LOGINDer große Konferenzsaal von Rurik Motors strahlte Erhabenheit aus. Die Glasfenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, boten eine privilegierte Aussicht auf die Stadt Moskau, während der ovale Tisch aus dunklem Holz das Zentrum des Raumes beherrschte. Das schwarze Leder der Stühle, der dezente Glanz der Metalle und das Fehlen jeglicher überflüssiger Dekoration verrieten das hohe Anspruchsniveau, das hier herrschte.
Susan spürte das Gewicht des Raumes, sobald sie die Tür durchschritt.
Sie atmete tief durch, rückte mit einer dezenten Geste die Brille zurecht und drückte ihr Klemmbrett gegen die Brust. Ihr erster Arbeitstag würde mit einer Besprechung beginnen, an der die wichtigsten Köpfe des Unternehmens teilnahmen. Und Dmitry Rurik.
Sie hatte ihn nie persönlich gesehen, aber alle wussten, wer er war. Der Mann hinter dem Imperium. Ein Name, der Autorität und Mysterium mit derselben Leichtigkeit trug, mit der er seine teuren Anzüge tragen konnte.
Sie ging zu dem für sie reservierten Platz und war sich der Blicke bewusst, die ihr folgten. Sie war an Aufmerksamkeit gewöhnt – manchmal neugierig, manchmal verurteilend. Doch in diesem Raum hoffte sie, dass man über den Körper hinausblicken und ihre Kompetenz erkennen würde. Das war es, was zählte.
Wenige Minuten später öffneten sich die Doppeltüren. Und die Luft veränderte sich.
Dmitry trat ein.
Es war, als würde sich die Umgebung um ihn zusammenziehen, sich vor jener Präsenz beugen, die er mühelos beherrschte. Groß, die breiten Schultern unter einem tadellosen, dunklen Anzug, das weiße Haar im Kontrast zur blassen Haut, und die Augen… die Augen waren ein Urteil.
Blau. Intensiv. Durchdringend.
Susan hielt unwillkürlich den Atem an, als er hinter ihrem Stuhl vorbeiging. Das holzige, einhüllende, männliche Parfum drang in ihren Raum ein und erweckte etwas in ihr, das sie nicht zu benennen wusste.
Und dann blickte er sie an.
Nur für einen Augenblick: Auge in Auge.
Doch das genügte.
Dmitry hielt inne. Der nächste Schritt wurde um einen Sekundenbruchteil verzögert. In seinem Inneren erbebte der Lykaner.
Jener Duft.
Süß und warm. Natürlich. Kein Parfum konnte ihn überdecken. Sie war es.
Sein Blick tauchte in sie ein wie eine präzise Klinge, durchschnitt die Oberfläche und drang tiefer – tiefer, als er sollte. Er bemerkte das präzise zusammengebundene rote Haar, die Brillengläser, die grüne, aufmerksame Augen rahmten. Die sanften Sommersprossen, die helle Haut… Und dann glitt sein Blick für einen Moment tiefer und erfasste die sich unter dem eng anliegenden Blazer abzeichnenden Rundungen.
Die Bestie erhob sich.
Der Lykaner, jahrelang durch Disziplin, durch Rituale der Selbstbeherrschung gezähmt, wehrte sich nun in ihm. Wie ein angekettetes Tier, das, wenn es den Duft seines Weibchens erkennt, Freiheit fordert. Besitz fordert.
Dmitry wandte mit Mühe den Blick ab.
— Lasst uns beginnen. — Seine Stimme klang tiefer als gewöhnlich.
Die Besprechung begann, doch er hörte nicht zu.
Die Stimme des Marketingleiters wurde zu einem undeutlichen Summen, während ihr Duft seine Sinne mit jedem Atemzug lebendiger erfüllte. Es war, als wäre die ganze Welt verschwunden und nur sie in diesem Raum geblieben – und er, kämpfend gegen sich selbst.
