LOGINEr hatte sie wie sein Eigentum gezeichnet. Und dann wandte er sich völlig gegen sie. Cecelia war nie dazu bestimmt, die Verbindung zu überleben. Sie sollte nur dafür bluten. Für ihr Rudel auserwählt, für ein Bündnis benutzt und fallen gelassen, sobald sie unbequem wurde. Zeke nahm ihr alles: ihre Freiheit, ihre Zukunft und etwas, das sie niemals hatte geben wollen – ihr Herz. Aber sie starb nicht. Sie lernte. Jetzt ist sie zurück, nicht wiederzuerkennen, mit Gift in ihrem Lächeln und Rache, die tief in ihre Haut genäht ist. Sein Mal brennt noch immer auf ihrem Körper. Aber das Mädchen, das er zerbrochen hat, ist verschwunden. Und die Frau, zu der sie geworden ist, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Sie will seine Liebe nicht. Sie will, dass er zerbricht. Und dieses Mal wird sie dafür sorgen, dass er zerbrochen bleibt.
View More„Ich bin schwanger, Cecelia. Und es ist das Baby deines Mannes.“
Ich sah sie fassungslos an. Das Weinglas aus Kristall entglitt meinen Fingern und zerschellte auf dem Marmorboden des Esszimmers im Rudelhaus. Roter Wein ergoss sich über den Boden und durchnässte meine Schuhe ebenso wie ihre. „Was hast du gerade gesagt?“ Meine Stimme bebte. Ich begriff es nicht. Wie? Warum? Layla, meine wunderschöne, perfekte Schwester, stand mir gegenüber – der Inbegriff all dessen, was ich meiner Meinung nach nicht war. Sie war anmutig, bekam alles, was sie wollte, und Männer verehrten sie geradezu. Warum ausgerechnet mein Mann? Selbst als sie mir diese Nachricht überbrachte, die meine Welt erschütterte, sah sie aus wie eine Göttin. Ihre Hand ruhte schützend auf ihrem noch flachen Bauch, und Tränen glitzerten in ihren blauen Augen. „Es tut mir so leid, Cecelia. Ich wollte nie, dass es so weit kommt.“ „Du lügst.“ Ich umklammerte die Kante des Esstisches, bis meine Knöchel weiß hervortraten. „Zeke würde nicht ... er würde mir so etwas nicht antun.“ „Würde er das nicht?“ Laylas Stimme war sanft und voller Mitleid. „Sei ehrlich zu dir selbst, Schwester. Hat er dir jemals wirklich gehört?“ Das Gefährtenmal an meinem Hals brannte bei ihren Worten auf, und meine Hände fuhren zu der schmerzenden Stelle, um sie zu beruhigen. Ich mühte mich aufzustehen, während ich sie voller Hass anstarrte. Sie hatte immer alles gehabt. Warum konnte sie mir nicht diese eine Sache lassen, die mich glücklich machte? Sie musste einfach alles ruinieren. Vor sechs Monaten hatte Alpha Zeke Brooke alle schockiert, als er für die Friedenshochzeit mich – die unscheinbare, adoptierte Cecelia – und nicht meine atemberaubende Schwester gewählt hatte. Anfangs mochte ich Zeke nicht. In seiner prachtvollen Welt fühlte ich mich zu sehr wie auf dem Präsentierteller. Doch er gab mir das Gefühl, geliebt und vollkommen zu sein. Sechs Monate war es her, seit ich törichterweise begonnen hatte, an Märchen zu glauben. „Er hat sich für mich entschieden“, sagte ich und hasste es, wie verzweifelt ich klang. „Bei der Verlobungsfeier hat er mich dir vorgezogen.“ „Hat er das?“ Layla kam mit anmutigen Schritten auf mich zu. „Oder hat er den Weg gewählt, der es ihm ermöglichte, uns beide zu haben?“ „Wovon redest du?“ „Denk mal darüber nach, Cecelia. Hätte er mich geheiratet, hättest du das Territorium verlassen. Wärst losgezogen, um dein eigenes Rudel zu finden, dein eigenes Leben. Aber indem er dich heiratete …“ Sie hielt inne und ließ die Andeutung im Raum stehen. „Indem er dich heiratete, stellte er sicher, dass ich in der Nähe blieb. Familie hält immer zusammen.