MOONMARKED Gebunden durch silbernes Blut

MOONMARKED Gebunden durch silbernes Blut

last update최신 업데이트 : 2026-10-03
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언어: Deutsch
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Die achtzehnjährige Lena Hartwell hat ihr ganzes Leben in Blackthorn verbracht, einer Stadt so klein und so still, dass nie etwas darin geschieht. Dann blutet der Mond rot, und sie erwacht um Mitternacht mit einem silbernen Mal, das auf ihrem Handgelenk brennt. Bis zum Morgen ist ein Fremder in die Stadt gekommen. Kael Draven, der junge Alpha des Ashfang-Rudels, ist in jedem Territorium gefürchtet – und das aus gutem Grund –, und er ist nicht in Frieden nach Blackthorn gekommen. Doch in dem Moment, in dem sich ihre Blicke treffen, kippt die ganze Welt. Lena ist seine Gefährtin. Lena ist ein Mensch. Und nach dem alten Gesetz der Clans ist das ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wird. Schlimmer noch: Das Mal an ihrem Handgelenk gehört zu einem Blutgeschlecht, das die Wölfe für ausgestorben erklärt haben. Die Mondgezeichneten sollen einst die Clans vereint oder sie alle zerstört haben. Jetzt jagen rivalisierende Rudel Lena, ihre Großmutter verbirgt ein Geheimnis, das älter ist als die Stadt, und Kaels eigener Vater will sie tot sehen, bevor der nächste Mond aufgeht. Kael muss sich zwischen seinem Rudel und der Frau entscheiden, die das Schicksal an seine Seele gebunden hat. Doch Lena hat ihre Wahl bereits getroffen. Sie will die Wahrheit, selbst wenn die Wahrheit bedeutet, sich gegen ihren eigenen Gefährten zu stellen. Wenn Liebe ein Bund ist, um den du nie gebeten hast – wie beweist du dann, dass sie eine Entscheidung ist?

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1화

Die Nacht, in der der Mond blutete

Kapitel 1

Die Nacht, in der der Mond blutete

In Blackthorn passierte nie etwas, und Lena Hartwell hatte ihren Frieden damit geschlossen, vor langer Zeit.

Sie hatte ihren Frieden damit geschlossen, wie dieselben elf Autos jeden Morgen vor dem Diner parkten, und damit, wie Mrs. Pruitt in der Post jeden Woche nach den Knien ihrer Großmutter fragte, mit exakt denselben Worten. Sie hatte ihren Frieden mit der einzigen Ampel geschlossen, die die ganze Nacht gelb für niemanden blinkte, und mit dem Kiefernwald, der sich an den Rand der Stadt drückte wie ein angehaltener Atem. Achtzehn Jahre Stille hatten sie gelehrt, den Ort zu lieben, so wie man einen Mantel liebt, der nicht mehr passt – aus Gewohnheit und aus einer Art sturem Treue.

In der Nacht des Blutmondes saß sie auf dem Dach des Ladens, die Knie an die Brust gezogen, eine Tasse kalter Kamillentee neben sich, die schal wurde, und versuchte zu entscheiden, ob sie glücklich war.

Es war eine lächerliche Frage an einem Dienstag. Aber ihr Geburtstag war am Morgen, und Geburtstage machten sie immer unruhig, als würde der Kalender sie leise daran erinnern, dass sie inzwischen jemand hätte geworden sein sollen.

Unter ihr lag die Hauptstraße leer unter den Straßenlaternen. Der Eisenwarenladen war dunkel. Das Neonschild des Diners hatte sich vor einer Stunde in den Schlaf gebrummt. Hinter dem letzten Haus begann der Wald, schwarz und riesig, und über dem Wald ging der Mond in der falschen Farbe auf.

Sie hatte diese Woche in der Zeitung davon gelesen. Eine totale Mondfinsternis, die erste seit drei Jahren, und eine gute. Die Zeitung hatte ihn Blutmond genannt, und Tobias hatte den halben Nachmittag am Tresen des Diners damit verbracht zu erklären, dass es nur Sonnenlicht sei, das sich am Rand der Erdatmosphäre brach, was ihn nicht davon abgehalten hatte, eine Tüte Knoblauchsalz zu kaufen und sie als Scherz auf die Stufe vor dem Diner zu streuen.

