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KAPITEL 5

Author: Black Bambi
last update publish date: 2026-06-06 04:40:09

Sylvaren POV

„Bist du verloren, Soren, oder tust du nur so, als würdest du die Tür zum Hörsaal nicht sehen?“

Ich blieb wie angewurzelt stehen. Meine Finger krallten sich um den Riemen meiner Tasche. Es war der Leiter des fortgeschrittenen Kunstprogramms. Er stand mit einem Stapel Mappen beim Wasserspender.

„Ich wollte nur in die Bibliothek, Sir“, murmelte ich und hielt den Kopf unten.

„Stell sicher, dass du deine Sprechstunden nicht verpasst“, sagte er und winkte mich weg. „Das Semester läuft schnell.“

Ich mied das Kunstgebäude den Rest der Woche. Jedes Mal, wenn ich Calix im Flur mit Studenten um seinen Tisch herum sah, drehte ich mich sofort in die andere Richtung. Die fortgeschrittenen Mädchen hingen immer noch ständig um ihn herum wie Motten ums Licht. Lena war immer mittendrin. Sie lachte viel lauter, sobald er in Reichweite war, und sie berührte seinen Ärmel oder seine Schulter, als wäre das das Normalste der Welt.

„Professor, schauen Sie sich diese Perspektivskizze an“, hörte ich Lena rufen, als ich versuchte, an einer Reihe von Spinden vorbeizuschlüpfen. „Habe ich den Kontrast richtig getroffen?“

„Die Schattierung ist genau da, wo sie sein muss, Lena“, antwortete Calix. Seine tiefe, ruhige Stimme hallte klar durch den vollen Flur. „Du machst schnellere Fortschritte als jeder andere in diesem Kurs.“

Ich sagte mir, es sei mir egal. Ich wiederholte die Worte in meinem Kopf wie ein Mantra, bis meine Ohren klingelten. Ich hatte ihn schon in seinem Büro konfrontiert und klar gesagt, dass es vorbei sei. Aber jedes Mal, wenn ich sah, wie sie sich nah an ihn lehnte oder wie er sie mit dieser ruhigen Aufmerksamkeit ansah, spürte ich etwas Scharfes und Gewalttätiges in meiner Brust. Ich zeigte nichts davon. Ich hielt mein Gesicht völlig ausdruckslos und ging weiter. Meine Stiefel klackten hart auf den Linoleumfliesen.

Eines Nachmittags saß ich in der hintersten Ecke der Universitätsbibliothek und versuchte, eine große Hausarbeit fertig zu bekommen. Das leise Kratzen von Stiften und das Umblättern von Seiten half mir sonst immer, mich zu konzentrieren. Aber mein Kopf war woanders. Dann vibrierte mein Handy aggressiv auf dem dunklen Holztisch.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich das leuchtende Display sah. Es war eine direkte Nachricht von Calix.

„Komm sofort nach deiner letzten Vorlesung ins private Atelier.“

Ich starrte auf den Bildschirm. Mein Daumen schwebte über dem Löschen-Button. Ich wollte es fast komplett ignorieren. Ich wollte meine Bücher packen und direkt ins Wohnheim gehen. Dann hielt ich mich selbst auf. Ich sagte mir, ich sollte hingehen. Ich musste ihm direkt in die Augen sehen und ihm noch einmal klar machen, dass ich mit seinen Spielen komplett fertig war. Ich musste ihm zeigen, dass sein Machtspiel nicht mehr funktionierte.

Als ich am Ende des langen Flurs ankam und das private Atelier erreichte, war die schwere Holztür diesmal nicht abgeschlossen. Sie stand einen Spalt offen und ließ einen schmalen Streifen gelbes Licht über den dunklen Boden fallen. Ich drückte sie auf und trat ein. Mein Puls hämmerte gegen meinen Hals.

Calix war schon da. Er saß lässig auf der Kante des großen Holzarbeitstisches in der Mitte des Raums, die langen Beine überkreuzt und die Arme fest vor der Brust verschränkt. Er sah auf, sobald die Tür hinter mir zuschlug.

