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KAPITEL 7

Author: Pandax
last update publish date: 2026-05-27 17:50:30

***CONRY***

Als ich in mein Zimmer zurückkehrte, legte sich die Last der Nacht endlich auf meine Schultern. Der Besuch bei Blake hatte mich mehr ausgelaugt, als ich mir eingestehen wollte. Mein Kopf schmerzte, mein Körper war vom Reisen wund, doch es waren die Erinnerungen an den Tag, die mich wirklich ermüdeten.

Mit einem leisen Seufzer ließ ich mich auf mein Bett sinken. Die Laken waren kühl auf meiner Haut, erdend. Einen Moment lang starrte ich einfach an die Decke und beobachtete, wie die schwachen Schatten der Fackeln über den Stein tanzten. Das Schloss war still geworden; selbst die Luft schien zu ruhen.

Ein sanftes Klopfen durchbrach die Stille.

„Ihr habt nach mir gerufen“, sagte eine vertraute Stimme leise durch die Tür.

„Komm herein“, antwortete ich.

Die Tür knarrte, und Esther trat ein. Sie bewegte sich mit derselben ruhigen Anmut wie immer — eine Art Frieden, der ihr folgte wie ein Duft. Seit dem Tod meiner Mutter war sie zu einer stillen Konstante in meinem Leben geworden — nicht als Familie, aber als etwas Nahes.

Ich richtete mich auf. „Was ist deine ehrliche Meinung über Vera?“, fragte ich mit gedämpfter Stimme.

Sie lächelte — dieses kleine, wissende Lächeln, das der Wahrheit immer vorausging. „Ich sehe, wie du sie ansiehst“, neckte sie leicht. „Sie wird eine gute Partnerin sein. Ich habe sie vorhin geprüft — sie hat es mit Würde bestanden.“

Ihre Worte lösten etwas in mir. Esther verteilte Lob nicht leichtfertig. Wenn sie gut von Vera sprach, dann jagte ich vielleicht keinem flüchtigen Gefühl nach.

„Danke, Esther. Das wäre alles“, sagte ich und lehnte mich zurück.

Sie nickte, ihre Augen sanft, aber aufmerksam, und verließ leise den Raum. Ihre Schritte verklangen im Flur und wurden von der Stille der Nacht verschluckt.

Wieder allein versuchte ich zu ruhen. Doch der Schlaf wollte nicht kommen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich sie — Vera. Die Art, wie sie stand, gefasst und doch unsicher. Die Art, wie ihre Augen Stärke und Angst zugleich trugen. Ich hatte viele Frauen gesehen, aber keine wie sie.

Ich sagte mir, ich solle bis zum Morgen warten. Doch mein Herz war ungeduldig.

Nach einem langen inneren Ringen stand ich auf, goss Wasser in eine Schale und spritzte es mir ins Gesicht. Die Kälte schärfte meine Gedanken. Ich griff nach meinem Duftöl — Kiefer, warm und beständig — und tupfte ein wenig an meinen Hals. Es war keine Eitelkeit; es war eine Gewohnheit der Klarheit. Der Duft erinnerte mich immer daran, gefasst zu bleiben.

Ich wusste nicht, ob ich mutig oder töricht war. Vielleicht beides. Aber ich konnte nicht ruhen, solange ihr Bild hinter meinen Augen brannte.

Die Korridore waren still. Goldene Rüstungsplatten säumten die Wände und spiegelten das flackernde Licht der Fackeln. Meine Schritte hallten leise auf dem Stein wider, gleichmäßig und rhythmisch, fast im Takt meines Herzschlags. Mit jedem Schritt wurde er lauter — schwerer — als würde er mich vorwärts drängen.

Als ich ihre Tür erreichte, raste mein Puls. Ich zögerte, dann klopfte ich zweimal.

Fast augenblicklich öffnete sich die Tür — als wäre sie wach gewesen und hätte gewartet.

„Hallo“, sagte ich leise, meine Stimme tiefer, als ich beabsichtigt hatte. „Es tut mir leid, dich so spät zu stören.“

Sie schüttelte sanft den Kopf. „Es ist in Ordnung“, sagte sie und trat zur Seite.

Ihr Zimmer fühlte sich anders an als meines — irgendwie wärmer. Der zarte Duft von Rosmarin und frischem Holz lag in der Luft. Mondlicht floss durch das Fenster und tauchte den Raum in Silber. Alles daran wirkte ruhig, sicher und beinahe heilig.

„Setz dich“, sagte sie und deutete auf einen Stuhl neben ihrem Bett. Ihr Ton war ruhig, doch in ihren Augen flackerte etwas Unsicheres.

Ich nickte, aber ich konnte den Blick nicht von ihr lösen. Das Leinen, das sie trug, schimmerte schwach im Licht und fing sich an den Linien ihrer Schultern. Sie wirkte weich — und doch lag etwas Starkes in der Art, wie sie sich hielt.