„Sie ist anders.“
Der Lykaner flüsterte, knurrte, ungeduldig.
"Sie gehört uns. Jetzt. Nimm sie für dich in Anspruch."
Dmitry hielt den Kiefer verschlossen. Seine Hände lagen regungslos auf dem Tisch, doch seine Sinne standen zum Zerreißen gespannt. Die Bestie wollte sich auf sie stürzen. Wollte sie berühren. Schmecken. Jedes Stück jener zarten Haut mit seinen Zähnen, mit seiner Essenz markieren.
"Nein."
Doch es war eine schwache Verneinung. Schwankend.
Sein Blick kehrte erneut zu ihr zurück. Susan bemerkte es nicht sofort; sie notierte etwas, die Stirn leicht gerunzelt. Und Dmitry verschlang sie mit den Augen.
Neugier. Begehren. Instinkt.
— Susan. — Seine Stimme zerschnitt den Raum wie eine Klinge.
Sie hob überrascht den Kopf, weil sie angesprochen wurde. Ihr Name klang in seinem Mund zu persönlich. Intim.
— Ja, mein Herr?
Er beugte sich leicht vor, ohne den Blick von ihr zu nehmen.
— Sie haben bei Semyon Motors gearbeitet, nicht wahr?
— Ja. — antwortete sie fest, auch wenn ihr Herz raste. — Ich war dort drei Jahre lang Werbereferentin.
Dmitry nickte langsam. Der Ton seiner Stimme war neutral, doch seine Augen… seine Augen schrien.
— Und was halten Sie von unserem Marketingansatz?
Die Frage überraschte den Raum. Der Marketingleiter verstummte, unsicher, ob er fortfahren sollte. Doch Dmitry beachtete ihn nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit galt Susan.
Sie befeuchtete sich die Lippen, jedes Blickes bewusst, doch noch bewusster seines. Seines.
— Die Kampagne wurde gut umgesetzt, die Zahlen beweisen es. — begann sie vorsichtig. — Aber ich glaube, die visuelle Kommunikation könnte gewagter sein. Besonders in den sozialen Medien. Das jüngere Publikum sucht etwas weniger Institutionelles, etwas Emotionaleres.
Dmitry hörte ihr schweigend zu, jedes ihrer Worte drang wie ein direkter Befehl in seine Haut.
— Sie glauben, wir sollten… zugänglicher sein?
— Zugänglich ist nicht das richtige Wort. — Sie hielt seinen Blick. — Aber authentisch. Eine starke Marke muss emotionale Verbindungen schaffen. Verkaufen allein reicht nicht. Man muss Gefühle wecken.
Der Lykaner vibrierte in ihm.
"Sie versteht. Sie sieht über die Dinge hinaus."
Für einen Moment war er nicht mehr Dmitry, der kalte und berechnende CEO. Er war nur noch ein vom Duft seines Weibchens verzauberter Jäger.
Er lächelte. Nur ein dezenter Zug am Mundwinkel, doch er ließ sein gemeißeltes Gesicht noch gefährlicher wirken. Fasziniert. Gebannt.
— Lassen Sie uns später ausführlicher darüber sprechen. — sagte er mit einer Stimme, die tiefer war als nötig.
Susan nickte. Doch ihr Herz schlug schneller, als wüsste es bereits, dass dieses „später“ nicht nur ein berufliches Gespräch sein würde.
Die Besprechung ging weiter, doch für Dmitry ergab nichts mehr Sinn. Alles war Lärm. Alles war Warten.
Diese Frau war mit einer Präsenz in sein Leben getreten, die Vernunft, Status und sogar den verdammten Fluch herausforderte, den er im Blut trug.
Und nun wollte der Lykaner in seinem Inneren nicht mehr nur zusehen.
Er wollte sie markieren.
Und er, so sehr er es auch zu leugnen versuchte, wollte es auch.
