Share

Kapitel 4

last update publish date: 2026-08-17 07:51:01

Luciens Perspektive

Sie erstarrte auf der Stelle, warf uns noch einen letzten Blick zu, bevor sie davonstürmte.

Eine dünne Schweißschicht überzog meine Haut, als mein Wolf, Grey, mich antrieb. „Geh ihr nach. Geh unserer Gefährtin nach. Es ist nicht sicher für sie, nachts allein zu sein, du Trottel. Geh und entschuldige dich!“

Doch meine Füße blieben wie angewurzelt stehen, und ich starrte auf die Tür, nachdem sie hinter ihr zugeschlagen war.

Sobald sie verschwunden war, richtete sich die Aufmerksamkeit der Rudelmitglieder auf mich.

Das Mädchen, das meine Gefährtin Vivian ununterbrochen beleidigt hatte, trat vor.

Sie benahm sich ganz anders als die giftige Schlange, die Vivian zuvor verspottet hatte. Jetzt wirkte sie süß und zart, als sie sprach.

„Alpha Lucien! Ich bin Chloe. Ich hatte keine Ahnung, dass du hier sein würdest. Entschuldige das Verhalten meiner Schwester, sie versucht immer, mir alles zu vermiesen.“

„Dir?“ Meine Augenbrauen schossen in die Höhe. Das Gespräch dauerte gerade mal zehn Sekunden, und schon wusste ich: Dieses Mädchen war unerträglich.

„Partnerin, Partnerin, Partnerin!“, skandierte Grey und drängte mich, hinauszugehen und sie zu finden.

Aber er wusste, warum es mir unmöglich war, eine Partnerin zu nehmen. Ganz gleich, was mein Vater wollte oder was die Mondgöttin tat.

Ich hatte es satt, mich von anderen herumkommandieren zu lassen. Nie wieder.

„Ja. Jetzt, wo sie weg ist, werde ich deine Partnerin sein.“ Sie zwinkerte mir zu. „Keine Sorge, so weit werde ich es nie kommen lassen. Ich werde auch eine großartige Luna sein.“

Aus der Menge der Rudelmitglieder jubelte jemand.

Mein Blick wanderte zu zwei Personen in der Menge, die uns beobachteten und laut jubelten.

Es waren wahrscheinlich ihre Eltern. Sie waren hier, um Chloe anzufeuern, obwohl sie völlig still gewesen waren, als Vivian noch da war.

Ich drehte mich um, ignorierte sie und ging weg, doch das Mädchen trat mir wieder in den Weg, ihr Lächeln wirkte gezwungen und aufgesetzt.

„Warte, wo willst du hin?“, fragte sie, ihre Augen weiteten sich vor Panik.

„Weg von hier“, antwortete ich und ging an ihr vorbei, ohne mich umzudrehen.

Ihre Stimme klang panisch, ihre Hand schoss hervor, um meine zu ergreifen. „Du kannst nicht einfach ohne Partnerin gehen. Lass mich deine Partnerin sein, ich bin noch nicht gebunden, gib mir einfach eine Chance.“

Ich riss mich von ihr los und funkelte sie an. „Ich habe genau diese Zeremonie schon öfter ohne Partnerin verlassen, als du dir vorstellen kannst, Mädchen. Mach mich nicht noch wütender, als du es ohnehin schon getan hast.“

Ich stürmte davon, bevor sie noch ein Wort sagen konnte.

Diesmal folgte sie mir nicht, obwohl ich immer noch ihren scharfen Blick in meinem Rücken spüren konnte.

Ich biss die Zähne zusammen, als ein dumpfer Schmerz in meiner Brust aufstieg.

„Siehst du. Du magst sie“, stellte Grey fest, als ich aus dem Saal ging und die schockierten Rudelmitglieder ignorierte.

„Was ich mag, ist im Moment das geringste unserer Probleme. Mein Vater wird bald davon erfahren, und er wird nicht nachsichtig sein, wenn er erfährt, dass ich meine Gefährtin gefunden und sie zurückgewiesen habe.“

„Vielleicht hättest du darüber nachdenken sollen, bevor du so eine dumme Entscheidung getroffen hast“, drängte Grey, bevor seine Stimme zu einem mitfühlenden Flüstern sank. „Lass nicht zu, dass deine Angst vor deiner Vergangenheit das hier ruiniert.“

Meine Kehle fühlte sich zugeschnürt an. Das war unmöglich.

Vivians schüchternes Lächeln, als ich auf sie zugegangen war, blitzte in meinen Gedanken auf. Und dann die spöttischen Worte ihrer Familie, als ich den Tag ruinierte, der der schönste ihres Lebens hätte sein sollen.

Die Bindung hatte mich dazu gedrängt, sie zu beschützen, aber die einzige Form des Schutzes, die ich ihr bieten konnte, war, mich von ihr fernzuhalten. Eine Paarung mit mir konnte nichts Gutes bringen – das hatte ich auf die harte Tour gelernt.

Ich hatte nicht erwartet, meine Gefährtin hier zu finden. In den letzten Jahren hatte ich es vermieden, hierherzukommen, da ich nicht bereit war, mich der Möglichkeit zu stellen, eine zweite Chance zu bekommen.

