LOGINDie Autotür schlug hinter Sofia mit einem scharfen Knall zu, fast zu laut in der heißen Nachmittagsluft. Die Sonne brannte auf ihrer Haut wie eine glühende Hand. Sie blinzelte, und das Erste, was sie sah, war er.
Pedro.
Oberkörper frei, die Haut glänzend von Schweiß und Sonnencreme, eine alte khakifarbene Leinenshorts, die tief auf den Hüften saß und die scharfe Linie seiner schrägen Bauchmuskeln freigab. Er hielt eine Wasserflasche in der Hand, die andere lag auf dem Geländer der Terrasse. Als er sie erblickte, weitete sich sein Gesicht zu einem breiten Lächeln diesem Lächeln, das immer die kleinen Fältchen um seine Augen hervortreten ließ.
„¡Por fin! Da sind sie ja, die Stars aus Los Angeles!“
Seine tiefe Stimme, mit diesem Akzent, der die „r“ rollte wie eine Liebkosung. Sofia spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Sie stand einen Moment zu lang da und sah ihm zu, wie er die Stufen hinunterkam, um sie zu begrüßen.
Javier stieg zuerst aus, klatschte Pedro eine kumpelhafte Umarmung ab die üblichen Klapse auf den Rücken, das vertraute Lachen. Diego folgte und zog Pedro bereits über seinen „neuen Alte-Leute-Haarschnitt“ auf. Pedro hatte seit zehn Jahren nichts daran geändert, nur ein paar graue Strähnen an den Schläfen waren dazugekommen und das stand ihm viel zu gut.
Sofia stieg als Letzte aus.
Pedro drehte den Kopf zu ihr.
„Mija…“
Er musterte sie von oben bis unten, ohne es wirklich zu wollen oder vielleicht doch. Seine Augen verweilten einen winzigen Moment auf ihren nackten Beinen, auf der hochgeschnittenen Jeansshorts, auf dem weißen Top, das wegen der Hitze im Auto ein wenig an ihr klebte. Dann hob er den Blick, und sein Lächeln wurde weicher, fast vorsichtig.
„Du bist ja gewachsen, was?“
Sie zuckte mit den Schultern und versuchte, ihre Stimme neutral klingen zu lassen.
„Das passiert. Hallo, Pedro.“
Er kam näher, legte eine Hand auf ihre Schulter nur für eine Sekunde, aber lang genug, dass sie die Wärme seiner Handfläche spürte, die Rauheit der Schwielen. Sie fühlte, wie ihr Puls in der Kehle schneller schlug.
Dann tauchte Ellie hinter seinem Vater auf.
Ellie, jetzt neunzehn, größer als letztes Jahr, die Schultern etwas breiter, dasselbe schüchterne Lächeln wie damals, als sie zwölf waren. Er trug ein verwaschenes schwarzes T-Shirt und eine Basketballshorts, die Kopfhörer immer noch um den Hals.
„Sof!“
Er drückte sie ohne Zögern an sich eine Umarmung, die zu lang dauerte, zu fest, seine Hände glitten ein wenig zu tief über ihren Rücken, bevor sie wieder nach oben wanderten. Sofia roch sein Deodorant, die Sonnencreme und etwas Vertrautes, das sie an vergangene Sommer erinnerte. Sie tätschelte ihm unbehaglich den Rücken.
„Hallo, Ellie. Wie geht’s?“
„Ja … voll gut, dass du da bist.“
Endlich ließ er sie los, aber seine Augen blieben eine Sekunde zu lange an ihren hängen. Sie wandte den Blick ab und traf den von Pedro, der sie beobachtete regungslos, eine Augenbraue leicht hochgezogen.
Das Ausladen begann. Koffer, Kühlbox, Einkaufstüten. Pedro nahm sich Sofias schwersten Koffer, ohne zu fragen, und die Muskeln seines Rückens wölbten sich unter der Haut, als er ihn anhob. Ihre Hände streiften sich am Griff. Nur eine Berührung. Elektrisch. Sie zog ihre zurück, als hätte sie sich verbrannt – aber nicht schnell genug, dass er es nicht bemerkt hätte. Er sagte nichts. Nur ein kleines Lächeln um seine Mundwinkel, kaum wahrnehmbar.
