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Kapitel 2

작가: Anatory
last update 게시일: 2026-08-04 01:34:52

Die Autotür schlug hinter Sofia mit einem scharfen Knall zu, fast zu laut in der heißen Nachmittagsluft. Die Sonne brannte auf ihrer Haut wie eine glühende Hand. Sie blinzelte, und das Erste, was sie sah, war er.

Pedro.

Oberkörper frei, die Haut glänzend von Schweiß und Sonnencreme, eine alte khakifarbene Leinenshorts, die tief auf den Hüften saß und die scharfe Linie seiner schrägen Bauchmuskeln freigab. Er hielt eine Wasserflasche in der Hand, die andere lag auf dem Geländer der Terrasse. Als er sie erblickte, weitete sich sein Gesicht zu einem breiten Lächeln  diesem Lächeln, das immer die kleinen Fältchen um seine Augen hervortreten ließ.

„¡Por fin! Da sind sie ja, die Stars aus Los Angeles!“

Seine tiefe Stimme, mit diesem Akzent, der die „r“ rollte wie eine Liebkosung. Sofia spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Sie stand einen Moment zu lang da und sah ihm zu, wie er die Stufen hinunterkam, um sie zu begrüßen.

Javier stieg zuerst aus, klatschte Pedro eine kumpelhafte Umarmung ab  die üblichen Klapse auf den Rücken, das vertraute Lachen. Diego folgte und zog Pedro bereits über seinen „neuen Alte-Leute-Haarschnitt“ auf. Pedro hatte seit zehn Jahren nichts daran geändert, nur ein paar graue Strähnen an den Schläfen waren dazugekommen  und das stand ihm viel zu gut.

Sofia stieg als Letzte aus.

Pedro drehte den Kopf zu ihr.

„Mija…“

Er musterte sie von oben bis unten, ohne es wirklich zu wollen oder vielleicht doch. Seine Augen verweilten einen winzigen Moment auf ihren nackten Beinen, auf der hochgeschnittenen Jeansshorts, auf dem weißen Top, das wegen der Hitze im Auto ein wenig an ihr klebte. Dann hob er den Blick, und sein Lächeln wurde weicher, fast vorsichtig.

„Du bist ja gewachsen, was?“

Sie zuckte mit den Schultern und versuchte, ihre Stimme neutral klingen zu lassen.

„Das passiert. Hallo, Pedro.“

Er kam näher, legte eine Hand auf ihre Schulter nur für eine Sekunde, aber lang genug, dass sie die Wärme seiner Handfläche spürte, die Rauheit der Schwielen. Sie fühlte, wie ihr Puls in der Kehle schneller schlug.

Dann tauchte Ellie hinter seinem Vater auf.

Ellie, jetzt neunzehn, größer als letztes Jahr, die Schultern etwas breiter, dasselbe schüchterne Lächeln wie damals, als sie zwölf waren. Er trug ein verwaschenes schwarzes T-Shirt und eine Basketballshorts, die Kopfhörer immer noch um den Hals.

„Sof!“

Er drückte sie ohne Zögern an sich  eine Umarmung, die zu lang dauerte, zu fest, seine Hände glitten ein wenig zu tief über ihren Rücken, bevor sie wieder nach oben wanderten. Sofia roch sein Deodorant, die Sonnencreme und etwas Vertrautes, das sie an vergangene Sommer erinnerte. Sie tätschelte ihm unbehaglich den Rücken.

„Hallo, Ellie. Wie geht’s?“

„Ja … voll gut, dass du da bist.“

Endlich ließ er sie los, aber seine Augen blieben eine Sekunde zu lange an ihren hängen. Sie wandte den Blick ab und traf den von Pedro, der sie beobachtete  regungslos, eine Augenbraue leicht hochgezogen.

Das Ausladen begann. Koffer, Kühlbox, Einkaufstüten. Pedro nahm sich Sofias schwersten Koffer, ohne zu fragen, und die Muskeln seines Rückens wölbten sich unter der Haut, als er ihn anhob. Ihre Hände streiften sich am Griff. Nur eine Berührung. Elektrisch. Sie zog ihre zurück, als hätte sie sich verbrannt – aber nicht schnell genug, dass er es nicht bemerkt hätte. Er sagte nichts. Nur ein kleines Lächeln um seine Mundwinkel, kaum wahrnehmbar.

Das Haus war dasselbe: vier Zimmer, ihres am Ende des Flurs, das mit dem Fenster, das direkt auf den Ozean hinausging. Sie hatte dieses Zimmer schon immer für sich allein gehabt, seit sie zwölf war. Javier sagte immer, es sei „ihr großes Mädchenzimmer“, selbst als sie noch gar nicht groß war. Sie trat ein, stellte den Koffer aufs Bett und schloss die Tür.

