LOGINElyra Ashbourne, die einzige Tochter des Alphas vom Sichelmond-Rudel, hätte sich nie vorstellen können, dass ihre Hochzeitsnacht mit einem Wolfsbandolch in ihrer Seite, ihrem auserwählten Gefährten im Bett einer anderen Frau und Ketten an ihren Handgelenken enden würde. Verraten von dem Mann, der das Rudel ihres Vaters erben sollte, wird sie ins Gefängnis geworfen und verschwindet spurlos. Als Elyra im Inneren der Drachenzitadelle erwacht, erfährt sie die Wahrheit. Sie wurde verkauft. Nun gehört sie Kael Draven, dem gefürchteten Drachenlord, dessen Brunft Frauen gebrochen, Räume zerstört und Königreiche in Angst versetzt hat. Doch anstatt in seinem Bett zu sterben, überlebt Elyra und ihr Duft wird zum einzigen Mittel, das die Bestie in ihm zur Ruhe bringt. Seine Verlobte will sie verschwinden sehen, sein Hof will sie ausnutzen, und die Wölfe, die sie aufgegeben haben, wollen ihr Blut zurück. Was keiner von ihnen weiß: Elyra ist keine gewöhnliche Alpha-Erbin. Sie trägt das Blut des Drachengottes in sich, und ihre Schwangerschaft erweckt ein Feuer, das mächtig genug ist, Königreiche in die Knie zu zwingen. Er sollte sie vernichten. Stattdessen wird er ihre größte Schwäche und ihr einziger Krieg.
View More„Darian?”
Ich rief laut, ein Lächeln noch immer auf meinem Gesicht.
Ich war auf halbem Weg den Korridor entlang, eine Hand hob den Saum meines Brautkleids, damit ich nicht stolperte, die andere hielt das silberne Band, das ich ihm zeigen wollte. Die Dienstmädchen hatten mich vor einer Stunde fertig angekleidet, das Festmahl tobte noch unten, und alle sagten mir immer wieder, wie glücklich ich sei.
„Darian...?”, rief ich noch einmal, diesmal leiser, als ich mich seinem Privatzimmer näherte.
„Du hast gesagt, du wolltest das—” Ich hielt inne. Ein gedämpftes Lachen drang durch die Tür, gefolgt von leisen Stöhnen einer Frauenstimme. Meine Finger schlossen sich fester um das Band.
Dann folgte eine Männerstimme, gleichgültig und vertraut.
„Ich habe dir bereits gesagt”, ich konnte Darians Stimme klar vernehmen.
„Der einzige Grund, warum ich überhaupt zugestimmt habe, mit Elyra zusammen zu sein, ist, dass ihr Vater es erzwungen hat. Sobald ich den Thron habe, wozu brauche ich sie noch?”
Mein Atem stockte. Für eine Sekunde vergaß ich, mich zu bewegen. Dann hörte ich die weibliche Stimme klar kichern.
Meine Cousine. Mein Blut. Meine Trauzeugin. Maris!
„Sie muss sich all möglichen Illusionen hingegeben haben.” Maris flüsterte. „Oh, arme Elyra.”
Darian lachte erneut, und dann brach im Zimmer eine neue Runde Küssen aus, das Geräusch von Körpern, die sich gegen Möbel drängten. Mein Magen zog sich vor Wut zusammen. Meine Augen brannten und Tränen strömten heraus, bevor ich sie aufhalten konnte.
Nein! Ich hatte mich verhört...Ich musste mich verhört haben!
Ich trat instinktiv einen Schritt zurück und dann noch einen.
„Geh!”
„Lauf weg, sie verdienen dich nicht.”
Mein Wolf murmelte still, aber meine Beine schienen am Boden festgenagelt, zu schwach für einen Schritt. Ich war dabei, rückwärts zu treten, als Maris seinen Namen hinter der Tür stöhnte — und etwas in mir brach. Ohne nachzudenken stieß ich die Tür auf.
