LOGINAn dem Tag, als ihre Familie ihre Zukunft opferte, um das eigene Unternehmen zu retten, wurde Chloe Carter gezwungen, anstelle ihrer jüngeren Schwester den kalten, mächtigen Milliardär und CEO Lucien Grey zu heiraten – sie wurde zur ungewollten Ersatzbraut. In der Hochzeitsnacht sprach er den Namen ihrer Schwester aus. Am nächsten Morgen sah sie sich dem Vorwurf gegenüber, sich eine Ehe erschlichen zu haben, die nie für sie bestimmt gewesen war. Von ihrem Ehemann gehasst, von ihrer Familie verraten und von allen, denen sie vertraut hatte, im Stich gelassen, kehrte Chloe ihrem alten Leben den Rücken – ohne zu ahnen, dass sie schwanger war. Jahre später kehrt sie als erfolgreiche CEO und Mutter von Zwillingen nach New York zurück. Nun weigert sich der Mann, der einst nichts von ihr wissen wollte, sie gehen zu lassen. Doch kann eine Frau, die nie die erste Wahl war, lernen, jenem Mann zu vertrauen, der ihr das Herz gebrochen hat?
View MoreIm Esszimmer der Familie Carter war es still, bis auf das leise Kratzen des teuren Bestecks auf dem Porzellan.
Alles in dem Raum sah perfekt aus, wie immer. Für jeden, der von außen hineinblickte, war dies das Zuhause einer Familie, die alles hatte. Aber Chloe Carter wusste es besser. Sie saß am äußersten Ende des Tisches, beinahe unsichtbar, wie üblich. Ihr gegenüber lachte Amelia leise über etwas, das ihre Mutter gesagt hatte, und ihr Vater, Richard Carter, saß am Kopfende und blätterte auf seinem Tablet durch Dokumente, ohne ein einziges Mal aufzublicken. Niemand sprach mit Chloe. Das tat nie jemand, es sei denn, man brauchte etwas von ihr. Sie hielt den Blick auf ihren Teller gerichtet und aß weiter. Dann legte Richard sein Tablet mit einem scharfen Geräusch ab, das die Stille im Raum durchschnitt. Alle sahen auf. Sein Gesicht war so ernst, dass sich Chloes Magen zusammenzog, noch bevor er den Mund öffnete. „Wir haben ein Problem“, sagte er und musterte sie alle mit ernster Miene. Amelia runzelte die Stirn. Evelyn richtete sich auf ihrem Stuhl auf. „Was ist passiert?“, fragte Evelyn. Richard rieb sich langsam die Stirn. „Die Firma ist bankrott.“ Die Worte schlugen ein, als wäre etwas Schweres aus großer Höhe herabgestürzt. Amelia ließ die Gabel fallen, die klirrend auf dem Teller landete. Evelyn wich alle Farbe aus dem Gesicht. Einen langen Moment sagte niemand etwas. Chloe saß ganz still. Die Carter Group war stets eines der angesehensten Unternehmen in New York gewesen. Sie war in ihrem Schatten aufgewachsen und hatte ihren Namen ihr ganzes Leben lang voller Stolz aussprechen hören. Ein Bankrott erschien ihr unmöglich. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, fuhr Richard fort. „Die Investoren ziehen sich zurück. Die Kredite sind überfällig. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir alles. Das Haus, die Firma, unseren guten Ruf.“ Das Wort „Ruf“ schien Evelyn mehr zu erschrecken als alles andere. Ihr Gesichtsausdruck wich einer Panik. „Das dürfen wir nicht zulassen“, sagte sie hastig. „Das werden wir nicht.“ Richards Stimme war ruhig, von jener Ruhe, die besagte, dass er seine Entscheidung längst getroffen hatte, ohne jemanden zu fragen. „Ich habe etwas mit der Familie Grey vereinbart.