Mag-log inFünf lange Jahre lebte Lyra Hale in einer Ehe ohne Wärme – Luna nur dem Namen nach. Ihr Ehemann, Alpha Damon Blackwood, hatte ihr in ihrer Hochzeitsnacht ein Versprechen gegeben: „Diese Verbindung ist ein Vertrag. Nichts weiter.“ Noch immer trauerte er um seine erste Liebe, die Frau, die alle für tot hielten. Lyra ertrug seine Kälte, die Einsamkeit und die Tatsache, dass er sich weigerte, sie zu markieren. Doch als sie entdeckt, dass sie sein Kind unter dem Herzen trägt, wagt sie es, ein einziges Mal zu hoffen – dass sich sein Herz vielleicht doch noch ändern könnte. Bis zu dem Tag, an dem seine „tote“ Geliebte plötzlich wieder in sein Leben tritt. Von einem Moment auf den anderen wird Lyra erneut zu einem Schatten. Ihr Gefährtenband schwindet mit jeder Stunde schmerzhafter. Ohne seine Markierung beginnt ihr Körper zu schwächer zu werden, während das Band sie von innen heraus zerreißt. Es gibt nur eine Heilung: Damon muss sie markieren – oder sie zurückweisen. Lyra entscheidet sich für die Freiheit. Sie reicht die Scheidung ein. Doch bevor sie Silver Crest verlassen kann, wird sie gejagt. Ihr Wagen wird von einer Klippe in die tosende See gedrängt. Alle glauben, dass sie tot ist. Alle – bis auf einen Mann. Ronan Blackwood, Damons eigener Bruder, rettet sie aus dem Wrack und schwört, sie zu beschützen. Doch als die Attentäter erneut auftauchen und das Abzeichen des Alpha-Packs tragen, erkennt Lyra, dass die Wahrheit weit tiefer reicht als bloßer Verrat. Und dieses Mal könnte selbst die Liebe nicht ausreichen, um sie zu retten.
view moreKapitel 1: Die Nacht der Zurückweisung
Der Mond hing tief über dem Rudel der Silbernen Schatten, ein blasser Geist, der über allem wachte, was ich je gekannt hatte. Die Luft war kalt und bissig und drang durch meinen dünnen Umhang, während ich am Rand des Übungsplatzes stand. Der Boden war noch vom Abendregen feucht, und jeder Schritt quietschte leise unter meinen Stiefeln. Mein Herz schlug zu schnell, als wüsste es, was kommen würde, bevor ich es selbst wusste.
Ich hatte jahrelang von dieser Nacht geträumt, wenn auch nie so. Nie mit dieser Art von Angst, die an meiner Brust kratzte.
Mein Name ist Aria Mondkamm, Tochter des ehemaligen Betas, und bald — nichts. In einer Welt, die von Alphas und Blutlinien regiert wird, zählen Stärke und Herkunft mehr als alles andere. Aber all das war jetzt egal. Denn heute Nacht würde ich mein Schicksalsgefährte treffen.
Zumindest glaubte ich das.
Als ich achtzehn wurde, sollte die Mondgöttin mich mit dem Zeichen meines Bestimmten segnen. Jedes Mädchen träumt davon, dieses Ziehen, diesen Funken, das berauschende Gefühl, das die Seele in Flammen setzt. Ich hatte auch davon geträumt, seinen Berührung gespürt, die Wärme der Zugehörigkeit. Nie hätte ich gedacht, dass Zugehörigkeit brennen könnte.
Ich kannte Alpha Lucien Blackthorn mein ganzes Leben. Er war ein Jahr älter als ich, schon als Kinder der künftige Alpha. Er war alles, was ein Anführer sein sollte: stark, kalt und unerschütterlich stolz. Ein Mann, den alle fürchteten und respektierten. Ein Mann, dessen Zustimmung alles bedeutete.
Und heute Nacht war ich töricht genug zu hoffen, dass dieser Mann mir gehören würde.