Heute Abend hatte mein Vater darauf bestanden und mir sogar meinen Platz auf seinem Thron angedroht, bis ich nachgab.

Bald würde ihn die Nachricht erreichen, dass ich meine Gefährtin zurückgewiesen hatte, aber das war ein Problem, um das ich mich später kümmern würde.

Ich war zu müde, um mich darum zu kümmern.

Die kühle Nachtluft streifte meine Haut. Ich holte tief Luft und versuchte, den süßen Duft von Vivian aus meinem Kopf zu verbannen.

„Du weißt doch, dass eure Bindung nicht vollständig aufgelöst ist, oder? Nicht, solange du die Ablehnung nicht akzeptierst. Du warst es, der das wollte – warum hast du es also noch nicht akzeptiert?“, drängte Grey.

Ich ging weiter, ohne zu wissen, wohin mich meine Füße durch die stille Nacht führten.

Die Stimmen der Feiernden verstummten bald, und die einzigen Geräusche, die noch zu hören waren, waren das deutliche Heulen der Wölfe und das Zirpen der Grillen.

„Du bist ganz allein. Warum quälst du dich so?“

Ich ignorierte ihn und ging weiter auf mein unbekanntes Ziel zu.

„Selbst jetzt … gehst du zu ihr.“

Seine Worte ließen mich innehalten. Ich schnupperte leicht in der Luft, und tatsächlich lag Vivians zarter Duft noch immer in der Luft.

Ich fluchte leise vor mich hin und drehte mich um, ohne weiterzugehen.

„Du musst dich jetzt entscheiden. Das ist deine Chance.“

„Was lässt dich glauben, dass wir wieder einen Partner verdienen?“, knurrte ich und versuchte, die Stimme auszublenden, der ich besser nicht hätte nachgeben sollen.

„Warum verdient irgendjemand einen Partner?“, erwiderte er mit ruhiger Stimme.

Ich verdrehte angesichts dieser vagen Antwort die Augen, bevor ich weiterging und versuchte, ihren Duft zu verdrängen.

Mein Kopf war voll von dem Bild von ihr in diesem wunderschönen Kleid, das ihre Kurven und ihren üppigen Körper betonte. Trotz aller Bemühungen konnte ich es nicht aus dem Kopf bekommen.

Dann drang ein lauter, ohrenbetäubender Schrei zu mir herüber, die Stimme klang vertraut und spöttisch.

Grey und ich knurrten gleichzeitig. „Kumpel.“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Der übergewichtige Gefährte des Alphas   Kapitel 84

    Vivian aus ihrer Perspektive Lucien war nicht zurückgekommen, um nach mir zu sehen.Dieser Gedanke lastete wie ein schwerer Stein auf mir und verursachte mir ein unangenehmes Kribbeln im Magen.Er hatte mich ins Bett gebracht und war hinausgegangen, um den Kopf frei zu bekommen, und hatte dann stündlich wie ein Uhrwerk nach mir gesehen.Ich hatte so getan, als würde ich schlafen, aber tief in mir freute ich mich trotzdem auf diese Besuche.Der letzte Besuch lag schon weit über zwei Stunden zurück, und obwohl ich wusste, dass es keine große Sache war, konnte ich das unbehagliche Gefühl, das sich gerade in meiner Brust festgesetzt hatte, dennoch nicht abschütteln.Mein Körper versteifte sich, als die Tür endlich quietschend aufging und Schritte auf den Dielen klapperten.Ich wartete auf das schwere Nachgeben der Matratze, wenn er sich darauf niederließ. Wenn er hereingekommen war, dann war er vielleicht bereit, endlich die Nacht einzuläuten.Mir wurde heiß bei dem Gedanken, wie sehnsüc

  • Der übergewichtige Gefährte des Alphas   Kapitel 83

    Luciens Perspektive Es wurde Nacht, und Vivian ging schließlich zu Bett. Ich brachte es jedoch nicht über mich, mich zu ihr zu legen. Nicht, solange ich wusste, dass sich innerhalb dieser Mauern Menschen befanden, die mit dem Feind zusammenarbeiteten. Meine Füße trugen mich schließlich zum Eingang, wo Vivian das erste Mal entführt worden war und wo sich die Attentäter versteckt gehalten hatten, um auf uns zu warten. Ich spürte, wie sich hinter mir etwas bewegte, reagierte aber erst, als die Person sprach. „Was hast du mit ihm vor?“ Wendys Stimme klang ruhiger als erwartet, wenn man bedenkt, dass ihr Bruder nirgends zu sehen war. „Wer?“ „Ich bin keine Närrin, Alpha. Spiel nicht mit mir. Der Attentäter, den du gefoltert hast, um Informationen darüber zu bekommen, wo Vivian war. Ich weiß, dass er noch lebt, und ich weiß, dass du ihn benutzen wirst, um die Spione zu fassen, von denen mir mein Bruder erzählt hat.“ Ich hob eine Augenbraue, als ich mich zu ihr umdrehte. „Kluges Mädc

