LOGINVivians Perspektive
Tränen liefen mir unkontrolliert über das Gesicht, mein Körper brach mit jedem Schritt, den ich nach vorne machte, zusammen. Der Schmerz über das zerbrochene Band durchzuckte meinen Körper und raubte mir das bisschen Kraft, das ich noch hatte. Ich wusste, dass ich zusammenbrechen würde, wenn ich den üblichen Weg nach Hause nehmen würde. Die Abkürzung führte direkt durch den Wald und dann geradeaus zu unserem Haus. Mein Verstand dachte nicht über die Risiken nach, bevor er den Rest von mir in diese Richtung lenkte. Die Straßen waren größtenteils leer, abgesehen von dem einen oder anderen Beta, der mir angewidert Blicke zuwarf. Ich schlang meine Arme fester um mich, als ich an einer kleinen Kneipe vorbeiging, vor der drei Alphas saßen. Sie waren alle stark betrunken und pfiffen mir hinterher, als ich vorbeiging. „Verdammt, dieses Schwein muss im Bett richtig wild sein“, sagte einer und lachte gleich darauf. Selbst aus der Ferne hing sein schwerer Atem in der Luft, zusammen mit der Beleidigung. Ich blendete den Rest ihres Gesprächs aus und ging weiter, ohne mich umzusehen oder auf ihre Sticheleien zu hören. Diese Worte waren schon so oft zu mir gesagt worden, aber sie taten immer noch genauso weh wie beim ersten Mal. Schwein. Weil ich größer war, als ein Omega sein sollte. Hässlicher. Jede Hoffnung und jeder Traum, den ich als Kind gehabt hatte, wurde in dem Moment zerschlagen, als mein Körper beschloss, diese Gestalt anzunehmen, und diese Sticheleien verfolgten mich seitdem. Meine Fingernägel gruben sich in meine Haut, als ich um die Ecke bog und vorsichtig in den Wald hineinging, ohne mich umzusehen. Ich wollte nur noch nach Hause. In dieses kalte, einsame Zimmer, um endlich noch mehr zu weinen. Die Erinnerung an seinen scharfen Blick war mir noch immer tief ins Gedächtnis eingebrannt, während ich mich durch Laub und Äste kämpfte. Sein Mund und seine Augen hatten zwei völlig unterschiedliche Sprachen gesprochen. Das eine hatte zerrissen, was das andere endlich zusammengefügt hatte. Meine Lippen zitterten, als die Tränen wieder hochstiegen und mir die Sicht vernebelten. Mein Kleid verfing sich an einem Ast, und die zarte Spitze riss fast augenblicklich. Ich zuckte zusammen – das Geräusch fühlte sich an wie eine Klinge in meiner Haut. Die Spitze hing am Baum und verspottete mich, als ich sie abzog. Eine Träne fiel auf den roten Stoff, dann noch eine, und bald drückte sich die Spitze gegen mein Gesicht, während ich weinte – die Qual, die seit Jahren mein Leben war, ergriff mich endlich. Mein Schluchzen erstarrte mir in der Kehle, als ein Ast nur wenige Fuß von mir entfernt knackte. Ich schnappte nach Luft, richtete mich zu meiner vollen Größe auf und blickte mich um. Niemand war zu sehen, doch mein Körper spannte sich dennoch an, während ich die Luft nach dem Geruch von Menschen absuchte. Die Straße wurde oft von Händlern benutzt, daher war es mir mit meinen schwachen Omega-Sinnen unmöglich, sie voneinander zu unterscheiden. Meine Füße traten ein paar Schritte zurück, bevor ich in Richtung meines Hauses sprintete. Die Bäume und Blätter rissen Teile meines Kleides ab; der schwere Stoff erschwerte das Laufen zusätzlich. Als das Haus in Sicht kam, hatte ich kaum Zeit zu begreifen, dass dies wahrscheinlich das erste Mal war, dass ich Erleichterung empfand, es zu sehen, bevor ein Körper gegen mich prallte und mich nach vorne schleuderte. Meine Handflächen schützten mein Gesicht und verhinderten, dass es über den rauen Waldboden schrammte. Der Rest meines Körpers hatte nicht so viel Glück. Schmerz schoss durch meine Arme, ein fernes Stechen, das nachließ, als ich mich vom Boden abstieß, um zu sehen, was mich angegriffen hatte. