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Kapitel 4: Der Schleier der Geheimnisse

last update publish date: 2026-03-25 19:43:36

Das laute Klopfen an Eleanors Penthouse-Tür wurde stärker und riss sie aus ihren Gedanken. Zögernd zog sie ihren Bademantel enger um sich.

Wer könnte um diese Uhrzeit hier sein?

Dann erklang eine vertraute Stimme durch die Tür – tief, warm und voller Besorgnis.

„Eleanor? Mach auf. Ich bin’s.“

Ihr Vater.

Erleichterung durchströmte sie, als sie zur Tür eilte und sie mit zitternden Händen aufschloss. Alexander Hartwell stand im Flur, sein silbernes Haar leicht zerzaust, seine scharfen blauen Augen musterten ihr Gesicht. Er trug wie immer einen dunklen Anzug, doch seine Krawatte war gelockert, als wäre er in Eile gekommen.

„Dad?“ Ihre Stimme brach.

Alexander trat ein, ohne auf eine Einladung zu warten, und zog sie in eine feste Umarmung. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter und atmete den vertrauten Duft seines Parfums ein – Sandelholz und Leder.

„Ich bin gekommen, sobald ich es gehört habe“, murmelte er in ihr Haar.

Eleanor löste sich von ihm und wischte sich über die feuchten Wangen. „Woher wusstest du—?“

„Marcus hat mich angerufen.“

Ihr Magen zog sich zusammen. „Natürlich hat er das.“

Alexander seufzte und führte sie zum Sofa. Er setzte sich neben sie, sein Ausdruck wurde weicher. „Er wollte, dass ich dir Vernunft einrede. Dass du nichts… Unüberlegtes tust.“

Eleanor lachte bitter. „Was denn? Schreien? Weinen? Seine Sachen aus dem Fenster werfen?“

Die Lippen ihres Vaters zuckten. „Ich habe ihm gesagt, dass du klüger bist als das.“

Sie atmete aus und lehnte sich zurück. „Er hat mich vor allen gedemütigt. Sechs Jahre Ehe, und er hat es einfach—beendet. Als wäre ich nichts.“

Alexanders Kiefer spannte sich an. „Marcus ist ein Narr.“

Eleanor blinzelte. Ihr Vater sprach selten schlecht über jemanden, geschweige denn über Marcus.

„Er hat dich nie verdient“, fuhr Alexander leise fort. „Und jetzt hat er den größten Fehler seines Lebens gemacht.“

Sie runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?“

Ihr Vater zögerte, griff dann in seine Manteltasche und zog ein kleines, abgenutztes Lederjournal hervor. Er legte es in ihre Hände.

Eleanor starrte darauf. Der Einband war mit einem feinen silbernen Muster geprägt – eine wirbelnde Form, die fast wie ein Schleier aussah.

„Was ist das?“, fragte sie und strich mit den Fingerspitzen über das Symbol.

„Es gehörte deiner Mutter“, sagte Alexander leise. „Sie wollte, dass du es bekommst, wenn die Zeit reif ist.“

Eleanors Atem stockte. Ihre Mutter war gestorben, als sie noch ein Kind gewesen war, und hatte nur Bruchstücke von Erinnerungen hinterlassen – sanfte Hände, ein leises Lachen, der Duft von Rosen.

Vorsichtig öffnete sie das Journal. Die Seiten waren gefüllt mit eleganter Handschrift, Skizzen seltsamer Symbole und Notizen in einer Sprache, die sie nicht erkannte.

„Ich verstehe das nicht“, flüsterte sie.

Alexander beugte sich vor. „Deine Mutter war nicht nur die Frau, die ich geliebt habe, Eleanor. Sie war Teil von etwas… Größerem. Einem Vermächtnis.“

„Ein Vermächtnis?“

Er nickte. „Eines, das jetzt dir gehört.“

Eleanors Puls beschleunigte sich. „Was für ein Vermächtnis?“

Ihr Vater zögerte erneut, dann sagte er ein einziges Wort:

„Der Schleier.“

Die Art, wie er es aussprach, ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen.

„Was ist Der Schleier?“, drängte sie.

Alexanders Gesicht wurde ernst. „Das ist nichts, was ich in einer Nacht erklären kann. Aber es ist der Grund, warum deine Mutter Feinde hatte. Der Grund, warum sie so viel von sich verborgen hat – sogar vor mir.“

Eleanors Gedanken rasten. Ihre Mutter hatte Feinde?

„Warum erzählst du mir das jetzt?“, fragte sie.

„Weil Marcus dich dazu gezwungen hat“, sagte Alexander. „Du bist nicht länger seine Frau. Du bist wieder Eleanor Hartwell. Und dieser Name… bedeutet mehr, als du ahnst.“

Sie schluckte und blätterte erneut durch das Journal. „Was soll ich damit tun?“

„Lies es. Lerne daraus. Und wenn du bereit bist, stelle ich dir jemanden vor, der dir den Rest erklären kann.“

„Wen?“

Alexander stand auf und richtete seinen Mantel. „Noch nicht. Zuerst musst du entscheiden, ob du dafür bereit bist.“

Eleanor sah vom Journal zu ihrem Vater auf. „Bereit wofür?“

Er schenkte ihr ein kleines, trauriges Lächeln. „Aus Marcus’ Schatten herauszutreten… und in das Licht deiner Mutter.“

Dann küsste er sie auf die Stirn und ging zur Tür.

„Warte“, rief Eleanor ihm nach. „Das war’s? Du lässt mich einfach mit noch mehr Fragen zurück?“

Alexander hielt inne, die Hand an der Türklinke. „Fürs Erste, ja. Aber morgen triff deine geheimnisvolle Kontaktperson im Buchladen. Sie wird dir mehr erzählen.“

Eleanors Augen weiteten sich. „Woher weißt du—?“

Doch ihr Vater war bereits gegangen. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.

Eleanor saß reglos da, das Journal schwer in ihrem Schoß.

Wer war ihre Mutter wirklich?

Was war Der Schleier?

Und warum schien ihr Vater solche Angst davor zu haben?

Als Eleanor die nächste Seite des Journals umblätterte, glitt ein gefaltetes Foto heraus.

Sie hob es auf, ihr Atem stockte.

Es zeigte ihre Mutter – jung, wunderschön, neben einem Mann stehend, den Eleanor nicht kannte.

Und im Hintergrund, kaum sichtbar, war ein Symbol in die Wand eingraviert.

Dasselbe Symbol wie auf dem Einband des Journals.

Dasselbe Symbol, das nun auf dem Handgelenk der Person tätowiert war, die ihr geschrieben hatte.

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