Tränen strömten über meine Wangen. Ich stand in der Türöffnung und starrte den Mann an, mit dem ich das Paarungsband vor Mitternacht besiegeln sollte.
Mein Gefährte. Mein fast-Ehemann.
Darian saß auf der Kante eines Tisches mit Maris zwischen seinen Knien, seine Hände voller ihr. Eine Handfläche bedeckte ihre Brust unter der zerstörten Seide ihres Kleides, die andere war an ihrer Taille, zog sie nah an sich heran. Ihr Lippenstift war auf seinem Mund verschmiert. Sein Hemd hing offen, seine Haare waren durch ihre Finger zerzaust.
Sie sahen mich an, als hätte ich sie unterbrochen. Ich hätte schreien sollen, aber stattdessen stand ich dort für eine Ewigkeit, jeder Teil von mir wurde kalt, während mein Herz gegen meine Rippen hämmerte. Maris erholte sich zuerst. Sie ließ sich langsam von seinem Schoß gleiten und hob dann eine Hand, um ihr Haar zu glätten, ohne jegliche Betroffenheit. Darians Brauen zogen sich abwehrend zusammen.
„Warum bist du hier, Elyra?”, fragte Darian.
Er stand auf und griff nach dem Hemd neben ihm.
„Das Mindeste, was du hättest tun können, wäre zu klopfen.”
Das war der Moment, in dem es mich wirklich traf. Ich bedeutete meinem Gefährten absolut nichts. Ich war nur eine Schachfigur für seinen eigenen Ehrgeiz. Meine Kehle brannte.
„Also war alles eine Lüge?”
Darian knöpfte den Saum seines Hemdes zu und stand vom Tisch, ohne mir auch nur einen Blick zu gönnen. Ich trat ein und warf die Tür hinter mir zu.
„Alles davon? Die Geschenke, die Versprechen, die Art, wie du meine Hand vor den Ältesten gehalten hast, die Gelübde und die Hochzeitsvorbereitungen — war das alles nur, weil mein Vater es so wollte? Nur wegen des Throns?”
Darian erstarrte mit einem Arm im Hemd. Sein Schweigen antwortete mir, bevor sein Gesicht es tat. Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich.
„Du hast gesagt, du liebst mich.”
Maris verschränkte die Arme und hob das Kinn.
„Ach bitte, Elyra.”
„Mach keine Szene.”
Ich wandte mich so scharf zu ihr um, dass mein Schleier aus meinem Haar rutschte.
„Halt den Mund!“
Maris verdrehte die Augen.
„Du machst immer alles zu deinem eigenen Drama.”
„Er liebt dich nicht, und das ist jetzt offensichtlich.”
„Warum versuchst du jetzt, eine Szene daraus zu machen?”,nuschelte sie.
Ich konnte buchstäblich hören, wie mein Herz laut in meiner Brust schlug.
„Maris”, meine Stimme zitterte, das die Intensität der Wut verriet, die in mir brodelte. „Wie lange geht das schon so?”
Maris zuckte gleichgültig mit den Schultern, ein Grinsen spielte auf ihren Lippen.
„Was ist das große Problem, Elyra? Du wusstest, dass er zu gut für dich ist. Jedenfalls sind wir seit sechs Monaten intim, und ehrlich gesagt ist er viel eher mein Typ.”
Sechs Monate — genau der Zeitpunkt, zu dem mein Vater mich über meine Heirat mit Darian informiert hatte.
Ich hatte zunächst abgelehnt, aber mein Vater hatte mir klar gemacht, dass die Heirat der einzige Weg war, durch den ich als Luna des Rudels herrschen konnte.
„Ich kann nicht loslassen von diesem riesigen, himmlischen Schwanz.” Sie fuhr fort; ihr Ton war beiläufig, aber die Worte schnitten tief.
Ich spürte, wie meine gesamte Welt zusammenbrach. Ich sah Darian wieder an, meine Augen verschwommen vor Tränen.
