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KAPITEL 41

Auteur: Pandax
last update Date de publication: 2026-05-28 19:25:46

***VERA***

Die Nachmittagssonne stand hoch, ihr Licht fast blendend, ihre Hitze stach mir in die Stirn. Ich zog meinen Schleier über mein Gesicht und beschleunigte meine Schritte in Richtung des Schlosses.

Als ich endlich meine Gemächer erreichte, fühlte sich meine Brust eng an, als würde sie von einer starken Schnur zusammengezogen. Ich schloss die Tür hinter mir und lehnte mich einen Moment dagegen, eine Hand fest an meine Brust gepresst. Meine Finger zitterten. Mein Kopf schmerzte unter dem Gewicht all dessen, was geschehen war. Langsam rutschte ich an der Tür hinunter und vergrub mein Gesicht in meinen Knien.

Schweißperlen liefen über meinen Körper, und trotzdem fror ich.

Nach einer langen Weile auf dem Boden richtete ich mich langsam auf, ging zum Bett und ließ mich darauf fallen, die Matratze gab unter mir nach. Meine Augen starrten leer an die Decke — dieselbe Decke, die ich schon so oft angestarrt hatte, und doch fühlte sie sich heute schwerer an, näher.

Alles um mich herum fühlte sich falsch und anders an. Zu still. Zu ruhig.

Mein Leben war zu einer verdrehten Geschichte geworden, ein Wirrwarr aus Schmerz und Erinnerungen, aus dem ich nicht entkommen konnte. Blake hatte mir schon zu viel genommen. Meinen Frieden. Meinen Stolz. Mein Zuhause. Durch seine Taten verlor ich meine Mutter, und nun hat er auch Tricia viel zu sehr verletzt.

Mutter.

Der Gedanke traf mich plötzlich hart und grausam.

Ich drehte mich auf die Seite und drückte das Kissen fest an meine Brust. Der hintere Teil meines Halses brannte. Meine Augen schmerzten. Mutter war fort — wirklich fort. Die Frau, die uns immer zusammengehalten hatte, selbst wenn ihre eigene Welt auseinanderfiel … jetzt nur noch eine Erinnerung, durch die Taten eines wahnsinnigen Mannes, besessen von Macht.

Die Tränen kamen, bevor ich sie aufhalten konnte. Heiß und unaufhaltsam. Sie liefen über meine Wangen und durchnässten das Kissen. Ich drehte mich um, vergrub mein Gesicht darin und versuchte, das Geräusch meines Weinens zu dämpfen. Meine Schluchzer waren leise, aber tief, die Art, die Lungen und Magen schmerzen lässt.

Ich wollte nicht, dass jemand es hörte. Ich wollte nicht, dass jemand sah, wie zerbrochen ich war.

Lange Zeit lag ich einfach nur da — weinte leise, bis mein Körper schwach wurde und meine Augen schwer.

Dann glitt ich langsam in den Schlaf.

Zuerst war da nur Stille — eine dichte, endlose Dunkelheit. Dann … eine Stimme.

Sie klang tief und langsam, rau und fern, hallte wider, als wäre sie tief unter der Erde begraben.

„Befreie mich, Vera. Befreie mich.“ Ein langsames Zischen folgte den Worten, wie der Dampf eines Vulkans.

Meine Stirn runzelte sich, als ich versuchte, der Dunkelheit zu entkommen. Mein Körper zuckte leicht.

„Befreie mich.“

Dann kam die Stimme wieder, diesmal lauter, sie erschütterte die Schatten. Ich versuchte zu sehen, woher sie kam, aber es war so dunkel, dass selbst mein Körper keine Form annahm.

Dann formte sich plötzlich eine Gestalt — ein gewaltiger Wolf, riesig, der schwach im Dunkeln leuchtete. Seine Augen glühten in rotem Licht. Sein Atem strich über mein Gesicht, warm und scharf.

„Befreie mich!“ Die Stimme war jetzt schärfer.

Ich keuchte — und schrie.