  • Der übergewichtige Gefährte des Alphas   Kapitel 82

    Vivian aus ihrer PerspektiveWir stürmten aus dem Zimmer.Die Tür zu ihrem Schlafzimmer stand einen Spalt offen, und der Raum selbst war leer. Das Geräusch war aus der Lobby gekommen, zu der wir als Nächstes eilten.Alex stand am Fenster, und dasselbe Messer, mit dem er den Alpha angegriffen hatte, drückte er sich nun an den Hals. „Bleibt weg.“„Alex … was machst du da?“, fragte Wendy mit brüchiger Stimme, wobei der Schmerz fast von der Angst überlagert wurde.„Ich tue das für uns, Wendy. Ich muss zurück. Sie …“, er zeigte auf uns, „… können mich nicht beschützen.“Eric machte einen vorsichtigen Schritt nach vorne, doch Alex drückte das Messer fester gegen seine Kehle. „Noch ein Schritt, und ich schwöre, ich schneide mir die Kehle durch.“Ich hasste es, wie sehr ich wusste, dass er es ernst meinte.Er fummelte eine Weile am Fenster herum, bevor er es endlich aufbekam und hinauskrabbelte.„Auf keinen Fall lässt du ihn wirklich gehen!“, schrie Wendy.Sie sprach jedoch nicht mit mir.Sie

  • Der übergewichtige Gefährte des Alphas   Kapitel 81

    Vivian aus ihrer Perspektive Mein Auge zuckte. „Was?“ „Die Tabletten. Jemand … Alex … hat sie ausgetauscht, als er in dein Zimmer kam.“ Sein Blick schoss nach unten und ruhte auf allem anderen als mir. „Dieser kleine …“ Lucien wollte schon weggehen, doch mein Griff um sein Hemd zwang ihn zum Innehalten. Mein Körper lehnte nun vollständig an ihm. Die zerbrochene Verbindung und die dadurch ausgelöste Hitze forderten bereits ihren Tribut von meinem Körper, und ich wäre fast zu Boden gesunken, hätte sein Gewicht mich nicht gestützt. „Wir sollten dich wieder ins Bett bringen.“ Lucien legte seine Arme wieder um mich und führte mich zurück. „Wie bringen wir das wieder in Ordnung?“ Eric stand immer noch in der Tür und runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass wir das sollten.“ „Was? Siehst du nicht, was diese Drogen mit ihr gemacht haben? Sie ist kurz davor, ohnmächtig zu werden, und du glaubst, du hättest hier ein Mitspracherecht.“ Ich fasste Luciens Wange an und umfasste sie san

  • Der übergewichtige Gefährte des Alphas   Kapitel 80

    **Luciens Perspektive**Vivian stürzte fast sofort zu Boden, als ihre Füße ihn berührten. Ich fing sie gerade noch rechtzeitig auf und stützte ihr Gewicht an meiner Brust ab.„Sei vorsichtig, Liebling“, flüsterte ich ihr ins Ohr, während ich ihr half, sich aufzurichten. „Soweit wir wissen, trägst du vielleicht ein Welpenbaby in dir.“Sie schnaubte, und ihr Lächeln verwandelte sich in einen finsteren Blick. Nachdem sie sich von mir abgestoßen hatte, schlug sie mir mit der Hand gegen die Brust. „So läuft eine Schwangerschaft doch gar nicht ab.“Das wusste ich, aber die Vorstellung, dass mir das in Zukunft vielleicht bevorstehen könnte, begeisterte mich.Das Bild einer kleinen, pummeligen Tochter mit grünen Augen und braunen Haaren hatte sich nun in mein Gedächtnis eingebrannt und zwang mich zum Lächeln. „Wir werden sehen.“Als wir uns der Tür näherten, spürte ich, wie sich ihr Körper immer mehr an mich lehnte. „Wie fühlst du dich jetzt? Tut es noch weh?“Sie brummte, gab aber keine weit

  • Der übergewichtige Gefährte des Alphas   Kapitel 79

    **Vivians Perspektive**Mein Körper zitterte, Hitze kribbelte auf meiner Haut, bis ich zu Boden sank.Alex und ich hatten gerade ein Gespräch geführt, doch nun stand er über mir und legte mir sanft die Hand auf die Schulter. „Geht es dir gut?“„Ja, ja, mir geht es gut. Es ist nichts.“Aber es war nicht nichts.Es war unmöglich, so kurz nach der letzten schon wieder eine Hitzewelle zu haben. Aber es war immer noch derselbe vertraute Schmerz in meinem Unterbauch, und er zwang mich regelrecht in die Knie.Die Türen flogen auf, und eine Sekunde später schlangen sich andere Arme um mich, muskulös und vertraut.Luciens kalte, doch panische Stimme drang in meine Ohren. „Vivian? Vivian, was ist los? Hast du Schmerzen?“Eric stand nun neben mir, seine Stimme klang überrascht. „Ist das schon wieder eine Läufigkeit? Ich habe eine Hitzewelle gerochen, als ich in dein Zimmer kam. Wie kann sie schon wieder läufig sein?“„Ich weiß es nicht. Kannst du das in Ordnung bringen? Oder mir wenigstens sagen

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status