***
Als sie die Nachricht erhielt, dass sie eingestellt worden war, sprang Susan vor Freude im Flur der kleinen Wohnung umher, die sie sich mit ihren Freundinnen teilte. Doch nun, vor ihm, wich die Euphorie einem unangenehmeren Gefühl. Einer leisen Befürchtung, schwer zu benennen, aber unmöglich zu ignorieren. Sie zog Aufmerksamkeit auf sich. Mehr, als sie es wollte. Und das war nicht gerade gut. Nicht vor einem Lykaner, wenn man bedachte, was sie war.
Der Konferenzraum leerte sich nach und nach. Das Rücken von Stühlen und das Rascheln von Papieren erfüllten den Raum mit flüchtigen, fast hastigen Geräuschen. Dmitry blieb am Kopfende des Glastisches sitzen, mit makelloser Haltung, den Blick starr. Seine langen Finger glitten gemächlich über die Armlehne des Ledersessels. Seine blauen Augen, so kalt wie die Stadt jenseits der Fenster, folgten Susans Bewegungen mit unangemessener Aufmerksamkeit.
Sie packte ihren Notizblock zusammen, rückte mit zerstreuter Geste die Brille zurecht und strich sich eine widerspenstige Haarsträhne hinter das Ohr. Das Licht des Raumes betonte die kupferfarbenen Reflexe ihrer Haare, den Kontrast zur hellen Haut und den zarten Sommersprossen. Doch es war nicht nur das.
Es war nicht nur die Erscheinung.
Es war etwas mehr. Etwas, das ihn beunruhigte, weil es… vertraut war.
— Frau Grigorjewa, bleiben Sie noch einen Moment. — Seine Stimme klang fest. Ohne Freundlichkeit, doch auch nicht unhöflich.
Susan hielt überrascht inne, die Hand noch auf dem Heft. Sie straffte ihre Haltung, ohne das Zögern zu verbergen, das in ihren Augen aufblitzte.
— Selbstverständlich, Herr Rurik.
Einige Angestellte warfen einander Blicke zu, bevor sie gingen, als wüssten sie, dass hier etwas Seltsames vorging. Als die Tür schließlich zufiel und die Stille über den Raum hereinbrach, erhob sich Dmitry gelassen. Seine Hände wanderten in die Taschen der dunklen Hose, während er zum großen Fenster ging.
Die Lichter Moskaus blinkten draußen, gleichgültig gegenüber der Unruhe, die in ihm wuchs.
Er spürte sie.
Ihren Duft.
Ihren beschleunigten Puls.
Die verhaltene Anspannung in jedem Muskel.
Susan blieb stehen, in der Nähe des Stuhls, auf dem sie zuvor gesessen hatte, und hielt den Notizblock gegen den Körper, als wäre das ein Schutzschild. Der Versuch, eine professionelle Haltung zu wahren, war offensichtlich. Bewundernswert. Fast rührend.
— Wegen der Kampagne. — begann Dmitry, ohne sich umzudrehen. Seine Stimme war kontrolliert, neutral. — Sie haben heute interessante Anmerkungen eingebracht. Ich möchte mehr hören… Ihre Vision klarer verstehen.
"Lügner." Die Stimme des Lykaners klang leise, ironisch, zog sich wie Rauch durch seinen Geist. "Du willst nur sehen, ob sie es spürt. Ob die Verbindung echt ist. Gib es zu: Du willst, dass sie reagiert."
Er ignorierte das. Oder versuchte es.
Er drehte sich langsam um, und sein Blick traf den ihren.
Susan wich nicht zurück. Da war zwar auch Angst, aber ebenso Entschlossenheit.
— Ich glaube, Rurik Motors besitzt eine starke Identität, die auf Tradition und Exzellenz beruht, Herr Rurik. — begann sie mit mehr Festigkeit, als er erwartet hatte. — Aber ich sehe Spielraum, die Emotion dahinter zu erkunden. Das Erlebnis, einen Rurik zu fahren… die Freiheit, die Kraft. Es geht nicht nur um das Produkt. Es geht darum, wie es die Person fühlen lässt.
