LOGIN~Althea
Ich wachte zum gleichmäßigen Piepen einer Maschine und dem scharfen Stechen in meinem Arm auf. Der Geruch von Desinfektionsmittel und das erdrückende Gewicht der Stille lasteten schwer auf meiner Brust. Einen Moment lang erinnerte ich mich nicht daran, wo ich war. Die Decke über mir war schlicht weiß und fremd. Ich drehte den Kopf leicht und sah einen dünnen Schlauch, der mit meinem Arm verbunden war und klare Flüssigkeit in meine Adern leitete. Daher kam das Stechen. Mein Körper fühlte sich hohl an und schmerzte auf eine Weise, die tiefer ging als das Fleisch. Dann kam der Schmerz. Nicht der körperliche Schmerz – obwohl er da war, als dumpfes, anhaltendes Pochen tief in meinem Unterleib – sondern der andere Schmerz. Der, der mich so heftig durchriss, dass ich nicht atmen konnte. Dann wurde das Piepen unruhig und unregelmäßig. Das Geräusch von Schritten kam hastig näher, dann wurde die Tür aufgestoßen. Die Heilerin eilte an meine Seite, ihre Bewegungen schnell, aber zögerlich, und ihr Gesichtsausdruck war sanft, aber düster. Ein Blick des Mitleids huschte durch ihre Augen, und das ließ mein Herz noch tiefer sinken, noch bevor sie etwas sagte. „Meine Luna…“ Sie zögerte. „Es tut mir leid. Der Schock war zu groß. Das Kind… konnte nicht gerettet werden.“ Ihre Worte kamen leise über ihre Lippen, doch die Wirkung war alles andere als sanft. Es fühlte sich an, als würde eine Hand mit Krallen direkt durch meine Brust reißen und mein Herz aufspalten. Ich keuchte und klammerte mich an die Laken, während Qual in heftigen Wellen durch mich hindurchströmte. Meine Sicht verschwamm sofort, als Tränen über meine Schläfen liefen und in das Kissen unter meinem Kopf sickerten. Weg. Mein Baby war weg. Das kleine Leben, das ich für einen so kurzen, kostbaren Moment getragen hatte. Der einzige Beweis dafür, dass ich nicht zerbrochen war, dass ich würdig war, war einfach so verschwunden. Ein gebrochener Laut entrang sich meiner Kehle, bevor ich ihn überhaupt aufhalten konnte. Ich wandte mein Gesicht ab und rollte mich zusammen, als könnte ich die Leere, die mich zerriss, irgendwie in mir einschließen. Die Heilerin stand einfach nur da und sah hilflos zu, wie ich in eine Million Stücke zerbrach. Erinnerungen stürzten alle auf einmal auf mich ein. Die Tür. Die Stimmen. Ihre ineinander verschlungenen Körper und ihre Worte. Unser Junge… „Ich gebe ihr seit Jahren Verhütungsmittel.“ Meine Hände zitterten heftig. Nein. Nein. Nein. Ich konnte nicht hier liegen bleiben. Ich würde nicht zulassen, dass dies das Ende davon war. Nolan Darkmoon würde mir in die Augen sehen. Er würde hören, was er getan hatte. An mir, an unserem Kind und an uns. Er würde sehen, was er zerstört hatte. Ich zwang mich trotz des Protests der Heilerin aufrecht; mein Körper schrie vor Schmerz, als ich meine Beine über die Bettkante schwang. Der Schmerz, der durch meinen Unterleib schnitt, war scharf, aber er erdete mich und verankerte mich an etwas Festem. Wut. Ich verließ die Klinik, eingehüllt in einen Umhang, der sich für meinen eigenen zerbrechlichen Körper viel zu schwer anfühlte. Flüsternde Stimmen folgten mir, als ich über das Rudelgelände ging. „Sie hat das Kind verloren…“ „Kein Wolf und kein Erbe…“ „Arme Luna… oder vielleicht verflucht.“ Einige Blicke waren voller Mitleid, während andere kaum verhohlene Verachtung zeigten; einige machten sich nicht einmal die Mühe, ihre Genugtuung zu verbergen. Mein Rücken versteifte sich mit jedem Schritt, den ich machte. Ja, ich war von Geburt an wolflos. Aber ich hob trotzdem das Kinn und weigerte mich, mich unter ihren Blicken zu beugen, selbst als mein Herz bei jedem ihrer gemurmelten Worte blutete. Ich hörte nicht auf zu gehen, bis ich Vesperas Residenz erreichte. Und dann— erstarrte ich. Die Tür öffnete sich, und Nolan trat zuerst heraus; neben ihm war Vespera, und zwischen ihnen, vorsichtig gehalten, war ihr kleines Bündel Freude. Ihr Sohn; sie sahen aus wie eine perfekte kleine Familie direkt aus einer Zeitschrift. Mein Atem stockte schmerzhaft, als sich etwas tief in meiner Brust verdrehte; es hätte wir sein sollen. Der Anblick war so grausam, dass er absurd wirkte. Ich schluckte schwer. Vespera bemerkte mich zuerst. Ihre Augen weiteten sich, und sie ließ sanft die Hand des Jungen los, bevor sie auf mich zukam. Sorge lag auf ihrem schönen Gesicht. „Althea“, sagte sie leise. „Oh mein Gott… geht es dir gut? Wir haben gehört, dass du zusammengebrochen bist—“ Ich lachte müde; das Geräusch war hohl, brüchig, nichts wie mein freudeerfülltes Lachen. „Keine Sorge“, sagte ich kalt. „Ich würde es nicht wagen, die Familienzeit zu unterbrechen.