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Author: Dray Cozy
last update publish date: 2026-06-25 15:45:06

Sierra Valium

Das Arbeitszimmer war warm und ruhig. Kairo erwartete mich hinter einem Schreibtisch, der aussah, als wäre er aus einem seltenen, edlen Holz geschnitzt.

Er deutete auf den Stuhl ihm gegenüber und begann kalt, ohne jede Begrüßung oder Willkommensgeste – was ich auch nicht erwartet hatte. „Setz dich. Lies das und unterschreibe es sofort.“

Ich nahm das Dokument zur Hand und begann zu lesen. Schon nach der Hälfte fingen meine Hände an zu zittern. „Ich muss dir innerhalb eines Jahres nach unserer Hochzeit einen Erben gebären, sonst werde ich hingerichtet?“

„Ja“, antwortete er, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne den Hauch einer Emotion in der Stimme. „Einfacher ausgedrückt: Du wirst geköpft, wenn du mir kein Kind schenkst. Es steht alles dort.“

„Das ist nicht viel Zeit.“ Ich stieß einen zittrigen Atemzug aus. Würde ein Jahr reichen, um Aurora aus Darius’ Händen zu retten? Ich musste vorsichtig planen und Kairo auf meine Seite ziehen. Ein Jahr schien dafür kaum ausreichend, besonders da ich nach Auroras Geburt steril war. Wolflose Omega-Frauen konnten nur ein einziges Mal gebären.

„Es ist mehr als großzügig. Die meisten königlichen Verträge verlangen eine Empfängnis innerhalb von sechs Monaten. Ich gebe dir ein Jahr, weil ich mich gerade optimistisch fühle.“

„Optimistisch? Ihr habt mich gestern erst kennengelernt. Ihr habt gesagt, ich wäre innerhalb einer Woche tot. Und jetzt gebt Ihr mir ein Jahr, um ein Kind zu produzieren oder beim Versuch zu sterben?“

„Willst du die Bedingungen verhandeln? Dann sollte ich dich warnen: Ich verhandle nicht. Der Vertrag ist, wie er ist. Unterschreibe oder geh sofort. Du bist aus freien Stücken hierhergekommen. Wenn dich das, was auf dem Spiel steht, ängstigt, dann geh.“

Ich dachte an meine Tochter in den Armen einer anderen Frau, die behauptete, ihre Mutter zu sein, während Darius weiter sein Unwesen trieb. Nachdem Darius meine Familie getötet hatte, während ich in diesem Zelt unter Schmerzen unser Kind zur Welt brachte. Es gab keinen Weg zurück. Ich würde meine Seele dem Teufel verkaufen, wenn es bedeutete, dass mein Kind wieder bei mir zu Hause wäre und Darius bestraft würde. Ich griff nach der Feder und unterschrieb sofort meinen Namen.

„So. Ich bin jetzt Euer Problem für das nächste Jahr. Herzlichen Glückwunsch, mein Gemahl.“

„Du gehst sehr locker mit deiner möglichen Hinrichtung um.“ Prinz Kairo starrte mich an, als versuchte er zu verstehen, warum ich so leichtsinnig mein Leben einfach so an ihn verschrieb.

„Es wird keine Hinrichtung geben, wenn ich Euch ein Kind gebäre. Warum sollte ich mir also Sorgen machen?“ Ich hielt seinem Blick stand, ein kleines Lächeln umspielte meine Lippen. Niemand durfte erfahren, dass ich bereits geboren hatte und kein weiteres Kind mehr bekommen konnte. Stattdessen würde ich die Situation zu meinen Gunsten wenden.

Kairo nahm den Vertrag und legte ihn beiseite, bevor er mir einen letzten Blick zuwarf. „Die Paarungszeremonie findet heute Abend statt. Man wird dir angemessene Kleidung geben, und du wirst direkt danach in mein Zimmer gebracht, um unsere Ehe zu vollziehen.“ Etwas in seinen Augen blitzte auf, und ich versuchte krampfhaft, nicht darüber nachzudenken.

