Mag-log inARIANachdem ich mir die Wangen abgewischt hatte, verließ ich diesen Ort und ging zurück in mein Zimmer.Es hatte keinen Sinn, dort zu bleiben. Nichts weiter würde gesagt werden. Nichts würde sich ändern.Nur das Nötigste kam in meine Tasche. Kleidung. Wasser. Ein kleines Set. Mein Messer. Die Schlüssel zu einem der Jeeps, die uns hierher gebracht hatten, hingen noch neben der Tür. Ich nahm sie. Dann schrieb ich eine kurze Nachricht für Kael.Nicht alles. Nicht die Angst. Nicht die Wut. Nur genug. Genug, um ihm zu sagen, dass ich in Sicherheit sein würde. Dass ich nachdenken würde, bevor ich handelte. Dass dies nicht leichtsinnig war.Der Plan blieb klar in meinem Kopf.Victor Blackwood würde gestehen. Ich würde dafür sorgen. Ich würde seine Worte aufnehmen lassen. Und wenn die Wahrheit heraus wäre, könnte Kael ihn vor allen Menschen töten.Öffentlich. Sauber. Endgültig.Und Victor würde mich nicht anrühren.Nicht, wenn er erfuhr, dass ich Kaels Kind austrug.Gegen Mittag glitt ich au
ARIAEine Panikattacke. Das war es gewesen. Eine volle.Nachdem ich aus dem Konferenzraum geschlüpft war, bewegten sich meine Füße, bevor mein Verstand schalten konnte. Ich rannte. Nicht schnell, zwei Beine waren mir immer noch fremd – aber schnell genug, um das Ziehen in meinen Seiten zu spüren. Ich brauchte Abstand. Abstand zu ihren Gesichtern. Zu den Worten. Zu dem, was ich gerade erfahren hatte.Die Steinpfade von Veilshade Peak verschwommen. Kalte Luft kratzte in meiner Kehle. Mein Herz wollte nicht langsamer werden. Es fühlte sich an, als versuche es, aus meinen Rippen auszubrechen.Erst als meine Lunge zu brennen begann, hielt ich an.Ich beugte mich nach vorne, die Hände auf den Knien, nahe daran, mich zu übergeben. Flecken tanzten in meinem Blickfeld. Der Boden fühlte sich uneben unter mir an.Nyssa blieb neben mir stehen. Sie war kaum außer Atem.„Ich schiebe es auf das Baby“, sagte sie und musterte mich. „Denn wenn nicht, bist du in menschlicher Gestalt in einer furchtbaren
KAELSie lächelten mich beide an, warm und offen, und etwas in meiner Brust verschob sich. Ich hatte nicht realisiert, wie viel ich Rowan bis zu diesem Moment schuldete. Dankbarkeit drängte sich auf, schwer und stetig.Vor Jahren waren zwei seiner Soldaten bei einer Patrouille während eines harten Winters durch den Schnee gezogen. Sie fanden meine Schwestern halb im Weiß begraben, zitternd und kaum atmend. Sie hätten vorbeigehen können. Das taten sie nicht. Sie trugen sie den ganzen Weg zurück zum Veilshade Peak. Rowan gab ihnen Unterschlupf, ohne Antworten zu verlangen.Ein Jahr später machte er sie zu offiziellen Mitgliedern seines Rudels, obwohl sie nie jemandem erzählten, woher sie kamen. Ein verpaartes Paar nahm sie auf und zog sie wie Töchter groß. Der Rest des Rudels schloss die Reihen um sie. Fütterte sie. Trainierte sie. Sorgte dafür, dass sie sich sicher fühlten.Während ich in Blut und Rache ertrunken war, waren sie geliebt worden.Die Tür öffnete sich und riss mich zurück.
KAELEmily und Gemma stimmten zu, mich zu sehen. Die Nachricht kam am nächsten Morgen. Es fühlte sich unrealistisch an. Ohne nachzudenken, hätte ich beinahe Nyssas Tür aus den Angeln gerissen.Aria öffnete sie. Sie sah blass aus. Ihre Augen waren müde, als hätte sie überhaupt nicht geschlafen.„Kael?“„Sie empfangen mich in einer halben Stunde. Ich will, dass du dabei bist.“Sie zögerte. „Ich...“„Du bist die Mutter meines Kindes. Du solltest dabei sein.“Ihre Augen füllten sich leicht mit Tränen. Sie blinzelte sie zurück und nickte. „Gib mir eine Minute, um mich zu fassen. Warum lasse ich dich sie nicht zuerst alleine sehen? Ich komme in einer Stunde nach.“„Nachkommen?“„Ja. Sie haben dich seit Jahren nicht gesehen. Sie müssen dich nicht zusammen mit jemandem stehen sehen, den sie nicht kennen. Lass sie dich zuerst für sich alleine haben.“Sie klang sicher. Ruhig. Es ergab Sinn. Mein Wolf wollte sie an meiner Seite haben. Wollte den Trost. Aber hier ging es nicht um mich. Es gab zu
KAEL „Vielleicht solltest du laufen gehen. Verbrenn etwas von dieser Energie“, sagte Aria mit leiser Stimme. „Wenn du weiter so hin und her gehst, staut sich nur noch mehr Wut in dir an.“Die Dielen hatten unter meinen Stiefeln zu knarren begonnen. Hin und her. Hin und her. Die Wände der Nachtfall-Festung fühlten sich zu eng an.Ich drehte mich schnell zu ihr um. Die scharfe Antwort lag mir bereits auf der Zunge. Sie wäre mir fast herausgerutscht. Aber sie wich nicht zurück. Sie zuckte nicht einmal zusammen.Aria war an meiner Seite gestanden, während Calder und Rowan sich durch die Wahrheit arbeiteten. Während sie bestätigten, wer meine Schwester innerhalb seines Rudels war. Sie war da gewesen, als Rowan mir in einem ruhigen und festen Ton sagte, dass ich sie nicht sehen würde, bevor er nicht zuerst mit ihr gesprochen hatte.Sie hatte mich davon abgehalten, jeden Wolf in diesem Rudel herbeizurufen und sie zu zwingen, zu knien. Antowrten aus ihnen herauszupressen.Ein tiefes Geräusch
ARIA Durch einen tiefen, langsamen Atemzug getrieben, schob Calder das Notizbuch über den Tisch. Seine Finger blieben noch für einen Sekunde auf dem Einband liegen, bevor er losließ.„In diesem Buch gibt es eine Liste mit Namen und Daten“, sagte er. Seine Stimme war angespannt. „Weibliche Namen stehen in einer Spalte. Einige haben keine Namen. Nur Nummern. In der nächsten Spalte stehen Männernamen. Meistens Ausgestoßene. Ich habe Monate gebraucht, um einige von ihnen aufzuspüren und zu befragen. So begann ich zu verstehen, was diese Namen bedeuteten.“Er atmete erneut ein. Die Worte lagen bereit, aber er hatte immer noch Mühe, sie auszusprechen.„Varik hat junge Wölfinnen in die Hohe Wildnis geschleust. Die meisten von ihnen wurden Ausgestoßenen übergeben“, sagte er leise.Kael berührte das Notizbuch nicht. Er starrte es nur an. Die Luft im Raum fühlte sich schwer an. Schwer zu atmen.Rowans Stimme sank zu einem Flüstern. „Was zum Teufel, Calder? Ist das dein Ernst? Warum hast du uns







