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3: WARUM HAT ER MICH VERTEIDIGT?

Author: Gracious
last update publish date: 2026-10-10 17:26:35

Vanessas Sicht

„Verschwinde jetzt“, sagte er zu mir.

Ich starrte ihn verwirrt an. Zum ersten Mal seit ich in Blackthorn war, hatte Ryker Moonstone plötzlich Interesse an mir gezeigt.

Sein Blick brannte sich in mich ein.

„Warum sollte Ryker Moonstone sie verteidigen?“

„Warum sollte jemand wie Ryker Vanessa überhaupt eines Blickes würdigen?“

„Ryker Moonstone ist ein Monster. Er kümmert sich um niemanden, warum sollte er sich also um ein wertloses Omega kümmern?“

Das waren die Gerüchte, die ich hörte, und die grausamen Kommentare darüber, dass Ryker mich nicht hätte verteidigen sollen. Vielleicht hatten sie ja recht. Jeder in Blackthorn wusste bereits, dass ich ein wertloses Omega und eine Ausgestoßene war. Warum sollte also der Alpha-Erbe des Moonstone-Rudels mich beachten?

War das eine Falle?, dachte ich. Aber ich war nicht wichtig. Ich war nicht mächtig. Ich hatte nichts, was irgendjemand haben wollte.

Ryker Moonstone mischte sich nie in die Probleme anderer ein. Das wusste jeder in Blackthorn. Er hatte seine Clique und die einflussreichen Schüler, die ihm überallhin folgten.

Menschen wie ich existierten in seiner Welt nicht.

Warum also hatte er sich zwischen Hunter und mich gestellt?

Ich sah ihn mir im Vorbeigehen genau an und spürte etwas an ihm. Aus irgendeinem seltsamen Grund kam er mir bekannt vor. Nicht so vertraut, wie man es eben ist, wenn man jemanden auf dem Campus sieht, es war viel tiefer. Es war, als hätte ich eine Begegnung mit ihm gehabt – eine Begegnung, die mich geprägt hatte.

Ich spürte, wie mein ganzer Körper zitterte, als ich seine Stimme hörte. Schweiß rann mir über das Gesicht, als ich mich an den Mann von der Maskenparty erinnerte.

Ryker Moonstones Stimme klang vertraut, sie hatte denselben tiefen Ton wie die des Fremden, und selbst seine Anwesenheit erinnerte mich an ihn. Genau wie in jener Nacht hörte ich die Stimme wieder in meinem Kopf.

„Kumpel.“ Sie knurrte erneut in meinem Kopf, diesmal jedoch aggressiv. Ich spürte, wie mein ganzer Körper in Flammen aufging, meine Vagina sich erneut zusammenzog, genau wie damals bei dem Fremden.

Ich erinnerte mich an das Gefühl, als meine Haut die des Fremden berührte, an seinen berauschenden und doch seltsam befremdlichen Duft.

Ich wimmerte leise, unfähig, die Hitze zwischen meinen Beinen zu begreifen.

Aber warum fühlte ich mich so, wo doch Ryker vor mir stand? War der Fremde von jener Nacht Ryker Moonstone?, dachte ich.

War es vielleicht möglich, dass ich Ryker Moonstone begegnet war, irgendwo, wo ich mich nicht mehr genau erinnere?

Ich blieb stehen, starrte ihn an und sah, wie er näher kam.

„Warum hast du mich verteidigt?“, fragte ich. Ich hatte es eigentlich nicht sagen wollen, aber meine Neugier hatte mich gepackt.

„Ich… es ist… nichts“, stammelte er. „Du solltest wenigstens dankbar sein“, antwortete er ausweichend und ballte die Faust, als ob er etwas bereute.

„Ich wollte nur…“ Bevor ich den Satz beenden konnte, ging er hinaus, und ich stand da wie ein Idiot.

