieb ich stehen.Er war da.Sein Körper glänzte vor Schweiß, während er auf den Boxsack einschlug, als würde es ihm überhaupt nichts ausmachen. Jeder Schlag hallte durch den Raum. Die Muskeln an seinem Rücken spannten sich bei jeder Bewegung an, und diese Hose?Er musste wirklich aufhören, sie zu tragen. Es sollte illegal sein, in einer Jogginghose so gut auszusehen.„Gefällt dir die Aussicht?“Seine Stimme klang rau, und er atmete schnell. Ich räusperte mich hastig un
♡Astrid♡„Was? Warum?“, fragte er. Ich atmete tief ein und lehnte mich leicht gegen die Couch.„Er hat versucht, Freya zu missbrauchen“, flüsterte ich.Seine Stirn legte sich in Falten. „Was?“„Ich weiß, dass es schwer zu glauben ist, aber … deshalb ist sie hier. Zum Glück konnte sie entkommen, bevor es noch schlimmer wurde.“Er schüttelte langsam den Kopf. „Das ist … schrecklich.“Ich nickte. Wenigstens gab es jemanden, der mir zustimmte.„Habt ihr Beweise? Irgendetwas? Freyas Aussage allein wird wahrscheinlich nicht ausreichen.“Er wusste nicht, dass auch ich einmal ein Opfer gewesen war. Niemand wusste es, und Adrian wusste es ebenfalls nicht.Ich hatte es ihm nie erzählt, als wir zusammen waren. Ich dachte, ich hätte alles verarbeitet. Doch als ich mit ansehen musste, wie es meiner Schwester durch denselben Mann erging, wurde mir klar, dass ich es lediglich tief in mir vergraben hatte.„Es gibt zwei Zeugen. Und eine Textnachricht.“Er hob eine Augenbraue. „Einen Zeugen außer Freya
♡Astrid♡Als wir zu Hause ankamen, sorgte ich dafür, dass Freya sich frisch machte und ins Bett ging, bevor ich im Wohnzimmer auf Adrian wartete.Ich wusste, dass er noch nicht zurück war, weil eines seiner Autos nicht in der Garage stand. Und der einfachste Weg, ihn abzufangen, war, im Wohnzimmer auf ihn zu warten.Ich setzte mich auf die Couch, legte den Kopf zurück und schloss die Augen. Gott, ich war so verdammt müde.Es war einfach beschissen, eine Mutter zu haben, die nicht einsehen wollte, dass sie sich für den falschen Mann entschieden hatte – einen Mann, der ein Kind missbraucht hatte, das seiner Obhut anvertraut worden war, und der ein paar Jahre später beinahe dasselbe einem weiteren Kind angetan hätte.Es war einfach nur beschissen.Ich hatte so viel im Kopf, dass ich gar nicht merkte, wann ich eingeschlafen war.Jemand berührte mich. Sanfte Finger strichen über meine Wangen und schoben mir die Haare hinters Ohr.Die Berührung wanderte tiefer, und ich spannte mich sofort a
♡Astrid♡Irgendwann erfuhr Mum davon. Freya war bei mir, weil Alexia laut ihrer Aussage vorbeigekommen war, um sich nach Freyas Wohlergehen zu erkundigen.Wir hatten für den Abend ein Treffen vereinbart, und deshalb saß ich nun wieder meiner Mutter gegenüber.Diesmal in einem anderen Restaurant, aber Freya saß neben mir und spielte nervös am Saum ihres Ärmels herum.Mums Gesichtsausdruck war unergründlich. Während Freya auf ihre Hände starrte, beschloss ich, die Katze aus dem Sack zu lassen.„Wir haben ein Problem“, begann ich.Mum presste die Lippen zusammen. Ihr Gesichtsausdruck blieb unlesbar.„Das erklärt immer noch nicht, warum Freya bei dir zu Hause war und du es nicht für nötig gehalten hast, mir davon zu erzählen“, konterte sie mit scharfem Unterton. Ihre Finger schlossen sich fester um das Wasserglas vor ihr.Ich ignorierte ihre Bemerkung und zwang mich, ruhig zu bleiben.„Es geht um Derrick“, fuhr ich fort.Mum richtete sich ein wenig auf. Die Bewegung war kaum merklich, abe
♤Adrian♤Ich stieg in mein Auto und fuhr aus dem Anwesen, während Freyas Worte in meinem Kopf widerhallten.„Warum bist du wieder in ihr Leben getreten? Hast du vor, sie ein zweites Mal zu verletzen? Vielleicht sie dieses Mal sogar umzubringen?“Das Ganze war verdammt verwirrend, denn ich hatte nicht die geringste Ahnung, wovon sie sprach.Ich hatte sie fragen wollen, doch genau in diesem Moment war Astrid die Treppe heruntergekommen. Ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, was nach unserer Trennung passiert war, dass Freya so etwas sagte.Ich dachte immer noch über ihre Worte nach, als ich eine Gestalt vor dem Tor bemerkte. Ein vertrautes Gesicht. Es sah so aus, als hätte sie mich ebenfalls erkannt.Ich verlangsamte das Auto und runzelte die Stirn. Was zur Hölle machte Nova hier?Sie kam auf mein Auto zu, ein kleines, unsicheres Lächeln auf den Lippen.„Hi“, sagte sie und blieb vor meinem Fenster stehen. Meine Stirn legte sich noch mehr in Falten.„Und was machst du hier?“, frag
♡Astrid♡Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich allein im Bett – in meinem eigenen Zimmer. Es war unnatürlich still.Langsam setzte ich mich auf und rieb mir die Stirn. Mein Kopf dröhnte. Ich sah mich im Zimmer um. Wo war Freya?„Fre?“, rief ich. Meine Stimme klang rau. Vielleicht war sie im Badezimmer? Doch ich bekam keine Antwort.Ich schob die Decke beiseite und ließ die Beine über die Bettkante gleiten. Bitte sag mir nicht, dass sie gegangen und ins Wohnzimmer hinuntergegangen war. Wenn doch, könnte sie auf … Scheiße!Ich verließ hastig das Zimmer, ohne mir die Mühe zu machen, die Tür zu schließen. Während ich die Treppe hinunterging, versuchte ich, mich nicht zu schnell zu bewegen, damit meine Kopfschmerzen nicht noch schlimmer wurden.Unten angekommen, blickte ich ins Wohnzimmer und entdeckte sie. Freya saß mit übereinandergeschlagenen Beinen auf der Couch. Erleichtert atmete ich aus – bis ich sah, wer ihr gegenübersaß.Adrian.Was zur Hölle?Als Adrian und ich noch zusam







