Mag-log in…
In der IvoryRains-Apartmentanlage, gelegen in der Innenstadt.
Haley richtete sich in ihrer neuen Wohnung ein, das kleine und gemütliche Interieur ein starker Kontrast zu dem Luxus und Glanz von Liams Villa.
Doch in dieser winzigen Wohnung fühlte sie sich seltsam im Frieden mit sich selbst. Ihr Verstand, einst nur von Gedanken an Liam getrübt, klärte sich nun langsam auf.
Jede Minute ihres Lebens war damit gefüllt gewesen, an ihn zu denken, verschiedene Wege auszubrüten, um den Mann glücklich zu machen.
Auch wenn sie Liam liebte, war es sinnlos, in einer Ehe zu dritt zu leben.
Haley konnte alles ertragen, was der Mann ihr entgegenwarf, aber keinen Verrat von der Größe einer Affäre, die eine andere Frau schwanger machte.
Verloren in ihren Gedanken, riss sie das Klingeln ihres Handys in die Gegenwart zurück.
Haley nahm das Handy vom kleinen Beistelltisch und starrte auf den Namen des Anrufers.
Sie hatte sich angewöhnt, jedes Mal zu erschauern, wenn ihre Schwiegermutter anrief, und nun ertappte sie sich dabei, wie sie genau dasselbe wieder tat.
„Alte Gewohnheiten legt man schwer ab, nicht wahr?“
Sich wappnend, drückte Haley auf die Annahmetaste, wohl wissend, das Handy besser nicht zu nah an ihr Ohr zu halten, um nicht ihr Trommelfell zu riskieren.
„Was hält dich davon ab zu kommen, du dummes, unbedeutendes Mädchen!“, Vera Nash schien in sehr schlechter Laune zu sein, ihre Stimme dröhnte wie eine Trompete durchs Telefon. „Warum kommst du mir heute nicht helfen, sauber zu machen! Hast du vergessen, dass Montag ist!?“
Haley presste die Lippen zusammen.
Tatsächlich pflegte sie jeden Montag zu Liams Mutter zu gehen, um unter dem strengen Kommando der Frau die Hausarbeit für sie zu erledigen.
Haley antwortete: „Ich komme heute nicht.“
„Wie? Du kommst nicht!?“, schrie Vera, Unglauben schwang in ihrem Ton mit. „Weißt du, mit wem du sprichst, Haley? Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden, wo du doch eine unfruchtbare Frau bist? Du solltest froh sein, dass ich dich überhaupt bei meinem Sohn wohnen lasse!“
Und so begann ihre Kette von Beleidigungen. Vera ließ keine Gelegenheit aus, Haley klarzumachen, wie nutzlos sie ohne ein Kind für die Familie Nash sei.
Haley schluckte die Beleidigung hinunter, stets darauf bedacht, ihre Schwiegermutter nicht zu verärgern.
Doch in diesem Moment fühlte sie sich gedemütigt, die Beleidigung der Frau erzürnte sie so sehr, dass ihr Körper zitterte. „Vera Nash, bald wird es jemanden geben, der deinem Sohn hilft, ein Kind zu bekommen.“
Haley legte auf, etwas, das sie noch nie zuvor getan hatte. Aber es fühlte sich so befriedigend an, bei dieser boshaften Frau aufzulegen.
Sie konnte nicht mehr so weiterleben. Jahre harter Arbeit hatten ihr nicht die Anerkennung von Liams Eltern eingebracht.
Selbst wenn Haley sich eines Tages im Namen ihrer Liebe zu diesem Mann aufhängen würde, bezweifelte sie, dass Liam und seine Eltern auch nur mit der Wimper zucken würden.
Warum sollte sie ihr Leben für andere leben, wenn sie sie selbst sein konnte?
Mit diesem Gedanken packte Haley ihre Sachen aus.
Sie verbrachte den halben Tag damit, die Wohnung zu putzen, sie nach ihrem Geschmack einzurichten und ihre Kleider auf den Ständer zu hängen.
Als der Abend nahte, verließ Haley das Gebäude und machte sich auf zur DG Jewelry Corp., ihrer liebsten Schmuckfirma.
Sie hatten vor Kurzem Stellen für persönliche Bewerber ausgeschrieben.
Mit ihrer Bewerbungsmappe in der Hand verbrachte Haley mehr als eine Stunde in der Personalabteilung, wo sie erste Vorstellungsgespräche und einige praktische Tests durchlief.
„Auch wenn wir Bewerbungen entgegennehmen, ist diese Firma erstklassig unter ihren Konkurrenten. Denk nicht, du kämst so leicht rein, junge Dame“, warnte die Managerin, sichtlich beeindruckt von Haleys Selbstvertrauen.
Haley lächelte nur, ihre volle Aufmerksamkeit auf die Edelsteine gerichtet, die auf dem Tisch vor ihr ausgebreitet lagen.
Vorsichtig nahm sie jeden einzelnen mit einer Halterung auf und schuf ein kunstvolles Design auf der schlichten goldenen Halskette.
