เข้าสู่ระบบOlivia
„Luna!“ Beta Dylan rannte den Flur entlang. Er sah panisch aus, seine Brust hob und senkte sich heftig, als er abrupt vor mir stehen blieb. Ich hatte gerade meine letzten Pullover in meine Reisetasche gestopft.„Ich bin nicht mehr deine Luna, Dylan“, sagte ich verbittert und warf mir die Tasche über die Schulter. „Du hast Drey gehört. Ich bin das fünfte Rad am Wagen. Ein Geist.“
„Olivia, bitte, du musst mir zuhören“, flehte Dylan und versperrte mir den Weg. „Wir haben ein riesiges Problem. Das nördliche Lykaner-Territorium – das Nachtbann-Rudel. Ihr Alpha hat den Grenzfriedensvertrag gerade abgelehnt.“
Ich erstarrte. „Was?“
„Sie sind gerade an der Grenze“, sagte Dylan, und Panik durchdrang seine Nase. „Sie haben gesagt, wenn der Alpha oder Luna nicht bis Sonnenuntergang persönlich in ihr Territorium kommen, um neu zu verhandeln, werden sie die Grenzen überschreiten. Sie werden unsere Grenzpatrouillenwölfe versklaven. Du weißt, wie skrupellos sie sind.“
„Dann stell eine Gedankenverbindung her, Drey!“, schrie ich, meine Frustration kochte über. „Er ist der Alpha! Soll er sich darum kümmern!“
„Ich hab’s versucht!“, rief Dylan verzweifelt und warf die Hände in die Luft. „Er hat die Gedankenverbindung unterbrochen! Er hat Yetty und Andrea mit in die Stadt genommen, um sich Hüpfburgen anzusehen, Olivia! Er hat die Verbindung zum Rudel gekappt, damit sie nicht gestört werden.“
Mir blieb der Mund offen stehen. Unschuldige Wölfe sollten versklavt oder abgeschlachtet werden, und mein Gefährte spielte den Stiefvater.
„Ich kann nicht gehen, Dylan“, flüsterte ich, und die Tränen drohten erneut zu fließen. „Ich habe nichts mehr zu sagen.“
„Du trägst das Mal noch. Der rivalisierende Alpha hat nur nach den Rudelführern gefragt“, flehte Dylan und trat näher. „Bitte. Wenn du nicht gehst, sind unsere Krieger tot. Geh einfach zu ihrem Bergstützpunkt. Verschaffe uns etwas Zeit.“
Ich hasste Drey. Ich verabscheute Yetty. Aber ich konnte nicht zulassen, dass mein Volk wegen ihrer Selbstsucht stirbt.„Na schön“, zischte ich, ließ meine Tasche fallen und griff nach meinen Autoschlüsseln. „Aber wenn ich zurückkomme, verlasse ich dieses Rudel für immer.“ Der Regen prasselte in dicken, blendenden Strömen herab und spiegelte das absolute Chaos in meiner Brust wider. Jedes Mal, wenn meine Scheibenwischer über die Scheibe strichen, sah ich nur Drey mit dem Kind im Arm. Ich sah, wie er Yetty ansah – mit der Liebe, die einst mir gehört hatte.
Als ich die neutrale Handelsstadt am Fuße der Nightbane-Berge erreichte, war ich emotional völlig erschöpft. Ich parkte mein Auto in der Nähe einer kleinen Taverne, um nach dem Weg zu fragen, und griff nach meiner Handtasche und einer zerknitterten Karte, die Dylan mir in die Hand gedrückt hatte. Der Regen hatte nachgelassen und war zu einem Nieselregen geworden, aber die Kälte drang durch meine dünne Jacke. Ich hielt den Kopf gesenkt und versuchte, die verschmierte Tinte auf der Karte zu entziffern. Meine Sicht war verschwommen von den Tränen, die mir verzweifelt in die Augen stiegen. Ich bog um die Ecke der Backsteingasse – und prallte direkt gegen eine massive Felswand. Nur war es kein Fels. Es war eine breite, unglaublich harte Brust.„Uff!“
Der Aufprall raubte mir den Atem. Meine Handtasche rutschte von der Schulter und knallte auf das nasse Kopfsteinpflaster. Alles ergoss sich aus mir. Mein Handy, mein Lippenstift, meine Tampons, mein silberner Luna-Dolch und die blöde Karte – alles verstreut in den Schlammpfützen.„Warum passt du nicht auf, wo du hinläufst?!“, zischte ich, während ich im Dreck auf die Knie sank. Ich raffte meine Sachen zusammen, meine Hände zitterten so stark, dass ich nicht einmal mein Handy festhalten konnte. Und plötzlich brach es aus mir heraus.
