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Chapter three

Author: Scarletwrites
last update publish date: 2026-10-13 14:19:53

Kapitel drei

-Kaiser-

Scheiße, die kleine Omega brach zusammen, bevor ich sie erreichen konnte.

Einen Moment lang versuchte sie noch aufzustehen, die Beine zitterten, die Augen weit vor Panik… im nächsten Moment sackte sie zu Boden wie ein nasser Sack.

Ich fing sie auf, bevor ihr Kopf den Boden treffen konnte. Sie wog fast nichts. Sie fühlte sich zu leicht an, ihre Haut kalt. Ich hatte diesen Drang, ihr Gesicht zu berühren, sie sah so zerbrechlich aus und doch irgendwie… atemberaubend.

Nicht auf die offensichtliche Art, wie Frauen gewöhnlich aussahen. Sie war nicht poliert, nicht verführerisch, sie war ein Chaos mit schlammbedeckter Haut, Blut an den Knien, dem Haar verfilzt vom Laufen, so heftig zitternd, dass ich fürchtete, sie würde ersticken.

Aber sie war schön genug, um mir den Atem zu rauben, in dem Moment, in dem ich sie erblickte.

Mein Wolf, ein Biest, das nie jemanden gewollt hatte, war still geworden und hatte sich auf sie konzentriert. Wir beide beobachteten sie, als wäre sie ein Geheimnis, das nur für uns bestimmt war.

Ich strich eine Haarsträhne von ihrer Wange. Ihr Puls fühlte sich zu schnell und zugleich zu schwach an.

Die Abtrünnigen hatten sie wirklich traumatisiert, irgendwie hatte ich das Gefühl, dass da mehr hinter der Angst in ihren Augen steckte.

Und die Art, wie sie früher ihren Bauch abgeschirmt hatte, ihr Duft, ihre Bewegungen… an dieser Frau war mehr, als man auf den ersten Blick sah.

Nun, nicht mein Problem, ich machte das nicht, ich würde diesen Weg nicht gehen.

Aber der Gedanke krallte sich trotzdem wie ein hartnäckiger Dorn in den Hinterkopf.

War sie schwanger?

Ich schob den Gedanken beiseite, so schnell er gekommen war.

Ob sie es war oder nicht, ging mich nichts an. Sie war eine abtrünnige Frau, die gejagt und von diesen Bastarden fast belästigt worden war. Meine Rolle hier war einfach: stabilisieren, neutralisieren und schützen, was geschützt werden musste, bis ich herausfand, warum zum Teufel Abtrünnige so nah an meinem Territorium waren.

Ich hob sie mühelos hoch, ihr Körper wurde schlaff in meinen Armen. Ihr Kopf fiel gegen meine Schulter, ihr Atem warm gegen meine Haut.

Mein Wolf drängte neugierig wieder nach vorne.

„Sie riecht gut“, sagte er.

„Nicht der richtige Zeitpunkt“, antwortete ich.

„Sie riecht wie…“

„Halt die Fresse.“ Ich drängte ihn zurück, bevor er den Gedanken vollenden konnte.

Ihr Duft war ein Problem, und meine Reaktion darauf war ein noch größeres Problem. Ich wollte die Komplikation nicht, hatte keine Zeit für Weichheit oder streunende Instinkte. Nicht, wenn mein Rudel sich auf einen möglichen Krieg vorbereitete. Nicht, wenn Tana, meine Verlobte, innerhalb weniger Wochen ankommen würde. Nicht, wenn Ronan bereits zu viel politischen Druck vom Rat ausübte.

Aber diese Frau zu halten… tat etwas Seltsames mit den stillen Teilen in mir.

Der Wald teilte sich um uns, als ich zu gehen begann, das vertraute Gewicht meines Territoriums legte sich auf meine Schultern. Jeder Baum, jeder Schatten, jede Windverschiebung gehörte mir.

Aber sie…. sie gehörte nicht dazu. Selbst bewusstlos sah sie kampfbereit aus. Ihre Brauen waren gerunzelt, als würde sie in ihren Träumen rennen… als würden die Abtrünnigen sie immer noch einholen.

„Ganz ruhig“, murmelte ich mit tiefer Stimme.

Warum zum Teufel beruhigte ich sie? Seit wann beruhigte ich überhaupt etwas?

Ihr Atem zitterte erneut.

