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Innerer Aufruhr

Author: Marie Writes
last update publish date: 2026-09-12 04:19:53

KAPITEL SIEBEN

Emily

"Ja. Ich genieße das. Sehr sogar."

Diese Worte blieben in meinem Kopf hängen, nachdem er gegangen war. Er war so ungerecht, die Hände in den Anzugtaschen, einfach aus dem Saal hinausgegangen und hatte mich zurückgelassen.

Ich sank auf meinem Stuhl zusammen und weinte. Die Tränen flossen ungehindert.

*Warum, Papa? Warum ausgerechnet er? Warum hast du mich nicht zuerst gefragt? Wer macht so etwas noch, im einundzwanzigsten Jahrhundert?*

Noch immer im Konferenzsaal hatte ich längst aufgehört zu weinen und saß nur da, tief in Gedanken versunken.

Xena kam nach fünf Minuten herein.

„Boss, geht es Ihnen gut?", fragte sie mit ihrer sanften, leisen Stimme.

„Hmm." Ich nickte einmal.

„Wie ist die Sitzung gelaufen?"

„Ich möchte nicht darüber reden."

„In Ordnung", sagte sie und nickte wiederholt vor sich hin.

Ich stand auf und verließ den Saal. Xena sammelte meine Sachen ein und folgte mir.

„Bring mich nach Hause. Ich bin gerade nicht in der Verfassung, hier zu sein. Und ich muss dringend nach einem Dokument zu Hause suchen."

„Das ist in Ordnung, Ma'am, Sie müssen nicht erklären, warum Sie nach Hause gehen. Sie sind die Präsidentin, erinnern Sie sich?"

Ich stieß ein bitteres, stummes Lachen aus. Präsidentin, von wegen.

---

Tagelang suchte ich zu Hause nach diesen Dokumenten. Seths Vater wusste, unglücklicherweise für mich, nicht, wo sie sich befanden. Alles, was er wusste, war, dass mein verstorbener Vater ihm aufgetragen hatte, mir zu sagen, dass die Dokumente unbeantwortete Fragen enthielten und ich sie in meinem eigenen Haus finden würde.

Der Termin der Hochzeit und der Krankenhausfusion rückte näher. Jeder Tag fühlte sich an wie ein Traum. So hatte ich mir meine Hochzeit nie vorgestellt. Nicht einmal meine Zukunft.

Jetzt musste ich meine Zukunft nicht nur mit irgendjemandem verbringen, sondern mit dem Mann, den ich hasste.

Ich lag gerade auf einer meiner Couches, als mein Handy klingelte. Ich nahm ab.

„Hallo", sagte ich, meine Stimme ruhig, zu ruhig.

„An deiner Stelle", begann die Stimme am anderen Ende, glatt und fremd, „würde ich diese Hochzeit nicht durchziehen."

Mein Griff um das Handy verhärtete sich. „Wer sind Sie?"

Ein leises Lachen kam durch die Leitung, langsam, beunruhigend.

„Es sei denn", fuhr die Stimme fort, ohne meine Frage zu beachten, „dir liegt nichts am Leben deiner Großmutter."

Mein Herz setzte aus.

„Was haben Sie gerade gesagt?" Meine Stimme sank, schärfer jetzt.

Doch die Leitung war tot.

„Hallo? Hallo?!"

Nichts.

Ich zog das Handy weg und starrte auf den Bildschirm. Unbekannte Nummer. Meine Finger bewegten sich schnell, wählten sofort zurück.

Nummer nicht erreichbar. Wieder. Immer noch nicht erreichbar.

Eine kalte Welle überrollte mich. Nicht zu wissen war schlimmer, als zu wissen.

Ich senkte das Handy langsam, mein Körper sank in die Couch, als wäre gerade etwas in mir zerbrochen. Hochzeit. Vertrag. Großmutter. Seth. Alles prallte in diesem Moment aufeinander.

Meine Hände fuhren zu meinem Kopf, krallten sich in meine Haare, als könnte das das Chaos in mir aufhalten.

*Denk nach.*

Wenn ich die Hochzeit durchziehe, ist Grandma in Gefahr. Wenn ich sie absage, zerbricht alles, was meine Eltern aufgebaut haben. Wenn ich es jemandem erzähle, was, wenn sie ihr sofort etwas antun?

