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Die verbotene Verführung
Die verbotene Verführung
Autor: Lebrasse Christelle

Kapitel 1 – Die Nacht der Verrat und Rache

last update Fecha de publicación: 2026-10-22 16:05:13

Liana – Ich-Perspektive

»Liana, ich werde ehrlich zu dir sein. Ich bin diejenige, die dich entführen ließ.«

Auf der Verlobungsfeier meiner besten Freundin und meines ehemaligen Freundes lehnte sich Severine dicht an mein Ohr. Ihre sanfte Stimme glich einem vergifteten Dolch, der mir direkt ins Herz stieß.

Ich starrte sie schockiert an, und der Champagner in meiner Hand verschüttete sich auf den Boden.

Vor sechs Monaten wurde ich entführt. In einem verlassenen Lagerhaus verlor ich mein erstes Kind mit Nolan.

Nolan sagte, es sei ein Unfall gewesen. Ich war naiv genug, ihm zu glauben.

»Ich wollte dir nur eine Lektion erteilen. Wer hätte gedacht, dass du so schwach bist? Das Baby war einfach so verschwunden.«

Severine lächelte süß, doch ihre Augen waren voller Bosheit. »Aber das ist in Ordnung. Nolan hat dich sowieso nie geliebt. Dieses uneheliche Kind hätte niemals existieren sollen.«

Nachdem sie geendet hatte, lächelte sie mich an, drehte sich dann triumphierend um und ergriff den Arm des Mannes, der im Mittelpunkt des Festbanketts stand.

Der eine war mein Freund, die andere meine beste Freundin.

Zwei Menschen, denen ich einst am meisten vertraut hatte, standen nun auf ihrer Verlobungsfeier und nahmen die Segnungen aller entgegen.

Als Nolan mich erblickte, huschte ein Anflug von Panik über sein Gesicht. »Warum bist du hier?«

»Ist es wahr, was sie gesagt hat?«

Mein Herz fühlte sich an, als würde es von Messern zerschnitten, als ich diesen Mann ansah, den ich sieben Jahre lang geliebt hatte. Meine Stimme zitterte. »Sie hat mich entführen lassen … und du hast davon gewusst?«

Ich hoffte, einen Anschein von Schrecken in seinem Gesicht zu entdecken, oder zumindest ein bisschen Schuldgefühl.

Doch er runzelte nur leicht die Stirn, und in seinen Augen zeigte sich Ungeduld. »Liana, bitte mach hier keine Szene! Außerdem ist alles Vergangenheit. Warum solltest du es wieder aufwärmen?«

Er blickte zu Severine an seiner Seite, und seine dünnen Lippen öffneten sich: »Severine und ich werden bald heiraten. Es ist gut, dass das Kind nicht mehr da ist.«

Gut?

Ich starrte Nolan ungläubig an und konnte nicht fassen, dass er als leiblicher Vater so etwas sagen konnte.

Von Wut überwältigt, hob ich meine Hand und schlug ihm ins Gesicht.

Nolan blickte mich finster an, Wut brannte in seinen Augen. »Liana, genau deswegen kannst du Severine nicht das Wasser reichen. Sie ist elegant und vornehm, du aber benimmst dich wie eine Zänkerin!«

Die Scham traf mich wie eine Welle. Ich sank verzweifelt zu Boden und weinte unaufhörlich.

Nolan und ich waren sieben Jahre zusammen – von der Universität Bologna bis zum Abschluss.

In unseren härtesten Zeiten arbeitete Nolan gleichzeitig in drei Nebenjobs. Am Ende jedes Monats sorgten wir uns um Berge von Rechnungen.

Doch selbst dann sparte Nolan noch ein wenig von unserem knappen Budget, um mich durch die alten Arkaden der Piazza Maggiore zu führen und mein Lieblingstiramisu zu bestellen.

»Liana, es tut mir leid, dass du mit mir leiden musst. Wenn ich beruflich erfolgreich bin, werden wir heiraten!«

Ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, zu leiden. Ich war voller Hoffnung für unsere Zukunft.

Severine lernte ich kennen, als ich als Verkäuferin in einem Luxusgeschäft arbeitete.

Sie war von Kopf bis Fuß in Designerkleidung gekleidet, gefolgt von sieben oder acht Leibwächtern. Sobald sie eintrat, eilten alle Verkäuferinnen, um sie zu bedienen – doch ausgerechnet mich wählte sie aus.

Danach wurden Severine und ich Freundinnen, die über alles sprachen.

So erfuhr ich, dass Severine die älteste Tochter der Camorra-Familie war. Die Camorra-Familie regierte diese Stadt seit hundert Jahren, gegründet auf Waffenschmuggel und Drogenhandel. Selbst Geschäftsleute und Politiker fürchteten ihren Namen.

Zuerst warnte mich Nolan, mich von Severine fernzuhalten – doch dann investierte Severine einfach Millionen in seine Firma, und seine Meinung über sie änderte sich vollständig.

Ich glaubte, Severine sei nur so großzügig meinetwegen. Ich hätte nie gedacht, dass sie von Anfang an hinter Nolan her war.