Lena hatte nicht so laut gelacht wie sonst. Etwas in der Art, wie ihre Großmutter an diesem Morgen den Himmel angesehen hatte, war bei ihr geblieben.

Odette Hartwell war keine Frau, die sich leicht aus der Fassung bringen ließ. Sie führte den Laden seit vierzig Jahren, ein schmales Backsteingebäude vollgestopft mit getrocknetem Lavendel, gebrauchten Taschenbüchern und Gläsern mit Dingen, die sie nie erklärte, und in all dieser Zeit hatte sie Inspektoren, überschwemmte Keller und einen denkwürdigen Waschbären ohne erhobene Stimme überstanden. Aber an diesem Morgen hatte sie am Schaufenster gestanden, eine Hand flach gegen das Glas gedrückt, und den blassen Geist des Mondes angestarrt, der am Tageshimmel hing, und ihr Gesicht war so farblos geworden wie altes Papier.

„Gran?", hatte Lena gesagt. „Alles in Ordnung?"

„Ja." Odette hatte sich zu schnell abgewandt. „Es ist nichts. Die Nerven einer alten Frau. Geh und gieß die Farne."

Lena war gegangen und hatte die Farne gegossen. Aber sie hatte bemerkt, dass ihre Großmutter an diesem Abend die Hintertür zweimal abschloss, dann herumging und jedes Fenster überprüfte und dann bis fast elf mit ausgeschaltetem Licht in der Küche saß.

Jetzt lehnte Lena den Kopf zurück und beobachtete, wie der Schatten der Erde über den Mond glitt. Zuerst ein dünner dunkler Biss an einem Rand. Dann ein breiterer. Dann ein langsames, geduldiges Verschlucken, bis die ganze Scheibe am Himmel hing wie eine Kohle, die man ins Wasser geworfen hatte – matt und rot und seltsam nah.

Es war schön. Es war auch, wie sie mit einem kleinen Schauer feststellte, vollkommen still.

Keine Grille. Kein Windhauch. Nicht einmal das ferne Brummen der Autobahn, das sie normalerweise nie bemerkte, bis es aufhörte. Die ganze Stadt war erstarrt, als hätte jedes lebendige Wesen in ihr innegehalten, um zu lauschen.

Irgendwo draußen in den Kiefern heulte ein Wolf.

Lenas Hände verkrampften sich um ihre Knie.

In Blackthorn gab es keine Wölfe. Das stand auf den Schildern am Rand des Countys, und das sagten die Ranger, und das sagte jeder Erwachsene in der Stadt mit der besonderen flachen Stimme, die sie benutzten, wann immer jemand es erwähnte. Es hatte einmal Wölfe gegeben, vor hundert Jahren. Jetzt gab es Rehe und Füchse und gelegentlich einen Bären, und wenn man an einer klaren Nacht ein Heulen hörte, war es ein Husky, den jemand von der Leine gelassen hatte.

Aber Lena hatte dieses Heulen schon einmal gehört. Sie hatte es alle paar Monate gehört, solange sie sich erinnern konnte, immer aus derselben Richtung, immer in der Ferne. Und jedes Mal war ihre Großmutter von wo auch immer sie saß aufgestanden und hatte das Fenster geschlossen, das offen war.

Ein zweites Heulen antwortete dem ersten. Dann ein drittes. Sie erhoben sich von verschiedenen Stellen im Wald und woben sich zusammen zu etwas Riesigem und Zerfetztem und Schrecklichem, etwas, das weniger wie Tiere klang und mehr wie Trauer.

Die Härchen an Lenas Armen richteten sich auf.