Ich heulte los. Direkt im Dreck rissen mir die hässlichen Schluchzer die Brust auf. Es ging nicht um die verlorene Tasche oder die ruinierte Karte. Es ging darum, dass mein Partner mich nicht wollte. Es war der unerträgliche Schmerz, völlig ersetzt worden zu sein. Eine große Gestalt hockte sich hin, und ein Paar große, geäderte Hände griffen in die Pfütze und hoben ruhig meine verstreuten Sachen auf.„Es tut mir leid“, murmelte eine tiefe, raue Stimme. Der Klang seiner Stimme jagte mir einen seltsamen, heftigen Schauer über den Rücken. Es war gebieterisch und doch seltsam sanft.
Er hielt mir mein Handy und den Dolch hin. „Alles in Ordnung?“Ich wischte mir energisch mit dem Ärmel die Nase und weigerte mich, ihm ins Gesicht zu sehen. Ich wollte nicht, dass irgendjemand die gebrochene, zurückgewiesene Luna weinend in einer Gasse sah.
„Ach, alles gut, mir geht’s gut. Alles bestens.“
„Du zitterst“, bemerkte er.
„Mir ist nur kalt“, log ich, riss ihm die Karte aus der Hand und wischte den Schlamm grob ab.
„Bitte, ich versuche nur, mich zurechtzufinden. Ich suche das Quartier des Nightbane-Alphas. Ich frage mich ehrlich, warum ein anständiger Wolf mitten im Gebüsch und zwischen Felsen bleiben will! Die Karte hilft mir überhaupt nicht, und ich war noch nie hier. Es ist lächerlich.“
Ein leises Kichern entfuhr ihm. „Mitten im Gebüsch?“
„Ja!“, schnaubte ich und blickte endlich auf, um ihn wütend anzustarren. Die wütenden Worte erstarben mir sofort auf der Zunge. Er war zweifellos der beeindruckendste Mann, den ich je gesehen hatte. Er hatte eine markante, aristokratische Kinnlinie, vom Regen nasses, zerzaustes dunkles Haar und Augen von reinem Ozeanblau. Er roch nicht nach nassem Hund und Kiefernholz wie die Wölfe in meinem Rudel. Er roch nach gefährlichem Ozon, dunklem Zedernholz und einer berauschenden Welle purer Dominanz.
„Also“, stammelte ich, mir plötzlich seiner Nähe sehr bewusst.
„Wenn Sie mir den Weg zu den Büschen zeigen könnten, wäre ich Ihnen dankbar.“ Er stand auf, und ich folgte ihm schnell, meine Knie zitterten leicht. Er überragte mich, seine breiten Schultern schützten ihn mühelos vor dem rauen Wind der Gasse.
„Natürlich bringe ich Sie dorthin“, sagte er und trat einen Schritt näher. Seine silbernen Augen glitten langsam über meine tränenüberströmten Wangen und verweilten auf meinen zitternden Lippen. „Aber du siehst aus, als wärst du emotional nicht in der Lage, irgendwohin zu gehen.“
„Wie bitte?“, keuchte ich, und meine Wut flammte plötzlich wieder auf.
„Du weißt gar nichts über mich! Ich muss den Alpha sprechen. Es geht um Leben und Tod für mein Rudel!“
„Du hyperventilierst, kleiner Wolf“, sagte er mit tiefer, rauer Stimme.
