LOGINDmitry stand am Kopfende des Tisches, die Hände fest auf die dunkle Holzplatte gestützt, die eisblauen Augen wanderten über die versammelten Anführer. Der Lykaner in seinem Inneren pulsierte, knurrte, ungeduldig.„Sie lassen sich zu viel Zeit. Schneide ihnen die Haut auf, zeig ihnen die Zähne.“Leonid Pavlenko war der Erste, der explodierte. Er sprang so abrupt auf, dass sein Stuhl beinahe umkippte.— Unsere Kräfte vereinen? Dmitry, du willst unsere Clans in einen offenen Krieg ziehen, nur aufgrund einiger Bilder und Berichte von ein paar Wachen, die durch Glück überlebt haben?Dmitry hob eine Augenbraue, die Stimme leise, aber scharf wie eine Klinge.— Es war kein Glück, Leonid. Es war Berechnung. Ich brauchte Überlebende, die die Beweise bringen. Oder glaubst du, ich hätte nicht die gesamte Spur beseitigen können?— Arroganz löst keine Verschwörungen! — unterbrach Elena Smirnova mit zusammengekniffenen Augen. — Die Demidovs spielen dieses Spiel schon lange. Sie sind nicht gestern vo
Der große Saal wurde vorbereitet. Marina gab den Bediensteten Anweisungen, den Konferenztisch herzurichten: lange Karaffen mit Wasser, Tabletts mit Häppchen, Kristallgläser.Die Unterlagen waren am Kopfende des Tisches gestapelt, wo Dmitry sitzen würde.Susan bemerkte die fast militärische Präzision in den Details: Alexei verteilte Mappen mit den Berichten, während Dmitry vor dem Kopfende stand und leise zu ihr murmelte, beinahe so, dass die anderen es nicht hörten:— Achte auf die Blicke. Nicht jedes Lächeln heute bedeutet Frieden. Manche warten nur darauf, dass ich die Deckung fallen lasse.Der Lykaner in ihm, unruhig, flüsterte in einer dunklen Ecke seines Geistes:„Sie berühren sie nicht. Niemand sieht sie an. Niemand atmet in ihrer Nähe ohne unsere Erlaubnis. Ein falscher Laut und ich reiße ihnen die Kehle heraus, einen nach dem anderen.“Susan legte die Hand auf seinen Arm und drückte sanft.— Ich bin hier, Dmitry. Und ich weiß Bescheid. Mach dir keine Sorgen um mich. Mach dir S
Unbekannter Ort – Dunkles Zimmer, tiefe NachtDie Wände waren kalt und feucht, die Stille dick, als hielte die Umgebung selbst den Atem an. Die einzige Lichtquelle war der blasse Schein einer Kerze auf der abgenutzten Holzkommode. Natalia saß dort, vor einem gesprungenen Spiegel, die Haare offen und den Blick starr auf ihr eigenes Spiegelbild — oder das, was davon übrig war — gerichtet. Ihre Finger trommelten ungeduldig auf der Armlehne des Sessels.Dann vibrierte das alte Telefon auf dem Tisch. Sie griff schnell danach und nahm ab, ohne ein Wort zu sagen. Am anderen Ende war die Stimme angespannt und vorsichtig:— Wir haben das Signal der Infiltratorin verloren… Seit die magische Barriere reagiert hat, konnten wir die Verbindung nicht wiederherstellen. Es sind Informationen nach außen gedrungen… Anatolie ist noch am Leben. Und das… Mädchen… Die Schicksalsgefährtin… Auch.Das Schweigen dauerte einen halben Atemzug. Dann der Ausbruch.Natalia sprang auf wie eine erwachende Bestie. Ihre
Rurik-Villa – Medizinische Abteilung03:41 Uhr morgensDas Zimmer war still, abgesehen vom leisen Summen der medizinischen Monitore, die Susans Vitalwerte überwachten. Carla, mit tiefen Augenringen und müdem Gesicht, war seit dem Moment, als man ihre bewusstlose Freundin hereingebracht hatte, nicht von ihrer Seite gewichen. Sie saß neben dem Bett und hielt Susans bandagierte Hand mit sanfter Vorsicht, als könnte allein ihre Anwesenheit sie im Leben verankern.Plötzlich sog Susan scharf die Luft ein, wie jemand, der aus einem langen Tauchgang auftaucht. Ihre grünen Augen öffneten sich ruckartig, weit aufgerissen, verwirrt, aber lebendig. Intensiv lebendig.Carla keuchte auf, überwältigt vor Erleichterung, und flüsterte:— Mein Gott… Susan?Sie beugte sich sofort vor und berührte das Gesicht ihrer Freundin.— Hey, ganz ruhig… Alles ist gut. Du bist in Sicherheit. Du bist zu uns zurückgekommen.Susan blinzelte mehrmals, als versuche sie zu begreifen, wo sie sich befand. Die Erinnerung an
Irina wischte sich die Arme mit einem feuchten Tuch ab, doch es half nichts gegen den Fleck auf dem teuren Kleid.— Dmitry… Werden sie uns anhören?Er warf ihr einen kurzen Blick zu.— Sie haben keine Wahl.Im Konferenzraum erwachten die Hologramme zum Leben und projizierten die gealterten, strengen Gesichter des Rates. Männer und Frauen alter Clans, kalte Augen, stählerne Mienen. Auf der russischen Seite erschien Alexei ernster als gewöhnlich.— Dmitry Rurik. — Einer der Ältesten, Maksim Volkow, beugte sich vor. — Welche Beleidigung rechtfertigt es, den Rat zu dieser Stunde und in dieser Eile einzuberufen?Dmitry verschränkte die Arme.— Eine Beleidigung, die beinahe den Verstand von euch allen gekostet hätte.Er nickte den beiden Wachen zu. Eine von ihnen, mit zitternden Händen, legte die schwarze Mappe auf den Tisch. Die andere schaltete einen Projektor ein. Die Bilder der unterirdischen Auktion erschienen in der Luft.Blut. Käfige. Der Hybrid. Und schließlich die Gestalt des Henke
Der Geruch von Eisen hing schwer und übelkeitserregend in der Luft. Das Blut, das an den Wänden gespritzt war, rann in langsamen Fäden herab und färbte den weißen Marmor in ein groteskes Rot.Dmitry half Irina beim Aufstehen, seine Hand umschloss ihren schlanken Arm mit festem Griff, während sie schwankte und ihre Absätze in den roten Pfützen versanken.— Atme, Irina. — murmelte er erneut, während seine Augen jeden Winkel des verwüsteten Saals absuchten.Zwei von Irinas Wachen tauchten aus den Schatten auf, bleich, die Waffen noch erhoben, obwohl sie wussten, dass nichts in ihren Holstern einen Unterschied gemacht hätte. Einer von ihnen trug eine schwarze Mappe, die mit Blutspritzern übersät war.— Herr Rurik… — keuchte der Jüngere, die Augen weit aufgerissen. — Das haben wir im Büro gefunden, hinter dem Safe.Der Wächter reichte ihm die Mappe, die Hände zitternd. Dmitry nahm sie entgegen, seine blutverschmierten Finger hinterließen Flecken auf dem Lederumschlag. Er öffnete sie mit ei