LOGINDirekt nach dem College heiratete sie Kane, den Mann, von dem sie glaubte, dass er sie für immer lieben würde. Sie opferte ihre Träume, ihre Jugend und Jahre ihres Lebens, um ihn während einer schweren Krankheit zu pflegen. Doch kaum war Kane wieder gesund, vergalt er ihre Hingabe mit Kälte, Grausamkeit und einer anderen Frau unter ihrem eigenen Dach. Mit gebrochenem Herzen, aber ungebrochenem Willen, verlässt Sora ihn. Gemeinsam mit ihrem Sohn beginnt sie in einem anderen Land ein neues Leben. Durch harte Arbeit und Entschlossenheit baut sie sich eine brillante Karriere als Ärztin auf und erschafft ein Leben, in dem sie den Mann, der ihr Herz zerstörte, nicht mehr braucht. Doch als Gerüchte aufkommen, die sie mit dem mächtigen und unwiderstehlichen Carter Bryant in Verbindung bringen, verwandelt sich Kanes Reue in Besessenheit. Er will seine Frau zurück. Das Problem? Sora ist nicht mehr die Frau, die er einst zurückgelassen hat. Und diesmal könnte ihr Herz einem anderen gehören.
View MoreSora ließ ihren Ehering beinahe fallen, als ihr die winzigen Initialen auf der Innenseite des Rings auffielen.
Nicht ihre.
R.W.
Ruth Walters.
Ihr Atem stockte, während sich der Raum um sie herum zu drehen schien. Dann traf sie die Wahrheit mit voller Wucht – schwer, scharf und unerbittlich.
Der Ring, den sie all die Jahre mit Stolz getragen hatte, hatte nie ihr gehört.
Er war immer für Ruth bestimmt gewesen.
Tausend Fragen schossen ihr durch den Kopf, doch keine davon spielte noch eine Rolle. Kanes Kälte. Sein Schweigen. Die Distanz zwischen ihnen.
Plötzlich ergab alles einen Sinn.
Mit dieser Erkenntnis, die sich wie ein Messer in ihre Brust bohrte, wusste Sora, was sie tun musste.
Noch vor Sonnenaufgang packte sie mit zitternden Händen ihren Koffer. Anschließend ging sie die Treppe hinunter, ihr Herz schwerer als das Gepäck, das sie hinter sich herzog.
Sie reichte Mrs. Caterina einen versiegelten braunen Umschlag.
„Bitte ... geben Sie das Kane“, flüsterte Sora mit brüchiger Stimme.
Mrs. Caterina zögerte einen Moment, nickte dann jedoch schweigend.
Später an diesem Abend betrat Kane das Esszimmer. Als Mrs. Caterina ihn sah, holte sie den Umschlag hervor.
„Sir, Madam hat mich gebeten, Ihnen das zu geben“, sagte sie sanft.
Kane nahm den Umschlag widerwillig entgegen, als würde ihn bereits der Anblick von etwas, das von Sora kam, stören.
Ohne ihn auch nur anzusehen, ließ er ihn mit einem dumpfen Geräusch auf den Tisch fallen und ging in Richtung des Hauptschlafzimmers.
Genauso, wie er Sora zurückgelassen hatte.
Ignoriert.
Vergessen.
Was Mrs. Caterina ihm jedoch nicht gesagt hatte, war, dass Sora die Villa bereits mit ihrem Koffer verlassen hatte.
Für alle anderen wirkte Kane lediglich kühl.
Für Sora jedoch fühlte sich seine Kälte wie ein langsamer Tod an.
So lange hatte sie sie ertragen.
Sein Schweigen.
Seine Ablehnung.
Seine leeren Blicke, die tiefer schnitten als jede Beleidigung.
Manchmal wünschte sie sich sogar, er würde sie anschreien.
Irgendetwas.
Nur damit sie überhaupt noch etwas von ihm spüren konnte.
Doch Kane behandelte sie, als existiere sie nicht.
Als hätte sie nie eine Bedeutung für ihn gehabt.
Und trotzdem blieb sie.
Sie blieb trotz der Einsamkeit.
