LOGINJede Stufe schien schwerer zu wiegen als die vorige. Ihre Finger glitten am gewachsten Holzgeländer entlang, als klammerten sie sich an einem letzten Orientierungspunkt in einer Welt fest, die gerade aus den Fugen geraten war. Ihre geröteten Augen verrieten die Tränen, die sie im Badezimmer vergeblich wegzuwischen versucht hatte, und ihr Herz schlug noch immer zu schnell, gefangen in einer Panikwelle, die sie nicht unter Kontrolle brachte. Das Haus war ruhig, gebadet im goldenen Nachmittagslicht, das durch die Vorhänge fiel, aber diese Stille hatte nichts Beruhigendes. Sie war schwer, beladen mit dem, was sie gerade erfahren hatte, mit dem, was sie in Ellies Blick gesehen hatte.Unten, im Wohnzimmer mit den weißen Wänden und dem von Sommern abgenutzten Sofa, wartete Mia. Sie stand da, die Arme fest vor der Brust verschränkt, das Gesicht von einer Sorge gespannt, die sie nicht mehr zu verbergen versuchte. Ihr braunes Haar, noch feucht vom Baden, klebte an ihren Schläfen. Sobald sie Sof
Sofia näherte sich der Menge am Pool, das Herz schlug so heftig, dass sie das Gefühl hatte, jeder könne es hören. Die Musik dröhnte laut, die Körper tanzten, lachten, tranken. Die Luft war warm, erfüllt von Alkohol, Parfüm und Chlor. Ellie war mitten unter ihnen, eindeutig betrunken. Er hielt ein halb leeres Glas in der Hand, die Augen glänzten und waren verschwommen, das Lächeln zu breit, die Bewegungen ungeordnet. Er tanzte schlecht, zu wild, zu nah an den Leuten, als wolle er sich im Lärm und Alkohol verlieren, um zu vergessen, was er am Vortag gesehen hatte.Sie sah ihn, bevor er sie sah. Sie näherte sich weiter, entschlossen, die Hände feucht, die Kehle zugeschnürt. Sie musste ihn hier rausholen, bevor er etwas Unwiderrufliches tat.Ellie drehte den Kopf. Sein Blick fiel auf sie. Das Lächeln verschwand sofort. Sein Gesicht verschloss sich, und eine kalte Wut, vermischt mit Schmerz, erschien in seinen feuchten Augen.— Was machst du hier? schrie er mit einer Stimme, die zu laut wa
Sofia kam am Strand an, das Herz schlug so heftig gegen ihre Rippen, dass sie kaum atmen konnte, als wolle das Organ gegen ihre Brust prallen, um in den brennenden Sand zu entkommen. Sie ließ ihren Blick über die Menge schweifen, ein fiebriger, verzweifelter Blick, der über die grell gemusterten Handtücher glitt, über die von der Sonne träge gewordenen Körper, über das kristalline Lachen, das von allen Seiten aufstieg. Das rhythmische Dröhnen der Wellen, die Schreie der Kinder, die in der Gischt spielten all dieser sommerliche Tumult erreichte sie gedämpft, verschleiert, als trenne eine unüberwindbare Glaswand sie brutal von dieser sorglosen Welt. Sie hatte das unangenehme Gefühl, in einem wachen Albtraum zu wandeln, in einer Glasblase, in der sich jede Sekunde zu einer bangen Ewigkeit dehnte, ohne dass sie die Wände durchbrechen konnte.Ihr Blick blieb abrupt an einer vertrauten Silhouette hängen: Diego, ihr Bruder, der nicht weit vom Wasser saß. Doch was sie ins Wanken brachte, war
Sofia blieb lange auf dem Boden von Ellies Zimmer liegen, die Knie an die Brust gezogen, das Gesicht in den Händen vergraben. Die Schluchzer schüttelten sie noch in unregelmäßigen, schmerzhaften Wellen, als weigere sich ihr Körper, das Geschehene zu akzeptieren. Ellies Worte kreisten in ihrem Kopf, scharf, schneidend, unmöglich zu vertreiben:*Du ekeln mich an.**Nichts wird mehr wie vorher sein.*Sie zwang sich zu atmen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Dann stand sie langsam auf, die Beine weich, und näherte sich dem Spiegel über dem Schreibtisch. Ihre Augen waren geschwollen, rot, die Mascara war in zwei schwarzen Striemen über ihre Wangen gelaufen. Sie strich mit dem Handrücken über ihr Gesicht, dann ging sie ins angrenzende Badezimmer. Sie wusch ihr Gesicht mit kaltem Wasser, mehrmals, bis die Haut ein wenig brannte. Sie trocknete ihre Tränen sorgfältig ab, sah sich ein letztes Mal im Spiegel an und murmelte zu sich selbst:— Reiß dich zusammen. Jetzt.Sie ging langsam die Treppe hinunt
Sofia stieg langsam die Treppe hinauf, das Herz schlug so heftig, dass sie es in ihren Ohren hörte. Jede Stufe knarrte unter ihren Füßen, als wolle das Haus selbst sie verraten. Sie blieb einen Moment vor Ellies Zimmertür stehen, die Hand erhoben, zögernd. Sie atmete tief ein und versuchte, das Zittern ihrer Finger zu beruhigen. Sie wusste noch immer nicht genau, was am Vortag geschehen war, aber Ellies Reaktion beim Frühstück, sein Schweigen, seine kalte Wut – all das machte sie krank. Sie klopfte leise.Keine Antwort.Sie drückte die Tür auf.Ellie saß auf der Bettkante, den Rücken leicht gebeugt, die Ellbogen auf den Knien, den Blick auf den Boden geheftet. Er hob nicht einmal den Kopf, als sie eintrat. Das Zimmer roch nach frischer Wäsche und dem Duft seines Weichspülers, ein vertrautes Detail, das ihr an diesem Morgen wehtat. Sofia schloss die Tür hinter sich, fast instinktiv.— Was willst du? fragte er mit flacher Stimme, ohne sie anzusehen.Sofia blieb nahe der Tür stehen, die
Er antwortete nicht. Er starrte weiter auf seinen Teller, das Gesicht verschlossen wie eine zugeschlagene Tür. Seine Kiefer waren zusammengepresst, seine Fäuste auf dem Tisch lagen weiß vor Anspannung. Sofia spürte einen Stich im Herzen, einen scharfen, präzisen Schmerz, wie eine Nadel, die ins Fleisch eindringt. Okay, das kündigt etwas an, sagte sie sich und atmete lautlos ein. Ich lasse ihn in Ruhe und rede später mit ihm. Sie wollte keine Szene vor allen anderen provozieren, nicht jetzt, nicht wo die Stunden so kostbar verrannen. Sie wandte den Blick ab und konzentrierte sich auf ihr Croissant, das sie in kleine Stücke riss, die sie mechanisch zum Mund führte, ohne sie zu schmecken.Das Frühstück verlief in einer relativ leichten Atmosphäre, zumindest äußerlich. Javier erzählte eine amüsante Anekdote über einen Händler aus dem Dorf, Maria lachte schallend, Diego scherzte mit seinem Vater, aber Sofia spürte die Spannung wie einen elektrischen Faden unter der Oberfläche. Sie beobacht