“ Meine Beine gaben nach, und ich ließ mich in den nächstbesten Stuhl fallen. „Nein. Nein, du irrst dich. Zeke und ich … wir waren glücklich. Er war lieb zu mir, sanft …“ „Lieb?“ Layla lachte, doch in ihrem Lachen lag keinerlei Heiterkeit. „Cecelia, wann hat er dir das letzte Mal gesagt, dass er dich liebt?“ Die Frage traf mich wie ein Pfeil mitten ins Herz. Mir drehte sich der Kopf, als ich darüber nachdachte. Sechs Monate Ehe, und diese drei Worte waren nie über seine Lippen gekommen. Nicht ein einziges Mal. „Wann hat er dich das letzte Mal so angesehen, wie ein Gefährte seine Auserwählte ansehen sollte?“, fuhr sie unerbittlich fort. „Wann ist er das letzte Mal zu dir ins Bett gekommen, ohne dass du den ersten Schritt machen musstest?“ „Hör auf.“ Tränen brannten in meinen Augen, doch ich weigerte mich, sie fließen zu lassen. „Hör einfach auf zu reden.“ „Ich kann nicht aufhören, denn ich kann dich nicht länger belügen.“ Layla ließ sich auf den Stuhl mir gegenüber sinken und streckte die Hand über den Tisch aus, um meine zu ergreifen. Ich riss sie weg. „Cecelia, er trifft sich heimlich mit mir – schon seit der Woche nach eurer Bindungszeremonie. Anfangs ging es nur darum, sich zu entschuldigen, zu erklären, warum er sich für dich entschieden hatte. Aber dann …“ „Aber dann was?“ „Dann erinnerten wir uns daran, warum wir uns überhaupt ineinander verliebt hatten.“ Meine Augen brannten, meine Hände zitterten vor Wut. „Ihr wart Feinde. Nach dem Krieg, nach Vaters Verrat – ihr habt euch gehasst.“ „Wir waren nie Feinde.“ Laylas Stimme sank zu einem Flüstern herab. „Wir waren Kinder mit gebrochenen Herzen, die durch den Stolz ihrer Väter getrennt wurden. Der Hass war einfacher, als sich einzugestehen, dass wir uns noch immer liebten.“ Ich sprang so hastig auf, dass mein Stuhl nach hinten kippte. „Verschwinde.“ „Cecelia …“ „Ich habe gesagt: Verschwinde!“ „Hör mir zu!“ Auch Layla sprang auf, ihr eigenes Temperament kochte hoch. „Glaubst du, das ist leicht für mich? Glaubst du, ich wollte von einem verheirateten Mann schwanger werden?“ „Darüber hättest du nachdenken sollen, bevor du für meinen Mann die Beine breitgemacht hast!“ Die Ohrfeige kam so schnell, dass ich sie nicht kommen sah. Meine Wange brannte, doch der körperliche Schmerz war nichts im Vergleich zu der Qual, die meine Brust zerriss. Entsetzt schlug Layla die Hand vor den Mund. „Oh Göttin, Cecelia, es tut mir leid. Ich wollte nicht …“ „Doch, das wolltest du.“ Ich berührte meine brennende Wange und schmeckte Blut, wo meine Zähne die Lippe eingeritzt hatten. „Du hast es immer so gemeint, nicht wahr? Jedes grausame Wort, jeden Moment, in dem du mir das Gefühl gabst, klein und wertlos zu sein. Du hast es mir immer übelgenommen, dass Vater mich adoptiert hat, anstatt dir einen Bruder zu schenken.“ „Das stimmt nicht …“ „Wirklich nicht?“ Ich lachte bitter. „Sag mir, Layla, gehörte es nicht schon immer zu deinem Plan, mit Zeke zu schlafen? Seit wir verheiratet sind, warst du nie glücklich. Du wolltest unsere Ehe immer zerstören.“ „So war das nicht!“ Jetzt liefen Tränen über ihr perfektes Gesicht. „Ich bin hergekommen, um Frieden mit dir zu schließen, um zu versuchen, die Schwester zu sein, die ich hätte sein sollen. Aber als ich Zeke wiedersah …“ „… kam die Gefährtenbindung, von der du glaubtest, sie bestünde zwischen euch, mit aller Macht zurück?