Sie blieb trotz der Tränen, die Nacht für Nacht ihr Kissen durchnässten.
Sie blieb, weil sie glaubte, sein Herz zurückgewinnen zu können.
Weil sie hoffte, er würde sich wenigstens um ihre Kinder kümmern und wieder der Mann werden, der er einst gewesen war.
Denn Kane war nicht immer so gewesen.
Bevor er krank wurde, war er freundlich und liebevoll gewesen.
Der Mann, der sie jeden Tag unterstützte.
Zwölf lange Monate lang hatte Sora ihn gepflegt, während er regungslos in einem vegetativen Zustand lag.
Tag für Tag.
Nacht für erschöpfende Nacht.
Nicht ein einziges Mal hatte sie seine Seite verlassen.
Wie konnte er also aufwachen und sie ansehen, als würde sie ihm nichts bedeuten?
Wie konnte er sich so sehr verändern?
Kane war inzwischen gesund.
Doch der Mann, der zurückgekehrt war, fühlte sich fremder an als ein Fremder.
Sein Schweigen erfüllte jede Ecke des Hauses.
In seinen Augen lag keine Wärme mehr.
Nur Dunkelheit.
Eine Dunkelheit, die sie niemals erreichen konnte.
Sora dachte an jedes Opfer zurück, das sie gebracht hatte.
An jeden Moment.
An jede Träne.
Und trotzdem hatte sie ihre Ehe nicht aufgegeben.
Sie hatte alles versucht.
Sich hübsch gemacht.
Gespräche begonnen.
Nach seiner Hand gegriffen.
Doch jedes Mal zog er sich zurück.
Als wäre ihre Berührung etwas Abstoßendes.
Mit der Zeit fraß sich die Zurückweisung tief in ihr Herz.
Sie fühlte sich unerwünscht.
Unattraktiv.
Unsichtbar.
Doch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie nicht das Problem war.
Sie kümmerte sich um sich selbst.
Achtete auf ihr Aussehen.
Tat alles, was sie konnte.
Und dennoch gab Kane ihr das Gefühl, niemals genug zu sein.
Immer wieder versuchte sie mit ihm zu reden.
Zu verstehen, was sie falsch gemacht hatte.
Doch jedes Mal wies er sie ab.
Ohne Erklärung.
Ohne Gespräch.
Trotzdem gab Sora nicht auf.
Bis gestern.
Gestern überschritt Kane eine Grenze, die sie ihm niemals verzeihen konnte.
Er brachte eine andere Frau in ihr Zuhause.
Nicht irgendeine Frau.
Ruth.
Ihre beste Freundin.
Und Kanes neue Sekretärin.
Sora hatte gerade ihre Kinder, Jayden und Julia, vom Kindergarten abgeholt. Gemeinsam wollten sie ihren sechsten Hochzeitstag feiern.
Doch als sie nach Hause kam, blieb ihr das Herz stehen.
Ruth lag in ihrem Ehebett.
Gekleidet in Kanes Hemd.
Trotzdem flehte Sora ihren Mann an.
„Kane, bitte ... tu das nicht. Wir können darüber reden.“
Tränen liefen ihr über das Gesicht.
„Bitte sag ihr einfach, sie soll gehen.“
Sie klammerte sich an seinen Arm, als könnte sie ihn dadurch zurückholen.
Doch Kane sah auf sie herab.
Mit unverhohlener Verachtung.
„Ich muss mit dir nicht reden. Kenn deinen Platz, Sora.“
Seine Stimme war kalt.
Hart.
Grausam.
Da zog Sora ihren Ehering ab und fragte ihn, ob ihm ihre Ehe wirklich nichts bedeutete.
Und genau in diesem Moment entdeckte sie die eingravierten Initialen.
R.W.
Ruth Walters.
Etwas in ihr zerbrach.
Endgültig.
Als Sora ihr neues Zuhause erreichte – das Haus, das ihr Vater ihr zu ihrem letzten Geburtstag geschenkt hatte und von dem Kane nichts wusste – brach die Welle des Schmerzes endgültig über sie herein.
Sie sank auf den Boden.
Der Ring lag in ihrer Hand.
R.W.
Ruth Walters.