»Liana, ich habe gehört, dass deine Eltern dich als kleines Mädchen fast an einen Paten verkauft hätten, als Prostituierte. Wie kann eine so schmutzige Frau wie du es je wert sein, mit Nolan zusammen zu sein?« Auf Severines Gesicht lag ein spöttisches Lächeln.

Ein eisiger Schauer durchfuhr mich bis auf die Knochen. Ich blickte Nolan schockiert an – ich hatte nicht erwartet, dass er sogar dies Severine erzählt hatte.

Ich wurde in einer Kleinstadt geboren, in eine gläubige katholische Familie, deren Glaube fast fanatisch war. Meine Eltern waren bei den Gläubigen vor Ort bekannt und angesehen.

Doch ihre Frömmigkeit schenkte mir niemals Wärme. Wegen des Muttermals auf meiner linken Schulter glaubten sie, ich trüge das »Zeichen des Teufels«.

Als ich acht Jahre alt war, wurde ich Zeugin, wie sie einen Handel mit einem Paten der Mafia abschlossen und mich einem älteren Mann übergeben wollten – angeblich, um »meine Sünden zu tilgen«.

Gerade als der Pate mich mitnehmen wollte, stürzte meine alte Großmutter mit ihrem Stock herbei und rettete mich.

Danach nahm mich meine Großmutter mit aus diesem Haus. In einem kleinen Landhaus flocht sie Fischernetze und brachte mir das Lesen bei – bis zu ihrem letzten Atemzug.

Von dieser schmerzlichen Erinnerung hatte ich nur Nolan erzählt. Ich hätte nie gedacht, dass sie einmal zu Severines Waffe gegen mich werden würde.

Severine reckte stolz den Kopf und lehnte sich an Nolans Schulter. »Nolan, lass uns gehen. Die Verlobungsfeier beginnt gleich.«

Nolan nickte, legte den Arm um sie und ging mit ihr davon.

Und ich – seine eigentliche Freundin – wurde in einer leeren Ecke zurückgelassen und musste zusehen, wie der Vater meines ungeborenen Kindes der Mörderin liebevoll in die Augen blickte und ihr einen Verlobungsring an den Finger steckte.

Ich ballte meine Hände zu Fäusten. Eine eisige Kälte ergriff meinen ganzen Körper.

In diesem Moment wollte ich auf sie zustürzen und das Gesicht dieser beiden Betrüger zerreißen.

Doch meine Vernunft sagte mir, dass ich es nicht konnte.

Severine hatte die mächtige Camorra-Familie im Rücken. Sie konnte es sich leisten, mich so frech entführen zu lassen.

Wenn ich hier eine Szene machte, würde ich vielleicht nicht einmal lebend herauskommen.

Um sie zu stürzen, brauchte ich einen noch mächtigeren Verbündeten.

Mein Blick wanderte durch die Menge und blieb schließlich auf der großen, stattlichen Figur ganz im Hintergrund hängen.

Es war Vincent Camorra – Severines Ziehvater und das Oberhaupt der Camorra-Familie.

Er saß ruhig am Ehrentisch, eine Zigarre in den Fingern, und seine eisblauen Augen strahlten eine überwältigende Präsenz aus. Jeder in seiner Nähe begegnete ihm mit äußerstem Respekt.

Gerüchten zufolge war er rücksichtslos – ein Mann, den diese Stadt fürchtete.

Ein kühner Gedanke keimte in mir auf.

Ich leerte den Champagner in meinem Glas, sammelte meinen ganzen Mut und ging langsam auf Vincent zu.

Vincent hatte seine Zigarre bereits ausgemacht und war auf die Terrasse vor den Festräumen hinausgegangen.

Ich glättete mein Kleid, atmete tief durch und folgte ihm.

»Herr Vincent«, sagte ich leise.

Vincent drehte sich um und musterte mich mit seinen unergründlichen Augen.

»Kann ich Ihnen helfen?« Seine Stimme war tief und klangvoll.

Ich hielt seinem Blick stand und zwang mich zu einem Lächeln, das hoffentlich unschuldig und hilflos wirkte. »Ich … ich glaube, ich habe zu viel getrunken. Mir ist nicht gut. Könnten Sie mich in einen Ruheraum bringen?«

Die Ecke von Vincents Mund hob sich. Er antwortete nicht sofort, sondern streckte die Hand aus und strich sanft mit dem Finger über meine Lippe.

Er blickte mich an, sein Blick intensiv. »Wenn ich mich recht erinnere, sind Sie Nolans ehemalige Freundin.«

Mein Herz sank. Er erkannte mich.

Ich lächelte bitter. »Wie Sie sehen, haben wir uns getrennt.«

»Ach?« Er hob eine Augenbraue. »Und deshalb kommen Sie zu mir?«

Seine Frage ließ mich sprachlos zurück.

Vincent machte einen Schritt nach vorne, und seine hohe Gestalt umfing mich sofort. »Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Manche Menschen sind unerreichbar für Sie.«

Seine Stimme klang sanft, doch sie enthielt eine deutliche Drohung.

Ich biss mich fest auf die Unterlippe. Die Bilder meines ungeborenen Kindes und Severines selbstgefälliges Gesicht zogen vor meinem inneren Auge vorbei.

»Und wenn ich nur mit Ihnen spielen möchte?«

 

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