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Fünf

Author: Nekky
last update publish date: 2026-06-29 23:45:57

Xanders Sicht

Ich spürte den Moment, als ihr Körper an meinem zu Stein erstarrte.

Ihr weiches, warmes Gewicht, das sich so perfekt an meine Brust geschmiegt hatte, wurde schlagartig steif. Der betörende Duft von Erdbeere und Regen, der meinen unruhigen Wolf endlich beruhigt hatte, wich einem scharfen, metallischen Panikgefühl.

Verdammt.

„Alpha Xander?“, flüsterte sie.

Sie riss sich so schnell aus meinem Griff, dass sie beinahe von der Matratze fiel. Sie taumelte zurück, griff blindlings nach der dicken Bettdecke und zog sie bis zum Kinn hoch. Ihre weit aufgerissenen, verängstigten Augen fixierten mich.

„Olivia“, begann ich leise und versuchte, meine Stimme so ruhig klingen zu lassen, dass die Panik, die von ihr ausging, besänftigt wurde.

„Hör mir zu –“

„Du bist er“, brachte sie mit erstickter Stimme hervor, ihre Brust hob und senkte sich heftig. Der Verrat in ihren Augen war unerträglich.

„Du bist der Alpha des Nachtbann-Rudels. Du bist … du bist Dreys Feind.“

„Das bin ich“, gab ich zu und richtete mich langsam auf. Ich griff nicht nach ihr. Noch nicht.

„Du hast mir gesagt, du heißt Cameron!“, kreischte sie.

„Mein zweiter Vorname ist Cameron“, entgegnete ich, meine Geduld bereits am Ende. „Ich habe nicht gelogen. Ich habe nur einen Titel weggelassen, den du nicht hören wolltest, während du in einer Gasse eine Panikattacke hattest.“

„Du hast ihn weggelassen, damit du mich in dein Bett kriegst!“, schrie sie und warf mir ein Kissen direkt ins Gesicht. Ich fing es mühelos auf und warf es zu Boden.

„Bild dir nichts ein, kleiner Wolf“, spottete ich, obwohl ich wusste, dass es eine dicke Lüge war.

Ich verlor völlig den Verstand. Ich bin ein Lykaner. Der gefürchtetste Alpha an der Westküste. Ich sollte die absolute Kontrolle über meine Gefühle, mein Territorium und mein Tier haben. Doch in dem Moment, als ich sie gestern erblickte – gebrochen, zitternd und noch leicht nach der verblassenden Gefährtenbindung riechend –, brach mein Wolf mit voller Wucht hervor. „Mein“, hatte das Tier gebrüllt und an meinem Bewusstsein zerrte. „Uns. Nimm sie in Besitz.“ Es sollte andersherum sein. Ich sollte sie einschüchtern. Ich sollte sie benutzen, um einen besseren Vertrag mit diesem jämmerlichen Alpha, den sie Gefährtin nannte, auszuhandeln. Stattdessen reagierte mein Körper völlig von selbst. Ich hatte sie in mein Haus gezerrt, sie gebadet und mich völlig in ihr verloren.

„Hast du das geplant?“, fragte sie und riss mich aus meinen Gedanken. Sie war aus dem Bett gesprungen und griff panisch nach ihren Kleidern auf dem Boden. „War ich nur eine Schachfigur? Hast du mich aufgespürt, nur um dich an Drey zu rächen?“

„Wenn ich dich gegen Drey einsetzen wollte, hätte ich dich in die Kerker geworfen, nicht in mein verdammtes Bett“, knurrte ich, und mein Alpha-Tonfall huschte durch.

Sie zuckte nicht zusammen. Sie senkte den Blick nicht. Sie funkelte mich nur mit einem feurigen Hass an, der mein Blut erneut in Wallung brachte.

„Du bist genau wie er“, spuckte sie angewidert hervor, während sie sich das Shirt über den Kopf zog. „Ihr seid alle gleich. Manipulativ. Arrogant. Nutzt mich aus, wann immer es euch passt, und werft mich weg, sobald ihr bekommen habt, was ihr wolltet!“

„Ich habe dich nicht weggeworfen“, schnauzte ich sie an und stand auf. Ich bedeckte mich nicht. Soll sie doch sehen. Soll sie doch sehen, mit wem sie die Nacht verbracht hat. „Und vergleiche mich nie wieder mit diesem schwachen Feigling. Ich würde niemals das, was mir gehört, in die Dienerschaft werfen.“

Sie erstarrte, ein Arm halb im Ärmel ihrer Jacke.

„Was hast du gerade gesagt?“, flüsterte sie.