Das Rudelhaus leuchtete in goldenem Licht. Musik wehte aus der offenen Halle, Lachen und Gespräche hüllten die Nacht in eine Wärme, die mich nicht erreichte. Meine Finger zitterten, als ich eine widerspenstige Haarsträhne hinter das Ohr strich. Ich hatte Stunden gebraucht, um mich fertigzumachen. Das dunkelblaue Kleid schmiegte sich perfekt an meinen Körper; ich hatte es gewählt, weil ich wusste, dass Lucien diese Farbe mochte. Ich hätte mich nicht darum kümmern sollen. Aber ich tat es. Ich kümmerte mich mehr, als ich sollte.
In dem Moment, als ich die Halle betrat, wandten sich die Köpfe. Gespräche verstummten. Für einen Augenblick fühlte ich mich gesehen, nicht als die Tochter des Betas ohne Herkunft, sondern als jemand Neuem, als jemand, der im Werden begriffen war.
Dann traf mich sein Duft.
Kiefer. Rauch. Sturm.
Die Welt verschob sich. Mein Wolf, Lyra, regte sich in mir, heulte vor Erkennung. Meine Knie gaben beinahe nach unter der Wucht dessen. Jede Faser meines Seins schrie eine Wahrheit.
Er ist unser Gefährte.
Lucien stand nahe der Mitte der Halle, umgeben von Rudelmitgliedern. Er sah großartig aus, sein dunkles Haar strich den Kragen seines schwarzen Hemdes, sein scharfer Kiefer fing das Licht ein. Seine stechend grauen Augen fanden meine. Für einen Herzschlag blieb alles stehen. Die Verbindung entflammte wie ein Blitz zwischen uns, brennend, wild, unverkennbar.
Und dann wandte er sich ab.
Etwas in mir zerbrach.
Er trat nicht auf mich zu. Er erkannte nicht an, was die Mondgöttin verbunden hatte. Stattdessen verhärtete sich sein Gesichtsausdruck. Er flüsterte etwas zu seinem Beta, und die Musik verstummte, während das Gemurmel lauter wurde. Die Leute spürten die Verschiebung, die Spannung, den unsichtbaren Kampf, der lautlos begonnen hatte.
Lucien trat einen Schritt vor. Jeder seiner Schritte hallte durch die Halle wie das Ticken einer Uhr, die meine Vernichtung zählte. Als er vor mir stehen blieb, konnte ich kaum atmen.
„Aria“, sagte er leise. Seine Stimme war tief, gleichmäßig, aber ohne Wärme. „Weißt du, welcher Abend heute ist?“
Ich schluckte schwer. „Die Nacht der Mondsegnung“, flüsterte ich. „Die Nacht, an der die Göttin—“
„Fehler macht“, beendete er kalt.
Die Worte schnitten in mich wie eine Klinge. Mein Atem stockte, mein Herz hämmerte so laut, dass es alles andere übertönte.
„Lucien“, sagte ich, fast flehend. „Du spürst es doch, oder? Die Bindung. Das Ziehen. Du kannst es nicht leugnen.“
Sein Kiefer spannte sich. „Das kann ich. Und das tue ich.“
Die Halle brach in Gemurmel aus, Ungläubigkeit ging durch die Menge. Ich starrte ihn an, suchte nach einem Zeichen, dass dies ein grausamer Scherz sei. Aber seine Augen waren aus Eis.
„Ich, Alpha Lucien Blackthorn vom Rudel der Silbernen Schatten“, sagte er, seine Stimme klang klar und scharf, „weise dich ab, Aria Mondkamm, als meine Gefährtin.“
Die Worte zerschlugen mich.
Mein Körper wurde taub, während Lyra in mir einen Schmerzensschrei ausstieß. Die Zurückweisung traf wie Feuer unter der Haut und verbrannte die Bindung, bis sie ausfranste und riss. Ich keuchte, presste die Hand an die Brust, während Schmerz durch jede Ader pulsierte. Meine Knie gaben nach, und ich fiel zu Boden. Die Welt verschwamm, Gesichter drehten sich in und aus dem Fokus.