Ich versuchte, mich auf die Fakten zu konzentrieren… ihre Verletzungen, den Duft der Abtrünnigen, die Richtung, aus der sie gekommen waren… aber mein Blick glitt immer wieder zurück zu ihrem Gesicht.

Sie hatte Sommersprossen über der Nase, dichte Wimpern, weiche Lippen. Sie sah müde und blutunterlaufen aus und doch immer noch trotzig. Sie war hübsch auf eine Art, die das Gewissen eines Mannes ruinieren konnte.

Ich schüttelte heftig den Kopf. Nein… das war keine Anziehung, ich konnte mich nicht zu ihr hingezogen fühlen… Ich war verflucht, ich konnte von keiner Frau erregt werden.

Die Jahre der Leere und des Nichts, die ich gefühlt hatte, waren heute Nacht alle den Bach runtergegangen.

Mein Wolf streifte unter meiner Haut, warum war sie anders?

Die Festung der Belagerungswölfe erhob sich in der Ferne hinter den Bäumen… massive Steinmauern, eiserne Tore, fackelbeleuchtete Zinnen. Eine Burg, die in den Berg selbst gehauen war, schattenhaft, brutal, unmöglich zu durchbrechen. Patrouillenwölfe säumten die Baumwipfel, ihre Anwesenheit ein ständiges Summen in der Luft. Ein Zuhause, Ordnung und Macht.

Alles, wozu diese zitternde Abtrünnige in meinen Armen nicht gehörte.

Als ich die Grenzlinie überquerte, bewegten sich Schatten. Patrouillenwölfe lösten sich lautlos aus dem Wald in Formation. Sie verbeugten sich scharf, sobald sie mich erkannten.

„Alpha.“

Ihre Augen huschten zu der Frau in meinen Armen… dann schauten sie ebenso schnell weg. Wölfe in meinem Rudel wussten es besser, als mich zu hinterfragen.

„Abtrünnige, Alpha?“ fragte einer von ihnen.

„Drei“, antwortete ich. „Alle tot. Verbrennt die Körper, patrouilliert den Perimeter und verstärkt die Schutzlinien.“

„Ja, Alpha.“

Sie verwandelten sich zurück in Wölfe und sprinteten davon.

Ich ging weiter. Auf den Trainingsplätzen hielten Krieger mitten im Sparring inne und witterten Blut an mir. Mehrere von ihnen erstarrten beim Anblick der Frau in meinen Armen, aber keiner wagte zu fragen.

Die Festungstore schwenkten auf, als ich mich näherte. Der Flur dahinter war schwach beleuchtet, als ich eintrat.

Ein Wächter trat vor. „Alpha, sollen wir den Heiler rufen?“

„Nein.“

Er trat sofort zurück.

Ich traute Heilern nicht genug. Nicht, bevor ich verstand, was sie war oder vor wem sie floh.

Ich trug sie die Treppe hinauf in ein Nebenquartier, das für verletzte Reisende oder gefangene Spione genutzt wurde.

Ich legte sie vorsichtig ab, und sie regte sich beim Verlust der Wärme, gab einen leisen, gebrochenen Laut von sich. Ihre Finger zuckten und strichen blind über meinen Unterarm.

Etwas in meiner Brust zog sich zusammen, und ich trat zurück.

Ich beobachtete, wie sie schlief. Die Abtrünnigen hatten sie gepackt und gezerrt, aber sie hatte gekämpft. Selbst halbtot sah sie immer noch bereit aus zu rennen.

Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar und trat zurück. „Du bist in Sicherheit“, murmelte ich unter dem Atem, genervt von mir selbst, dass ich es überhaupt sagte.

Mein Wolf drängte wieder nach vorne. „Sie riecht gut.“

„Nicht der richtige Zeitpunkt.“

Berühr sie wieder.

„Auf keinen Fall.“

Sie passt…

„Halt die Fresse.“

Er zog sich mit einem warnenden Knurren zurück und hinterließ einen stechenden Schmerz, der sich unter meiner Haut ausbreitete.

Ich drehte mich um, brauchte Abstand, und natürlich beschlossen die Götter genau da, mich weiter zu reizen.

Die Tür schwang auf, und mein Beta Ronan trat ein.

Er schlenderte herein und grinste wie ein Mann, dem jeder Überlebensinstinkt abhandengekommen war.

„Na, na, na. Ich dachte, die Gerüchte wären übertrieben, aber hier bist du… unser furchtloser Alpha bringt endlich eine Frau nach Hause.“

Ich warf ihm einen einzigen Blick zu, und das reichte, um ihn zum Schweigen zu bringen.