"Sie sieht mehr als den äußeren Schein. Mehr als Status." flüsterte der Lykaner. "Sie versteht."
Dmitry näherte sich langsam. Nur ein Schritt. Klein genug, um nicht wie eine Bedrohung zu wirken. Langsam genug, um den Einfluss zu beobachten. Und er sah es: Ihre Finger umklammerten den Block fester, ihre Brust hob sich zu einem zurückgehaltenen Atemzug, und ihre Augen zuckten einen Moment, bevor sie wieder zu ihm zurückkehrten.
— Emotion also. — wiederholte er. Das Wort kam ihm fremd über die Lippen. — Und wie schlagen Sie vor, das zu vermitteln?
— Erzählerische Kampagnen. — antwortete sie mit einem leichten Glanz im Blick. — Geschichten, die echte Menschen zeigen, die unvergessliche Momente mit den Autos erleben. Nicht nur schöne Bilder und markige Sätze. Sondern Verbindungen. Erfahrungen. Wahrheit.
Dmitry beobachtete sie einige Sekunden schweigend. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte er, wie ihm die Kontrolle entglitt. Nicht vollständig, aber genug, um ihn zu stören.
Sie beugte sich nicht. Sie zitterte nicht. Und obwohl sie nervös war, sah sie ihn nicht an wie ein Monster oder einen Mann, dem man schmeicheln müsste.
"Sie ist anders." murmelte der Lykaner, fast ehrfurchtsvoll. "Sie gehört uns."
Dmitrys Atem wurde schwer. Er holte tief Luft, auf der Suche nach Stabilität. Nein. Es konnte nicht sein. Nicht so früh. Nicht mit ihr.
— Dieser Vorschlag wird geprüft werden. — sagte er schließlich. Seine Stimme fest, zurück im professionellen Ton. Doch da war ein Schatten in seinen Augen. Ein blinder Fleck, der im Zentrum der Vernunft wuchs.
Susan runzelte die Stirn, als nähme sie die plötzliche Veränderung wahr.
— Herr Rurik…?
Er blinzelte und wandte den Blick einen Moment ab.
— Dmitry. — korrigierte er, ohne nachzudenken.
Sie riss leicht die Augen auf.
— Wie bitte?
— Wenn wir Ideen besprechen… nennen Sie mich beim Vornamen. — Er sah sie wieder an. — Hier drinnen sind keine Förmlichkeiten nötig.
Susan zögerte.
— In Ordnung… Dmitry.
Darauf folgte eine angespannte Stille. Die Art, wie sein Name über ihre Lippen kam… war falsch. Gefährlich. Denn nun war es nicht mehr nur der Duft, nicht nur der Klang ihrer Stimme oder die Festigkeit ihrer Argumente.
Es war sie.
Und der Instinkt begann zu schreien, selbst wenn er sich weigerte, zuzuhören.