„Sag etwas, Darian.” Er zog das Hemd über seine Schultern und richtete den Kragen, ohne auch nur zu versuchen, es zu leugnen. Dann schob Maris eine Hand an seine Brust und zog sein Gesicht erneut zu sich. Das war das Ende!
Wut traf mich so schnell, dass mir die Sicht flimmerte.
Ich überquerte den Raum in drei Schritten und hob die Hand.
Maris sah es kommen und keuchte auf, aber bevor meine Handfläche ihre Wange berühren konnte, packte Darian mein Handgelenk. Sein Griff zermalmte meinen Knochen.
„Untersteh dich!” sagte er.
Seine Augen waren rot vor einer Art Wut, die ich an ihm noch nie gesehen hatte. Ich starrte ihn an, weniger erschüttert von der Kraft als davon, wie leicht er sie gegen mich einsetzte.
„Lass los.” Er zog die Finger fester zusammen, und ein scharfer Schmerz schoss meinen Arm hinauf.
„Hör auf zu übertreiben”, platzte er heraus.
„Übertreiben?” Meine Stimme stieg an.
„Du liegst in meiner Cousine im Bett in unserer Hochzeitsnacht, und ich übertreibe?”
Er lehnte sich näher, sein Kiefer hart, die Nasenflügel gebläht.
„Senkle deine Stimme.”
„Oder was?”
„Elyra!”, warnte er.
Ich riss gegen seinen Halt, aber sein Griff war noch immer fest.
„Schau, Darian, ich werde nicht die einzige Augenzeugin bleiben.
Ich werde allen da unten genau sagen, was ich gefunden habe. Jeder Älteste, jeder Krieger, jeder Diener in diesem Rudel wird wissen, dass du deine Gefährtin mit ihrem eigenen Blut verraten hast.”
„Ich werde ihnen zuschreien, dass du so ein erbärmlicher, wankelmütiger Betrüger bist.”
Sein Griff um mich lockerte sich. Maris wurde bleich. Wir alle wussten, was das bedeutete. Gefährtenverrat war kein Witz. Es war ein Bruch des Mondgesetzes, und seine Folge war Verbannung.
„Das würdest du nicht wagen”, sagte er leise. Ich lachte ihm ins Gesicht, meine Stimme zitternd. „Versuch es.” Ich riss noch einmal, diesmal härter, und war fast frei. Sein Griff rutschte für einen halben Atemzug.
Dann bewegte sich seine andere Hand – den Dolch sah ich kaum. Ein scharfer Stich, und ich fühlte mich, als hätte mich ein Lastwagen getroffen. Mein Mund öffnete sich, aber kein Laut kam heraus. Ich sah hinunter.
Der Griff war schwarz, und die Klinge war tief in mir vergraben. Meine Knie gaben nach, bevor der Schmerz mich voll traf. Als er es tat, riss er so brutal durch mich, dass ich mich mit einem erstickten Schrei zusammenkrümmte.
Feuer raste durch meine Adern und versetzte meinen Wolf in einen Taumel aus Schmerz. Ich zuckte zusammen, mein Körper wölbte sich in Qual.
„Nein...nein....bitte.” Ich flüsterte.
Mein Blickfeld verschwamm, und langsam entzog sich mir die Dunkelheit.