Meine Augen flogen auf. Ich war wieder in meinem Zimmer. Die Decke über mir. Das Sonnenlicht zog sich noch immer über den Boden. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, während ich versuchte zu atmen. Es war nur ein Traum.

Ich setzte mich langsam auf — stützte eine Hand ins Bett und wischte mir mit der anderen den Schweiß aus dem Gesicht. Meine Hand zitterte, als ich sie langsam sinken ließ.

Diese Stimme … sie fühlte sich real an. Zu real.

Und dann erinnerte ich mich — ich hatte dieselben Worte schon einmal gehört. Dieselbe Stimme. Vor Jahren, als ich jünger war. Ich hatte immer gedacht, es sei mein Wolf, der tief in mir gefangen war und nach mir rief. Aber etwas daran hatte sich nie richtig angefühlt — die Wärme, die ich von meinem Wolf kenne, fehlt, wenn diese Stimme spricht. Da ist nur Angst.

Nun war derselbe Traum Jahre später zurückgekehrt — stärker und dunkler als zuvor.

Es war nicht mein Wolf. Es war etwas anderes. Etwas Uraltes.

Ich schüttelte den Kopf und versuchte, es wegzuschieben. Daran konnte ich jetzt nicht denken. Mein Herz war bereits zu schwer. Ich musste atmen — an etwas anderes denken.

Conry.

Wo war er so früh hingegangen? Warum war er noch nicht zurück?

Gerade als mir der Gedanke kam, öffnete sich die Tür leise. Conry trat ein, sein Haar ein wenig zerzaust, seine Augen müde. Als er mich dort sitzen sah, wurde sein Ausdruck weicher — Schuld flackerte über sein Gesicht.

„Es tut mir leid“, sagte er leise, seine Stimme ruhig und sanft. „Ich musste früh gehen, um ein paar Dinge zu regeln.“

Ich antwortete nicht. Ich sah ihn einfach nur an.

Ein scharfer Seufzer entwich seiner Brust, als er näher kam und sich an den Rand des Bettes setzte.

„Vera“, fragte er behutsam, „bist du wütend auf mich? Oder … ist etwas passiert?“

Mein Hals schnürte sich zu. Meine Stimme kam kaum hörbar hervor.

„Tricia“, flüsterte ich langsam. „Sie hat ihr Baby verloren.“

Seine Augen weiteten sich, seine Lippen zitterten leicht, und er presste den Kiefer zusammen.

„Und … Mutter“, fuhr ich fort, meine Stimme brach, „Mutter ist fort. Sie ist gestorben.“

Die Tränen kamen wieder, bevor ich sie aufhalten konnte. Mein Atem stockte, als die ganze Trauer zurückströmte.

Conry rückte näher und schlang seine Arme um mich. Sein Halt war fest, aber sanft, seine Finger strichen durch mein Haar.

„Es tut mir leid“, murmelte er. „Es tut mir so, so leid.“

Ich klammerte mich an ihn und weinte, bis mein Körper aufhörte zu zittern. Die Welt fühlte sich in seinen Armen leiser an — nicht friedlich, aber erträglich.

Als ich mich schließlich löste und mir mit den Händen über das Gesicht fuhr, war sein Blick schwer und voller innerem Konflikt.

Er zögerte, sein Kiefer spannte sich an. „Vera … es gibt etwas, das ich dir sagen muss.“

Der Ton seiner Stimme ließ die Welt in meinen Ohren verstummen.

Ich sah langsam zu ihm auf. „Was ist es?“

Er holte tief Luft, seine Augen unlesbar. „Es geht um meine Familie. Darum, warum Blake all die Zeit hinter meinem Fall her war.“

Meine Brust zog sich erneut zusammen. Ich suchte sein Gesicht, wartete auf mehr — doch er sagte nichts. Noch nicht.

Die Stille dehnte sich zwischen uns aus, schwer von unausgesprochenen Worten.

Und irgendwo tief in meinem Kopf, leise, aber klar, hallten die Worte aus meinem Traum erneut wider —

Befreie mich, Vera.

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