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als mich die drei Alphas aus der Kneipe umringten, ihre Kleidung mit Bier befleckt und mit raubtierhaftem Grinsen. „Normalerweise würde ich so eine wie dich nicht vögeln, aber alle heißen Mädels sind im Rudelhaus und versuchen, sich einen reichen Partner zu angeln“, sagte einer, sichtlich genervt. Ich rappelte mich mühsam auf Hände und Knie hoch, mein Körper schmerzte von der vorangegangenen Zurückweisung und dem brutalen Stoß. Ich kroch kaum zwei Schritte, da trat ein anderer Mann vor und rammte mir seinen Fuß so hart auf die Handfläche, dass das Geräusch eines brechenden Knochens in meinem Kopf hallte. Mein Körper krachte auf den Boden, die Hand schoss mir vor Schmerz an die Brust. „Musstest du ihr unbedingt die Hand brechen?“, fragte der Dritte und beugte sich seufzend zu mir herunter. Seine Sprache war nicht so verwaschen wie die der anderen beiden, was bedeutete, dass er bei weitem nicht so betrunken war. Ich wusste nicht, ob das nun gut oder schlecht war. Er war zwar etwas nüchterner, aber dennoch bereit, sich seinen Freunden anzuschließen, um mir wehzutun – daran war nichts Gutes. „Bitte …“, flüsterte ich und rang nach Atem, während der Schmerz mich schwer atmen ließ. Der dritte Mann lachte, hob mein Kinn an, damit ich ihn ansah, während die anderen beiden begannen, mir das Kleid vom Leib zu reißen. „Es ist so süß, wenn du bettelst.“ Ich versuchte, mich zu wehren, aber mein gebrochener Arm hing hilflos an meiner Seite und nahm bereits eine hässliche violett-gelbe Färbung an. „Wie heißt du, Schwein?“, fragte er, seine Stimme so sanft und leise, als würde er mich nicht gerade in Stücke reißen. Seine Freunde hatten bereits den größten Teil meines Kleides zerrissen. Der Körper darunter lag hilflos auf dem Waldboden. Mit einem ungebundenen Omega zu schlafen, verstieß gegen das Gesetz, aber ich war nicht minderjährig, und es gab ohnehin absolut niemanden, der mich verteidigen würde. Nicht meine Familie und schon gar nicht mein Partner. Wenn diese Männer mich überfallen würden, kämen sie ungestraft davon, und ich müsste mit der Schande leben. Ich empfand nichts als Hoffnungslosigkeit, als mein Körper schlaff wurde. Als die beiden Männer sich jedoch schließlich entschlossen, meine Beine gewaltsam auseinanderzudrücken, erwachte etwas in mir zum Leben. Ich wehrte mich gegen ihren Griff, doch meine Bemühungen waren vergeblich und wirkungslos. Es gelang mir, einen lauten, flehenden Schrei auszustoßen, bevor der Mann, der mein Kinn festhielt, mir eine Ohrfeige versetzte. Seine Handfläche hinterließ eine Welle des Schmerzes, die von meiner Wange ausstrahlte. Ein Wimmern entfuhr mir, bevor einer von ihnen mir die Hand auf den Mund presste und mich zum Schweigen brachte. „Glaubst du, jemand hat die Schlampe gehört?“, fragte der Dritte und blickte skeptisch umher. „Vielleicht sollten wir sie einfach hier lassen und abhauen.“ Der erste Mann knurrte und entblößte dabei seine hässlichen gelben Zähne. „Diese Schlampe wird mit diesem Körper wahrscheinlich nie das Privileg haben, von einem richtigen Schwanz gefickt zu werden. Wir tun ihr einen Gefallen.