Elyras PerspektiveDie Zitadelle atmete bei Sonnenaufgang anders, nicht leiser. Das Gegenteil. Der besondere Klang eines großen Raums, der sich nach einer Krise neu orientierte. Boten in den unteren Korridoren. Das ferne organisierte Geräusch struktureller Bewertungsteams, die sich durch den östlichen Flügel bewegten. Wachen, die an Posten rotierten, die während der gesamten Nacht von Menschen gehalten worden waren, die nicht abgelöst worden waren, weil Ablösung nicht verfügbar gewesen war.Sie ging durch all das hindurch, verwaltete es nicht, hielt nicht an, um Berichte zu empfangen oder Anweisungen zu erteilen oder die besondere sichtbare Kompetenz einer Königin vorzuführen, die ihre Präsenz in ihren eigenen Hallen fühlbar machte. Rowan verwaltete. Das war es, was Rowan tat, und er tat es besser, wenn sie nicht im selben Raum stand und eine Schwerkraft erzeugte, die Menschen zu ihr blicken ließ, bevor sie ihre eigene Einschätzung vollendeten. Sie ging.Die Krone war noch immer auf i
Aras PerspektiveDie unterirdischen Strukturen rochen nach Bewahrtem, nicht nach Verfall. Das Gegenteil. Die besondere antiseptische Qualität eines Raums, in dem natürliche Prozesse bewusst ausgesetzt worden waren. Wo Zeit von jemandem an einem festen Punkt gehalten worden war, der die Chemie der Aussetzung verstand und dieses Verständnis mit der sorgfältigen Präzision von jemandem angewendet hatte, der beabsichtigte, dass die Aussetzung anhielt. Sie hatte angehalten; die Körper lagen in Reihen.Ara stand am Eingang der ersten Kammer und zählte sie, ohne es zu beabsichtigen. Siebenunddreißig. Jeder auf einer niedrigen Steinplattform. Jeder mit der besonderen Qualität von jemandem, der tief schlief, statt abwesend zu sein. Atmete. Farbe in ihren Gesichtern. Hände entspannt an ihren Seiten, mit der natürlichen Lockerheit echter Ruhe statt der starren Qualität, die sie erwartet hatte.Corvath hatte sie sorgfältig erhalten. Das war das besondere Grauen daran. Die Sorgfalt. Die bewusste, k
Darians PerspektiveDer Morgen kam seitlich durch das zerbrochene Fenster der großen Halle herein, nicht die saubere Ankunft von Licht, das eine klare Oberfläche findet. Die besondere gebrochene Qualität von Beleuchtung, die sich durch beschädigte Architektur bewegte, die Ränder gerissenen Steins und gespaltenen Mörtels einfing und Schatten erzeugte, die in Richtungen gingen, in die Schatten nicht gehen sollten. Die Halle roch nach versengtem Fels und alter Frequenz und dem besonderen atmosphärischen Rückstand eines Raums, der etwas Uraltes beherbergt und es freigelassen hatte.Selene war einen Meter entfernt und sah ihn nicht an. Sie betrachtete das Licht, das an der fernen Mauer sein gebrochenes Werk tat, mit der besonderen Qualität von jemandem, der etwas Enormes vollendet hatte und im schwebenden Zustand zwischen Vollendung und welcher Konfiguration auch immer als Nächstes kam.Er hatte vor zwanzig Minuten beobachtet, wie sie in diese Halle gerannt war.Das war das Ding, zu dem er
Rowans PerspektiveIch hatte dreißig Sekunden zwischen Selenes Erklärung und dem Moment, als die große Halle sie fertig absorbiert hatte.Dreißig Sekunden der besonderen schwebenden Qualität, die Räume erzeugten, wenn gerade etwas Riesiges gesagt worden war und die Menschen im Raum noch im Prozess waren zu verstehen, was es für alles bedeutete, was als Nächstes kam. Corvath auf dem Boden, mit dem inerten Gefäß in seiner offenen Hand. Elyra neben Kael, mit den silbernen Augen und der gefassten Nachwirkungsqualität von jemandem, der aus der Frequenzwelt zurückgekommen war und noch immer Inventar aufnahm, was die Rückkehr gekostet hatte. Caelan stand vor Corvath, sagte Dinge, die sonst niemand im Raum in der Position war zu sagen.Ich benutzte dreißig Sekunden, nicht um zu verarbeiten, was Selene getan hatte. Das erforderte mehr als dreißig Sekunden, und ich legte es auf der richtigen Prioritätsebene ab und ließ es dort. Nicht um Corvaths aktuelles Bedrohungsniveau einzuschätzen, das sic