Ihre Brust zog sich schmerzhaft zusammen, während die Tränen über ihr makelloses Gesicht liefen.
Er hatte sie nie geliebt.
Sie war nichts weiter als ein Platzhalter gewesen.
Jemand, der Ruths Platz einnahm.
Sora wusste, dass das Leben ohne Kane nicht einfach werden würde.
Doch ihre geistige Gesundheit war wichtiger.
Zum ersten Mal entschied sie sich für sich selbst.
Bis zum Wochenende hoffte sie, dass die Scheidung bereits in die Wege geleitet worden war.
Sie wollte alles ruhig und unkompliziert regeln.
Kane zuliebe.
Es war die schwerste Entscheidung ihres Lebens.
Doch sie schluckte ihren Schmerz hinunter und machte weiter.
Am nächsten Morgen betrat Sora die Büroräume von Briarwoods Inc. und setzte sich an ihren Schreibtisch.
„Mrs. Sora.“
Zachary ließ einen schweren Stapel Akten auf ihren Tisch fallen.
„Mr. Kane möchte, dass Sie das bearbeiten.“
Er wollte bereits gehen, als Sora ihn aufhielt.
„Es tut mir leid, Mr. Zach“, sagte sie ruhig. „Ich habe bereits genug Arbeit. Ich werde keine weiteren Aufgaben übernehmen.“
Zachary erstarrte.
„Mrs. Sora“, sagte er scharf und beugte sich vor, „vergessen Sie nicht Ihren Platz. Und falls es hierbei um Mr. Kane geht – denken Sie daran, dass es ihm egal ist, selbst wenn Sie seine Ehefrau sind.“
Sora lächelte schwach.
Er hatte recht.
Kane kümmerte sich nicht um sie.
„Keine Sorge, Mr. Zachary“, antwortete sie. „Meine Arbeitsleistung wird kein Problem darstellen.“
Was er nicht wusste:
Sora hatte an diesem Morgen bereits ihre Kündigung eingereicht.
Sie war es leid, alles für Menschen zu geben, die ihr nichts zurückgaben.
Als Nächstes würde sie in den medizinischen Bereich zurückkehren, den sie vor vier Jahren aufgegeben hatte.
Dorthin, wo sie hingehörte.
Dorthin, wo sie wieder wachsen konnte.
Was Sora jedoch nicht wusste, war, dass Kane den Umschlag noch immer nicht geöffnet hatte.
Der braune Umschlag lag unverändert auf dem Esstisch.
Vergessen zwischen einem Stapel Dokumente.
Für Kane war es nur eine weitere Sache von Sora.
Eine weitere Sache, die er ignorieren konnte.
Er bemerkte nicht, dass ihr Koffer verschwunden war.
Bemerkte nicht, dass ihre Seite des Kleiderschranks leer war.
Bemerkte nicht die Stille, die sich in der Villa ausgebreitet hatte.
Zum ersten Mal seit Jahren war Sora Whitmore fort.
Und Kane Whitmore hatte keine Ahnung, dass seine Frau gerade aus seinem Leben verschwunden war.
Ebenso wenig wusste er, dass sich in dem vergessenen Umschlag Scheidungspapiere und ein Abschiedsbrief befanden.
Ein Brief, der alles verändern würde.
Und wenn Kane ihn schließlich öffnete ...
könnte es bereits zu spät sein.