„Nein, tue ich nicht!“
„Ich bin müde, ich bin gestresst, und mein Gefährte hat mich gerade für die Witwe seines Bruders rausgeschmissen! Also entschuldige, wenn ich keine Lust habe, mir von einem Fremden sagen zu lassen, dass ich emotional nicht in der Lage bin!“
Er blinzelte nicht. Er starrte nur auf meinen Mund, sein Blick brannte mit einer Intensität, die meinen inneren Wolf in völliger Unterwerfung wimmern ließ.„Du redest viel zu viel“, murmelte er. Bevor ich die Beleidigung überhaupt realisieren konnte, schnellte seine große Hand vor.
Seine langen Finger verfingen sich in meinem Nackenhaar und zogen mich eng an seine harte Brust.
Und dann presste er seine Lippen auf meine.
Aus Olivias Sicht„Nein“, sagte ich.„Mama …“„Auf keinen Fall.“„Mama, bitte.“ Elara wandte sich vom Fenster ab. Ihr Gesicht war blass, doch sie hob entschlossen das Kinn. „Sie werden mir nichts tun, während wir miteinander sprechen. Sie sagten, sie hätten Zeit bis morgen. Sie wollen, dass ich eine Entscheidung treffe.“„Du bist sechs Jahre alt.“„Ich bin sechs und dreiviertel.“ Sie versuchte zu lächeln. „Und ich bin die Hüterin. Die Wächter haben Angst vor Türen. Ich bin die Einzige hier, die weiß, wie sich eine Tür von innen anfühlt.“Ich sah Cameron an. Sein Kiefer war angespannt, und durch unsere Verbindung spürte ich, wie seine Angst auf mich übertrug. Doch darunter nahm ich noch etwas anderes wahr. Er dachte angestrengt nach.„Lira“, sagte er. „Gibt es dazu eine Regel? Ein Gesetz, an das sich die Wächter halten müssen?“Lira, die sich an den Bettpfosten lehnte, nickte langsam. „Wächter dürfen die Bitte einer Hüterin um ein Gespräch nicht ablehnen. Es ist die älteste Regel, die
Camerons SichtweiseDer Himmel färbte sich von den Rändern her weiß.Es sah nicht nach Wolken oder Schnee aus. Es wirkte, als würde ein Tuch straff über die Welt gezogen. Die Farben wichen aus den Hügeln, dann aus den Bäumen, schließlich aus den toten Vögeln auf dem Boden. Selbst Pebbles silberner Körper verlor seinen Glanz und wurde bleich wie Milch.„Alle hinein“, sagte ich. „Sofort.“„In die Hütte?“, fragte Harlan. „Sie hat nur eine Tür und keinen Ausgang nach hinten.“„Ich weiß. Geht trotzdem.“Ich verschwieg, was ich eigentlich dachte: Draußen im Freien konnte uns nichts retten – und drinnen vielleicht auch nicht. Doch ein Dach über dem Kopf fühlte sich besser an als gar keines.Wir trugen Lira hinein und legten sie auf das schmale Bett. Olivia hüllte sie in Decken. Mirelle zündete jede Kerze an, die sie finden konnte. Elara stand am Fenster, die Hand gegen die Scheibe gepresst; ihr silbernes Mal leuchtete schwach auf.„Sie kommen herab“, flüsterte sie.Ich trat zur Tür und sah h
Aus Olivias SichtWir brachen im Morgengrauen auf – und wir ritten nicht auf Pferden.„Zu Pferd würde es sechs Tage dauern“, sagte Cameron und studierte die Karte. „Das Gelände im Osten ist unwegsam. Wir wären zu spät dran.“*„Ich könnte euch tragen“*, sagte Pebble.Wir alle drehten uns um und starrten ihn an. Der Riese saß an der Nordmauer, wie ein Hügel, der aus der Landschaft herausragte. In seiner Armbeuge schlief noch immer ein Kind; er hielt sich vollkommen regungslos, um sie nicht zu wecken.*„Ich bin ziemlich schnell“*, sagte er schüchtern. *„Wenn ich nicht gerade aufpassen muss, dass ich nichts zerquetsche.“*„Du würdest uns tragen?“, fragte Cameron.*„Elara hat mir einen Namen gegeben“*, sagte Pebble. *„Ich würde euch bis ans Ende der Welt tragen.“*Elara klatschte in die Hände. „Darf ich auf seinem Kopf sitzen?“„Nein“, sagten Cameron und ich gleichzeitig.„Auf seiner Schulter?“„...Na gut“, sagte ich. „Auf seiner Schulter. Aber mit einem Seil um die Taille.“---Diesen Rit