Lucien rührte sich nicht, um mir zu helfen. Er stand einfach da, sein Gesichtsausdruck unergründlich. „Du bist nicht würdig, an meiner Seite zu stehen“, sagte er leise. „Du bist schwach. Die Göttin hat einen Fehler gemacht. Und ich werde nicht zulassen, dass Schwäche dieses Rudel führt.“
Tränen verwischten meine Sicht. „Denkst du, Stärke entsteht durch Grausamkeit?“ flüsterte ich. „Das wirst du bereuen.“
Sein Blick flackerte für einen Moment, nur für einen Herzschlag, dann war er verschwunden. Er drehte mir den Rücken zu und ging weg, ließ mich unter dem Mondlicht zerbrochen zurück.
Die Menge löste sich langsam auf. Einige sahen mich mitleidig an, andere mit Verachtung. Die Tochter des Betas, abgewiesen von ihrem geschickten Alpha. Das Geflüster verfolgte mich aus der Halle wie Gespenster.
Als ich den Waldrand erreichte, zitterten meine Beine. Meine Brust fühlte sich hohl an. Ich presste die Hand gegen einen Baum und atmete ein, zwang die Tränen zu stoppen. Der Schmerz brannte noch, aber darunter regte sich etwas anderes.
Zorn.
Lyras Stimme knurrte sanft in meinem Kopf. Er hält uns für schwach. „Das wird er sehen“, flüsterte ich. „Sie alle werden es sehen.“
In jener Nacht verließ ich das Rudel. Niemand hielt mich auf. Vielleicht dachten sie, ich würde draußen im Wilden sterben, dass ich ohne den Schutz der Mauern, die einst mein Zuhause gewesen waren, nicht überleben würde. Vielleicht hatten sie recht. Doch während ich unter dem endlosen Himmel wanderte, das Mondlicht silverte den Pfad vor mir, machte ich ein stilles Versprechen.
Wenn das Schicksal mich an Alpha Lucien gebunden hatte, dann würde das Schicksal ihn eines Tages lehren, was er weggeworfen hatte.
Die Welt außerhalb des Rudels der Silbernen Schatten war hart. Ich lernte zu jagen, zu kämpfen, zu überleben. Es gab Nächte, in denen ich zitternd aufwachte, der Widerhall seiner Stimme brannte noch in meinen Träumen. Aber jede Narbe wurde zur Erinnerung. Jede Wunde wurde zur Rüstung.
Monate vergingen, und ich baute ein Leben jenseits der Ruinen dessen, was ich verloren hatte. Ich trainierte mit Außenseitern und Kriegern, denen Titel und Blutlinien gleichgültig waren. Ich fand eine Stärke in mir, die ich nie gekannt hatte. Und tief drinnen begann sich etwas zu verändern.
Lyra wurde wilder. Wilder. Ich ebenso.
Dann, an einem schicksalhaften Morgen, veränderte sich wieder alles.
Die Luft trug einen vertrauten Duft — dasselbe Kiefer- und Rauch- und Sturmparfum, das meine Vergangenheit verfolgte. Es war schwach, aber vorhanden. Mein Herz setzte aus.
Er war nah.
Lucien Blackthorn. Der Alpha, der mich zurückgewiesen hatte.
Der Mann, der mich einst gebrochen hatte.
Und jetzt der Mann, der bald erfahren würde, dass das Mädchen, das er verworfen hatte, nicht mehr existierte.
Denn ich war nicht länger seine Schwäche.
Ich war seine Vergeltung.