Ich litt immer noch unter den Schmerzen der Geburt, und Sex stand definitiv nicht auf meiner To-do-Liste. Ich musste versuchen, die heutige Vollziehung irgendwie zu umgehen, bis ich vollständig geheilt war.

•  Die Zeremonie war ein verschwommenes Durcheinander aus uralten Worten und zeremoniellen Klingen. Mein Körper pulsierte heftig mit den unterschiedlichsten Gefühlen, als unser Blut sich im Kelch vermischte. Kairos Blick traf meinen, und für einen Moment sah er fast verängstigt aus.

Danach wurde ich zu meinen Gemächern geführt – erschöpft, überwältigt und versuchte, alles zu verarbeiten, was geschehen war. Genau in diesem Moment hörte ich die Stimme.

Ich blieb im Korridor stehen. Die Tür zu meiner Linken war einen Spaltbreit geöffnet, und ich sah Bewegung dahinter. Ich spähte durch den Spalt, und mein Blut gefror zu Eis.

Liriel.

Liriel stand mitten im Raum, die Arme um Kairos Hals geschlungen. Sie lachte, dann lehnte sie sich hoch und küsste ihn. Ich sah, wie sich ihre Lippen auf seine pressten, und konnte nicht mehr atmen.

Nein. Das konnte nicht sein. Ich halluzinierte wahrscheinlich. Es war unmöglich, dass Liriel auch hier war. Es war unmöglich, dass Darius’ Geliebte ausgerechnet hier war – doch als ich die Augen wieder öffnete, stand sie immer noch dort. Kairos Hände lagen locker um ihre Taille, und sie sprachen mit leisen Stimmen.

Dann wanderten ihre Augen zur Tür und sie entdeckte mich. Unsere Blicke trafen sich. Ich wartete auf das Erkennen, auf die Anschuldigung, auf das Schreien zu Kairo, dass ich die Omega war, die gerade erst geboren hatte und beschuldigt wurde, ihr Kind gestohlen zu haben. Doch nichts davon erschien auf ihrem Gesicht. Stattdessen wirkte sie überrascht und verwirrt. Sie erkannte mich nicht.

„Du musst die neue Braut sein“, sagte sie, löste sich von Kairo und kam auf die Tür zu. Sie öffnete sie ganz und lächelte mich an – ein Lächeln scharf genug, um Blut zu ziehen. „Ich bin Liriel. Kais älteste Freundin und seine vertrauenswürdigste Vertraute. Ich habe schon so viel von dir gehört.“

„Ich habe nichts von dir gehört“, log ich. „Kairo hat nicht erwähnt, dass eine Freundin im Palast auf ihn wartet.“

„Kai erwähnt nicht viel. Er ist ein sehr verschlossener Mensch.“ Sie musterte mich von oben bis unten, und ich sah das Urteil in ihren Augen – genau wie alle anderen während der Zeremonie. „Du bist nicht das, was ich erwartet habe. Ich dachte, das Valium-Haus würde jemanden Schicklicheren… Polierteren schicken.“

„Ich bin das, was verfügbar war“, antwortete ich süßlich und versuchte, die Spitze und die Beleidigung zu ignorieren.

„Offensichtlich.“ Sie wandte sich wieder Kairo zu. „Ich lasse euch beide allein, damit ihr euch kennenlernen könnt. Herzlichen Glückwunsch zu deiner Hochzeit, Kai. Ich hoffe, sie hält länger durch als die Letzte.“

Sie ging davon, und ich stand wie erstarrt im Türrahmen, bis Kairo sprach. „Willst du die ganze Nacht dort stehen bleiben oder kommst du herein?“

„Sie küsst dich. Auf den Mund. In deinen privaten Gemächern.“

„Und?“ Er drehte sich zu mir um und verschränkte die Arme vor der Brust. „Warum stört dich das?“

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