Teil IDas Labor lag unter einer verlassenen alten Fabrik versteckt, drei Stunden von Moskau entfernt, in einer Region, die selbst die detailliertesten Karten der Clans nicht verzeichneten. Alexei stieg mit bereits violett leuchtenden Augen aus dem Geländewagen, während Umbras Rauch um seinen Körper wallte wie eine zweite Haut.Hinter ihm warteten zwanzig Männer aus beiden Clans — Rurik und Demidov — auf den Befehl. Andrei stand an der Spitze, mit den Ratgebern Timofey und Eldar direkt hinter ihm. Dmitry hatte angeboten mitzukommen, doch Alexei hatte abgelehnt. Das war der letzte Kern, und er wollte ihn allein schließen, mit seinen eigenen Händen.„Es ist der Letzte.“ Umbra sprach in seinem Geist, seine Stimme erfüllt von tiefer Genugtuung. „Danach ist es vorbei.“— Vorbei. — wiederholte Alexei, und das Wort lastete schwer wie fünf Monate der Jagd.Fünf Monate seit der Zeremonie. Fünf Monate, seit er zum Obersten Alfa beider Clans geworden war. Seit Carla Ja gesagt hatte. Und während a
Alexei begrüßte die Alfas einen nach dem anderen, und jeder Händedruck trug ein Gewicht, das er noch immer lernte zu tragen. Fidor Kovalenko sprach über die Bedeutung der Einheit, Mikhail Chernov murmelte etwas über die Luna und das Schicksal, Anatoly Dragunov versuchte, ihm irgendein Versprechen über die Zukunft des Clans abzuringen, und Irina Vasiliev neigte einfach den Kopf, ihre hellen Augen trugen mehr Respekt in sich als jede Rede.Er antwortete allen mit derselben Förmlichkeit, derselben Ruhe, derselben Maske des Obersten Alfas, die er in dem Moment aufgesetzt hatte, als die Krone seinen Kopf berührt hatte. Doch in seinem Inneren herrschte eine Unruhe, die nichts mit der Politik der Clans zu tun hatte.Das Etui befand sich in der Innentasche seines Mantels. Die Ringe waren dort, warm, pulsierend mit demselben Licht, das er in den Händen der Pixies gesehen hatte, und warteten auf den richtigen Moment. Und auch Umbra war unruhig, seine Präsenz in ihm wogte wie eine Flut, die kein
Alexei stand noch immer in der Mitte des Saals, die Mondkrone gerade erst auf seinen Kopf gesetzt, als der Wächter den Stab erneut erhob. Die Stille, die darauf folgte, war vollkommen — alle Alfas, Ältesten und Ratgeber standen und beobachteten den neuen Obersten Alfa und seine Gefährtin.Der Wächter drehte sich langsam in Carlas Richtung.— Dame Carla. Tretet vor.Sie spürte den Bund pulsieren, und Alexei wandte den Kopf zu ihr. Ihre Blicke trafen sich für einen Moment — und in diesem Blick sagte er alles, was er nicht laut aussprechen konnte. „Geh. Ich bin hier.“Carla atmete tief ein und ging in die Mitte des Kreises. Das blau-silberne Kleid glitt über den Marmor, die Fäden aus dunklen Kristallen glänzten im Mondlicht. Sie blieb neben Alexei stehen, und er streckte die Hand nach ihr aus. Sie ergriff sie, ihre verbundenen Finger schlossen sich mit einer Kraft um seine, die nicht körperlicher Natur war.Der Wächter beobachtete die beiden einen Augenblick, dann wandte er sich wieder C
Alexei ging zum Stein des Alten Mondes und spürte das Gewicht des gesamten Saales auf seinen Schultern. Die Augen aller Clans waren auf ihn gerichtet — Alfas, Älteste, Berater, Krieger. Der Mond schien durch das Glasdach größer zu sein, als Alexei ihn jemals gesehen hatte, und sein silbernes Licht tauchte den schwarzen Stein in Helligkeit, als wäre der Himmel selbst anwesend.Der Wächter hob die Hand, und eine kleine Klinge aus dunklem Silber glänzte zwischen seinen Fingern. Er nahm Alexeis Handfläche und machte einen leichten Schnitt. Sofort trat Blut hervor, dunkel auf der hellen Haut. Alexei drehte die Hand, und ein einziger Tropfen fiel auf den Stein.Die schwarze Oberfläche sog das Blut auf, als hätte sie Durst. Einen Moment lang geschah nichts. Dann begannen die in den Stein eingravierten Runen zu leuchten — zuerst rot, dann silbern, dann in einem tiefen Violett. Der Wächter betrachtete die Farben, sein Gesichtsausdruck war nicht zu deuten.— Aus welchem Blut bist du hervorgegan
