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Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs
Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs
Author: Nekky

Eins

Author: Nekky
last update publish date: 2026-06-29 21:11:57

Olivia

„Hol Wasser für Yetty. Siehst du nicht, dass es ihr schlecht geht?“ Ich klammerte mich an den Rand der Kücheninsel. Der Raum drehte sich, meine Sicht verschwamm. Mein Wolf stieß ein leises Wimmern aus.

„Ich bin auch krank, Drey“, flüsterte ich mit kaum hörbarer, rauer Stimme. Ich zwang mich, ihn anzusehen. Er stand neben dem Samtsofa, mir den breiten Rücken zugewandt, und legte Yetty sorgfältig eine Kaschmirdecke um die Schultern.

„Ich habe dir doch gesagt, dass es mir seit drei Tagen nicht gut geht. Mein Fieber ist immer noch da. Du hast mich nicht einmal angesehen oder gefragt, ob es mir gut geht.“

Drey erstarrte. Er wandte den Kopf ab, seine stechend bernsteinfarbenen Augen verengten sich vor tiefster Verärgerung. Nicht Sorge. Nur pure Irritation.

„Um Himmels willen, Olivia, warum jammerst du ständig über alles?“ Die Worte trafen mich wie ein Schlag. Bevor ich den Schmerz überhaupt verarbeiten konnte, stieß Yetty einen schwachen, keuchenden Husten aus. Sie lehnte den Kopf zurück ins Kissen, blass und schmerzhaft zerbrechlich.

„Schon gut, Drey“, murmelte Yetty mit künstlicher Süße in der Stimme. Sie streckte die Hand aus, ihre Fingerspitzen streiften seinen Arm. „Streite nicht mit ihr. Du kannst einfach zu ihr gehen. Ich komme allein zurecht. Ich bin die Kälte mittlerweile gewohnt.“ Jedes Mal tat sie dasselbe. Jeder perfekt getimte Seufzer, jeder gesenkte Blick – alles war darauf ausgelegt, mich als den eifersüchtigen, bösartigen Schurken in meinem eigenen Zuhause darzustellen. Dreys Kiefer zuckte. Er drehte sich ganz zu mir um, sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich zu einem Knurren. „Hörst du sie? Warum bist du so rücksichtslos, Olivia?“

„Rücksichtslos?“, keuchte ich und stieß mich von der Theke ab. „Ich bin dein Partner, Drey! Ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten!“

„Sie hat gerade ihren Mann verloren!“, entgegnete Drey und verringerte den Abstand zwischen uns. Sein Duft – normalerweise eine wohltuende Mischung aus Regen und Kiefer – wurde völlig von dem widerlich süßen Vanilleduft von Yetty überdeckt. „Sie ist Witwe. Sie braucht jetzt meine ganze Aufmerksamkeit, und du machst so ein Theater wegen einer harmlosen Kleinigkeit. Warum bist du so egoistisch?“

Egoistisch. Das Wort hallte in meinem Kopf wider. Ich war nicht diejenige, die verlangte, dass er die Grenzpatrouillen absagte, um ihr bestimmte Teesorten zu besorgen. „Ich war nicht diejenige, die seine Hilfe beim Treppensteigen brauchte, weil mir schwindelig war.“

„Andrea, Liebling“, rief Yetty schwach dem kleinen Mädchen zu, das auf dem Teppich mit Bauklötzen spielte. „Komm und hilf Mama hoch.“ Die vierjährige Hündin sprang auf und rannte herbei, ihre kleinen Hände packten Yettys Arm. „Mama, gehen wir morgen zu deinem Geburtstag aus?“ „Weil du krank bist?“ Yetty strich dem Mädchen über das Haar, ihre Augen flogen zu Drey auf. „Nun, das hängt davon ab, was dein Vater sagt.“ Vater. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ein heftiger, qualvoller Schmerz durchfuhr meine Brust. Er war nicht ihr Vater. Dreys Bruder war es. Aber es waren genau zwei Jahre vergangen seit dem Angriff des Einzelgängers, der Yetty zur Witwe gemacht hatte. Zwei Jahre, in denen Drey langsam in die Fußstapfen seines toten Bruders getreten war. Ich sah mich im großen Wohnzimmer um und erkannte mit erschreckender Klarheit, dass ich eine Fremde in meinem eigenen Zuhause war. Yetty hatte die neuen Vorhänge ausgesucht. Yetty hatte entschieden, was die Köche des Rudels zum Abendessen zubereiteten. Drey hatte Andreas Kleidung gekauft, an ihren Rudelschulversammlungen teilgenommen und dafür gesorgt, dass Yetty keinen einzigen Finger rühren musste. Ich war die Luna, aber ich lebte wie ein Geist.