“ Ihre Lippen öffneten sich, ihr Gesichtsausdruck geriet nur für einen Sekundenbruchteil ins Wanken. Dann trat Nolan vor, sein Gesicht sorgfältig beherrscht, Sorge darauf gemalt wie eine zweite Haut. „Baby“, sagte er gleichmäßig, und das Wort hätte mich beinahe wieder völlig zerbrochen. „Das ist nicht das, was du denkst.“ Ich sah ihn an – wirklich sah ich ihn an – und etwas in mir zerbröckelte. „Ist es das nicht?“, fragte ich leise, meine Stimme brach. „Denn für mich sieht es so aus, als würde mein Ehemann Hand in Hand mit seiner Geliebten und ihrem Kind gehen.“ Vespera keuchte leise, und sofort sammelten sich Tränen in ihren Augen. „Bitte sag so etwas nicht“, flehte sie, ihre Stimme zitterte. „Du missverstehst alles. Meine Ehe war miserabel, Althea. Das weißt du. Nolan hat mir immer nur aus Güte geholfen.“ Sie streckte die Hand nach meiner aus, aber ich riss sie weg. Nolan nickte und ergriff die Gelegenheit. „Sie ist die Frau meines verstorbenen Bruders. Und das Kind ist sein Sohn. Ich kümmere mich nur um die Familie meines Bruders.“ Während er sprach, streckte er die Hand aus und legte einen Arm um Vesperas Schultern, zog sie sanft an seine Seite. Um sie zu trösten. Die Absurdität davon machte mich beinahe schwindelig. Wut durchflutete mich heftig, heiß, blendend und überwältigend. Meine Hand hob sich, bevor ich überhaupt merkte, was ich tat, zitternd, als ich ausholte, um ihn zu schlagen. Doch sie erreichte ihn nie. Ein fester Griff schloss sich schmerzhaft um mein Handgelenk. „Luna“, sagte sein Beta scharf und trat zwischen uns, seine Augen warnten mich. „Das ist nicht angemessen.“ Er ließ meine Hand nutzlos an meine Seite fallen, und Nolans Blick wurde hart. „Genug, Althea“, sagte er kalt. „Hör auf, dir Dinge einzubilden, die nie geschehen sind. All dieser Schmerz, den du fühlst, ist in deinem Kopf. Zieh keine unschuldigen Menschen in deine Wahnvorstellungen hinein.“ Da wurde etwas in mir völlig still. Der letzte Faden der Hoffnung riss sauber. Ich sah den Mann an, in den ich fünf lange Jahre lang völlig verliebt gewesen war. Den Mann, um den ich meine gesamte Existenz aufgebaut hatte, und sah ihn als das, was er wirklich war. Ein Fremder, ein Lügner, ein betrügerischer Bastard. Ein Monster, gehüllt in einen Mantel aus Autorität und Charme. Die schwere Stille im Hof rauschte durch meine Ohren, und ich wusste, dass das, was ich als Nächstes sagen würde, alles zerbrechen würde. Es würde uns zerbrechen, aber es war erst der Anfang, und es war mir inzwischen egal. „Ich will die Scheidung.“~AltheaIn den nächsten Tagen vor dem Fest hatte ich gelernt, Schweigen als Waffe einzusetzen. Ich hörte auf, mit Nolan oder Vespera zu streiten. Hörte auf, schlagfertig zu antworten.Es war schwer, aber der Trick bestand darin, so fest auf meine Zunge oder die Innenseite meiner Wange zu beißen, dass sie blutete; der körperliche Schmerz würde den emotionalen Schmerz betäuben, und das würde mich davon abhalten, zurückzureden.Jedes Mal, wenn Nolan mich besuchte, was er in letzter Zeit häufig tat, sah ich ihm nicht mehr in die Augen und senkte immer meinen Blick in gespieltem Respekt. Und ich spielte meine Trauer noch stärker aus und ließ sie noch mehr Mitleid mit mir haben.Es dauerte nicht lange, bis er bemerkte, dass ich aufgegeben hatte. Er kam am Abend herein und sah nach mir, wie man nach einem Sturm nach einem Besitz sieht. Ich saß am Fenster, die Hände im Schoß gefaltet, und starrte ins Leere.“Du hast nicht viel gegessen,” sagte er.“Ich habe keinen Hunger,” antwortete ich leis