“ Der Name legte sich wie kalter Nebel über den Tisch. Jeder kannte die Greys. Vor allem Lucien Grey war ein Name, den man nur vorsichtig aussprach, wenn überhaupt. Kalt, skrupellos, mächtig über alle Maßen. Auf keinem Foto hatte man ihn je lächeln sehen. Wer mit ihm arbeitete, beschrieb ihn nur in behutsamen, vorsichtigen Worten. Wer sich ihm in den Weg stellte, bekam meist keine Gelegenheit mehr, überhaupt etwas zu beschreiben. Amelia schluckte. „Du meinst Lucien Grey?“ „Ja.“ Richard faltete die Hände auf dem Tisch. „Die Familie Grey hat sich bereit erklärt, uns zu helfen, aber sie stellt eine Bedingung. Eine Heiratsallianz.“ Dabei ließ er den Blick auf seinen Töchtern ruhen. Das Schweigen, das darauf folgte, kam sofort und lag schwer im Raum. Amelia starrte ihren Vater an, und Chloe sah, wie Begreifen über ihr Gesicht huschte, gefolgt von etwas Entschlossenem und Endgültigem. „Nein“, sagte Amelia. Richards Kiefer spannte sich an. „Amelia …“ „Ich habe Nein gesagt.“ Sie schob ihren Stuhl zurück, und ihre Stimme wurde lauter, mit einem Zittern, das sie nicht ganz unterdrücken konnte. „Jeder weiß, wie er ist. Er ist kalt, grausam und unmöglich. Ich werde das nicht tun. Ich werde ihn nicht heiraten.“ Evelyn griff nach ihrer Hand, um sie zu beruhigen, doch Amelia schüttelte immer wieder den Kopf, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Und dann spürte Chloe es, noch bevor es geschah. Diese besondere Stille. Evelyn wandte langsam den Kopf, und ihre Blicke trafen sich quer über den Tisch. Chloes Herz sank. Sie kannte diesen Blick. Sie hatte ihn ihr ganzes Leben lang gesehen, jedes Mal, wenn etwas Unangenehmes an jemanden weitergereicht werden sollte, der sich nicht heftig genug wehren würde. Als Nächstes hob Richard die Augen. Dann Amelia. Drei Augenpaare, die sich ihr zuwandten, nicht grausam, nicht direkt, sondern mit der bestimmten Selbstverständlichkeit von Menschen, die längst entschieden hatten. „Nein.“ Chloe sagte es, noch bevor jemand etwas sagen konnte, leise, aber deutlich. Evelyn runzelte die Stirn. „Was soll das heißen, nein?“ Chloe erhob sich langsam und stützte die Hände flach auf den Tisch, um festen Halt zu finden. Ihr Herz hämmerte, doch sie hielt ihr Gesicht ruhig. „Ich meine nein. Ich werde ihn auch nicht heiraten.“ Amelia entspannte sich sichtlich. Sie wirkte tatsächlich erleichtert, und diese kleine, unbewusste Regung schmerzte mehr als alles, was in den letzten fünf Minuten geschehen war. Jemandes Erleichterung zu sein, jemandes Ausweg, seine Ersatzlösung, sein letzter Notnagel. Mehr war Chloe in diesem Haus nie gewesen. Richard seufzte so, wie er immer seufzte, wenn eine Geschäftsverhandlung nicht nach seinen Vorstellungen verlief. „Setz dich, Chloe.“ „Warum ich?“, fragte sie stattdessen. Die Frage kam roh heraus, verletzlicher, als sie beabsichtigt hatte, und sie hasste sich ein wenig dafür. „Warum bin ich es und nicht sie?“ Niemand antwortete sofort, und das Schweigen war selbst schon eine Antwort. Evelyn sprach zuerst. „Amelia ist noch jung.“ „Sie ist zwei Jahre jünger als ich.“ Richard sagte: „Amelia muss an ihre Zukunft denken.