Das Haus war dasselbe: vier Zimmer, ihres am Ende des Flurs, das mit dem Fenster, das direkt auf den Ozean hinausging. Sie hatte dieses Zimmer schon immer für sich allein gehabt, seit sie zwölf war. Javier sagte immer, es sei „ihr großes Mädchenzimmer“, selbst als sie noch gar nicht groß war. Sie trat ein, stellte den Koffer aufs Bett und schloss die Tür.
Die Stille traf sie mit voller Wucht.
Sie setzte sich auf die Bettkante, die Hände auf den Oberschenkeln. Die Fahrt hatte sie erschöpft, die Hitze, die Blicke, all das. Sie schloss die Augen.
Sie sah Pedro wieder mit nacktem Oberkörper auf der Terrasse vor sich. Wie das Licht auf seiner Haut spielte, die kleinen Schweißtropfen, die über sein Brustbein rannen, bis sie unter dem Bund der Shorts verschwanden. Sie biss sich auf die Unterlippe.
Ihre Hände glitten langsam über ihre eigenen Oberschenkel, wanderten ein Stück nach oben, streiften die Innenseite. Sie dachte an ihn. An das, was sie sich sechs Monate lang vorgestellt hatte. An das, was sie sich nicht eingestehen wollte.
Sie ließ sich rücklings aufs Bett fallen, quer, die Haare auf der Tagesdecke ausgebreitet. Ihre rechte Hand wanderte unter den Bund ihrer Shorts. Sie war bereits feucht. Einfach so. Nur weil er da draußen war, nur wenige Meter entfernt.
Sie presste die Augen fester zu. Stellte sich seine Hände vor. Schwielig, warm, wie sie ihre Hüften packten. Sein Mund an ihrem Hals. Sein heiserer Atem an ihrem Ohr, wenn er „mija“ flüsterte mit einer anderen Stimme, tiefer, besitzergreifender.
Ihre Finger bewegten sich schneller. Sie unterdrückte ein Stöhnen, biss sich in den Handgelenk. Die Lust stieg schnell, fast zu schnell. Sie dachte an ihn, wie er sie ansah, seine dunklen Augen, die sie verschlangen, während sie sich ihm zuliebe Lust bereitete.
Als sie kam, war es still, heftig, die Muskeln angespannt, der Rücken auf dem Bett durchgebogen. Sie lag da, keuchend, die Wangen glühend.
Dann kam die Schuld – wie immer als zweite Welle.
Sie griff nach ihrem Handy auf dem Nachttisch und wählte Isabellas Nummer, ohne nachzudenken.
Ihre Mutter nahm beim zweiten Klingeln ab.
„Mein Schatz? Ist alles in Ordnung?“
„Ja … wir sind gerade angekommen.“
Ein Schweigen. Isabella konnte die Stille ihrer Tochter lesen.
„Du klingst komisch. Ist es die Hitze? Oder etwas anderes?“
Sofia zögerte. Sie konnte nicht alles sagen. Noch nicht. Vielleicht nie.
„Nur … müde von der Fahrt. Und … ich habe über die Scheidung nachgedacht. Über all das.“
Isabella seufzte leise.
„Das ist drei Jahre her, Sofia. Du musst das nicht dein ganzes Leben lang mit dir herumtragen. Dein Vater und ich … wir haben getan, was wir konnten. Manchmal lieben sich Menschen auf die falsche Art. Das passiert.“
„Ich weiß.“
„Und du? Geht es dir wirklich gut?“
Sofia schloss die Augen. In der Ferne hörte sie Pedros Lachen mit Javier, das Klirren von Flaschen, die auf den Terrassentisch gestellt wurden.
„Ja. Es geht. Glaube ich.“
Sie redeten noch eine Weile. Isabella erzählte von ihrer letzten Geschäftsreise, ihrer Beförderung, ihrem Leben, das weiterging, ohne zurückzublicken. Sofia hörte zu bewundernd, neidisch, ein wenig traurig.
