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Kapitel 55

Author: Judith GW
Jasons POV

Die Nacht brach herein, der Regen prasselte stetig gegen die Fenster. Mein Kleiderschrank war geöffnet, ein Koffer stand auf dem Bett. Hemden lagen gefaltet gestapelt. Ein Anzug für formelle Anlässe lag obenauf. Ich überprüfte die Schnürsenkel meiner Stiefel, rollte dann zwei Gürtel zusammen und legte sie ans Bett.

Vorhin hatte ich den Lärm von draußen gehört und wusste, dass Viki gerade gestorben war. Ich empfand kein Mitleid mit ihr. Sie hatte mich getäuscht. Zum Glück war die Lun
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    Talias PerspektiveDen größten Teil des Nachmittags verbrachte ich in meinem Zimmer und versuchte, mich zu beruhigen. Doch es war zwecklos. Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Ich wünschte, meine Wölfin wäre da und ich könnte mit ihr reden. Stattdessen blieb ich allein mit meinen Gedanken, die mich immer weiter quälten.Ich hatte Nolan vertraut. Ich hatte mir erlaubt zu glauben, dass zwischen uns etwas Echtes war. Doch sobald ich mich ihm geöffnet hatte, hatte er mich von sich gestoßen. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht, aber es kamen immer neue.„Warum weine ich immer noch wegen ihm?“, dachte ich bitter. „Ich bin ihm doch völlig egal!“Mein Spiegelbild half auch nicht gerade. Meine Augen waren geschwollen, und meine Nasenflügel waren gerötet. Ich seufzte und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht.Ich konnte mich nicht weiter in meinem Zimmer verstecken. Papa und Solon erwarteten mich zum Abendessen. Wenn ich heute Abend nicht erschien, würden sie sich nur Sorge

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    Nolans PerspektiveIch wusste nicht, warum ich mich gekränkt fühlte.Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Talia hierherkommen würde, um Kräuter zu holen, die unsere Gefährtenbindung unterdrücken sollten. Es hätte mir egal sein sollen, aber das war es nicht. Es tat weh, dass sie unsere Bindung nicht spürte. Doch wer konnte es ihr verdenken?Talia stand vor mir. Selbst ohne ihre Wölfin konnte ich ihre Wut spüren. Mit verschränkten Armen funkelte sie mich an. Auch wütend war sie wunderschön.„Na schön. Reden wir, Alpha Nolan“, sagte sie.Ich suchte nach einem Grund, irgendeiner Ausrede, die erklären würde, warum ich wegen der Kräuter hier war. Doch nichts klang überzeugend. „Ich bin hier, weil …“, begann ich.„Spar dir die Lügen“, unterbrach Talia mich. „Ich weiß bereits, dass du Marco befohlen hast, mir Nightveil zu geben.“Einen Moment lang brachte ich kein Wort heraus. Die Stimme meines Wolfs dröhnte in meinem Kopf.„Ich habe dir gesagt, dass das eine schreckliche Idee war. Je

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    Talias PerspektiveHeilerin Leslie wohnte vorübergehend am Rand des Silverfang-Rudelgebiets. Es war eine der Hütten, in denen wir abtrünnige Wölfe unterbrachten, während wir entschieden, ob wir sie ins Rudel aufnehmen oder sie sich erholen und anschließend weiterziehen lassen würden. Rauch stieg aus dem Schornstein, also wusste ich, dass Leslie zu Hause war. Ich ging zur Tür und klopfte.Sie öffnete fast sofort. Leslie stand in einem weiten Hemd und zwei unterschiedlichen Socken im Türrahmen. Ihr Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Als sie mich sah, weiteten sich ihre Augen. „Talia? Sie haben mich schon gefunden?“Bevor ich antworten konnte, packte sie mich am Handgelenk und zog mich hinein. „Kommen Sie rein, bevor Sie jemand sieht.“In der Hütte roch es nach Kräutern. Dann erstarrte ich, als mich ein vertrauter Geruch traf. Nolan stand neben dem Tisch und schien genauso überrascht zu sein wie ich.Ich hasste es, dass ich zu ihm gehen, ihn am Hemd zu mir herunterziehen

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    Talias PerspektiveDella und ich gingen direkt in den Trainingsraum, in dem Marco normalerweise trainierte. Er saß schweißgebadet neben den Geräteständern. Als er uns sah, lächelte er, doch bei Dellas finsterem Blick veränderte sich seine Miene sofort.„Marco“, sagte Della scharf, „wir müssen reden.“Er stand hastig auf und sah uns verwirrt an. „Was ist passiert?“, fragte er.„Warte“, sagte Della. Sie sah sich um, um sicherzugehen, dass sonst niemand im Trainingsraum war. Als die Luft rein war, nickte sie mir zu.„Marco, ich will, dass du ehrlich zu mir bist“, sagte ich. „Hast du mir Nightveil gegeben?“Marcos Augen weiteten sich. Einen Moment lang erstarrte er, dann fragte er: „Wer hat dir das erzählt?“„Jason. Und jetzt beantworte meine Frage.“„Ja“, sagte Marco. „Das habe ich.“„Marco! Was zum Teufel? Wie konntest du das tun? Talia war immer nett zu dir!“, rief Della.Er hob abwehrend beide Hände. „Ich wollte dir nichts antun, ich schwöre! Das Kraut sollte deine Wölfin nur

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