Sie stand so schnell auf, dass sie die Tasse umstieß. Sie rollte über die Schindeln und fiel mit einem hohlen Klirren in die Dachrinne, und das Geräusch schien in all der Stille ewig weiterzugehen. Sie presste die Lippen zusammen. Sie war lächerlich. Sie war achtzehn Jahre alt, stand auf ihrem eigenen Dach und fürchtete sich vor Hunden.

Dann begann ihr linkes Handgelenk zu brennen.

Zuerst dachte sie, sie hätte es an den Schindeln aufgeschürft. Sie sah hinunter, erwartete einen roten Strich und sah stattdessen ein kleines blasses Licht, das unter ihrer Haut pulsierte, genau an der Pulsader, als hätte jemand ein winziges Glutstück unter die Oberfläche geschoben.

„Was", sagte Lena laut, und ihre Stimme kam dünn heraus.

Das Licht wuchs. Es breitete sich in einem dünnen silbernen Faden an der Innenseite ihres Handgelenks aus, und während sie starrte, rollte sich der Faden ein und verzweigte sich, formte eine Gestalt, die sie kannte, ohne zu wissen, wie. Eine Mondsichel, zart und scharf, mit feinen Linien, die sich von ihren Spitzen ausbreiteten wie Wurzeln oder Flüsse oder die Adern eines Blattes. Es leuchtete heller und heller, bis das ganze Dach in kaltes silbernes Licht getaucht war und ihr Schatten lang und blass über die Schindeln fiel.

Es tat nicht genau weh. Es fühlte sich an, als würde man sie aus sehr großer Ferne beim Namen rufen.

Lena presste ihre rechte Hand auf ihr Handgelenk und rannte.

Sie ging durch das Dachfenster und die schmale Treppe hinunter, ohne ein einziges Licht einzuschalten, ihre nackten Füße lautlos auf den alten Dielen. Sie war auf halber Höhe des zweiten Treppenabsatzes, als sie die Stimme unter sich hörte, leise und drängend und völlig unbekannt.

Es war ihre Großmutter, die in einer Sprache sprach, die Lena noch nie gehört hatte.

Sie blieb auf dem Treppenabsatz stehen. Die Küchentür stand offen und ein dünner gelber Streifen Kerzenlicht lag auf dem Boden des Flurs. Odette stand mitten in der Küche in ihrem Nachthemd, den grauen Zopf über einer Schulter, den Rücken zur Tür. Jede Schublade im Raum war aufgezogen. Die alte Blechdose, in der sie die Ersatzschlüssel aufbewahrte, stand umgestülpt auf der Arbeitsfläche. Auf dem Tisch lag ein schwarzes Stoffbündel, aufgeschlagen, und im Kerzenlicht sah Lena den matten Glanz von etwas Silbernem darin.

Odette flüsterte zu dem Bündel. Die Worte waren rau und weich zugleich, wie Kieselsteine in einem Bach. Lena fing nur eines auf, und es jagte ihr einen Schauer über den Rücken, denn es war ein Name.

„Maren", sagte ihre Großmutter. „Maren, Maren, noch nicht, noch nicht, bitte."

„Gran?"

Odette wirbelte so schnell herum, dass die Kerzenflamme flach gebogen wurde. Für einen schrecklichen Moment war ihr Gesicht überhaupt nicht das Gesicht ihrer Großmutter. Es war etwas Rohes und Nacktes und Verängstigtes, das Gesicht einer Frau, die gerade das Ding erblickt hat, das sie ihr ganzes Leben lang gefürchtet hat, durch eine Tür kommen zu sehen.

Dann fiel ihr Blick auf Lenas Hand, die noch immer ihr Handgelenk umklammerte, und alles Blut wich aus ihren Wangen.

„Zeig es mir", sagte Odette.

„Gran, ich glaube, ich habe mich gekratzt, ich war auf dem Dach und der Mond machte dieses Ding, und dann hat es einfach"

„Lena. Zeig es mir."

Sie hatte diesen Ton noch nie von ihrer Großmutter gehört. Er war nicht wütend. Er war schlimmer als wütend. Es war die Stimme von jemandem, der am Rand eines Abgrunds steht.