„Entspann dich. Ich necke nur.“ Er hob die Hände in gespielter Kapitulation.

„Entspann dich. Ich necke nur.“

Er lehnte sich an den Türrahmen, seine Augen huschten zu der bewusstlosen Omega auf dem Bett. Sein Grinsen schärfte sich zu etwas zu Bewusstem.

„Sie ist… unerwartet.“

Ich sagte nichts, denn Schweigen wirkte besser als Drohungen.

Ronan summte nachdenklich. „Hübsch allerdings, selbst mit Dreck bedeckt. Tana wird den Verstand verlieren, wenn sie morgen ankommt und herausfindet, dass unser Alpha eine abtrünnige Streunerin in die Festung geschleppt hat.“

Mein Kiefer spannte sich an, und Ronan fing die Reaktion sofort auf… natürlich tat er das. Beobachtender Arschloch.

„Ah. Hab ich einen Nerv getroffen, nicht wahr?“

„Tana kommt morgen an?“ fragte ich und ignorierte den Köder, den er ausgelegt hatte.

Ronan nickte. „Bei Tagesanbruch. Der Ratsgesandte begleitet sie persönlich. Ihr Vater will die Bündnispapiere finalisieren.“

Ich atmete durch die Nase aus. Eine weitere politische Kette, die sich um meinen Hals zuzog.

Perfektes Timing… Ein leiser Laut kam vom Bett, und Ronans Aufmerksamkeit schnellte zurück zu ihr.

„Sie ist verletzt“, stellte er fest. „Und verängstigt. Wer auch immer sie ist, sie hat die Hölle durchgemacht.“

„Sie hatte Abtrünnige hinter sich“, fügte ich hinzu.

„Und doch hat sie es lebend in dein Territorium geschafft.“

Er neigte den Kopf. „Das ist selten.“

Ich antwortete nicht, denn meine Augen waren auf etwas gefallen, das ich vorher irgendwie übersehen hatte.

Um ihren Hals… größtenteils verborgen unter Dreck, verfilztem Haar und dem Kragen ihres zerrissenen Hemdes… lag eine seilartige schwarze Halskette.

Ein Medai… Mein Blut gefror.

Ronan bemerkte, wie ich erstarrte. „Was ist los?“

Ich trat näher… langsam.

Die Halskette war unverkennbar… nur von der herrschenden Familie eines einzigen Rudels getragen.

Nicht meinem Rudel, keinem Rudel, das dumm genug wäre, in mein Territorium einzudringen.

Das Blutmond-Rudel… Das dunkelste, älteste… geheimnisvollste der Hohen Rudel.

Dasselbe Rudel, von dem man glaubte, es sei ausgelöscht, man glaubte, es sei ausgestorben.

Der Anhänger des Medai glitzerte im Feuerlicht… schwarzer Stein mit roten Adern, schwach leuchtend wie gefangene Glut.

Das Mal des Blutmond-Alphas.

Mein Puls schlug einmal in meinen Ohren.

Ronans Augen weiteten sich. „Das kann nicht echt sein.“

Ich antwortete nicht… Denn plötzlich verschob sich alles an ihr… ihre Angst, ihre Flucht, ihr Zusammenbruch… zu etwas anderem.

Diese Frau war keine Streunerin, sie war keine Abtrünnige, sie war nicht zufällig.

Sie trug ein Mal, das nur ein Erbe des Blutmonds oder ein direktes Familienmitglied besitzen konnte.

Aber das Blutmond-Rudel war längst fort, es war zerstört worden.

Jedes Mitglied dieses Rudels war abgeschlachtet worden, die gesamte Blutlinie war ausgelöscht worden… Bis…

Mein Blick sank zu ihrer bewusstlosen Gestalt.

„Wer zum Teufel bist du“, murmelte ich unter dem Atem, „und warum trägst du das Medai eines toten Alphas?“

Ronan schluckte, seine übliche Großspurigkeit war verschwunden.

„Kaiser… wenn das echt ist…“

„Es ist.“

Das Feuer knisterte, und die Festung fühlte sich plötzlich zu still an.

Denn eine Frau, die das Blutmond-Medai trug und bewusstlos in meinem Territorium lag, bedeutete eines:

Ein Geist aus einem Rudel, das es nicht mehr geben sollte, war gerade in meinen Armen gelandet.

Und nichts… absolut nichts daran war zufällig.

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