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Der Teufel behält seine Frau
Der Teufel behält seine Frau
Author: Oma

KAPITEL 1

Author: Oma
last update publish date: 2026-06-14 07:49:48

                         Der zweite Schlag

 

   „– und es wird daher festgelegt, dass Miss Nora Voss das volle Erbe von Voss Holdings und aller damit verbundenen Vermögenswerte nur dann beanspruchen kann, wenn sie ein Mitglied der Familie Crest heiratet, wobei diese Ehe innerhalb von neunzig Tagen nach dem Datum dieser Lesung rechtsgültig registriert werden muss; andernfalls gehen alle Vermögenswerte vollständig an den ernannten Treuhänder über.“

„Halt.“ Der Anwalt blickte auf.

Nora hatte ihren Stift unbewusst hingelegt. Sie starrte ihn einen Moment lang an, wie er einfach auf dem Mahagonitisch lag, dann sah sie ihn wieder an. „Lesen Sie das noch einmal. Ab Heirat.“

Er las es erneut. Dieselben Worte, dieselbe Reihenfolge. Beim zweiten Mal traf es sie nicht wie ein Schock. Es traf sie wie eine Tür, die sich leise schloss. Endlich. Neunzig Tage? Die Familie Crest? Oder alles verlieren, was ihr Vater sein Leben lang aufgebaut hatte? „Mein Vater ist seit drei Tagen tot, und sein Testament ist schon eine Geisel“, dachte Nora. „Wirklich wunderbar.“ Unter dem Tisch knallte Priscillas Hand hart auf Noras Knie. Nora rührte sich nicht. Sie saß da ​​in dem schwarzen Kleid, das sie gekauft hatte – jenem, das ihr Vater gehasst hätte. Er hatte ihr immer gesagt, Farbe stehe ihr gut. Sie starrte auf die Klausel und versuchte, ihre Gedanken von einer Erinnerung abzulenken, die sie jetzt nicht aufsuchen sollte. Ihr Vater, jünger, in einem Kaufhaus, lächelte sie über einem Kleiderständer hinweg an. „Nora, Farbe steht dir gut. Warum bestehst du immer auf Schwarz?“

„Ist das rechtskräftig?“, fragte Priscilla. Dieser besondere Unterton in ihrer Stimme, den sie für Leute aufsparte, die ihrer Meinung nach ihre Zeit verschwendeten. „Weil es sich liest, als wäre es unter Zwang geschrieben worden.“

„Die Klausel ist völlig legal –“

„Das habe ich nicht gefragt.“ Die Finger des Anwalts umklammerten seinen Stift fester. Er sah aus wie jemand, der beschlossen hatte, dass dieser Termin seine Kompetenzen überstieg und nur noch damit beschäftigt war, ihn zu überstehen. „Es ist rechtskräftig. Wird die Bedingung nicht innerhalb von neunzig Tagen ab heute erfüllt, geht das gesamte Vermögen von Herrn Voss an den Verwaltungsrat über. Nach Ablauf dieser Frist ist kein Rechtsmittel mehr möglich.“

„Wer hat die Treuhänder ernannt?“, fragte Nora. Sein Blick fiel auf das Dokument. „Die Klausel gibt dazu keine Auskunft.“

Natürlich nicht. „Danke. Könnten Sie uns einen Moment Zeit geben?“

Er packte seine Unterlagen zusammen und verließ den Raum mit der Geschwindigkeit eines Mannes, der wusste, dass er dort nicht mehr gebraucht wurde. Die Tür fiel ins Schloss. Die Stille, die sich über den Tisch legte, hatte eine spürbare Schwere.

Priscilla wandte sich sofort ihr zu.

