LOGINDer BesuchOlivias PerspektiveMaya stellte den Motor ab. Die Wohnung verschlang uns ganz. Die Stille, die danach folgte, war dick, schwer, die Art, die sich tief in die Knochen setzt. Das Anwesen war wirklich ruhig. Tanya kam um zu meiner Seite und öffnete die Tür. Dann stieg ich aus und meine Beine hielten mich kaum.„Diese Frau“, sagte Maya, ihre Stimme eine Klinge, die aus der Scheide gezogen wird. „Untreue. Drogen. Ihn reinlegen. Ich wollte ihr den Kiefer brechen. Du hättest mich nicht aufhalten sollen, weißt du.“„Gewalt hätte ihre Meinung nicht geändert“, sagte ich leise.„Meine hätte es geändert“, sagte sie heftig.Ich hätte fast gelacht. Fast.Drinnen war die Wohnung still. Charlotte hatte die Zwillinge in ihr Zimmer gebracht, damit sie sich ausruhen konnten. Die Tür war geschlossen, aber ich konnte das leise Murmeln ihrer Stimmen hören und den sanften Rhythmus eines Schlaflieds. Sie waren sicher und unschuldig. Sie hatten keine Ahnung, dass ihre Mutter gerade von Fremden in
Olivias PerspektiveIch ging zum Schalter. Maya und Tanya standen hinter mir. Wie Leibwächter.Ich zog meine Kappe, die ich trug, tiefer, damit sie meine Stirn und Augen bedeckte. Ich richtete meine Maske. Ich wollte nicht, dass mich jemand erkannte. Nicht nach allem. Nicht nach den Nachrichten.„Guten Tag. Ich muss eine verspätete Geburtsregistrierung beantragen“, sagte ich. „Für meine Zwillinge.“Die Frau hinter dem Schalter sah auf. Sie war müde. Wahrscheinlich überarbeitet. Ihre Augen waren stumpf.„Schauen Sie hier rüber.“ Sie zeigte auf eine Liste auf dem Schreibtisch. „Haben Sie die erforderlichen Dokumente?“ fragte die Frau mit flacher Stimme.Ich zog einen dicken Ordner heraus. Ich hatte meine rechtlichen Dokumente an dem Tag gesammelt, an dem ich die Morgans besucht hatte.„Eidesstattliche Erklärung des Schutzraums, in dem ich entbunden habe. Eidesstattliche Erklärung der ehrenamtlichen Hebamme. Mein Ausweis. Wohnsitznachweis. Arbeitsnachweis. Krankenakten. Fotos. Alles.“Si
Olivias PerspektiveDie Geburtsurkunden„Ich muss ihre Geburtsurkunden beantragen“, sagte ich. Flach.Maya hielt mitten im Bissen inne. Ihre Gabel schwebte in der Luft, dann sah sie mich an, als hätte ich gerade gesagt, der Himmel sei grün.„Du hast das noch nicht gemacht?“ fragte Maya, ihre Stimme erhob sich vor Unglauben.„Nein.“ Ich starrte in meinen Kaffee. Er war kalt geworden. Ich hatte ihn seit zwanzig Minuten nicht angerührt.„Olivia.“ Tanya stellte ihre Tasse ab. Ihre Stimme war vorsichtig. Gemessen. „Sie sind sechs Jahre alt. Das weißt du, oder?“„Ich weiß.“„Wie sind sie zur Schule gegangen? Zum Arzt?“ fragte Tanya.„Ich habe die Unterlagen des Schutzraums benutzt. Die eidesstattliche Erklärung der ehrenamtlichen Hebamme. Die Schule hat es akzeptiert. Der Arzt hat es akzeptiert. Aber es ist nicht legal. Es ist nicht offiziell. Und jetzt …“ Meine Stimme brach. Ich hielt inne. Ich atmete.Maya streckte sich über den Tisch und packte meine Hand. „Und jetzt was?“„Jetzt weiß je