Langsam hob Lena ihre Hand weg.

Das Mal loderte in der dunklen Küche, silbern wie eine Klinge, und die Kerzenflamme daneben wirkte klein und gelb und krank. Odette machte ein Geräusch in ihrer Kehle, das Lena für den Rest ihres Lebens erinnern würde. Es war kein Keuchen und kein Schluchzen. Es war das Geräusch, das ein Mensch macht, wenn eine Tür, gegen die sie achtzehn Jahre lang gelehnt hat, endlich nachgibt.

„Oh, mein Mädchen", flüsterte Odette. „Oh, nein. Oh, mein tapferes, stures, wunderschönes Mädchen. Es hat begonnen."

„Was hat begonnen? Was ist das? Gran, was ist das?"

Odette durchquerte die Küche in drei Schritten und nahm Lenas Handgelenk in beide Hände. Ihre Finger waren eiskalt und zitterten. Sie drehte den Arm sanft zum Licht, und ihr Daumen schwebte über der Mondsichel, ohne sie zu berühren, als könnte sie beißen.

„Ich dachte, wir hätten mehr Zeit", murmelte sie, mehr zu sich selbst. „Ich dachte, die Linie wäre verstummt. Elara sagte, sie würde überspringen. Sie hat versprochen, dass sie überspringt."

Lena wurde ganz still.

„Du hast Mom gesagt", sagte sie. „Du hast Elara gesagt. Du sprichst nie über sie."

Odette schloss die Augen.

Lena hatte tausend Mal nach ihrer Mutter gefragt, als sie klein war. Man hatte ihr gesagt, es sei ein Autounfall gewesen, eine nasse Straße, vor sehr langer Zeit, und dass darüber zu sprechen nur die Wunde öffnen würde. Nach einer Weile hatte sie aufgehört zu fragen. Sie war mit der Abwesenheit ihrer Mutter aufgewachsen wie mit einem fehlenden Zahn, einer Lücke, zu der ihre Zunge zurückkehrte, wenn sie glaubte, dass niemand hinsah.

„Sag es mir", sagte sie. Ihre Stimme zitterte. „Bitte. Sag mir, was mit mir geschieht."

„Das werde ich." Odette öffnete die Augen, und sie waren nass und wild. „Ich schwöre es, aber nicht heute Nacht. Nicht hier. Wir haben keine Zeit, und ich werde nicht zulassen, dass du es zum ersten Mal in einem Haus hörst, das nicht sicher ist."

„Nicht sicher vor was?"

Statt zu antworten, ließ Odette ihr Handgelenk los und ging zum Fenster. Sie zog den Vorhang eine Fingerbreit beiseite und sah auf die Straße hinaus. Dann ließ sie ihn fallen und wandte sich wieder um, und sie war ruhiger, und die Ruhe war viel beängstigender als die Angst zuvor.

„Geh und zieh deine Stiefel an", sagte sie. „Deinen warmen Mantel, den grünen. Nimm deine guten Handschuhe. Und das Buch deiner Mutter, das in dem blauen Stoff, unter deinem Bett."

„Gran, ich gehe nirgendwohin, bis"

„Lena Marie Hartwell." Die Stimme der alten Frau peitschte durch die Küche wie eine Gerte. „Du wirst tun, was ich sage, und du wirst es jetzt tun, und am Morgen darfst du mich so lange anschreien, wie du willst. Verstehst du mich?"

Lena war noch nie in ihrem Leben so angesprochen worden. Sie stand mit offenem Mund da, ihr Handgelenk leuchtend und ihr Herz hämmernd, und sie nickte, weil es nichts anderes gab, was sie tun konnte.

Sie rannte nach oben. In ihrem Zimmer zog sie ihre Stiefel mit Fingern an, die nicht richtig funktionierten, streifte den grünen Mantel über ihren Schlafanzug und fand das Buch unter ihrem Bett, genau dort, wo es immer gewesen war – ein kleines Ding, gebunden in verblassten blauen Stoff, mit einer Schließe, die sich nie geöffnet hatte. Sie hatte es gefunden, als sie elf war, und hatte es nie öffnen können. Sie hatte es trotzdem behalten, wie ein Versprechen.

