LOGINNathans PerspektiveBitte verliere kein Wort über letzte Nacht„Nein“, flüsterte ich. „Nein, nein, nein.“Meine Hände zitterten. Mein Kopf pochte. Der Raum und die Laken sahen durcheinander aus. Für ein paar Sekunden war ich wie erstarrt. „Verdammt“, flüsterte ich.Ich sah Miranda an. Sie saß in meinem Bett auf, das Laken bis zur Brust gezogen, ihr Haar ein wirres Durcheinander. Sie beobachtete mich mit diesen dunklen Augen. Wartete darauf, dass ich etwas sagte. Das war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich sie so ruhig sah, ahnungslos und unschuldig wirkend.„Was hast du getan?“ Meine Stimme kam rau heraus. Zerbrochen. „Was zum Teufel hast du getan?“Miranda blinzelte. Ihr Gesicht veränderte sich. Das träge Lächeln verblasste. „Was ich getan habe? Was unterstellst du mir?“„Du hast mich ausgenutzt.“ Ich stand auf. Das Laken fiel weg. Es war mir egal. Ich griff meine Hose vom Boden. Ich zog sie an. Meine Hände zitterten so stark, dass ich den Stoff kaum greifen konnte. „Ich war bet
Nathans PerspektiveEine Nacht 3Miranda lachte. Sie zog mich auf eine Couch. „Er ist vergeben.“Die Tänzerin schmollte. Sie ging weg. Ihre Hüften schwangen. Sie sah über ihre Schulter zurück. Sie zwinkerte.Eine andere Tänzerin erschien. Sie war kleiner. Blond. Ein rotes Kleid. Sie setzte sich auf die Armlehne der Couch. Ihre Hand fand meinen Oberschenkel. Ihre Finger wanderten nach oben.„Du bist angespannt“, sagte sie. „Ich kann dabei helfen.“Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Danke.“Sie lehnte sich näher. Ihre Lippen streiften meinen Kiefer. „Bist du sicher?“Miranda packte ihr Handgelenk, scharf und langsam. „Er hat Nein gesagt.“Die Blonde zuckte mit den Schultern. Sie stand auf und verschwand in der Menge.Eine dritte Tänzerin näherte sich. Sie sprach nicht. Sie setzte sich einfach auf die Couch neben mich. Ihr Körper drückte gegen meinen. Ihre Hand glitt meine Brust hinauf. Ihre Lippen fanden meinen Hals.Ich schloss meine Augen. Der Whiskey drehte sich in meinem Kopf.„Miranda
Nathans PerspektiveEine Nacht 2Miranda kam mit zwei Gläsern von etwas Bernsteinfarbenem und Starkem zurück.Sie stellte eines vor mich hin. Das Glas klirrte gegen den Tisch. Sie setzte sich nicht mir gegenüber, sondern neben mich. Nah. Ihr Knie berührte meines. Ihr Parfüm hüllte mich ein wie eine zweite Haut.Ihre Augen wanderten langsam über mein Gesicht. Bedächtig. So, wie eine Frau einen Mann ansieht, wenn sie will, dass er sie bemerkt.Ich bemerkte es, aber ich dachte nicht viel darüber nach, weil Miranda schon von Anfang an so war.„Eine Nacht“, sagte ich. Die Worte fühlten sich schwer in meinem Mund an. „Das habe ich vorhin gesagt.“„Das habe ich gesagt.“ Sie hob ihr Glas. Ihre Lippen verzogen sich zu diesem scharfen, wissenden Lächeln. „Eine Nacht, um alles zu vergessen. Eine Nacht, um aufzuhören, Nathan Hayes zu sein, der Mann, der glaubt, sein eigenes Leben ruiniert zu haben. Nur für ein paar Stunden.“Ich hob mein Glas und stieß es gegen ihres.„Eine Nacht“, wiederholte ic
Nathans PerspektiveDas PenthouseDer Whiskey brannte, als er meine Kehle hinunterging.Ich saß im Dunkeln in meinem Penthouse. Das einzige Licht kam von der Stadt, die sich unter meinen bodentiefen Fenstern erstreckte. Die Stadt glitzerte wie eine Handvoll zerbrochenes Glas. Wunderschön. Scharf. Gleichgültig.Das Glas war kalt in meiner Hand. Das Eis war geschmolzen, aber nicht vollständig. Es verdünnte den Whiskey zu etwas Blassem.Mein Handy lag still auf dem Tisch neben mir. Ich hatte Olivia heute mehrmals angerufen. Sie hatte kein einziges Mal geantwortet. Keinen einzigen Anruf. Keine einzige Nachricht. Nichts.Die Wohnungstür öffnete sich.Ich drehte mich nicht um. Ich musste nicht. Das Klacken von Absätzen auf Marmor sagte mir alles, was ich wissen musste.„Hallo, Fremder.“Mirandas Stimme war hell. Neckend. Völlig fehl am Platz in der Dunkelheit meines Penthouses. Sie ging auf mich zu, als gehörte ihr der Ort.„Miranda.“ Ich sah sie nicht an. „Es ist spät.“„Es ist nicht so sp
Olivias PerspektiveDAS TREFFENIch saß Patricia und ihrem Kollegen Andrew Cole gegenüber. Meine Hände lagen gefaltet auf dem polierten Mahagonitisch. Der Vertrag lag zwischen uns wie eine geladene Waffe. Der Konferenzraum roch nach teurem Kaffee und kaum verhohlener Verachtung. Draußen vor den bodentiefen Fenstern erstreckte sich Seattle unter einem Himmel von der Farbe alter blauer Flecken, der Regen drohte.Patricia saß mit einem Rücken so gerade wie ein Lineal da, ihr silbernes Haar makellos, die Hände vor sich gefaltet wie eine Frau, die auf den Beginn einer Beerdigung wartet. Sie war die größte Aktionärin im Raum. Sie hielt die entscheidende Stimme. Aber sie ließ Andrew reden.„Beginnen wir mit der Kapitalstruktur“, sagte Andrew und rückte seine Brille zurecht. „Wir schlagen eine anfängliche Kapitalzufuhr von zwölf Millionen vor. Im Gegenzug würden wir eine vierzigprozentige Beteiligung und zwei Sitze in Ihrem Vorstand erhalten.“Ich blinzelte nicht. „Vierzig Prozent sind zu hoc
Die Last der StilleOlivias PerspektiveSchlaf kam nie.Ich lag in der Dunkelheit, verheddert in Laken, die sich wie Ketten anfühlten, und starrte an die Decke, als ob sie die Antworten auf Fragen enthielte, die ich noch nicht gelernt hatte zu stellen. Der Regen hatte vor Stunden aufgehört und eine Stille hinterlassen, die so vollkommen war, dass es sich anfühlte, als würde die Welt den Atem anhalten.Mein Verstand weigerte sich, still zu werden.Ich drehte mich auf die Seite. Dann auf den Rücken. Dann auf den Bauch. Jede Position fühlte sich falsch an, als würde mein Körper die Ruhe selbst ablehnen. Die Uhr auf dem Nachttisch tickte. Jede Sekunde war ein kleiner Hammer, der denselben Nagel traf.Ich war traurig.Traurig für die Frau, die ich vor sieben Jahren war und in diesem Moment. Traurig für Danny, der mich mit einer Geduld liebte, die ich nicht verdiente und nicht erwidern konnte.Aber mehr als traurig war ich wütend.Wütend auf mich selbst, dass ich mich von einer dummen Schla