Ich sah ihm nach, wie er in der Menge verschwand, und mir zog sich etwas in der Brust zusammen. Es war absurd. Ich kannte Ryker Moonstone kaum, und doch fühlte es sich seltsam vertraut an, ihm nachzusehen, als wäre der Fremde dasselbe für mich getan.

Er war wie ein Sturm in mein Leben getreten und noch vor dem Morgen wieder verschwunden.

****

Ich betrat den Flur vor meinem Klassenzimmer. Alle waren angeregt mit ihren Partnern plaudernd. Lynn war nirgends zu sehen.

Ich sollte ihr schreiben, aber …

„Die Akten wurden gefunden.“

„Sie sollten vernichtet worden sein.“

„Die Professoren beraten sich mit dem Schulrat.“

„Irgendetwas Seltsames geht in Blackthorn vor.“

Ich hörte Schüler leise flüstern. Zuerst dachte ich, ihre verstohlenen Blicke hätten etwas damit zu tun, dass Ryker mich verteidigte, aber in dem Moment, als ich das seltsame Gerücht und den Inhalt ihrer Unterhaltung hörte, verschwand die Röte in meinem Gesicht.

„Hey, was ist los?“

Ich zuckte zusammen. Ich drehte mich um und sah Lynn, die mich anlächelte.

„Cool. Was hat es mit dem Gerücht und der Atmosphäre auf sich?“, fragte ich sie sofort. Ich war neugierig gewesen, warum alle so bedrückend wirkten.

„Ähm …“, begann sie leise. „Ich habe Studenten flüstern hören, dass, falls eine Blutlinie jemals zurückkehrt …“

„Ruhe jetzt!“, schrie Professor Hayden vom Ende des Flurs, und alle verstummten sofort. Er sah direkt in unsere Richtung, und sein Blick traf Lynn.

Ich spürte, wie sie bereits zitterte, und einen Moment lang dachte ich, ihre Knie würden gleich nachgeben.

„Lynn, meine Liebe“, sagte er mit einem unheimlichen Lächeln, das sich auf seinem Gesicht ausbreitete. „Wie wäre es, wenn du aufhörst, dieses haltlose Gerücht zu verbreiten?“ Er klopfte ihr leicht auf die Schulter.

„Und du, Vanessa“, wandte sich Professor Hayden mir zu. „Du tust gut daran, nicht auf Dinge zu hören, die dich nichts angehen.“

Ich nickte. Mir wurde ganz blass, als er meinen Namen rief. Professor Haydens Blick ließ mein Herz in die Hose rutschen und machte mich unruhig.

Aber etwas anderes beunruhigte mich viel mehr. Es war die Art, wie Professor Hayden aufgetaucht war und Lynn unterbrochen hatte; es wirkte, als ob in der Akademie etwas vor sich ging, aber die Schüler nicht hineingezogen werden sollten.

„Wir sollten gehen, Vanessa“, sagte Lynn.

Als wir gingen, musste ich ständig daran denken, wie unheimlich Professor Hayden aussah und welche Gerüchte ich gehört hatte, wie er mich anstarrte, als wäre ich die Ursache für jedes Problem der Akademie.

Ich schaute aus dem Fenster auf den Flur und bemerkte eine Gruppe Schüler, die eng beieinanderstanden und nervös flüsterten. Wahrscheinlich sprachen sie immer noch darüber, was Professor Hayden so zum Schreien gebracht hatte.

Apropos Gerüchte: Lynn kam nicht dazu, ihren Satz zu beenden.

„Stimmt, Lynn …“ Ich drehte ihr den Rücken zu, um mit ihr zu sprechen, und die Worte blieben mir im Halse stecken. Sie war nicht da.

„Sie … war … gerade … hier … bei … mir …“ Ich zählte meine Worte.

„Lynn!“, rief ich ihr zu und suchte mit den Augen den Flur nach ihr ab, doch es kam keine Antwort.

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.

Was zum Teufel geht hier eigentlich in Blackthorn vor?

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