Es war nur eine dreißigminütige Demonstration, doch das Ergebnis versammelte alle Angestellten um sie herum, ihre weit aufgerissenen Augen glänzten vor Staunen und Bewunderung.
„Oh mein Gott! Mir bleibt die Luft weg.“
„Es ist perfekt! Wie hat sie das nur in so kurzer Zeit geschafft?“
„Sie muss jahrelange Erfahrung haben, um das so mühelos, ohne einen einzigen Fehler, hinzubekommen.“
„Wer ist sie? Können wir ihre Bewerbungsmappe sehen?“
Doch die Managerin, in deren Händen sich Haleys Mappe befand, sah blass aus, ihre Hände zitterten.
Ihre Stimme brach, als sie sprach, ihr Blick wanderte zwischen Haley und der Mappe hin und her. „Also sind Sie es …“
Haley zog fragend eine Augenbraue hoch, lächelnd. „Wie bitte?“
„Vergessen Sie, was ich gesagt habe! Sie sind angenommen, junge Dame. Gehen Sie bitte zum CEO, während ich ihm Ihre Unterlagen weiterleite!“
Die Reaktion der Managerin überraschte die anderen Angestellten. Haley war nicht im Geringsten überrascht, sondern erleichtert, dass die Frau schnell genug begriffen hatte, um die Lage zu erfassen und ihr Geheimnis zu wahren.
Das Erdgeschoss war der Bereich für die Feinschmuckanfertigung, und das fünfte Stockwerk beherbergte das Büro der Designerin.
Sie verweilte noch, um die Schmuckstücke zu bewundern, jedes einzelne in einer Glasvitrine ausgestellt.
Fasziniert von den glitzernden Objekten und inspiriert von den vielen Designs, vergaß sie über der Betrachtung des Schmucks die Zeit.
Manche der Schmuckstücke kamen ihr sehr bekannt vor, und zum ersten Mal war Haley glücklich, den Schmuck ausgestellt zu sehen.
Für ein paar Minuten vergaß sie das Chaos und den Herzschmerz, den Liams Verrat verursacht hatte.
Da sie wusste, dass es bald Feierabend war, ging Haley zum fünften Stockwerk.
Sie wollte gerade den Aufzug nehmen, als sie die nervtötendste Stimme hörte.
„Haley, was machst du denn hier? So ein Pech.“
Richtig!Warum war Liam nicht darauf gekommen?Es war der schnellste Weg, herauszufinden, ob Haley oder seine Mutter die Wahrheit sprach.Aber dann,Brauchten sie die Überwachungskamera wirklich?Wie konnte er die offensichtliche Wahrheit leugnen, wenn sie direkt vor ihm lag?Sollte sich herausstellen, dass seine Mutter log, würde das sie nicht nur öffentlich demütigen,Ihr Ruf wäre auch dahin.„Mein Enkel ist wie immer klug.“ Großmutter Lily nickte nachdenklich. „Mary, hol die Sicherheitsleute, damit sie die Überwachungsaufnahmen von letzter Nacht überprüfen.“„Haley, Liebes…“, wandte sich Großmutter Lily ihr zu, umfasste ihre Wangen. „Großmutter wird dir diesmal Gerechtigkeit verschaffen. Diese böse Frau wird heute ihre Lektion lernen.“Während sich Veras Pupillen zusammenzogen, ihr Gesicht erblasste, war die Ehrlichkeit in Haleys trüben Augen deutlich zu erkennen.Liam rutschte unbehaglich hin und her.Als die Haushälterin davonging, räusperte er sich. „Mary, komm zurück.“„Häh?“ D
Die Luft gefror, und eine ohrenbetäubende Stille senkte sich herab.Liam erstarrte auf der Stelle, sein Blick fest auf seinen Bruder gerichtet,und das Mädchen, das bei ihm war.Haley?Sie sah nicht nur mitgenommen und staubig aus, sie wirkte auch schwach, lehnte sich zur Unterstützung an seinen Bruder.„Aaaaahhh!“ Ein schriller Schrei durchdrang die Atmosphäre.Der Schrei kam von niemand anderem als der Frau, die nun zitternd in Liams Armen lag.Seine Mutter sprang buchstäblich auf ihre Füße.War sie nicht bewusstlos gewesen?Doch niemand schenkte ihr Aufmerksamkeit, da sich alle um Daryl versammelten.„Unmöglich, es ist der zweite junge Herr!“„Oh mein Gott! Er ist zurück!“„Der zweite junge Herr lebt!“„Wie unglaublich!“Die Diener sprangen aufgeregt umher, klatschten und lächelten.Während Großmutter Lily noch mehr Tränen vergoss. „Mein lieber Enkel, wo warst du? Wie bist du zurückgekommen? Ich, ich habe mir große Sorgen gemacht. Wurdest du entführt, Liebes?“Doch vor fünf Jahren