Nathans PerspektiveDie Erklärung 2„Weil Olivia diejenige ist, die in diesem Schlamassel steckt. Sie hat gerade erst angefangen, in ihrer Karriere Fuß zu fassen, und das könnte bei den Investoren Zweifel aufkommen lassen.“„Es ist nicht deine Schuld, dass Jessica die Geschichte geleakt hat.“„Es ist meine Schuld.“ Ich sah auf. Meine Augen brannten. „Ich habe den Privatdetektiv engagiert. Ich habe die Akte behalten und ich habe sie nicht geschützt. Ich habe sie nicht beschützt.“„Du wusstest nicht, dass Jessica sie stehlen würde.“„Ich hätte es wissen müssen. Ich weiß, was sie ist. Ich weiß, was meine Mutter ist. Ich hätte vorsichtiger sein müssen.“David lehnte sich zurück. Er musterte mich. Sein Gesicht war undurchschaubar.„Apropos deine Mutter, es gibt noch ein weiteres Problem“, sagte er. Seine Stimme war jetzt leiser. Vorsichtig.„Was?“„Die fünfzig Millionen Dollar.“Ich sah auf. Mein Blut gefror.„Was ist damit?“„Deine Mutter hat fünfzig Millionen Dollar an Richard Morgan übe
Nathans PerspektiveDie Erklärung„Mr. Hayes, wir sind bereit, mit der Übernahme fortzufahren.“Der CEO von Novatek Industries war ein kleiner Mann mit scharfen Augen und einem noch schärferen Lächeln. Er saß mir am langen Mahagonitisch gegenüber, die Hände ordentlich vor sich gefaltet. Sein Anzug war erstklassig. Klarer Luxus. Seine Uhr war eine Rolex. Alles an ihm schrie nach Geld und Macht.Aber ich war nicht beeindruckt.„Fünfzig Milliarden“, sagte ich und lehnte mich in meinem Stuhl zurück. Meine Stimme war flach. Mein Gesicht war leer. „Das ist Ihr letztes Angebot?“„Es ist ein großzügiges Angebot.“ Er lächelte. Ein einstudiertes Lächeln. Das Lächeln eines Politikers. „Die Technologieabteilung Ihres Unternehmens ist stark, aber mehr ist sie nicht wert.“Ich lockerte meine Krawatte. Meine Ärmel waren bereits hochgekrempelt. Wir waren seit zwei Stunden in diesem Meeting. Wir waren Zahlen hin und her gegangen. Bedingungen. Zeitpläne. Ich war müde. Aber ich zeigte es nicht.„Achtzig
Olivias PerspektiveDer Fallout 2„Mami!“ Emma rannte zu mir. Sie warf ihre Arme um meinen Hals. „Wir waren im Park! Wir haben Enten gesehen! Ich habe neue Freunde gefunden.“Ich hielt sie fest und sie wand sich.„Mami. Du drückst mich.“„Entschuldigung, Schatz.“ Ich lockerte meinen Griff und küsste ihre Stirn. „Ich bin einfach froh, dich zu sehen.“Noah ging auf mich zu. Er hielt ein Blatt. Er hielt es hoch.„Ich habe das gefunden. Für dich, Mami.“Ich nahm es und sah es an. Ein einfaches Blatt. Braun. Zerbröselnd. Perfekt.„Danke, Schatz.“Er lächelte. Unschuldiges Lächeln, weil er nicht wusste, was vorging. Selbst wenn er es wüsste, würde er es wahrscheinlich nicht verstehen.Ich sah Charlotte an. Ihr Gesicht war besorgt. Sie wusste es. Sie hatte die Nachrichten gesehen.„Bring sie in ihr Zimmer“, sagte ich. „Behalte sie dort. Lass sie nicht fernsehen. Lass sie nichts sehen. Wenn sie darauf bestehen, lass sie Cartoons schauen.“„Natürlich, Ms. Morgan.“Sie führte sie weg. Emma wink







