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Der Pakt mit der Mondgöttin
Author: Alyssa J

Kapitel 1

Author: Alyssa J
Nachdem Lidia aufgetaucht war, hatten die drei Männer, die mir einst alles bedeutet hatten, begonnen, mich zu verachten.

Doch als ich wirklich im Sterben lag, gerieten alle in Panik und brachten mich ins Krankenhaus.

Als ich die Augen wieder öffnete, starrte ich an eine Krankenhausdecke.

Ich blinzelte langsam und brauchte ganze fünf Sekunden, um zu begreifen, dass ich irgendwie noch am Leben war.

Ich hatte mir diesen silbernen Dolch direkt ins Herz gerammt. Eine Welle aus Erschöpfung und Verwirrung überrollte mich.

Warum war ich nicht gestorben? Warum war selbst das Sterben so verdammt schwer?

Dann hallte die vertraute Stimme der Mondgöttin in meinem Kopf wider.

„Kind, als du versucht hast, dir mit dieser Silberklinge das Leben zu nehmen, ist dein Bruder aufgetaucht und hat dich gerettet. Ich gebe dir noch eine Chance.“

Mein Bruder … Garrett … hat mich gerettet?

Ich fühlte mich benommen, doch mein Blick wurde allmählich klarer.

Ich war die leibliche Tochter des Alphas vom Ironwood-Rudel. Fünfzehn Jahre lang war ich verschollen gewesen, bis man mich endlich fand.

Am Tag meiner Rückkehr hörte ich den Ruf der Mondgöttin.

Sie erzählte mir, dass den drei wichtigsten Männern in meinem Leben – meinem Kindheitsfreund, meinem Bruder und meinem zukünftigen Verlobten – bald ein Unglück widerfahren würde. Sie fragte mich, ob ich sie retten wollte.

Ich musste nur dafür sorgen, dass einer von ihnen mich innerhalb von fünf Jahren aufrichtig liebte – sei es familiäre Liebe, Freundschaft oder romantische Gefühle.

Dafür würde es mich mein Leben kosten.

Ich stimmte ohne zu zögern zu und erhielt dafür die Fähigkeit, die Zuneigungswerte dieser drei Männer mir gegenüber zu sehen.

Damals dachte ich naiv: „So schwer kann das doch nicht sein, oder?“

Allein mein Kindheitsfreund Damine, der mit mir zurückgekommen war, stand bereits bei fünfzig von hundert.

Ich war so zuversichtlich gewesen.

Doch die Realität holte mich brutal ein.

Ihre Gefühle mir gegenüber verbesserten sich nicht nur nicht, sondern wurden sogar schlechter als am Anfang – sie pendelten ständig im einstelligen Bereich oder rutschten sogar ins Minus.

Ich wusste, dass es an Lidia lag.

Sie war die Adoptivtochter meines Vaters, und auch nach meiner Rückkehr blieb sie jedermanns geliebte Prinzessin. Es war ihr leichtgefallen, mich als hinterhältige Intrigantin abzustempeln.

Früher hatte ich mich darüber geärgert, aber es änderte sich nichts.

Ich hatte doch nichts falsch gemacht. Ich wollte einfach nur leben. Warum schenkten sie mir nicht mal ein kleines bisschen Liebe oder Vertrauen?

Dann lief die Fünfjahresfrist ab, und die Mondgöttin verkündete mein Scheitern.

Sie sagte, ich würde innerhalb eines Monats meine Wölfin verlieren und Krebs bekommen – Knochenkrebs, die schmerzhafteste aller Krebsarten.

Als der Knochenkrebs einsetzte, hatte ich meine Heilkräfte bereits verloren. Gott, tat das weh.

Doch während ich mich vor Schmerzen auf dem Boden krümmte und in kaltem Schweiß gebadet war, stand keiner dieser drei Männer an meiner Seite.

In diesem Moment wurde mir plötzlich alles egal.

In ihren Augen und Herzen existierte nur Lidia. Meine bloße Existenz war ein Fehler. Dann sollte es eben so sein.

Diese unerwünschte Außenseiterin hatte es satt, noch länger mitzuspielen.

Als ich mir den silbernen Dolch in den Körper rammte, fühlte ich mich zum ersten Mal seit Jahren erleichtert.

Und dann schaffte ich es nicht einmal zu sterben.

Selbst wenn die Mondgöttin mir eine zweite Chance gab – ich wusste, dass ich bei der Suche nach wahrer Liebe gescheitert war. Mir blieben nur noch zwei Wochen.

Zwei Wochen.

Wie lästig.

Für diesen Suizidversuch hatte ich sogar meine Angelegenheiten geregelt.

Besonders für diese drei – für jeden hatte ich ein Geschenk vorbereitet, das nach meinem Tod gefunden werden sollte.

Nur dass ich eben nicht gestorben war.

Meine Gedanken wurden von einem leisen Geräusch neben meinem Bett unterbrochen.

Mühsam drehte ich den Kopf.

Es war mein erstes Ziel – mein Bruder Garrett Ironwood.

So fertig hatte ich ihn noch nie gesehen.

Er sah furchtbar aus – das Hemd völlig zerknittert, tiefe Augenringe, das Kinn voller Stoppeln. Erschöpfung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Unsere Blicke trafen sich.

Mein Herz stolperte.

Heute war Lidias Geburtstag. Sie hatten bereits ein Separee im Hotel reserviert, um zu feiern.

War er … meinetwegen zurückgekommen?

Machte sich mein Bruder etwa … wirklich Sorgen um mich?
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