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Der Schatten des Kollektivs

Penulis: Danny lex 101
last update Tanggal publikasi: 2026-09-19 04:17:50

---

Die Straßen von Westbridge sind leer.

Nicht die Art von Leere, die einen ruhigen Sonntagmorgen begleitet. Nicht die Art, wo die Menschen noch schlafen und von Kaffee, Pfannkuchen und gemütlichen Nachmittagen träumen. Das hier ist anders. Das ist die Art von Leere vor einem Sturm. Die Art, wo die Vögel aufhören zu singen, der Wind aufhört zu wehen und alles stillsteht, in Erwartung eines Unheils.

Etwas Schlimmes geschieht.

Der Himmel ist seltsam. Es ist nicht Nacht – es ist zu früh für Nacht –, aber das Licht schwindet, als würde jemand einen Dimmer herunterdrehen. Die Schatten sind länger als sie sein sollten. Tiefer. Dunkler. Sie bewegen sich, wenn ich sie nicht ansehe, schlängeln sich an den Hauswänden entlang, als wären sie lebendig.

Ich spüre den Schleier auf mir. Schwer. Kalt. Wie eine Decke aus Eis und Angst.

„Geh weiter“, sagt Damon. Seine Stimme ist leise. Ruhig. Als hätte er das schon mal getan. „Schau nicht zurück. Bleib nicht stehen.“

„Ich bleibe nicht stehen“, sage ich. „Ich wollte nur …“

Ich bleibe stehen.

Denn da ist etwas auf der Straße vor uns.

Eine Gestalt. Groß. Dunkel. Humanoid, aber nicht ganz menschlich. Sie steht mitten auf der Straße, regungslos, und beobachtet uns. Ich kann ihr Gesicht nicht sehen. Ich kann überhaupt keine Gesichtszüge erkennen. Nur eine Silhouette im schwindenden Licht.

„Was zum Teufel ist das?“, flüstert Cutter.

Damons Hand wandert zu seiner Waffe. Langsam. Vorsichtig. Als wolle er ein wildes Tier nicht erschrecken.

„Kein Augenkontakt“, sagt er. „Ignoriere es. Geh einfach weiter.“

„Wohin denn?“, zische ich. „Es ist direkt vor uns.“

„Durch es hindurch“, sagt er. „Es ist nicht real. Noch nicht. Es ist nur ein Schatten. Eine Projektion. Der Schleier wird dichter und beginnt durchzudringen.“

„Durchdringen?“

„Dinge von der anderen Seite“, sagt er. „Sie können noch nicht herüberkommen. Nicht vollständig. Aber sie können Teile von sich senden. Schatten. Echos.“

„Und das soll mir helfen?“

„Es soll dir nichts bedeuten“, sagt er. „Es soll dich nur weitergehen lassen.“

Ich atme tief ein. Und gehe weiter.

Der Schatten bewegt sich nicht. Er steht einfach da und beobachtet uns, als wir näherkommen. Ich spüre seinen Blick auf mir – nicht physische Augen, sondern etwas anderes. Etwas, das direkt durch meine Haut hindurch in meine Knochen blickt.

Ich gehe an ihm vorbei.

Er bewegt sich nicht.

Ich gehe weiter.

Und dann spüre ich es. Ein Flüstern in meinem Ohr. Leise. Eiskalt. Als würde mir jemand in den Nacken atmen.

„Du kannst nicht vor uns fliehen.“

Ich erstarre.

„Elara“, sagt Damon. „Hör nicht darauf.“

„Wir beobachten dich seit Jahrhunderten“, flüstert es weiter. „Wir wissen, was du bist. Was aus dir werden kann. Wir werden dich finden. Und wenn wir dich finden …“

Ich wirbele herum.

Der Schatten ist verschwunden.

Einfach … weg. Als wäre er nie da gewesen.

„Was zum Teufel war das?“, frage ich.

„Das Kollektiv“, sagt Damon. „Oder etwas, das sie geschickt haben. Sie wollen dich einschüchtern. Deine Grenzen austesten.“

„Es hat funktioniert.“

„Sollte es auch. Aber du stehst noch. Das ist es, was zählt.“

Ich schlucke schwer. Mein Herz rast. Meine Hände zittern. Aber ich stehe noch.

„Wir gehen weiter“, sage ich.

Wir gehen weiter.

---

Der Bunker ist nur noch wenige Blocks entfernt. Ich spüre es. Dieses Summen in meiner Brust. Dieses Ziehen in meinem Bauch. Es ruft mich nach Hause.

Aber wir gehen noch nicht zum Bunker.

Zuerst müssen wir noch jemanden abholen.

„Da ist ein Haus“, sage ich. „Ein paar Blocks von hier. Eine Nachbarin. Sie heißt Mira. Sie ist zehn Jahre alt. Ich muss sie holen.“

„Elara …“, beginnt Damon.