“ Chloe spürte, wie diese Worte wie etwas Scharfes durch ihre Brust fuhren. „Eine Zukunft.“ Als zähle ihre eigene nicht. Als sei längst, lange vor diesem Abend, entschieden worden, dass ihr Leben dasjenige war, das man verbrauchen konnte. Jahrelang hatte sie kleinere Versionen davon in sich aufgenommen: die übersehenen Geburtstage, die Gespräche, die verstummten, sobald sie einen Raum betrat, die Art, wie ihre Erfolge kurz zur Kenntnis genommen und dann vergessen wurden, während Amelias wochenlang gefeiert wurden. Sie hatte sich eingeredet, es sei nichts Persönliches, es sei in dieser Familie eben so. Doch jetzt, da sie es offen und ohne Entschuldigung ausgesprochen hörte, begriff sie, dass es immer genau so persönlich gewesen war. „Das könnt ihr nicht tun“, sagte sie, mit Tränen, die in ihren Augen schimmerten. Evelyn sah sie mit etwas an, das Geduld ähnelte, aber nicht freundlich war. „Wir haben dich großgezogen. Wir haben dir ein Zuhause gegeben, Essen und eine Ausbildung. Du tust, als wären wir dir mehr schuldig als das.“ Die Worte sollten sie klein fühlen lassen, und sie taten es, wie sie es immer taten, selbst wenn sie genau durchschauen konnte, was hier geschah. Sie blinzelte heftig und weigerte sich, die Tränen kommen zu lassen. „Ihr habt mich nur ausgewählt, weil Amelia Nein gesagt hat“, sagte sie. Niemand widersprach. Kein einziges Wort des Protests von ihrem Vater. Nicht eine einzige Verteidigung von Amelia, die mit den Händen im Schoß und dem Blick auf der Tischplatte dasaß. Evelyn sah sie einfach nur mit der gelassenen Miene von jemandem an, der darauf wartete, dass sich ein Problem von selbst löste. Richard griff neben sich und schob ein Dokument über den Tisch. Es blieb direkt vor Chloe liegen, und sie blickte darauf hinab, ohne es zu wollen. Ein Heiratsvertrag. Ihr Name, deutlich gedruckt, auf der Zeile. Eine Unterschrift, die bereits die ihres Vaters war. Schon erledigt. Richard sah sie an, ohne mit der Wimper zu zucken. „Der Vertrag ist bereits unterzeichnet.“ Und in diesem Augenblick begriff Chloe etwas, das sie ihr ganzes Leben lang nicht hatte begreifen wollen. Sie war in diesem Haus nie eine Tochter gewesen. Sie war immer nur etwas Nützliches gewesen, etwas Verfügbares, etwas, das man arrangieren, verschieben und weggeben konnte, wann immer die Familie es brauchte. Sie sah auf den Vertrag und sagte nichts.Der Raum war still. Der Arzt zog den Stuhl näher an Chloes Bett und setzte sich. Er legte die Akte auf seinen Schoß, anstatt sie sofort zu öffnen. Einige Momente lang sprach keiner von beiden.Chloe beobachtete ihn. Sein vorsichtiger Gesichtsausdruck sagte ihr alles, was sie wissen musste. Was auch immer er gleich sagen würde … es würde nicht leicht werden.Er holte langsam Luft. „Mrs. Grey … die zusätzlichen Untersuchungen haben bestätigt, was ich befürchtet hatte.“Chloe wartete. Ihre Finger schlossen sich langsam fester um den Rand der Decke.Der Arzt wählte seine Worte sorgfältig. „Sie waren schwanger.“Stille. Vollkommene Stille.Die Worte erreichten ihre Ohren. Sie hörte sie deutlich. Aber sie ergaben keinen Sinn. „… Was?“ Ihre Stimme war kaum vorhanden.„Sie waren schwanger“, wiederholte er sanft. „Es war noch sehr früh.“Chloe starrte ihn an. Schwanger. Das Wort hallte immer wieder in ihrem Kopf wider. Schwanger? Sie konnte es nicht mit sich in Verbindung bringen. Sie hatte es