„Du hast mich gemieden, Sylvaren“, sagte er. Seine Stimme wurde dunkel und schwer und ließ meinen ganzen Körper heiß werden.

„Ich war mit meinen eigentlichen Kursen beschäftigt“, antwortete ich und blieb nah am Eingang stehen. „Und ich habe dir vor zwei Tagen genau gesagt, wie ich zu dieser Sache stehe. Zwischen uns hat sich nichts geändert.“

Calix stand langsam vom Tisch auf und kam direkt auf mich zu. Er beeilte sich nicht, aber seine Schritte waren weit und bestimmt. Er blieb nur ein paar Schritte vor mir stehen und drang in meinen persönlichen Raum ein, bis ich den scharfen, kühlen Duft seines Minzkolons riechen konnte. Die Hitze, die von ihm ausging, war sofort und schwer.

„Du kannst mit deinem Mund sagen, was du willst, süßer Junge“, murmelte er. Seine dunklen Augen bohrten sich in meine mit einer Intensität, die meine Knie weich machte. „Aber dein Körper reagiert immer noch komplett, sobald ich in deiner Nähe bin. Ich habe dein Gesicht neulich gesehen, als ich mit Lena gesprochen habe. Du hast jede einzelne Sekunde gehasst, in der sie neben mir stand. Du hast von der anderen Seite des Raums gebrannt.“

Ich machte einen scharfen Schritt zurück. Mein Rücken traf auf die kalte Wand. Mein Schwanz zuckte hart in meiner Jeans, nur weil seine Brust so nah war, und ich hasste mich dafür. „Das spielt keine Rolle. Ich mache das nicht mehr mit dir, Calix. Wenn du mich weiter in solche Ecken drängst oder mir wieder so schreibst, melde ich die ganze Sache bei der Verwaltung. Das ist kein Witz.“

Calix sah lange und erstickend auf mich herunter. Seine Augen wanderten über mein Gesicht, folgten dem schweren Heben und Senken meiner Brust und kehrten dann zu meinen Augen zurück. Die Stille im Atelier dehnte sich, bis ich dachte, ich würde wegen der puren sexuellen Spannung zwischen uns schreien. Dann nickte er einmal. Sein Gesicht wurde völlig unlesbar, als er einen Schritt zurücktrat.

„Gut“, sagte er. Seine Stimme war plötzlich wieder vollkommen ruhig und professionell. „Wir machen es vorerst auf deine Weise. Du kannst gehen.“

Ich wartete nicht, bis er es sich anders überlegte. Ich griff nach der Türklinke, drehte den Schlüssel und stürzte in den Flur hinaus. Ich verließ das Atelier mit dem Gefühl, endlich einen großen Kampf gegen ihn gewonnen zu haben. Aber als ich in die kalte Luft hinaustrat, fühlte es sich überhaupt nicht wie ein echter Sieg an. Meine Brust fühlte sich immer noch eng zusammengezogen an und meine Haut fühlte sich unbefriedigt.

An diesem Abend schickte die Kunstabteilung endlich die offizielle Liste der Projekt- und Artikelbetreuer für den Rest des Semesters raus. Ich saß an einem Computerterminal im Keller der Bibliothek, als die Benachrichtigung aufpoppte. Ich klickte den P*F-Anhang mit zitterndem Finger an und scrollte an Dutzenden Namen vorbei, bis ich endlich zum Abschnitt für die Transferstudenten kam.

Ich fand meinen Namen ganz unten auf der Seite. Direkt daneben stand der Text in fetter, dunkler Schrift.

Betreuer: Professor Calix Evander.

Die Seiten fielen mir aus der Hand. Meine Augen weiteten sich vor blankem Entsetzen. Der Atem blieb mir komplett im Hals stecken. Die Wände der Bibliothek fühlten sich plötzlich an, als würden sie auf mich einstürzen. Er hatte das von Anfang an geplant. Er hatte mich komplett unter seine Autorität gesperrt und jetzt gab es kein Entkommen mehr.

Ich krallte mich am Rand des Tisches fest. Meine Stimme war ein verzweifeltes Flüstern im dunklen Raum.

„Nein. Das kann nicht wahr sein.“

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