„Drey.“

„Ich möchte mit dir sprechen. Jetzt.“ „Im Flur.“ Er stieß einen dramatischen Seufzer aus, als wäre meine bloße Existenz eine Last. „Ich bin beschäftigt, Olivia.“

„Nun, Drey.“ Mein Wolf verlieh meiner Stimme Autorität.

Er funkelte mich an und drückte Yetty noch einmal beruhigend die Schulter, bevor er an mir vorbei in Richtung Foyer marschierte. Ich folgte ihm und schloss die Türen hinter uns, um Yettys wachsamen Blicken auszuweichen.

„Was?“, fuhr er mich an und verschränkte die Arme vor der Brust. „Mach schnell. Ich muss ihre Medizin holen.“

„Wann hört das endlich auf, Drey?“, fragte ich, und die Tränen, die ich so lange zurückgehalten hatte, brannten mir in den Augen. „Wann hörst du endlich auf, den perfekten Partner zu spielen und erinnerst dich daran, dass du eine Gefährtin hast?“

„Machen wir das jetzt wirklich?“, fragte er und rieb sich die Schläfen. „Sie gehört zum Rudel. Sie ist Familie. Ich habe meinem Bruder geschworen, dass ich mich um sie kümmern werde!“

„Sich um sie kümmern heißt nicht, sie in die Suite nebenan zu verlegen!“, sagte ich und trat näher, meine Stimme brach. „Es heißt nicht, dass ihr Welpe dich Daddy nennen darf! Du riechst nach ihr, Drey! Du kommst ins Bett und riechst nach dem Vanilleduft einer anderen Frau!“

„Du spinnst wohl“, spottete er und schüttelte den Kopf. „Du bist völlig paranoid. Es ist widerlich.“

„Ich bin deine Gefährtin!“ Ich schlug ihm gegen die Brust, obwohl es sich anfühlte, als würde ich gegen eine Mauer rennen. „Ich bin krank, und du hast mich angewiesen, ihr Wasser zu holen wie eine Dienerin! Du fasst mich nicht an. Du siehst mich nicht an. Du siehst sie an, als wäre sie deine ganze Welt!“

„Weil sie mich tatsächlich braucht!“, brüllte er zurück, seine Alpha-Aura flammte so heftig auf, dass sie mich einen Schritt zurückwarf. „Sie weiß zu schätzen, was ich tue! Du beschwerst dich nur! Jeden Tag gibt es ein neues Problem mit dir, Olivia. ‚Warum bist du mit Yetty zusammen? Warum hilfst du Andrea?‘ Es ist erdrückend!“

„Ich ersticke, weil du unsere Verbindung zerstörst!“, schluchzte ich, die bittere Wahrheit brach endlich aus mir heraus. „Du ziehst dich zurück. Ich spüre es.“

Drey starrte mich an. Der Zorn in seinen Augen war ungebrochen. Die Seelenverbindung zwischen uns, die einst vor Wärme und Spannung vibrierte, fühlte sich an wie ein toter, durchtrennter Draht.

Er stieß ein scharfes, bitteres Lachen aus und fuhr sich mit der Hand durchs dunkle Haar.

„Weißt du was?“, sagte Drey mit einer erschreckend ruhigen Stimme. „Wenn du so unglücklich bist, wenn das Zusammensein mit mir so eine Qual für dich ist, können wir die Vereinbarung ändern.“

„Wovon redest du?“ Mir stockte der Atem.

„Du kannst eine offene Ehe führen, Olivia.“

Ich hielt den Atem an. „Was?“

„Du hast mich schon verstanden“, sagte er mit völlig ausdruckslosem Gesicht, ohne jede Spur von Liebe oder gemeinsamer Geschichte. „Mir ist egal, mit wem du zusammen bist. Du kannst Liebhaber haben. Du kannst das Rudelhaus wochenlang verlassen, wenn du willst. Behalte den Titel. Behalte den Luna-Status. Aber ich höre auf, so zu tun, als würde das funktionieren.“

„Drey …“, brachte ich mühsam hervor, meine Knie drohten nachzugeben. „Das meinst du nicht ernst. Es ist die Verbindung …“ Er beugte sich vor, seine Lippen nur Zentimeter von meinem Ohr entfernt, und versetzte mir den letzten, tödlichen Schlag, der meine ganze Welt in Stücke zersplitterte.

„Doch, ich meine es ernst“, flüsterte er mit ruhiger, gnadenloser Stimme. „Denn ich glaube, ich verliebe mich in Yetty.“

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