Als sie wieder nach unten kam, hatte Odette eine Segeltuchtasche gepackt. Eine Taschenlampe. Einen Laib Brot. Das schwarze Stoffbündel, neu eingewickelt. Einen dicken Stapel Bargeld aus der Keksdose in der Speisekammer, von der Lena nicht gewusst hatte, dass es sie gab.

„Da ist ein Auto", sagte Odette. „Nicht unseres. Es steht hinter dem Laden. Ich habe es achtzehn Jahre lang aufbewahrt, für genau diese Nacht, und ich habe jedes Jahr gebetet, dass ich es nie werde starten müssen."

„Ein Auto?" sagte Lena verwirrt. „Gran, wir besitzen kein zweites Auto."

„Jetzt schon." Odette schulterte die Tasche. Sie schien in den letzten fünf Minuten kleiner geworden und zugleich viel härter, wie eine Klinge, die aus ihrer Scheide gezogen wird. „Hör mir gut zu. Es werden Leute kommen, um dich zu holen. Nicht heute Nacht, glaube ich, aber bald. Manche von ihnen werden freundlich zu dir sein, und manche werden grausam sein, und ich werde nicht immer erkennen können, was was ist. Jeder Einzelne von ihnen wird stärker sein als du. Jeder Einzelne von ihnen wird etwas wollen."

„Wer?"

„Der Mond hat die Linie geweckt", sagte Odette leise. „Und wenn die Linie erwacht, erwachen sie alle mit ihr. Jeder Einzelne von ihnen. Jeder Wolf in hundert Meilen weiß es inzwischen."

Draußen war das Heulen wieder aufgeflammt. Diesmal war es näher, und es klang nicht nach Trauer. Es klang nach einer Jagd.

Lenas Mund war trocken. „Wölfe", sagte sie. „Gran. Du sagst Wölfe."

Odette antwortete nicht. Sie sah auf Lenas Handgelenk, auf die silberne Mondsichel, die durch den Ärmel des grünen Mantels leuchtete wie eine Laterne hinter einem Vorhang, und etwas in ihrem Gesicht verzerrte sich.

„Bedeck es", sagte sie. „Wickel es ein. Irgendetwas. Sie können es bereits riechen, aber wir müssen es nicht wie eine Fahne schwenken."

Lena riss einen Streifen von einem Geschirrtuch ab und wickelte ihn um ihr Handgelenk, immer wieder. Das Licht schien durch die Baumwolle. Sie knotete ihn mit den Zähnen. Ihre Hände zitterten so stark, dass sie drei Versuche brauchte.

„Es gibt noch etwas, das du wissen musst, und ich brauche, dass du es hörst, bevor wir durch diese Tür gehen", sagte Odette. Sie nahm Lenas Gesicht zwischen ihre Handflächen. Ihre Hände rochen nach Lavendel und altem Papier, und Lena hatte diesen Geruch ihr ganzes Leben lang gekannt, und sie hielt sich daran fest wie an einem Seil. „Wenn du ihm begegnest – und du wirst ihm begegnen, denn er ist bereits auf dem Weg –, dann lass nicht zu, dass er dich berührt."

„Wer?" flüsterte Lena. „Wer ist auf dem Weg?"

Odette schloss die Augen. Als sie sprach, kam der Name heraus wie ein Stein, der in einen Brunnen fällt.

„Draven."

Das Wort hing in der Küche. Lena kannte es nicht. Sie hatte es noch nie in ihrem Leben gehört. Aber das silberne Mal an ihrem Handgelenk loderte weiß glühend auf, als kenne es den Namen sehr gut, als hätte es achtzehn Jahre darauf gewartet, ihn laut ausgesprochen zu hören.

Und draußen auf dem Hügel über Blackthorn, in der verfallenen Kapelle, in der seit achtzig Jahren niemand die Glocke geläutet hatte, begann die Glocke zu läuten.

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