Als sie auflegte, stand die Sonne tiefer.
Draußen wurde der Grill vorbereitet. Der Geruch von Kohle und bratendem Fleisch stieg bereits zu ihrem Fenster hoch.
Sie stand auf, wusch sich das Gesicht mit Wasser, zog ein sauberes Höschen an und schlüpfte in ein leichtes cremefarbenes Kleid, das knapp über den Oberschenkeln endete.
Sie ging hinunter.
Pedro stand noch da, immer noch mit nacktem Oberkörper, und wendete Steaks auf dem Grill. Er hob den Kopf, als sie in der Terrassentür erschien.
Er sah sie an.
Lange.
Zu lange.
Und diesmal wandte er nicht zuerst den Blick ab.
Sofia spürte, wie die Hitze in ihrem Bauch aufstieg stärker als vorhin.
Der Sommer hatte gerade erst begonnen.
Sofia kam am Strand an, das Herz schlug so heftig gegen ihre Rippen, dass sie kaum atmen konnte, als wolle das Organ gegen ihre Brust prallen, um in den brennenden Sand zu entkommen. Sie ließ ihren Blick über die Menge schweifen, ein fiebriger, verzweifelter Blick, der über die grell gemusterten Handtücher glitt, über die von der Sonne träge gewordenen Körper, über das kristalline Lachen, das von allen Seiten aufstieg. Das rhythmische Dröhnen der Wellen, die Schreie der Kinder, die in der Gischt spielten all dieser sommerliche Tumult erreichte sie gedämpft, verschleiert, als trenne eine unüberwindbare Glaswand sie brutal von dieser sorglosen Welt. Sie hatte das unangenehme Gefühl, in einem wachen Albtraum zu wandeln, in einer Glasblase, in der sich jede Sekunde zu einer bangen Ewigkeit dehnte, ohne dass sie die Wände durchbrechen konnte.Ihr Blick blieb abrupt an einer vertrauten Silhouette hängen: Diego, ihr Bruder, der nicht weit vom Wasser saß. Doch was sie ins Wanken brachte, war
Sofia blieb lange auf dem Boden von Ellies Zimmer liegen, die Knie an die Brust gezogen, das Gesicht in den Händen vergraben. Die Schluchzer schüttelten sie noch in unregelmäßigen, schmerzhaften Wellen, als weigere sich ihr Körper, das Geschehene zu akzeptieren. Ellies Worte kreisten in ihrem Kopf, scharf, schneidend, unmöglich zu vertreiben:*Du ekeln mich an.**Nichts wird mehr wie vorher sein.*Sie zwang sich zu atmen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Dann stand sie langsam auf, die Beine weich, und näherte sich dem Spiegel über dem Schreibtisch. Ihre Augen waren geschwollen, rot, die Mascara war in zwei schwarzen Striemen über ihre Wangen gelaufen. Sie strich mit dem Handrücken über ihr Gesicht, dann ging sie ins angrenzende Badezimmer. Sie wusch ihr Gesicht mit kaltem Wasser, mehrmals, bis die Haut ein wenig brannte. Sie trocknete ihre Tränen sorgfältig ab, sah sich ein letztes Mal im Spiegel an und murmelte zu sich selbst:— Reiß dich zusammen. Jetzt.Sie ging langsam die Treppe hinunt
Sofia stieg langsam die Treppe hinauf, das Herz schlug so heftig, dass sie es in ihren Ohren hörte. Jede Stufe knarrte unter ihren Füßen, als wolle das Haus selbst sie verraten. Sie blieb einen Moment vor Ellies Zimmertür stehen, die Hand erhoben, zögernd. Sie atmete tief ein und versuchte, das Zittern ihrer Finger zu beruhigen. Sie wusste noch immer nicht genau, was am Vortag geschehen war, aber Ellies Reaktion beim Frühstück, sein Schweigen, seine kalte Wut – all das machte sie krank. Sie klopfte leise.Keine Antwort.Sie drückte die Tür auf.Ellie saß auf der Bettkante, den Rücken leicht gebeugt, die Ellbogen auf den Knien, den Blick auf den Boden geheftet. Er hob nicht einmal den Kopf, als sie eintrat. Das Zimmer roch nach frischer Wäsche und dem Duft seines Weichspülers, ein vertrautes Detail, das ihr an diesem Morgen wehtat. Sofia schloss die Tür hinter sich, fast instinktiv.— Was willst du? fragte er mit flacher Stimme, ohne sie anzusehen.Sofia blieb nahe der Tür stehen, die