„Nora.“

„Ich weiß.“

„Nein, du siehst mich nicht an.“ Beide Hände umfassten Noras Arm, der Griff so fest, dass man ihn durch den Stoff spüren konnte. „Dein Vater liegt seit drei Tagen im Grab. Drei Tage. Und das hier –“ Ihr Finger schlug hart auf das Dokument – ​​„– hat Marcus Voss nicht für dich geschrieben. Dein Vater hätte die Firma dem Erdboden gleichgemacht, bevor er dir so etwas anvertraut hätte. Jemand hat das Testament geändert. Jemand, der dich in die Crest-Familie aufnehmen wollte, und so setzen sie es um.“ Ihre Stimme sank zu einem Flüstern. „Es ist eine Falle. Genau das wollen sie erreichen.“

„Ich weiß, es ist eine Falle.“ Priscillas Hände glitten von Noras Arm. Sie lehnte sich etwas zurück, ihre Augen suchten Noras Gesicht ab, und was sie darin sah, ließ ihren Kiefer sich zusammenziehen. Neunzehn Jahre. Sie kannte jede Facette von Noras Gesichtsausdruck, auch diese – die, die bedeutete, dass die Entscheidung bereits gefallen war und das Gespräch nur noch im Gange war.

„Wenn ich die Firma nicht innerhalb von neunzig Tagen beanspruche, geht sie an Treuhänder, die seit 2019 die Anteile meines Vaters im Visier haben“, sagte Nora. „Sie lösen sie innerhalb eines Jahres auf. Alles, was er aufgebaut hat, verschwindet.“ Vorsichtig zog sie ihren Arm los. „Das wird nicht passieren.“

„Dann zieh vor Gericht dagegen vor –“

„Ein Einspruch dauert mindestens sechs Monate. Der Nachlass ist währenddessen eingefroren. Die Firma verschwindet so oder so. Die Rechnung geht nicht auf, Cilla.“

„Dann lass die Firma los.“ Priscillas Stimme überschlug sich am Anfang: „Du bist nicht die Firma, du bist ein Mensch, und ich brauche dich auch am Ende noch als solchen.“ Sie fuhr fort, bevor Nora antworten konnte. „Ich habe gestern Abend nach den Crests recherchiert. Drei Klagen in zwei Jahren, alles Geheimhaltungsvereinbarungen, niemand redet darüber. Der Journalist, der vor sechs Wochen schlecht über die Familie geredet hat, ist spurlos verschwunden. Der Geschäftspartner, der aus der Crest-Vereinbarung aussteigen wollte, steht vor einem Krieg.“ Stille breitete sich im Raum aus. Nora blickte auf das Dokument. Ganz unten auf der letzten Seite die Unterschrift ihres Vaters. Seine Handschrift war dieselbe wie auf jeder Geburtstagskarte, jeder Notiz auf der Küchentheke, dem Brief, den er in ihren Uni-Zulassungsbriefumschlag gesteckt hatte, den sie immer noch in einer Schachtel irgendwo in ihrem Zimmer aufbewahrte – ordentlich und sorgfältig geschrieben, als hätte er alle Zeit der Welt gehabt. Ihr Hals schnürte sich zu. Sie presste die Fingerkuppen genau zwei Sekunden lang gegen ihren Mund, dann ließ sie die Hand auf den Tisch sinken. Ihr Vater war vierundfünfzig Jahre alt. Langsam atmete sie durch die Nase ein. Sie würde in diesem Büro nicht zusammenbrechen, nicht bevor sie begriffen hatte, womit sie es zu tun hatte. Sie stand auf und nahm ihre Tasche.

„Ich werde jemanden aus dieser Familie finden und heiraten.“ „Wir werden sie zurückholen und die Firma zurückbekommen“, sagte sie. Ihre Stimme klang fest. „Und dann werde ich herausfinden, wer diese Klausel ins Testament geschrieben hat. Denn du hast Recht – er hat es nicht selbst verfasst. Das heißt, jemand hat ihn dazu gezwungen oder es gefälscht, und so oder so will ich es wissen. Von außen kann ich das nicht herausfinden.“