„Ich weiß, was du sagen willst. Es ist gefährlich. Wir haben keine Zeit. Aber ich lasse sie nicht zurück.“

„Sie ist doch nur ein Kind.“

„Genau deshalb lasse ich sie nicht zurück“, sage ich. „In meinem ersten Leben konnte ich sie nicht retten. Ich fand sie vier Tage nach Beginn der Katastrophe. Sie war allein. Verängstigt. Am Verhungern. Ich habe versucht, ihr zu helfen, aber ich konnte es nicht.“

Ich halte inne. Die Erinnerung ist noch frisch. Noch immer schmerzhaft.

„Das lasse ich nicht noch einmal zu.“

Damon sieht mich lange an. Dann nickt er.

„Führ mich.“

---

Miras Haus ist ein kleiner blauer Bungalow an der Ecke der Elm Street. Die Fenster sind dunkel. Die Tür ist geschlossen. Aber ich sehe ein Licht im Fenster im Obergeschoss flackern – vielleicht eine Kerze. Oder eine Taschenlampe.

Ich renne die Stufen hinauf und hämmere gegen die Tür.

„Mira! Ich bin’s, Elara! Mach auf!“

Keine Antwort.

Ich hämmere erneut.

„Mira, bitte! Ich weiß, du bist da drin! Mach die Tür auf!“

Die Tür knarrt. Ein kleines Gesicht lugt heraus – dunkle Augen, dunkles Haar, ein Schmutzfleck auf der Wange. Sie sieht verängstigt aus.

„Elara?“ Ihre Stimme ist leise. Zitternd.

„Ich bin’s, Baby. Ich bin da. Ich hole dich hier raus.“

„Wo ist meine Mama? Sie ist heute Morgen zur Arbeit gegangen und noch nicht zurück.“

Mir wird ganz anders.

„Ich weiß nicht, wo sie ist“, sage ich. „Aber wir müssen gehen. Sofort. Es ist hier nicht sicher.“

Sie sieht an mir vorbei zu Damon und Cutter. Ihre Augen weiten sich.

„Wer sind die?“

„Freunde“, sage ich. „Sie werden helfen Uns.“

Sie zögert. Dann öffnet sie die Tür weiter.

„Okay.“

---

Wir verlassen gemeinsam das Haus. Mira hält meine Hand. Ihre Finger sind kalt, klein und zittern.

„Wo gehen wir hin?“, fragt sie.

„Irgendwohin, wo es sicher ist“, sage ich. „In einen Bunker. Unterirdisch.“ „Niemand kann uns dort finden.“

„Was ist mit meiner Mutter?“

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich will sie nicht anlügen. Aber ich kann ihr auch nicht die Wahrheit sagen.

„Wir werden nach ihr suchen“, sage ich. „Versprochen.“

Sie nickt. Aber ich merke, dass sie mir nicht glaubt.

---

Der Bunker wartet auf uns.

Ich schließe die Tür auf und wir steigen hinab in die Dunkelheit. Die Lichter flackern auf, als wir eintreten – genau wie zuvor. Das Summen der Stromquelle. Der Geruch von Beton und Erde.

Mira keucht.

„Er ist riesig“, flüstert sie.

„Ja“, sage ich. „Das ist er.“

Ich führe alle in die Wohnräume. Es gibt Betten. Eine Küche. Ein Badezimmer. Alles, was wir zum Überleben brauchen.

„Bleibt hier“, sage ich. „Ich muss etwas überprüfen.“

Ich gehe in den zentralen Raum. Der Computer ist noch an. Der Bildschirm ist noch immer Leuchtend.

Aber da ist etwas Neues.

Eine Nachricht.

„Elara,

Sie wissen, wo du bist. Sie kommen.

Du hast nicht viel Zeit.

— Sera.“

Mir läuft es eiskalt den Rücken runter.

„Damon!“, rufe ich.

Er erscheint in der Tür. „Was ist los?“

„Sera hat eine Nachricht geschickt. Sie sagt, sie wissen, wo wir sind. Sie kommen.“

„Wie viel Zeit haben wir?“

Ich sehe auf den Bildschirm. Der Zeitstempel der Nachricht.

„Zehn Minuten“, sage ich. „Vielleicht weniger.“

„Wir müssen uns vorbereiten.“

„Bereit wofür? Wir haben keine Waffen. Keinen Plan.“ „Nichts.“

Er greift in seine Jacke und zieht eine Pistole heraus. Keine kleine. Eine große. Eine, die ein Loch so groß wie deine Faust hinterlässt.

„Ich habe einen Plan“, sagt er. „Der wird dir nicht gefallen.“

„Was ist es?“

„Wir benutzen dich als Köder.“

Ich starre ihn an. „Bist du total verrückt geworden?“

„Das Kollektiv ist hinter dir her“, sagt er. „Sie wollen dich lebend. Sie werden dich nicht töten – nicht, bevor sie dir deine Kraft entzogen haben. Und die nutzen wir dann.“ Du lockst sie an. Und wenn sie nah genug sind –

Er sieht Cutter an, der mit erhobener Waffe im Türrahmen steht.

„Wir töten sie alle.“

---

Ich sehe Damon an.

Cutter. Mira,

die sich mit den Händen über den Ohren in der Ecke versteckt.

Das ist Wahnsinn. Das ist Selbstmord. Aber es ist

unsere einzige Chance.

Die Tür explodiert nach innen.

Und dann geht alles den Bach runter.

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