Camerons SichtweiseEs gefiel mir nicht. Überhaupt nicht.Meine Tochter stand auf einer rissigen Mauer, klein wie ein Spatz, die Hand auf dem Stein. Ein Riese aus schwarzem Wasser ragte über ihr auf. Jeder Wolf auf der Mauer hielt den Atem an.Doch im letzten Jahr hatte ich etwas gelernt. Elara verlangte nicht von mir, dass ich ihr erlaubte, unvorsichtig zu sein. Sie bat mich, ihr zu vertrauen. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.„Rylan“, sagte ich leise. „Stell dich hinter sie. Wenn es sich bewegt, zieh sie zurück.“„Ja, Alpha.“„Sera, halte deinen Bogen bereit.“„Immer“, antwortete Sera.Ich kletterte zu meiner Tochter hinauf und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie sah mich nicht an. Sie blickte zu dem Riesen hinauf, und der Riese blickte auf sie herab.---„Ich kann dir keine Mutter geben“, sagte Elara sanft. „Sie ist fort. Es tut mir leid.“*„Ich weiß“*, sagte der Riese. Seine hundert Stimmen zitterten. *„Ich habe gespürt, wie sie ging.“*„Aber ich kann dir etwas andere
Aus Olivias SichtIch habe nicht geschlafen. Niemand hat geschlafen.Wir saßen auf dem Boden des Burgfrieds, bis das erste graue Licht durch die schmalen Schlitze sickerte. Der schwarze Kreis war nun dunkel. Er war nur noch ein großer, rissiger Stein, so still wie ein Grabstein. Niemand wollte ihn ansehen.Elara lag auf meinem Schoß, den Kopf auf meinem Arm. Sie war wach, aber so erschöpft, dass ihr immer wieder die Augen zufielen. Cameron saß neben uns, eine Hand auf ihrem Rücken, und starrte auf den Stein.„Cameron?“, sagte ich leise.„Ja?“„Erinnerst du dich an die alte Frau?“Er runzelte die Stirn. „Welche alte Frau?“„Die, die die Tür aufgehalten hat. Die, die Hesper hindurchgeführt hat.“Er dachte lange nach. Ich konnte sehen, wie er in seinem Gedächtnis kramte – so wie jemand, der seine Taschen nach einem Schlüssel absucht. Schließlich schüttelte er den Kopf, und sein Gesicht verzog sich schmerzlich.„Da war jemand“, flüsterte er. „Ich weiß, dass da jemand war. Ich kann ihre Ge
Camerons SichtweiseNoch nie in meinem Leben habe ich mich so schnell bewegt.Einen Moment lang kniete ich noch auf dem kalten Stein. Im nächsten befand ich mich auf der anderen Seite der Burg, die Arme fest um die Taille meiner Tochter geschlungen. Ich konnte mich nicht daran erinnern, den Raum durchquert zu haben. Ich wusste nur, dass Hesper sie am Handgelenk hielt – und ich würde sie ganz sicher nicht loslassen.„PAPA!“, rief Elara.„Ich hab dich!“, schrie ich zurück. „Ich hab dich, kleiner Wolf!“Hesper zog an der einen Seite, ich an der anderen. Elara hing zwischen uns wie ein Seil bei einem Tauziehspiel; ihre kleinen Füße rutschten über den Boden. Ihr silbernes Mal leuchtete auf, wurde schwächer und flammte dann erneut auf.„Lass sie los!“, brüllte ich.„Sie ist der Schlüssel!“, schrie Hesper. Ihr Zopf hatte sich gelöst, ihre Augen wirkten wild. „Sie ist der einzige Schlüssel! Ich habe vierzig Jahre lang darauf hingearbeitet – ich werde ihn jetzt nicht verlieren!“„Sie ist ein K