Bevor ich nachdenken konnte, trat ich näher. Meine Hände bewegten sich fast von selbst und legten sich leicht an ihre Taille. Ich beugte mich hinunter und suchte in ihren Augen nach Ablehnung. Als sie nicht kam, neigte ich den Kopf und strich mit meinen Lippen über ihre.

In dem Moment, als sich unsere Lippen berührten, schien die Welt langsamer zu werden. Ihr Atem stockte leise, und für einen Augenblick verschwand alles andere — die Wände, die Stille, das Gewicht meiner Position. Es gab nur ihre Wärme, ihren Duft, die zitternde Ruhe zwischen uns.

Dann gab sie ein kleines, unsicheres Geräusch von sich — kaum hörbar, aber genug. Ich erstarrte. Ich wollte aufhören, doch mein Herz schlug zu laut, um klar zu denken. Meine Finger verweilten an ihrer Seite, bevor ich sie zwang, still zu bleiben.

In dieser Pause traf mich die Erkenntnis. Sie war unschuldig. Vollkommen.

Eine Welle des Bedauerns überrollte mich. Ich zog mich langsam zurück, atmete schwer, Schuld wand sich in meiner Brust. „Ich hätte geduldiger sein sollen“, flüsterte ich.

Ihre Augen trafen meine, und ich sah es — Erleichterung. Keine Angst, kein Urteil. Erleichterung. Dieser Blick traf mich härter als jede Wunde es je gekonnt hätte.

„Es tut mir leid“, sagte ich leise, meine Stimme nun schwerer. „Ich wusste nicht, dass du noch Jungfrau bist.“

Ich sank auf den Stuhl neben ihrem Bett. Mein Puls war noch immer unregelmäßig, doch mein Geist war ruhig geworden.

Ich hatte Verlegenheit oder Schweigen von ihr erwartet — vielleicht sogar Ärger — doch stattdessen lächelte sie. Es war weich, schüchtern und vollkommen entwaffnend.

„Ich glaube nicht, dass ich es bereut hätte“, flüsterte sie. „Wenn du mein Erster gewesen wärst.“

Ihre Worte nahmen mir die Luft aus den Lungen. Ich sah sie nur an, unsicher, ob ich richtig gehört hatte. Sie spielte keine Spiele. Dafür waren ihre Augen zu ehrlich.

Etwas in mir verschob sich. Die Spannung, der Zweifel — all das fiel von mir ab.

Ich griff nach ihrer Hand und hielt sie sanft zwischen meinen. Ihre Haut war warm, erdend. „Bitte“, sagte ich, meine Stimme jetzt ruhig, „sei meine Gefährtin. Hilf mir, etwas Dauerhaftes aufzubauen — etwas Echtes.“

Es war keine Forderung. Nicht einmal eine Bitte. Es war Wahrheit.

Sie sah schüchtern zur Seite, ihre Stimme klein, aber klar. „Gerne.“

Das Wort hing in der Luft, weich und sicher.

Ich lächelte — nicht breit, aber echt. Zum ersten Mal seit langer Zeit empfand ich Frieden. Der Sturm in mir legte sich und wurde durch stille Wärme ersetzt.

Einen Moment lang sprachen wir nicht. Das einzige Geräusch war das leise Knistern der Fackeln draußen und der langsame Rhythmus unseres Atems.

Langsam stand ich auf, hielt noch immer ihren Blick. „Ruh dich aus“, sagte ich. „Du hattest einen langen Tag.“

Sie nickte, doch ihre Augen verweilten auf mir auf eine Weise, die das Gehen schwer machte. Ich wandte mich zur Tür, meine Hand berührte gerade die Klinke, als ich ein sanftes Ziehen an meinem Ärmel spürte.

Ich drehte mich um.

Bevor ich fragen konnte, beugte sie sich vor und drückte ihre Lippen sanft auf meine — ein schneller, unsicherer Kuss, der meine Brust in Brand setzte.

Es war diesmal keine Leidenschaft. Es war etwas anderes — still, mutig und voller unausgesprochener Dinge.

Als sie sich zurückzog, waren ihre Wangen gerötet. „Gute Nacht, Alpha“, flüsterte sie.

Einen Moment lang fand ich keine Stimme. Dann nickte ich und brachte ein kleines Lächeln zustande. „Gute Nacht, Vera.“

Als ich in den Flur trat, fühlte sich die Luft kälter an als zuvor. Mein Puls hatte sich nicht beruhigt; er hämmerte noch immer und hallte in mir wider.

Als ich mein Zimmer erreichte, lag ihr Kuss noch immer auf meinen Lippen — schwach, aber hartnäckig in meinem Geist. Ich setzte mich auf die Bettkante, fuhr mir mit einer Hand durch die Haare und ließ einen langen, leisen Atemzug entweichen.

Egal, wie sehr ich es versuchte, ich wusste, dass ich heute Nacht nicht schlafen würde.

Denn zum ersten Mal rührte der Gedanke an sie mich nicht nur — er setzte sich tiefer fest. Irgendwo Dauerhaftes.

Und das, erkannte ich, machte mir mehr Angst als alles andere zuvor.

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