„Du läufst also direkt in die Falle.“

„Mein Plan ist, in die Falle zu tappen, mir zu holen, was mir gehört, und herauszufinden, wer sie gebaut hat, bevor sie zuschnappt.“ Sie sah Priscilla an. „Ich brauche dich an meiner Seite. Du darfst mich nicht davon abbringen. Sei bei mir.“

Priscilla stand auf. Ihr Kiefer war angespannt. Sie griff nach ihrer Tasche, die über die Stuhllehne hing. „Na schön“, sagte sie leise und knapp. „Aber ich lese alles, bevor du unterschreibst. Ich bin bei jedem Treffen dabei. Und wenn ich den Eindruck habe, dass du gleich umgebracht wirst, bringe ich dich mit Gewalt aus dem Raum. Mir ist egal, was du sagst.“

„Abgemacht.“ „Ich hasse das.“

„Ich weiß.“

Sie waren fast am Ausgang, als Priscilla stehen blieb und ihr Handy umdrehte. Ein Mann in einem anthrazitfarbenen Anzug, der nicht in die Kamera blickte – ein Foto, das offensichtlich von jemandem gemacht wurde, der dort nicht sein sollte. Damien Crest, 33. Die Bildunterschrift lautete: Der einzige Crest, der andere Crests nervös macht.

„Vier Crest-Männer, die du ansprechen könntest“, sagte Priscilla. „Er ist der mächtigste und der gefährlichste. Ich zeige dir das, damit du dir einen der anderen drei aussuchst.“ Nora betrachtete das Foto.

Die einzige Möglichkeit, einer Falle zu entkommen, bestand darin, sie von innen heraus zu verstehen. Und die einzige Person in dieser Familie, die mächtig genug war, sie am Leben zu erhalten, während sie das herausfand, war die gefährlichste, die es gab.

„Ich weiß“, sagte sie. „Genau deshalb wähle ich ihn.“

Sie stieß die Tür auf und hatte ihr Handy schon gezückt, bevor sie auf die Straße trat. Dann wählte sie die Firmennummer, die unten auf dem Foto stand, das Priscilla ihr gezeigt hatte. Minuten später meldete sich die Rezeptionistin.

„Guten Tag, ich bin Nora. Ich möchte einen Termin mit Herrn Crest vereinbaren.“ – „Wir sind für diese Woche ausgebucht“, sagte die Rezeptionistin mit fester Stimme. „Sagen Sie ihm, ich habe ein Angebot, das mehr wert ist als alles, was in seinem Kalender steht“, sagte Nora. „Er kann sich entscheiden, nachdem er es gehört hat.“ Zwanzig Minuten später rief seine Assistentin zurück. Donnerstag. 10 Uhr. 47. Stock. Hatte er zugesagt, bevor sie ihren Nachnamen genannt hatte? Sie stand auf dem Bürgersteig und dachte darüber nach. Er hatte einem Treffen mit einer Frau zugestimmt, die nur ihren Vornamen genannt hatte. Das bedeutete, dass Damien Crest bereits wusste, wer sie war, bevor sie anrief. Sie blickte auf. Gegenüber stand ein schwarzes Auto am Straßenrand. Es war nicht da gewesen, als sie das Gebäude betreten hatten – da war sie sich sicher. Als sie es betrachtete, … Die Heckscheibe war fünf Zentimeter heruntergekurbelt. Nicht ganz. Nur so weit, dass sie herunterkam. Ein Mann saß hinten, sein Gesicht im Schatten, und sah sie direkt an.

Sie rührte sich nicht. Er auch nicht.

Dann fuhr die Scheibe langsam wieder hoch, und der Wagen setzte sich gemächlich vom Bürgersteig in Bewegung und reihte sich in den Verkehr ein, als hätte er alle Zeit der Welt.

Jemand hatte dieses Gebäude und auch sie beobachtet, schon bevor sie überhaupt angerufen hatte. Das bedeutete, dass jemand bereits wusste, dass sie am Donnerstag nach Damien Crest fahren würde. Jemandem, dem sie es nie erzählt hatte.

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