“ „Ja“, flüsterte sie. „Nun, hier ist etwas, das du bei eurem Wiedersehen vielleicht vergessen hast …“Ich knurrte und ließ jede Unze Schmerz und Wut in meine Stimme einfließen. „Zeke und ich sind tatsächlich Gefährten. Er hat mich markiert. Wir haben die Bindung vor der Mondgöttin selbst besiegelt.“ „Cecelia …“ „Was bedeutet: Ganz gleich, was du glaubst, mit ihm zu haben, ganz gleich, welche schönen Lügen er dir ins Ohr geflüstert hat – du bist nichts weiter als seine Hure.“ Diesmal war ich auf die Ohrfeige gefasst. Ich fing ihr Handgelenk ab, noch bevor ihre Hand mich treffen konnte; das Alpha-Blut meines Adoptivvaters verlieh mir eine Kraft, die ich nur selten einsetzte. „Lass es“, warnte ich, während mein Wolf an die Oberfläche drängte. „Wage es ja nicht, mich noch einmal zu schlagen.“ Layla versuchte, ihren Arm loszureißen, doch ich hielt ihn fest. Zum ersten Mal in unserem Leben hatte ich die Macht über sie. „Lass mich los“, zischte sie. „Nicht, bevor du mir die Wahrheit sagst. Die ganze Wahrheit.“ „Ich habe es dir doch schon gesagt …“ „Nein, du hast mir erzählt, *was* passiert ist. Ich will wissen, *warum*. Warum jetzt, Layla? Warum kommst du hierher und gestehst es mir? Was willst du von mir?“ Sie hörte auf zu zappeln; ihre blauen Augen trafen meine mit einem Ausdruck, den ich nicht deuten konnte. „Zeke hat mich gebeten, es dir zu sagen.“ Die Worte trafen mich wie Eiswasser. „Was?“ „Er sagte … er sagte, es sei nicht fair, dich weiter anzulügen. Dass du es verdient hättest, die Wahrheit darüber zu erfahren, wen er wirklich liebt.“ Ich ließ ihr Handgelenk so plötzlich los, dass sie rückwärts stolperte. „Er will die Scheidung.“ Die Worte kratzten in meiner Kehle. „Er will, dass du dich entscheidest“, korrigierte sie leise. „Er wird die Gefährtenbindung nicht gegen deinen Willen lösen, aber wenn du ihn freigibst …“ „… dann heiratet er stattdessen dich.“ „Ja.“ Ich wandte mich von ihr ab und ging zu den riesigen Fenstern, die den Blick auf das Rudelgebiet freigaben. In der Ferne sah ich die Klippen am Meer, wo ich so viele Stunden damit verbracht hatte, von einer Zukunft zu träumen, die niemals eintreten würde. „Und das Baby?“ „Er will es offiziell anerkennen. Er will, dass das Baby sein Erbe wird.“ Sein Erbe. Das Kind, das ich ihm nie hatte schenken können, obwohl wir es sechs Monate lang versucht hatten. „Geh raus, Layla.“ „Cecelia, bitte …“ „Geh, bevor ich etwas tue, das wir beide bereuen werden.“ Ich hörte ihre Schritte auf dem Marmor, dann das leise Klicken der sich schließenden Tür. Erst da ließ ich zu, dass ich zusammenbrach; ich rutschte am Fenster hinunter, bis ich auf dem Boden saß und schluchzte, als würde mir das Herz aus der Brust gerissen. Denn genau das geschah.Aus Cecelias SichtWir saßen in behaglichem Schweigen da, während ich alles auf mich wirken ließ. Eine echte Zeremonie zur Besiegelung unserer Verbindung, die offizielle Ernennung zur Luna, das gemeinsame Großziehen von Golden als Familie. Vor drei Monaten hätte das noch unmöglich gewirkt, doch jetzt fühlte es sich unvermeidlich an – als wäre es genau das Ziel gewesen, auf das wir schon immer zugesteuert waren.„Ich möchte noch mehr Kinder“, sagte ich plötzlich; der Gedanke war schon eine Weile in mir gereift. „Nicht sofort, aber irgendwann. Golden sollte Geschwister haben.“Zekes Arm legte sich fester um mich, und über unsere Verbindung spürte ich seine sofortige Zustimmung. „Von wie vielen sprechen wir da?“„Vielleicht noch zwei oder drei?“, schlug ich vor und legte den Kopf schief, um ihn anzusehen. „Genug, damit Golden nicht einsam ist, aber nicht so viele, dass wir völlig überfordert sind.“„Das gefällt mir“, sagte Zeke, während seine Hand auf meinen Bauch wanderte, als könnte er
