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Das Paket

Author: Marie Writes
last update publish date: 2026-09-12 05:19:07

KAPITEL ZWÖLF

Emily

Ich seufzte beim Anblick meines Zimmers. Schubladen standen offen, Kleidung lag quer über dem Bett verstreut, mein Make-up war über den Boden verteilt. Ich hatte offensichtlich alles durchsucht, ohne mich um das entstandene Chaos zu kümmern. Mein einst ordentliches Zimmer sah aus, als wäre ein Sturm hindurchgezogen.

Ich hatte mir fest vorgenommen: Der einzige Weg, diese Feiglinge zum Schweigen zu bringen, war, dieser ganzen Hochzeitssache ein Ende zu setzen.

Ich erinnerte mich, dass Seths Vater und der Anwalt meiner Familie von Anfang an gesagt hatten, alles, was ich für Antworten auf meine Fragen brauchte, befände sich in einer Mappe im Haus. Also suchte ich danach. Wenn das der einzige Weg war, Antworten zu finden und einen Ausweg zu suchen, dann eben so.

Auch wenn ein Teil von mir noch immer bezweifelte, dass es überhaupt einen Ausweg gab. Ich musste einfach weitersuchen. Ja. Weitersuchen.

Ich konnte nicht jedes Mal zu ihm rennen, wenn diese Feiglinge wieder mit Drohungen kamen. Bestimmt war er es schon leid. Vielleicht wollte auch er das alles gar nicht.

Moment, was, wenn er selbst hinter den Drohungen steckte?

Nein. Das kann er nicht sein, Emily.

*Aber was, wenn doch?*, widersprach mein Verstand.

*Was hätte er davon, wenn er es wirklich wäre?*, entgegnete ich mir selbst.

*Vielleicht will er genau wie du diese Vertragsehe beenden*, konterte mein Kopf. *Er ist ein Mann voller Eigenliebe, er würde sein Krankenhaus niemals mit einem anderen fusionieren wollen. Ganz zu schweigen davon, es mit einer Ehefrau zu teilen. Pff.*

Ich verlor langsam den Verstand. Mein Kopf pochte. Ich brauchte eine Pause von alldem.

Mit einem letzten Blick auf mein Zimmer verließ ich es, schloss die Tür hinter mir und ging direkt in die Küche, um mir etwas Kaltes zu holen.

An die Küchentheke gelehnt, ließ ich meinen Blick durch das stille, leere Haus wandern. Die Stille fühlte sich beinahe bedrückend an.

Das einst lebendige, fröhliche Haus war schmerzlich still geworden. Seit ich meine Eltern verloren hatte, hatte ich die meisten Angestellten entlassen. Sie hatten es widerwillig hingenommen und waren schließlich gegangen.

In wenigen Tagen würde ich heiraten und nicht mehr hier leben.

Der Gedanke füllte meine Brust mit einer schweren Wehmut, und ehe ich es bemerkte, liefen mir Tränen über die Wangen.

Ich rutschte langsam an der Theke hinunter, zog die Knie an und schlang die Arme darum. Mit gesenktem Kopf weinte ich still vor mich hin.

Ich vermisse meine Familie. Ich vermisse meine Mutter. Ich vermisse meinen Vater.

Ich fühle mich so allein.

Die Türklingel riss mich zurück in die Gegenwart. Wer konnte das sein?

Hastig wischte ich mir die Tränen ab und ging zur Gegensprechanlage. Ein Lieferant stand davor, eine große braune Kiste in den Händen.

Ich hatte nichts bestellt. Warum stand er dann hier?

Ich öffnete die Tür einen Spalt, streckte nur den Kopf hinaus. „Hallo, wie kann ich Ihnen helfen?", fragte ich, meine Stimme rau vom Weinen.

„Guten Tag, gnädige Frau. Ich sollte Ihnen das hier liefern", antwortete der Lieferant.

Er stand steif da, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sein Blick konzentriert auf mich gerichtet, als würde er versuchen, etwas zu bestätigen.

„Ich habe nichts bestellt", sagte ich und musterte ihn.

„Nun, gnädige Frau, das ist die Adresse, die man mir gegeben hat. Sehen Sie selbst."

Er hielt es mir hin, und tatsächlich, es war meine Adresse. Neugier stieg in mir auf, was sich wohl in der Kiste befand.

Ich nahm sie entgegen und unterschrieb den Erhalt. Ich sah ihm nach, wie er auf sein Lieferfahrrad stieg und davonfuhr, schloss dann die Tür und trug die Kiste ins Wohnzimmer.

Die Kiste war größer, als ich erwartet hatte, unhandlich in meinen Armen, und doch merkwürdig leicht.

Allein das hätte mich warnen sollen.

Ich stellte sie auf dem Wohnzimmertisch ab, setzte mich, betrachtete sie einen Moment, bevor ich die erste Schicht Verpackung aufriss. Darunter kam eine weitere zum Vorschein. Dann noch eine. Eine große Nylonhülle führte zu einer kleineren, dann zu einer weiteren, jede sorgfältig versiegelt, als hätte der Absender gewollt, dass ich immer weitermachte.

Meine Brauen zogen sich zusammen, doch ich hörte nicht auf. Die Neugier hatte mich längst gepackt. Drei Minuten vergingen, ich wickelte noch immer aus. Das Paket wurde in meinen Händen immer kleiner, bis es nicht größer war als meine Handfläche.

Meine Finger wurden langsamer. Etwas in meiner Brust zog sich eng zusammen. Bestimmt kam noch eine Schicht, dachte ich.

Ich löste die letzte Verpackung.

In dem Moment, als mein Blick auf den Inhalt fiel, blieb mir die Luft weg.

Ein gellender Schrei riss sich aus meiner Kehle. Ich taumelte rückwärts, das Paket glitt aus meiner Hand. Mein Puls hämmerte schmerzhaft in meinen Ohren, während ich zitternd aus dem Wohnzimmer rannte.

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