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Kapitel 9

作者: Jasmin
„Oma kann dich sehen.“

Als Hedwig diesen Satz aussprach, glaubte ich, mich verhört zu haben.

Sie stand in der Tür des alten Hauses, hielt das Gefäß mit meiner Asche in den Armen und blickte mich an – mich, die als schwebender Schatten im Raum hing.

In ihren trüben, alten Augen lag keine Furcht, kein Erstaunen – nur ein Schmerz, so tief, dass ich ihn nicht in Worte fassen konnte.

Meine Tränen fielen.

So war es also: Jemand konnte mich sehen. Seit dem Moment meines Todes hatte Hedwig mich ges
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  • Die Tote bin eigentlich ich   Kapitel 9

    „Oma kann dich sehen.“Als Hedwig diesen Satz aussprach, glaubte ich, mich verhört zu haben.Sie stand in der Tür des alten Hauses, hielt das Gefäß mit meiner Asche in den Armen und blickte mich an – mich, die als schwebender Schatten im Raum hing.In ihren trüben, alten Augen lag keine Furcht, kein Erstaunen – nur ein Schmerz, so tief, dass ich ihn nicht in Worte fassen konnte.Meine Tränen fielen.So war es also: Jemand konnte mich sehen. Seit dem Moment meines Todes hatte Hedwig mich gesehen.Hedwig stellte das Gefäß auf den Tisch und streckte die Hand aus.Sie hob sie in die Luft, dorthin, wo der Rest meiner Seele schwebte. Ihre Finger zitterten leicht, als wolle sie nach etwas Unsichtbarem tasten.„Du hast viel ertragen“, sagte sie mit heiserer, gebrochener Stimme.Dann breitete sie die Arme aus, als wolle sie mich umarmen.Ich glitt näher und schmiegte mich in ihre Arme.Natürlich konnte sie mich nicht wirklich halten.Ihre Arme umschlossen nur die Form der Leere, und

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    Meine Beerdigung war schlicht.Die Leute aus dem Rudel errichteten aus Kiefernholz einen kleinen Scheiterhaufen, gleich auf der freien Fläche westlich des Dorfes.Die Kiefernstämme waren zu einem ordentlichen, quadratischen Gerüst geschichtet, ordentlicher als jedes Bett, auf dem ich zu Lebzeiten geschlafen hatte.Hedwig holte aus dem Boden einer Truhe einen weißen Fuchspelzumhang hervor.Ich hatte diesen Umhang zuvor gesehen, ganz hinten in ihrem Schrank, sorgfältig in Tuch gewickelt und nur einmal im Jahr zum Lüften herausgenommen.Sie hatte mir einst gesagt: „Den habe ich für mich selbst vorbereitet, um ihn nach meinem Tod zu tragen, wenn ich meinen Ahnen begegne.“Sie sagte mir einst: „Den habe ich für mich selbst vorbereitet, um ihn nach meinem Tod zu tragen, wenn ich meinen Ahnen begegne.“Nun legte sie diesen Umhang auf meinen Leichnam.Das weiße Fell umhüllte mein aschgraues Gesicht, der flauschige Kragen schmiegte sich an mein Kinn.Zu Lebzeiten hatte ich nie etwas so

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