Kapitel Neunzig: Das zweite JahrDas zweite Jahr der Luna-Zeremonie kam so, wie Jahrestage kommen, wenn man das Jahr gelebt hat, anstatt es zu markieren: als eine Anerkennung, nicht als eine Überraschung, das Datum erschien im formellen Kalender des Rudels als eine Tatsache, von der man wusste, dass sie kommen würde, und an die man nicht konkret gedacht hatte, bis sie da war.Ich war seit einem Jahr Luna des Silberschatten-Rudels. Die Markierung war dreizehn Monate her. Die nördliche Siedlung des Mondschleiers war seit drei Monaten etabliert. Der gesamte Rat hatte die Praxisgemeinschaft formell anerkannt und die Verwaltung des unabhängigen Netzwerks vor zwei Monaten erweitert. Der Satellitenpfad in Callas Territorium hatte seine ersten fünf integrierten Wölfe. Therons und Priyas Dokument zur Gegen-Rekrutierung war an alle Ratsrudel verteilt worden und wurde in drei aktiven Kontaktaufnahme-Situationen verwendet, die das Ermittlungsteam betreute. Ilara war seit acht Wochen mit dem Proje
Kapitel Neunundachtzig: Daels FrageDael kam an einem Donnerstagnachmittag im August ins Arbeitszimmer, was mich überraschte, weil Donnerstag der Unterrichtstermin war und er noch nie ein separates Treffen außerhalb davon gesucht hatte. Er klopfte zweimal – das präzise Klopfen von jemandem, der das Herangehen geübt hat – und stand in der Türöffnung mit der Haltung von jemandem, der eine bestimmte Frage hat und sie direkt stellen wird.„Kann ich dich etwas fragen, das nichts mit Regierungsführung oder alter Magietheorie zu tun hat?“, sagte er.„Frag“, sagte ich.Er kam herein und setzte sich auf den Stuhl gegenüber dem Schreibtisch, und hielt sich mit der vorsichtigen Regungslosigkeit von jemandem, der etwas Innerlicheres als Äußerliches bewältigt. „Priya erzählt von dem, was sie bei dir lernt“, sagte er. „Nicht den konkreten Inhalt – sie wiederholt unsere Sitzungen nicht. Die Art, wie es sie denken lässt. Die Art, wie es verändert, wie sie an Dinge herangeht.“ Er machte eine Pause. „S
Kapitel Achtundachtzig: Ilaras VollendungIlara beendete die Geschichte des Netzwerks unabhängiger Praktizierender an einem Samstag Ende Juli, was sie dadurch markierte, dass sie den letzten Dokumentenordner schloss, ihn auf den Archivtisch legte und eine lange Zeit still dasaß, ohne etwas zu sagen. Peer, der ihr Arbeitspartner während des gesamten Projekts gewesen war, war anwesend, als sie fertig wurde, und auch er saß still da, was die richtige Reaktion auf das war, was das Vollenden einer Sache, die lange zu bauen gedauert hatte, in demjenigen hervorruft, der sie gebaut hatte.Sie kam an jenem Nachmittag zu mir. Nicht sofort – sie gab sich den Vormittag, um fertig zu sein, bevor sie das Vollendete zu irgendjemand anderem brachte, was ganz und gar ihrer Arbeitsweise entsprach.„Es ist fertig“, sagte sie an der Tür des Arbeitszimmers.„Komm herein“, sagte ich. „Erzähl mir, wie es endete.“Sie setzte sich mir gegenüber und sagte: „Es endete dort, wo ich nicht erwartet hatte, dass es
Kapitel Siebenundachtzig: Der Besuch im NordenIch besuchte den nördlichen Ort – das wiederhergestellte Territorium des Mondschleiers – in der ersten Juliwoche, was mein dritter Besuch seit dem formellen Aufbruch und der erste war, bei dem Lucien mitkam. Er hatte seit dem Aufbruch danach gefragt, mit jener Neugier, die er damals benannt hatte – er wollte sehen, was meine Mutter aufbaute –, und die praktische Terminplanung hatte bis jetzt nicht gepasst.Die Reise nach Norden im Hochsommer unterschied sich von der Aprilreise. Das Territorium zwischen Silberschattens Mauern und den nördlichen Grenzlanden des Mondschleiers war lebendig auf die spezifische Weise, wie der Hochsommer alles lebendig machte – voll und großzügig, das Licht lang, der Wald in seinem schwersten Laub, die Wege klar und der Boden fest. Wir reisten für den größten Teil der Strecke in Wolfsgestalt, was die natürliche Wahl für die Entfernung und das Gelände war, und die Bindung in Wolfsgestalt trug jene besondere Quali