Cecelias SichtweiseGolden schlief schon seit einer Stunde, als Zeke leise an unsere Schlafzimmertür klopfte. Ich hatte in dem Sessel neben Goldens kleinem Bett gesessen, gelesen und ihm dabei zugesehen, wie ruhig er atmete, als Zeke den Kopf zur Tür hereinsteckte.„Komm mit“, flüsterte er und deutete in den Flur. „Ich habe etwas geplant.“Ich stand vorsichtig auf, um Golden nicht zu wecken. Er hatte heute einen guten Tag gehabt; seine Gesichtsfarbe war besser, und das blaue Leuchten unter seiner Haut hatte kaum geflackert. Der Arzt hatte gesagt, dass die Behandlungen mit Alpha-Essenz anschlugen und sich Goldens Körper stabilisierte.Zeke nahm meine Hand und führte mich durch unsere Räumlichkeiten auf den privaten Balkon, den ich seit meinem Wiedereinzug kaum genutzt hatte. Als er die Tür öffnete, stockte mir der Atem, denn der Ort hatte sich völlig verwandelt.Überall standen Kerzen, deren warmer Schein alles weich wirken ließ. Ein kleiner Tisch war mit echtem Geschirr und Besteck ge
Aus Cecelias SichtDer Krankenhausflur wirkte viel zu hell, während ich Goldens Rollstuhl in Richtung des Besucherraums schob, wo Layla darauf wartete, sich von Cameron zu verabschieden. Golden saß still da, in eine Decke gehüllt, und seine kleinen Hände umklammerten die Armlehnen. Er war endlich stark genug, um für kurze Zeit das Bett zu verlassen – ein Fortschritt, den der Arzt sehr begrüßte.„Warum gehen wir zu ihr?“, fragte Golden und blickte zu mir auf – mit diesen großen Augen, die mich so sehr an Zeke erinnerten.„Weil sie sich von ihrem Sohn verabschieden muss“, erklärte ich mit sanfter Stimme. „Und Papa dachte, es könnte dir helfen zu verstehen, was passiert ist, wenn du siehst, dass selbst schlechte Menschen Familien haben, die ihnen am Herzen liegen.“Zeke ging neben uns her; seine Hand ruhte auf meiner Schulter. Über unsere Verbindung spürte ich seine Anspannung; auch er war von diesem Besuch nicht begeistert, hatte aber zugestimmt, dass er um Camerons willen notwendig war
Wir erreichten die Hauptebene, und ich ging zu meinem Wagen. Die Fahrt zurück ins Krankenhaus gab mir Zeit, all das zu verarbeiten, was Layla gestanden hatte. Das Ausmaß ihres Wahns und ihrer Manipulationen war erschütternd, und ich konnte kaum fassen, dass mir die Anzeichen so lange entgangen waren.Doch darüber zu grübeln, half niemandem weiter; ich musste mich auf die Zukunft mit Cecelia und Golden konzentrieren, anstatt auf die Vergangenheit, die Layla vergiftet hatte.Am nächsten Morgen stand ich vor dem Rat des Rudels, als Layla in Fesseln hereingeführt wurde. Sie wirkte irgendwie kleiner; ihr ganzer Trotz vom Vortag war verflogen. Die Ratsmitglieder betrachteten sie mit Mienen, die von Abscheu bis Enttäuschung reichten – viele von ihnen kannten sie schon seit Jahren.„Layla Winters, Sie sind angeklagt wegen Verschwörung zur Entführung, Gefährdung eines Kindes und Verrats an der Familie des Alpha“, verlas das Ratsmitglied die formelle Anklageschrift. „Wie lautet Ihr Plädoyer?“„