Er antwortete nicht. Er starrte weiter auf seinen Teller, das Gesicht verschlossen wie eine zugeschlagene Tür. Seine Kiefer waren zusammengepresst, seine Fäuste auf dem Tisch lagen weiß vor Anspannung. Sofia spürte einen Stich im Herzen, einen scharfen, präzisen Schmerz, wie eine Nadel, die ins Fleisch eindringt. Okay, das kündigt etwas an, sagte sie sich und atmete lautlos ein. Ich lasse ihn in Ruhe und rede später mit ihm. Sie wollte keine Szene vor allen anderen provozieren, nicht jetzt, nicht wo die Stunden so kostbar verrannen. Sie wandte den Blick ab und konzentrierte sich auf ihr Croissant, das sie in kleine Stücke riss, die sie mechanisch zum Mund führte, ohne sie zu schmecken.Das Frühstück verlief in einer relativ leichten Atmosphäre, zumindest äußerlich. Javier erzählte eine amüsante Anekdote über einen Händler aus dem Dorf, Maria lachte schallend, Diego scherzte mit seinem Vater, aber Sofia spürte die Spannung wie einen elektrischen Faden unter der Oberfläche. Sie beobacht
Sofia erwachte langsam, als tauche sie aus tiefem, warmem Wasser auf, die Lider noch schwer von diesem Schlaf der späten Nacht, in dem die Träume an den Rändern des Bewusstseins hängen bleiben. Es blieben nun nur noch drei Tage, bevor die Ferien zu Ende gingen. Drei Tage nur. Dieser Gedanke, wie eine kleine eisige Faust, schnürte ihr das Herz zusammen. Sie spürte einen unangenehmen Stich in der Brust, als drücke eine unsichtbare Hand ihre Lungen zusammen. Drei Tage, und alles, was sie aufgebaut hatte, alles, was in diesem Hafen aus Licht und Freiheit Wurzeln geschlagen hatte, würde zusammenfallen wie ein Sandschloss bei steigender Flut. Sie wollte nicht, dass die Ferien endeten. Jede Minute, die verstrich, schien ihr nun gezählt, kostbar, unersetzlich. Sie drehte sich auf die Seite, schlang die Arme um das Kissen, suchte die Blase der Betäubung zu verlängern, in der noch nichts existierte, in der die kommenden Tage nur ein ferner Nebel waren. Doch die Fragen strömten unaufhaltsam hera
Sofia kehrte ohne Pedro zum Strand zurück, das Herz noch immer von der Szene in der Voiture aufgewühlt. Ihre Schläfen pochten leicht, ihre Finger zitterten noch, als sie eine Haarsträhne hinter ihr Ohr schob. Ihre Wangen waren heiß, ihr Atem noch ein wenig kurz, und in ihrem Geist kreisten die letzten Gesten, die letzten Worte, die sie im Schutz der Blicke im dunklen, engen Innenraum ausgetauscht hatten, wo alles so schnell gekippt war. Sie ging über den feuchten Sand, barfuß, das leichte Kleid klebte stellenweise an ihrer Haut unter der nächtlichen Feuchtigkeit, und sie versuchte, ihr Gesicht zu ordnen, einen neutralen, distanzierten Ausdruck wiederzufinden, als wäre nichts geschehen. Die Party tobte um sie herum: Die Musik dröhnte laut, schwere, rhythmische Bässe ließen den Boden unter ihren Sohlen vibrieren; die Lagerfeuer, hier und da verstreut, warfen tanzende, flackernde Schatten auf den Sand und schufen ein Ballett bewegter Silhouetten, die sich im Rhythmus der Flammen vereinte