“ Seine Worte fühlten sich wie eine Ohrfeige an, fast so schmerzhaft wie die tatsächliche Ohrfeige, die er mir versetzt hatte. Sie drückten meine Beine weiter auseinander, spreizten meine Gliedmaßen weit, während einer mit einer Klinge meine Unterwäsche aufschnitt. Panik ergriff mich, während ich durch die Hand, die mir den Mund zuhielt, gedämpfte Schreie ausstieß. „Halt verdammt noch mal die Klappe. Schweine wie du lieben es sowieso, sich zu paaren. Warst du nicht deshalb nicht bei der Zeremonie? Du bist hierhergekommen, um stattdessen jemanden zu finden, der dich fickt.“ Ich spürte, wie Luft über meine Oberschenkel strömte – genug, um mir klar zu machen, dass sie meine Unterwäsche aufgeschnitten hatten. Als der erste Mann endlich auf mich kroch und sein heißer Atem mein Ohr streifte, regte sich etwas im Wald. Das zog unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich, doch noch bevor der Mann über mir sich umdrehen konnte, um nachzusehen, stürzte sich ein Wolf aus dem Wald auf ihn. Er versenkte seine Krallen in seiner Brust und beendete sein Leben augenblicklich. Dann wandte er sich mir zu und knurrte.Vivian aus ihrer Perspektive Wendy schrie auf, während ich vor Schreck wie angewurzelt dastand. Dann wanderte mein Blick langsam zu der Person, die die Tür geöffnet hatte. Lucien kniff die Augen zusammen und bedeutete mir mit einer Geste, zu ihm zu kommen. Er drängte mich hinaus, trat ein und schlug die Tür hinter sich zu. Ich schluckte und stand da wie eine Närrin, während dumpfe Schläge aus dem Zimmer hallten. Minuten später quietschte die Tür, als sie sich öffnete, und Lucien trat heraus, die Knöchel voller blauer Flecken. „Hast du … hast du ihr wehgetan?!” „Was?“ Er hob eine Augenbraue, ganz ruhig und völlig gelassen. „Was ist hier los? Warum hat Wendy mich angegriffen, und warum hast du sie geschlagen, du Psychopath?!“ „Erstens: Gern geschehen. Ich bin auch froh, dass ich dir das Leben gerettet habe“, murmelte er, bevor er mit dem Daumen über seine Schulter deutete. „Und das da ist nicht Wendy.“ „Moment … was?“ „Ich erkläre es dir. Wir müssen jetzt los.“ Er
Vivian aus ihrer Perspektive Lucien war nicht zurückgekommen, um nach mir zu sehen.Dieser Gedanke lastete wie ein schwerer Stein auf mir und verursachte mir ein unangenehmes Kribbeln im Magen.Er hatte mich ins Bett gebracht und war hinausgegangen, um den Kopf frei zu bekommen, und hatte dann stündlich wie ein Uhrwerk nach mir gesehen.Ich hatte so getan, als würde ich schlafen, aber tief in mir freute ich mich trotzdem auf diese Besuche.Der letzte Besuch lag schon weit über zwei Stunden zurück, und obwohl ich wusste, dass es keine große Sache war, konnte ich das unbehagliche Gefühl, das sich gerade in meiner Brust festgesetzt hatte, dennoch nicht abschütteln.Mein Körper versteifte sich, als die Tür endlich quietschend aufging und Schritte auf den Dielen klapperten.Ich wartete auf das schwere Nachgeben der Matratze, wenn er sich darauf niederließ. Wenn er hereingekommen war, dann war er vielleicht bereit, endlich die Nacht einzuläuten.Mir wurde heiß bei dem Gedanken, wie sehnsüc
Luciens Perspektive Es wurde Nacht, und Vivian ging schließlich zu Bett. Ich brachte es jedoch nicht über mich, mich zu ihr zu legen. Nicht, solange ich wusste, dass sich innerhalb dieser Mauern Menschen befanden, die mit dem Feind zusammenarbeiteten. Meine Füße trugen mich schließlich zum Eingang, wo Vivian das erste Mal entführt worden war und wo sich die Attentäter versteckt gehalten hatten, um auf uns zu warten. Ich spürte, wie sich hinter mir etwas bewegte, reagierte aber erst, als die Person sprach. „Was hast du mit ihm vor?“ Wendys Stimme klang ruhiger als erwartet, wenn man bedenkt, dass ihr Bruder nirgends zu sehen war. „Wer?“ „Ich bin keine Närrin, Alpha. Spiel nicht mit mir. Der Attentäter, den du gefoltert hast, um Informationen darüber zu bekommen, wo Vivian war. Ich weiß, dass er noch lebt, und ich weiß, dass du ihn benutzen wirst, um die Spione zu fassen, von denen mir mein Bruder erzählt hat.“ Ich hob eine Augenbraue, als ich mich zu ihr umdrehte. „Kluges Mädc
