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Kapitel 2

Author: Author Rex
last update publish date: 2026-08-19 03:02:07

Kapitel 2

ELIJAH

Das Auto hielt vor der Villa, und für ein paar Sekunden starrte ich einfach nur hin.

Sie ist riesig, ganz aus Glas und Stahl, mit klaren Linien und stillem Reichtum.

Die Art von Ort, an dem jede Oberfläche aussieht, als wäre sie von jemandem poliert worden, der dafür bezahlt wird, zu verschwinden, bevor man ihn überhaupt bemerkt.

Ich drehe mich zu Mila um und versuche immer noch, das alles zu verarbeiten. „Das kann doch nicht dein Ernst sein.“

Sie blinzelt nicht einmal. „Nimm diesen Gesichtsausdruck aus deinem Gesicht.“

„Ich dachte, deine Eltern wären, was weiß ich... Mittelschicht? Du hast gesagt, deine Mom lebt im Ausland.“

Sie atmet aus und richtet ihr Haar im Spiegel. „Ich habe vieles gesagt. Du hast geglaubt, was du glauben wolltest.“

„Mila“, sage ich leise, „was ist das hier?“

Ihre Stimme ist ruhig, einstudiert. „Das ist mein Zuhause. Das Zuhause meiner Familie. Sie sind bekannt und ja, reich. Mach keine große Sache daraus.“

„Du hast das vor mir geheim gehalten.“

Jetzt sieht sie mich an, ihr Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Entschuldigung und Genervtheit. „Ich habe es nicht geheim gehalten. Ich habe es dir einfach nicht erzählt. Das ist ein Unterschied.“

Ich stoße ein kleines, humorloses Lachen aus. „Klar. Ein riesiger Unterschied.“

„Eli“, sagt sie jetzt sanfter. „Bitte fang nicht an. Wir reden, wenn wir allein sind. Denk einfach an den Plan.“

„Welchen Plan?“

Ihre Augen verengen sich leicht. „Du bist mein Fahrer. Das ist alles. Sei respektvoll. Stell keine Fragen. Tu nicht überrascht. Verstanden?“

Ich starre sie einen Moment lang an. „Fahrer?“

„So ist es einfacher“, murmelt sie und öffnet die Tür, bevor ich noch etwas sagen kann. „Komm.“

Ich stieg hinter ihr aus, die kühle Abendluft schnitt durch meine Verwirrung.

Der Ort wirkt unwirklich, perfekt geschnittene Hecken, eine Auffahrt, die breit genug ist, um ein Flugzeug darauf landen zu lassen.

Mein Spiegelbild starrt mich aus dem Autofenster an, dieselbe Jacke, dasselbe Gesicht, nur mehr fehl am Platz als je zuvor.

Die Eingangstüren öffnen sich, noch bevor wir sie erreichen.

Eine Frau in Schwarz, wahrscheinlich eine Angestellte, tritt schweigend zur Seite.

Mila geht hinein, als würde ihr der Boden gehören, die Schultern gerade, der Gesichtsausdruck undurchschaubar.

Drinnen riecht die Luft schwach nach etwas Teurem, das ich nicht benennen kann.

Die Böden sind aus Marmor, die Wände mit Kunstwerken gesäumt, die wahrscheinlich mehr gekostet haben als meine Studiengebühren.

Dann sah ich sie.

Eine Frau, die viel zu jung für ihr Alter war.

Milas Mutter. Marisol.

Sie stand am anderen Ende des Flurs, groß und scharf in einem weißen Anzug.

Für einen Moment konnte ich sie nicht einordnen.

Dann traf es mich. Ich hatte ihr Gesicht schon einmal gesehen.

Vielleicht in einer Zeitschrift, in einer Schlagzeile, irgendetwas über ein Imperium.

Ihre Augen fanden mich sofort. Kalt. Präzise.

„Camila“, sagt sie. „Wer ist das?“

Camila?

Ihr Name ist Camila!?

Milas Lächeln erreicht ihre Augen nicht. „Mutter, das ist Elijah. Er ist mein neuer Fahrer.“

Das Wort trifft mich wie eine Ohrfeige. Ich sehe sie an, aber sie sieht mich nicht an.

Marisol mustert mich. „Dein Fahrer?“

„Ja“, sagt Mila glatt. „Er ist zuverlässig. Ich brauchte jemanden, dem ich vertrauen kann. Er ist auch mein Freund.“

Marisols Blick bewegt sich nicht. „Und du vertraust ihm?“

Mila nickt. „Vollkommen.“

Marisols Aufmerksamkeit richtet sich auf mich. „Privatsphäre ist mir wichtig, Mister..?“

„Elijah“, sagte ich, meine Stimme etwas steif.

„Elijah“, wiederholt sie, als würde sie den Namen auf die Probe stellen. „Privatsphäre bedeutet keine Fragen, keine Neugier und keinen Ärger. Sind wir uns klar?“

„Ja, Ma’am.“

„Gut.“

Dann wendet sie sich Mila zu. „Wir werden unter vier Augen reden.“

Mila nickt und folgt ihr einen Korridor entlang, ohne mir noch einen Blick zuzuwerfen.

Ihre Stimmen werden leiser und lassen mich allein inmitten dieses kalten, perfekten Hauses zurück.

Für einen Moment stehe ich einfach nur da und versuche, alles zu begreifen. Milas Reichtum. Die Lüge. Die Art, wie sie so mühelos darin aufgeht.

Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte, also setzte ich mich auf die Kante eines der Sofas, vorsichtig darauf bedacht, nicht zu viel zu berühren, als könnte ich Fingerabdrücke hinterlassen.

Die Stille zieht sich hin.

Ich starre auf den Boden, auf mein makelloses Spiegelbild, das mir entgegenblickt. Mein Magen verkrampft sich mit jeder Sekunde mehr.

Dann hörte ich Schritte.

Langsam, selbstbewusst.

Ich blickte auf.

Ein Mann kommt herein, groß, dunkles Haar, ein scharfer Anzug, die Art von Präsenz, die einen Raum erfüllt, ohne ein Wort zu sagen.

Seine Schritte hallen langsam, gemessen und selbstbewusst über den Marmor.

Er sieht aus, als wäre er für Räume wie diesen geschaffen worden.

Dreiteiliger Anzug, dunkles Anthrazit. Jeder Faden sitzt genau dort, wo er sitzen sollte.

Sein schwarzes Haar ist ordentlich geschnitten, jede einzelne Strähne an ihrem Platz.

Etwas an ihm strahlt Kontrolle aus, als würde er nicht einfach durch die Welt gehen, sondern sie so bearbeiten, dass sie zu ihm passt.

Für einen Moment vergaß ich zu atmen.

Er durchquerte den Raum, ohne mich zunächst anzusehen.

Sein Gesichtsausdruck war ruhig, undurchschaubar, aber in der Art, wie er sich bewegte, lag Gewicht, stille Macht, die Art, die sich nicht selbst ankündigen muss.

Ich bemerke die Details, weil es unmöglich ist, sie nicht zu bemerken.

Die klare Linie seines Kiefers.

Die dezente Muskeldefinition unter dem maßgeschneiderten Stoff.

Volle Lippen, die sein Gesicht nicht weicher machen, sondern seine Kälte nur noch auffälliger wirken lassen.

Und diese Augen, dunkel, fast schwarz, scharf genug, um mich an Ort und Stelle festzunageln.

Und schließlich trafen sich unsere Blicke, und für den Bruchteil einer Sekunde blieb alles stehen.

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