~AltheaEs sind Tage vergangen, seit meine Welt zerbrochen ist. Seit ich in diesem Zimmer eingesperrt wurde, das ich einst meine Zuflucht genannt hatte. Ich hatte alles verloren, und nun wurde ich wie eine Gefangene in meinem eigenen Zuhause festgehalten. Ich blickte auf die geschlossenen Türen; draußen waren keine Schritte zu hören, aber ich konnte die schwachen Schatten von Stiefeln sehen, die direkt vor der Tür standen. Als ich mich aufsetzte, bewegte sich auch das Geräusch dieser Stiefel vor meiner Tür.Es waren die königlichen Wachen, die jede meiner Bewegungen beobachteten.Meine Brust zog sich zusammen, und ich schwang meine Beine aus dem Bett und durchquerte den Raum, bevor ich die Tür öffnete, ohne um Erlaubnis zu bitten. So weit war es mit mir gekommen. Ein machtloser Titel. Zwei Männer standen dort in voller Plattenrüstung; sie verbeugten sich nicht einmal oder nahmen meine Anwesenheit zur Kenntnis.“Ich brauche frische Kleidung,” sagte ich gleichmäßig. "Und die Schriftroll
~AltheaZum ersten Mal sah Nolan überrascht aus. Seine geweiteten Augen starrten mich ungläubig an.“W…was?”"Ich will die Scheidung.” Meine Stimme durchbrach die angespannte Stille des Hofes; es war, als würde jeder Anwesende den Atem anhalten. Einen Herzschlag lang sprach niemand. Nolans Gesichtsausdruck war noch immer erstarrt, aber nicht vor Wut. Ich sah nicht einmal einen Anflug von Verletzung, und es brach mir das Herz zu sehen, wie unberührt ihn das alles ließ.Der kurze Anflug von Überraschung verschwand fast augenblicklich aus seinem Gesicht und wurde durch eine Ruhe ersetzt, die so kontrolliert war, dass sie mir eine Gänsehaut verursachte. Dann lächelte er, auf dieselbe Art, die mich früher dahinschmelzen ließ. Aber jetzt sehe ich es: Das Lächeln erreichte nie seine Augen; alles daran war berechnet und kalkuliert.Warum hatte ich es vorher nicht gesehen?“Bringt sie zurück in die Residenz des Alphas", befahl Nolan, seine Stimme glatt und autoritär auf diese Alpha-Art. “Meine
~AltheaIch wachte zum gleichmäßigen Piepen einer Maschine und dem scharfen Stechen in meinem Arm auf. Der Geruch von Desinfektionsmittel und das erdrückende Gewicht der Stille lasteten schwer auf meiner Brust. Einen Moment lang erinnerte ich mich nicht daran, wo ich war. Die Decke über mir war schlicht weiß und fremd. Ich drehte den Kopf leicht und sah einen dünnen Schlauch, der mit meinem Arm verbunden war und klare Flüssigkeit in meine Adern leitete. Daher kam das Stechen.Mein Körper fühlte sich hohl an und schmerzte auf eine Weise, die tiefer ging als das Fleisch. Dann kam der Schmerz. Nicht der körperliche Schmerz – obwohl er da war, als dumpfes, anhaltendes Pochen tief in meinem Unterleib – sondern der andere Schmerz. Der, der mich so heftig durchriss, dass ich nicht atmen konnte. Dann wurde das Piepen unruhig und unregelmäßig.Das Geräusch von Schritten kam hastig näher, dann wurde die Tür aufgestoßen. Die Heilerin eilte an meine Seite, ihre Bewegungen schnell, aber zögerlich,
~Althea„Pst… weck unseren Jungen nicht auf…“Die Worte drangen durch die leicht geschlossene Tür und schnitten mir durch die Brust. Der Schwangerschaftstest, den ich festhielt, glitt mir aus den zitternden Fingern und flatterte lautlos zu Boden. Ich presste eine zitternde Hand über meinen Mund, doch der Keuchen riss sich trotzdem frei und durchfuhr meine Lungen. Meine Beine knickten ein, als ich einen Schritt zurücktaumelte.Was… was geschieht hier? Tränen stiegen sofort auf und verwischten meine Sicht, bis der Korridor schwamm; ich schüttelte den Kopf in Ungläubigkeit. Meine Knie wurden schwach, und mein Körper schwankte, als hätte sich die Welt ohne Vorwarnung geneigt.Nein. Wie… wie bin ich hierhergekommen? Ich wich von der Tür zurück, dann drehte ich mich verwirrt wieder zu ihr um. Der Testbericht war längst auf dem Boden vergessen, während heiße Tränen über meine Wangen strömten und die Erinnerung über mich hereinbrach.~Heute war mein Tag. Unser Tag.