Mein Atem wurde unregelmäßig. Jetzt konnte ich nicht einmal mehr richtig hassen, Seth, weil das hier größer war als er.

„Gott…", flüsterte ich, meine Stimme brach.

Was sollte ich tun? Meine Brust zog sich zusammen. Was, wenn ihr bereits etwas zugestoßen war? Was, wenn sie mich auch verließ, wie alle anderen?

Tränen verschleierten meinen Blick. Papa hätte Verständnis, oder? Vielleicht sollte ich einfach alles absagen.

Nein. Das würde alles zerstören. Alles, wofür sie gearbeitet hatten.

Meine Ellbogen stützten sich auf meine Knie, während ich mich vorbeugte, unkontrolliert zitternd. Meine Gedanken drehten sich schneller, lauter, erstickend. Ich konnte nicht atmen. Ich konnte nicht denken.

Ich hatte seit meiner Rückkehr noch nicht einmal Zeit gehabt, mit Grandma zu sprechen, und jetzt das?

Ein Klopfen ertönte. Ich fuhr hoch, mein Herz raste wild.

„Wer ist da?", rief ich, meine Stimme unsicher.

„Ich bin's, Xena."

Ich schluckte schwer und zwang mich, aufzustehen, meine Beine schwach, während ich zur Tür ging. Als ich öffnete, stand sie da, lächelnd.

„Hi—", begann sie.

Ich nickte nur, starrte sie an. Ihr Lächeln verblasste leicht.

„Ist alles in Ordnung?", fragte sie.

Ich nickte erneut.

„Darf ich reinkommen?"

Ach. Richtig.

Ich trat zur Seite. „Warum bist du hier?", fragte ich und versuchte, meine Stimme ruhig zu halten, während ich hinter ihr herging.

Sie drehte sich um, verwirrt. „Wolltest nicht du, dass ich vorbeikomme? Du hast gesagt, es gäbe einen dringenden Patientenbericht und du könntest nicht ins Krankenhaus kommen."

Für einen Moment starrte ich sie nur an. Dann fiel es mir wieder ein. Eine Ablenkung. Deshalb hatte ich sie vorhin angerufen. Um dem hier zu entkommen.

„Oh", murmelte ich und sank auf die Couch hinter mir, völlig erschöpft.

Doch jetzt fühlte sich selbst diese Ablenkung sinnlos an. Alles, was ich wollte, war Stille.

*Sie können Grandma nichts antun, solange ich die Hochzeit nicht durchziehe. Also habe ich zumindest Zeit, herauszufinden, was ich tun soll.*

Mein Kopf drehte sich. Ich brauchte Schlaf. Irgendetwas, das meinen Verstand abschalten würde.

Das letzte Mal, dass ich mich so gefühlt hatte, war, als meine Eltern gestorben waren. Und ich erinnerte mich noch genau, wie das geendet hatte.

„Bist du sicher, dass es dir gut geht, Boss?", fragte Xena sanft. „Du kannst mit mir reden."

Ich zwang mir ein kleines Lächeln ab. Liebe Xena.

„Ich weiß es zu schätzen", sagte ich leise, meine Stimme brüchig, „und es tut mir leid, dass ich dich gestört habe, aber ich glaube nicht, dass ich mich jetzt durch die Berichte arbeiten kann. Vielleicht später."

Sie seufzte leise. Sie wusste es. Sie wusste immer, wenn etwas nicht stimmte. Aber sie wusste auch, dass ich nicht reden würde.

„Ich mache nur ein kurzes Nickerchen oben", fügte ich hinzu.

Ohne auf eine Antwort zu warten, stand ich auf und ging zur Treppe. Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der letzte. Ich spürte ihren Blick auf meinem Rücken.

*Irgendetwas stimmt definitiv nicht*, musste sie denken.

Ja. Irgendetwas stimmte sehr und gar nicht. Und ich wusste nicht einmal, wo ich anfangen sollte, es zu reparieren.

Denn im Moment fühlte es sich an, als hätte ich bereits verloren, egal wofür ich mich entschied.

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