Die Türen zu Chloes Station hatten sich kaum hinter ihm geschlossen, als Lucien sich Amelia zuwandte. Seine Brauen waren fest zusammengezogen. „Was machst du hier?“Seine Stimme war ruhig, doch die Sorge darunter war unverkennbar.Amelia holte langsam Luft. „Ich bin gekommen, um deine Mutter zu besuchen.“Lucien sah sie aufmerksam an. „Was ist passiert?“Während sie gemeinsam den Flur entlanggingen, antwortete Amelia leise. „Sie hat mich heute Nachmittag zum Tee eingeladen.“Lucien hörte zu, ohne sie zu unterbrechen.„Wir haben uns unterhalten. Sie wirkte völlig gesund.“ Sie hielt inne, als beunruhige sie die Erinnerung noch immer. „Dann hat sie plötzlich … nicht mehr reagiert.“Luciens Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Was meinst du damit?“„Sie ist einfach …“ Amelia schluckte. „… zusammengebrochen. Ich habe sofort um Hilfe gerufen. Das Personal hat den Hausarzt verständigt, während ich bei ihr geblieben bin, bis der Krankenwagen kam.“Luciens Schritte wurden unwillkürlich schneller
Der Wagen hielt abrupt vor dem Grey Memorial Hospital. Noch bevor der Fahrer den Motor ausschalten konnte, war er schon ausgestiegen und eilte an Chloes Seite. Er riss die Tür auf.„Mrs. Grey.“Vorsichtig half er ihr hinaus. In dem Moment, als ihre Füße den Boden berührten, durchfuhr ihren Körper ein weiterer scharfer Schmerz. Sie keuchte leise auf und verlor beinahe das Gleichgewicht. Der Fahrer fing sie sofort auf.„Ich halte Sie.“Sie nickte schwach, unfähig, viel zu sagen. Ihr Atem war unregelmäßig geworden. Eine Hand umklammerte ihren Unterleib, die andere hielt sich fest am Arm des Fahrers.Das Krankenhauspersonal bemerkte sie fast sofort. Eine Krankenschwester eilte herbei. „Was ist passiert?“„Sie hat starke Schmerzen“, antwortete der Fahrer schnell. „Und sie blutet.“Der Gesichtsausdruck der Krankenschwester veränderte sich augenblicklich. „Holen Sie einen Rollstuhl.“Innerhalb von Sekunden kam eine weitere Schwester. Sie halfen Chloe vorsichtig in den Stuhl. Alles um sie her
Der Morgen hatte besser begonnen als die Nacht zuvor. Als Chloe aufwachte, hatte der stechende Schmerz wieder nachgelassen. Sie saß mehrere Minuten auf der Bettkante und atmete langsam.„Es ist vorbei …“, flüsterte sie zu sich selbst.Vielleicht war es wirklich Stress. Das redete sie sich immer wieder ein. Sie konnte es sich nicht leisten, jetzt aufzuhören. Blue Designs hatte ein weiteres Treffen angesetzt, und sie hatte tagelang darauf hingearbeitet.Nachdem sie sich fertig gemacht hatte, verließ sie das Penthouse mit ihren Skizzenbüchern in der Tasche. Der Butler lächelte höflich, als sie an ihm vorbeiging. „Einen schönen Tag, Mrs. Grey.“„Ihnen auch.“Sie erwiderte das Lächeln, bevor sie in den Wagen stieg.---Das Treffen bei Blue Designs dauerte länger als erwartet. Das Designteam versammelte sich um einen großen Tisch und besprach Materialien, Produktionspläne und letzte Anpassungen.Evie hielt eine von Chloes Skizzen hoch. „Diese Version gefällt mir.“„Mir auch.“ Eine andere De