Vivian aus ihrer PerspektiveWir stürmten aus dem Zimmer.Die Tür zu ihrem Schlafzimmer stand einen Spalt offen, und der Raum selbst war leer. Das Geräusch war aus der Lobby gekommen, zu der wir als Nächstes eilten.Alex stand am Fenster, und dasselbe Messer, mit dem er den Alpha angegriffen hatte, drückte er sich nun an den Hals. „Bleibt weg.“„Alex … was machst du da?“, fragte Wendy mit brüchiger Stimme, wobei der Schmerz fast von der Angst überlagert wurde.„Ich tue das für uns, Wendy. Ich muss zurück. Sie …“, er zeigte auf uns, „… können mich nicht beschützen.“Eric machte einen vorsichtigen Schritt nach vorne, doch Alex drückte das Messer fester gegen seine Kehle. „Noch ein Schritt, und ich schwöre, ich schneide mir die Kehle durch.“Ich hasste es, wie sehr ich wusste, dass er es ernst meinte.Er fummelte eine Weile am Fenster herum, bevor er es endlich aufbekam und hinauskrabbelte.„Auf keinen Fall lässt du ihn wirklich gehen!“, schrie Wendy.Sie sprach jedoch nicht mit mir.Sie
Vivian aus ihrer Perspektive Mein Auge zuckte. „Was?“ „Die Tabletten. Jemand … Alex … hat sie ausgetauscht, als er in dein Zimmer kam.“ Sein Blick schoss nach unten und ruhte auf allem anderen als mir. „Dieser kleine …“ Lucien wollte schon weggehen, doch mein Griff um sein Hemd zwang ihn zum Innehalten. Mein Körper lehnte nun vollständig an ihm. Die zerbrochene Verbindung und die dadurch ausgelöste Hitze forderten bereits ihren Tribut von meinem Körper, und ich wäre fast zu Boden gesunken, hätte sein Gewicht mich nicht gestützt. „Wir sollten dich wieder ins Bett bringen.“ Lucien legte seine Arme wieder um mich und führte mich zurück. „Wie bringen wir das wieder in Ordnung?“ Eric stand immer noch in der Tür und runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass wir das sollten.“ „Was? Siehst du nicht, was diese Drogen mit ihr gemacht haben? Sie ist kurz davor, ohnmächtig zu werden, und du glaubst, du hättest hier ein Mitspracherecht.“ Ich fasste Luciens Wange an und umfasste sie san
**Luciens Perspektive**Vivian stürzte fast sofort zu Boden, als ihre Füße ihn berührten. Ich fing sie gerade noch rechtzeitig auf und stützte ihr Gewicht an meiner Brust ab.„Sei vorsichtig, Liebling“, flüsterte ich ihr ins Ohr, während ich ihr half, sich aufzurichten. „Soweit wir wissen, trägst du vielleicht ein Welpenbaby in dir.“Sie schnaubte, und ihr Lächeln verwandelte sich in einen finsteren Blick. Nachdem sie sich von mir abgestoßen hatte, schlug sie mir mit der Hand gegen die Brust. „So läuft eine Schwangerschaft doch gar nicht ab.“Das wusste ich, aber die Vorstellung, dass mir das in Zukunft vielleicht bevorstehen könnte, begeisterte mich.Das Bild einer kleinen, pummeligen Tochter mit grünen Augen und braunen Haaren hatte sich nun in mein Gedächtnis eingebrannt und zwang mich zum Lächeln. „Wir werden sehen.“Als wir uns der Tür näherten, spürte ich, wie sich ihr Körper immer mehr an mich lehnte. „Wie fühlst du dich jetzt? Tut es noch weh?“Sie brummte, gab aber keine weit