Sora beantwortete Kanes Frage nicht. Sie ging einfach an ihm vorbei und kehrte zu ihrem Tisch zurück.Kane folgte ihr dicht auf den Fersen. Kaum hatte er sich gesetzt, ließ er sie nicht mehr aus den Augen.Irgendetwas stimmte nicht.Sora wirkte beunruhigt, und sofort musste Kane wieder an Carter denken.Carter befand sich im selben Gebäude.Sora war auf die Toilette gegangen und hatte ziemlich lange gebraucht, um zurückzukommen.Und jetzt war ihre Lippe geschwollen.Je länger Kane darüber nachdachte, desto unruhiger wurde er. Seine Kiefermuskeln spannten sich an.„Sora, was ist mit deiner Lippe passiert?“Sein Gesicht verfinsterte sich, und seine Stimme wurde eisig.Sora setzte schnell wieder eine ruhige Miene auf, bevor sie ihn ansah.„Ich habe bemerkt, dass mein Lippenstift verschmiert war, also bin ich ins Bad gegangen, um ihn abzuwischen. Vielleicht war ich dabei etwas zu grob.“Kanes Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.Sein Blick blieb auf ihr ruhen, voller Zweifel.Sora zog
Sie hatte Carter nicht begrüßt. Vielleicht würde er denken, sie sei undankbar.Dabei war sie das keineswegs. Doch die Distanz, die er ihr gegenüber gezeigt hatte, war genau das, was sie gewollt hatte.Wenigstens musste sie sich so keine Vorwürfe machen.„Sora.“„Sora.“Kanes Stimme holte sie aus ihren Gedanken zurück.„Was ist passiert? Ist alles in Ordnung?“„J-ja.“ Sora sah ihn hastig an. „Ich war mit dem Essen beschäftigt. Ich habe dich nicht gehört.“„Entschuldige. Was hast du gesagt?“„Ich habe gefragt, ob du wieder in die Villa zurückkommen möchtest.“„Nein.“ Sora schüttelte den Kopf.Kane betrachtete sie einen Moment lang, fragte jedoch nicht weiter nach. Die Art, wie sie seinem Blick auswich, verriet ihm, dass sie nicht bereit war, darüber zu sprechen.Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm sein Glas in die Hand.Wenigstens hatte sie zugestimmt, mit ihm zu Abend zu essen. Vielleicht konnte er sie mit der Zeit dazu bringen, wieder in die Villa zurückzukehren.Ein paar M
Während Sora zu Carters Haus fuhr, erinnerte sie sich plötzlich daran, dass er ihr erzählt hatte, dass er auf Geschäftsreise gehen würde. Also beschloss sie, stattdessen wieder nach Hause zu fahren.Nachdem sie sich frisch gemacht hatte, setzte sie sich auf das Sofa, schaltete den Fernseher ein und nahm eine Tasse Kaffee in die Hand. Doch schon bald wanderten ihre Gedanken wieder zu dem zurück, was Anna ihr erzählt hatte.Der Unfall.Wenn sie der Sache wirklich gründlich auf den Grund gehen wollte, musste sie eine Weile in Kanes Nähe bleiben. Auch wenn ihr der Gedanke überhaupt nicht gefiel, war sie bereit, es zu tun.Jemanden für die Ermittlungen zu engagieren, konnte gefährlich sein. Diese Person könnte ihre Pläne an ihren Gegner weitergeben und sie gleichzeitig in dem Glauben lassen, auf ihrer Seite zu stehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, beschloss Sora, selbst Nachforschungen anzustellen.Mit diesen Gedanken im Kopf schlief sie schließlich auf dem Sofa ein.Das Klingeln ihres Ha
An diesem Abend sollte Sora aus dem Krankenhaus entlassen werden. Während sie noch ihre Sachen zusammenpackte, erhielt sie einen Anruf von der Polizei. Sie sollte zur Polizeistation kommen, um eine Aussage zu machen.Nachdem sie damit fertig war, wandte sie sich zum Gehen. Doch noch bevor sie die Tür erreichte, hielt ein Polizist sie auf.„Anna weigert sich, mit uns zu kooperieren. Sie sagt, sie wird nur aussagen, wenn sie vorher mit Ihnen sprechen kann.“Sora zögerte.Der Polizist bemerkte ihre Zurückhaltung und schien zu verstehen, was ihr durch den Kopf ging. Wahrscheinlich hatte sie Angst, dass Anna erneut versuchen könnte, ihr etwas anzutun.„Keine Sorge. Sie werden durch eine Glasscheibe voneinander getrennt sein. Sie kann Sie nur durch das Glas sehen. Sie wird Sie nicht berühren können.“Nach kurzem Zögern stimmte Sora widerwillig zu.Sie wurde in den Raum geführt, in dem Anna festgehalten wurde. Eine dicke Glasscheibe trennte die beiden voneinander.Sobald Anna sie sah, erschi