Alexei stieg zuerst aus und streckte Carla die Hand entgegen. Sie nahm sie an, das blau-silberne Kleid glitt über den Metallboden, und die beiden gingen Seite an Seite auf den Hintereingang des Velesov-Anwesens zu.Nikandr erwartete sie dort, begleitet von seinem treuen Butler. Der Alte trug ein zeremonielles dunkelgraues Gewand, auf dessen Brust das Symbol der Velesovs in Silber eingestickt war, und als er Alexei und Carla näherkommen sah, neigte er respektvoll den Kopf — eine Geste, an die Alexei sich allmählich gewöhnte.— Oberster Alfa. Dame Carla. — Nikandrs Stimme trug Feierlichkeit, aber auch eine aufrichtige Wärme. — Der Saal ist bereits voll. Alle Clans haben Vertreter geschickt.Alexei nickte und spürte das Gewicht des Augenblicks.— Irgendwelche Probleme?— Keine. Die Berater sind positioniert, die Banner hängen, und der Mond steht hoch. — Nikandr machte eine Geste zur Tür. — Kommt. Ich bringe euch zum Saal.Das Anwesen war von innen noch beeindruckender. Die Korridore ware
Sie gingen gemeinsam hinunter.Das Rurik-Anwesen schien ein anderes zu sein. Die Korridore waren mit weißen und silbernen Blumen geschmückt, und die Eingangshalle war voller Sicherheitsleute und Familienmitglieder. Demyan tauchte als Erster auf und rannte in einem maßgeschneiderten dunkelblauen Anzug auf sie zu.— Tante Kala! — Er blieb vor ihr stehen, die eisblauen Augen weit aufgerissen. — Du siehst wunderschön aus!— Danke, mein Schatz. — Carla ging vorsichtig in die Hocke, damit ihr Kleid keine Falten bekam, und küsste seine Stirn. — Du bist ja schon ein kleiner Mann.Demyan lächelte stolz, und Dmitry erschien direkt hinter ihm, ebenfalls festlich gekleidet. Er sah Carla an, und für einen Moment lag echter Respekt in seinem Gesicht.— Bist du bereit dafür? — fragte er mit leiser Stimme.— Nein. — gab Carla zu. — Aber ich werde es trotzdem tun.Dmitry nickte, und Zustimmung lag in seinem Blick. Da hob Carla den Blick zur Treppe, wo Alexei am Fuß der Stufen stand.Er trug ein Outfit
Die Fahrt zum Hauptsitz von Rurik Motors verlief in absolutem Schweigen. Die Stadt pulsierte draußen, gleichgültig gegenüber dem Sturm, der in ihm wirbelte.Dmitry hielt eine Hand fest am Lenkrad und die andere am Kinn, die Augen auf die Straße gerichtet, doch der Verstand weit weg. Er musste sich
Dmitry öffnete die Augen und wusste, dass er nicht mehr in der wachen Welt war.Es war nicht das erste Mal.Dieser luxuriöse Saal, von alter Architektur und stillem Prunk, hatte ihn schon einmal aufgenommen. Ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit, vielleicht. Oder eine ätherische Ebene, die nur an
„Das wird ein Problem, Alpha.“Der Lykaner murmelte in seinem Kopf, die Stimme leise, schleppend, wie eine durch die Zähne gezischte Warnung.Dmitry antwortete nicht. Er bewegte dezent sein Handgelenk und schaute auf die Uhr, als wolle er sich daran erinnern, dass die Zeit noch Regeln gehorchte. Es
Der verglaste Saal in der obersten Etage von Rurik Motors bot ein stilles Schauspiel Moskaus bei Nacht – kalt, pulsierend und gleichgültig. Dmitry stand vor der Glaswand, die Schultern aufrecht, die brennende Zigarette zwischen den Fingern, und blies den Rauch mit derselben Langsamkeit aus, mit der