Die Stille traf sie mit voller Wucht.

Sie setzte sich auf die Bettkante, die Hände auf den Oberschenkeln. Die Fahrt hatte sie erschöpft, die Hitze, die Blicke, all das. Sie schloss die Augen.

Sie sah Pedro wieder mit nacktem Oberkörper auf der Terrasse vor sich. Wie das Licht auf seiner Haut spielte, die kleinen Schweißtropfen, die über sein Brustbein rannen, bis sie unter dem Bund der Shorts verschwanden. Sie biss sich auf die Unterlippe.

Ihre Hände glitten langsam über ihre eigenen Oberschenkel, wanderten ein Stück nach oben, streiften die Innenseite. Sie dachte an ihn. An das, was sie sich sechs Monate lang vorgestellt hatte. An das, was sie sich nicht eingestehen wollte.

Sie ließ sich rücklings aufs Bett fallen, quer, die Haare auf der Tagesdecke ausgebreitet. Ihre rechte Hand wanderte unter den Bund ihrer Shorts. Sie war bereits feucht. Einfach so. Nur weil er da draußen war, nur wenige Meter entfernt.

Sie presste die Augen fester zu. Stellte sich seine Hände vor. Schwielig, warm, wie sie ihre Hüften packten. Sein Mund an ihrem Hals. Sein heiserer Atem an ihrem Ohr, wenn er „mija“ flüsterte  mit einer anderen Stimme, tiefer, besitzergreifender.

Ihre Finger bewegten sich schneller. Sie unterdrückte ein Stöhnen, biss sich in den Handgelenk. Die Lust stieg schnell, fast zu schnell. Sie dachte an ihn, wie er sie ansah, seine dunklen Augen, die sie verschlangen, während sie sich ihm zuliebe Lust bereitete.

Als sie kam, war es still, heftig, die Muskeln angespannt, der Rücken auf dem Bett durchgebogen. Sie lag da, keuchend, die Wangen glühend.

Dann kam die Schuld – wie immer als zweite Welle.

Sie griff nach ihrem Handy auf dem Nachttisch und wählte Isabellas Nummer, ohne nachzudenken.

Ihre Mutter nahm beim zweiten Klingeln ab.

„Mein Schatz? Ist alles in Ordnung?“

„Ja … wir sind gerade angekommen.“

Ein Schweigen. Isabella konnte die Stille ihrer Tochter lesen.

„Du klingst komisch. Ist es die Hitze? Oder etwas anderes?“

Sofia zögerte. Sie konnte nicht alles sagen. Noch nicht. Vielleicht nie.

„Nur … müde von der Fahrt. Und … ich habe über die Scheidung nachgedacht. Über all das.“

Isabella seufzte leise.

„Das ist drei Jahre her, Sofia. Du musst das nicht dein ganzes Leben lang mit dir herumtragen. Dein Vater und ich … wir haben getan, was wir konnten. Manchmal lieben sich Menschen auf die falsche Art. Das passiert.“

„Ich weiß.“

„Und du? Geht es dir wirklich gut?“

Sofia schloss die Augen. In der Ferne hörte sie Pedros Lachen mit Javier, das Klirren von Flaschen, die auf den Terrassentisch gestellt wurden.

„Ja. Es geht. Glaube ich.“

Sie redeten noch eine Weile. Isabella erzählte von ihrer letzten Geschäftsreise, ihrer Beförderung, ihrem Leben, das weiterging, ohne zurückzublicken. Sofia hörte zu  bewundernd, neidisch, ein wenig traurig.

Als sie auflegte, stand die Sonne tiefer.

Draußen wurde der Grill vorbereitet. Der Geruch von Kohle und bratendem Fleisch stieg bereits zu ihrem Fenster hoch.

Sie stand auf, wusch sich das Gesicht mit Wasser, zog ein sauberes Höschen an und schlüpfte in ein leichtes cremefarbenes Kleid, das knapp über den Oberschenkeln endete.

Sie ging hinunter.

Pedro stand noch da, immer noch mit nacktem Oberkörper, und wendete Steaks auf dem Grill. Er hob den Kopf, als sie in der Terrassentür erschien.

Er sah sie an.

Lange.

Zu lange.

Und diesmal wandte er nicht zuerst den Blick ab.

Sofia spürte, wie die Hitze in ihrem Bauch aufstieg  stärker als vorhin.

Der Sommer hatte gerade erst begonnen.

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