Der Keller war schon immer Daryls Lieblingsversteck gewesen.Er hatte manchmal den ganzen Tag dort verbracht, ohne dass es jemand bemerkte, bis er sich irgendwann entschied, wieder herauszukommen.„Ah! Der Keller! Sie haben recht, junger Herr!“, rief die Dienerin aus.Doch auf Liams Mutters Gesicht lag ein alarmierter Ausdruck. „Seit Jahren hat niemand mehr diesen Keller besucht! Wie kann sich dort ein Mensch verstecken?“„A-Aber, gnädige Frau, wir haben überall sonst gesucht, außer-“„Halt den Mund!“, schnitt Vera der jungen Dienerin mit einer schallenden Ohrfeige das Wort ab.Ihre Handlung kam so plötzlich, dass alle zusammenzuckten, einschließlich Liam.„Du! Vera, warum bist du so grob? Warum kannst du den Dienerinnen gegenüber keine Gnade zeigen?“, starrte Großmutter Lily sie missbilligend an.„Siehst du nicht, dass sie respektlos ist, Mutter? Wie kann sie es wagen zu sprechen, während ich am Sprechen war?“Die junge Dienerin hatte nur einen einfachen Satz gesagt, den jeder hier h
Instinktiv trat sein Bein auf die Bremse, und das Auto kam mit quietschenden Reifen zum Stehen.Liam musste das Telefon von seinem Ohr nehmen, um den Kontakt genauer zu betrachten.Derjenige, der vermisst wurde?Sein Bruder?„Sind Sie sicher, dass er es ist?“„Meine Leute lügen nie, Herr Nash“, antwortete die andere Person. „Ich habe das Foto an Ihr Handy geschickt.“Ein Foto?Hoffnung vermischt mit Verwirrung brachte Liam dazu, in seine Medien-Nachrichten zu schauen, ohne sich darum zu kümmern, aufzulegen.Er klickte auf das Foto.Er ist es.Es war sein Bruder.Erinnerungen strömten sofort zurück, beim Anblick dieser vertrauten Gestalt, die aus dem Flughafen schritt.Eine Reisetasche hing über seiner Schulter, und die andere Hand streckte er aus, als versuche er, ein Taxi anzuhalten.Es war derselbe Kerl, der vor fünf Jahren verschwunden war.Obwohl er auffällige Kleidung trug, ein gelbes T-Shirt mit roter Sonnenbrille, würde Liam diese Gesichtszüge, die den seinen so stark ähnelten,
Vera ließ Haley los.Den Kopf zurückwerfend, lachte die Frau so laut, dass ihre bedrohliche Stimme die Wände erzittern ließ.Der Leibwächter lachte mit, hielt sich den Bauch und zeigte auf Haley.„Hast du sie gehört, Gary? Haley will, dass ich vor ihr auf die Knie gehe“, sagte Vera spöttisch und ahmte eine Kinderstimme nach.Dann seufzte sie. „Also stimmen die Gerüchte, dass die dumme Frau meines Sohnes psychische Probleme entwickelt hat.“„Tss, tss, tss.“ Vera schnalzte mit der Zunge und schüttelte den Kopf. „Wenn du es eines Tages schaffst, mich zum Knien zu bringen, Haley, kann ich mich auch gleich umbringen.“„Ist das so?“, hob Haley amüsiert eine Augenbraue. „Vera Nash, vergiss niemals dein Versprechen.“Vera winkte abweisend ab und verdrehte die Augen. „Ich werde meine Zeit nicht an ein verrücktes Mädchen wie dich verschwenden. Gib ihr nur einmal am Tag zu essen, Gary. Haley bleibt in diesem Keller eingesperrt, bis sie ihre Lektion gelernt hat und sich bei mir entschuldigt.“„Fü
...Haleys Augenlider flatterten, und allmählich verwandelte sich die Dunkelheit in ein verschwommenes Weiß.Die Augen zusammenkneifend, bewegte sie ihre Glieder, kämpfte darum, sich aufzusetzen.Warum fühlte sich ihr Körper so wund an?Was machte sie an einem solchen Ort?Abgesehen von den winzigen Rissen in den Wänden, die Lichtstreifen hereinließen, war überall Dunkelheit.Ihr Kopf pochte leicht vor Schmerz, und Haley stützte ihn mit beiden Händen, ließ ihre Gedanken zur vergangenen Nacht wandern.Verdammt!Sie war entführt worden.Wo war sie?Alarmiert kroch Haley vom Boden hoch, ihre Augen huschten voller Angst durch den weiten Raum.Gepackte Kisten standen in einer Ecke, und viel staubiges Haushaltszeug.Haley durchwühlte eine der Kisten, hustete heftig, während Staub durch die Luft flog.Neben den Kisten kniend, fischte sie ein kleines Gerät heraus, das eher wie ein Spielzeugtelefon aussah.Haley fischte weitere Sachen heraus, darunter einige Schuhe und Kleider.Der Raum bestan