„Du hast mich gehört.“ Ich trat näher und verringerte den Abstand zwischen uns, bis sie mit dem Rücken zur Tür stand. Ich schlug meine Hand gegen das Holz und schloss sie ein. „Glaubst du, ich weiß nicht, was im Rudel meines Rivalen vor sich geht? Ich weiß, dass Drey dich für die Witwe seines Bruders verstoßen hat. Ich weiß alles, Olivia.“

„Dann weißt du, dass ich gehen muss“, sagte sie mit vor Wut zitternder Stimme, stieß mich aber nicht weg. „Geh beiseite, Xander.“

„Nein.“

„Ich muss zurück!“, schrie sie und schlug mir gegen die Brust. Es fühlte sich an wie ein Schmetterling, der gegen Beton klopft, doch die Verzweiflung in ihrem Duft war erdrückend. „Ich muss den Vertrag aushandeln! Wenn ich es nicht tue, wird mein Rudel –“

„Dein Rudel hat dich im Stich gelassen“, unterbrach ich sie, packte ihre Handgelenke und drückte sie sanft über ihrem Kopf gegen die Tür. Sie keuchte auf, ihre Brust streifte meine. Die Reibung jagte mir einen stechenden Stromschlag durch den Rücken. „Sie haben dich die Schuld auf dich nehmen lassen. Sie haben zugelassen, dass er dich demütigt. Warum zum Teufel eilst du zurück, um sie zu retten?“

„Weil ich kein Monster bin!“, schrie sie mir ins Gesicht, Tränen purer Frustration in den Augen. „Lass mich los!“

Ein scharfes, gleichmäßiges Summen erfüllte den Raum.

Wir drehten uns beide um. Ihr Handy, das auf dem Nachttisch lag, wo Nathan ihre getrockneten Sachen hingelegt hatte, leuchtete auf.

Olivia drückte mich heftig gegen die Brust und schlüpfte unter meinem Arm hindurch, um das Handy zu greifen.

„Es ist eine Notfallmeldung“, hauchte sie, ihre Wut für einen Moment vergessen. „Es ist die höchste Stufe der Gedankenverbindung … sie benutzen sie nur, wenn die Grenzen durchbrochen werden.“

Sie drückte den Lautsprecherknopf, ihre Finger zitterten heftig.

Es war eine Sprachnachricht, die den Notfallkanal des Rudels überschrieb. Yettys widerlich süße, hohe Stimme hallte laut wider.

„Olivia? Bist du immer noch da draußen im Gebüsch? Ich hoffe, du bist nicht erfroren, Liebes“, säuselte Yettys Stimme, triefte vor boshaftem Gift.

„Ich wollte dir nur einen Gefallen tun und dich warnen, bevor du versuchst, nach Hause zu kommen. Drey hatte heute Morgen ein dringendes Treffen mit den Ältesten.“ Olivia sah geschockt aus. Ich trat hinter sie, die Zähne so fest zusammengebissen, dass es mir wehtat.

„Er hat nicht nur offiziell deine Verbindung gekappt, Liv“, fuhr Yetty fort, ein grausames Lachen unter ihren Worten. „Er hat ihnen erzählt, du hättest das Rudel in Kriegszeiten im Stich gelassen. Er hat ihnen erzählt, du hättest die Gelder aus dem Grenzvertrag gestohlen und wärst zur Hure eines anderen Rudels abgehauen. Dir wurde offiziell dein Rang aberkannt und du wurdest zur Abtrünnigen erklärt.“ Das Telefon glitt Olivia aus der Hand.

„Oh, und noch etwas“, zischte Yettys Stimme vom Boden herab. „Drey hat einen Tötungsbefehl erteilt. Wenn du unsere Grenzen überschreitest … haben die Krieger strikte Anweisung, dich auf der Stelle hinzurichten. Viel Spaß, Schlampe.“

Olivia schwankte auf den Beinen, die letzte Farbe aus ihrem Gesicht gewichen. Sie war eine Frau ohne Gefährten, ohne Rudel und nun … eine gejagte Einzelgängerin mit einem Kopfgeld auf sich.

Mein Wolf sprang mit einem Ruck an die Oberfläche.

Ich griff nach ihr, umfasste ihre Taille von hinten fest und zog sie an meine Brust, bevor sie auf den Boden aufschlagen konnte.

„Ich muss fliehen“, schluchzte sie.

„Du gehst nirgendwo hin.“

„Der Samen des Lykaners wirkt sofort, Olivia. Du bist bereits schwanger mit meinem Erben.“

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