LOGINDivina
Ich erwachte vom Klang einer Stimme, einer harten und vertrauten Stimme. Mutter? Ein Stiefel traf meine Beine. Ich versuchte, mich nicht zu bewegen, da mein Körper ohnehin schon schmerzte. Im nächsten Moment trafen mich die Tritte erneut mit voller Wucht, und ich konnte ein Stöhnen vor Schmerz nicht unterdrücken. Es gelang mir, meine schweren Augen zu öffnen, doch alles, was ich sehen konnte, war Dunkelheit. War das hier das Land der Toten? War das der Ort, an den Vater gegangen war? Ich stellte mir eine Frage nach der anderen. Dann spürte ich, wie etwas hart gegen meine Beine schlug, und plötzlich klärte sich meine Sicht. Zuerst sah ich einen femininen Stiefel, nicht den schweren Lederstiefel, den Bernard trug. Der Stiefel trat weiterhin gegen mich. Ich stöhnte erneut. Mühsam hob ich den Blick, und da wurde mir klar, dass es meine Mutter Victoria war. In diesem Moment wünschte ich mir, ich wäre niemals aufgewacht, nur um einer weiteren Folter gegenüberzustehen. Mutter war wahrscheinlich gekommen, um ihre Wut an mir auszulassen, und ich war nicht bereit, mich ihr erneut zu stellen. Der Tod wäre immer noch die bessere Option gewesen. „Divina, weißt du eigentlich, wie sehr ich es hasse, dein Zimmer zu betreten? Und heute bin ich tatsächlich hineingegangen und habe dich geweckt, weil ich dachte, du wärst längst damit beschäftigt, das Frühstück vorzubereiten. Aber nein! Was hast du getan? Du bist hierhergekommen, um dich zu verstecken, damit ich dich nicht erwische und bis dahin das Frühstück schon fertig wäre, richtig? Warum findest du immer einen Weg, mich wütend zu machen, du Bastardkind! Nicht nur, dass du das Frühstück ausgelassen hast, du hast dich auch noch so gut versteckt, und jetzt ist es bereits Nacht.“ Ich wusste, dass meine Mutter sich nicht um mich kümmerte, aber ich hätte nie gedacht, dass es ihr so wenig bedeuten würde. Sie schien nicht einmal von meinem Aussehen beunruhigt zu sein. Davon, dass meine Kleidung in Fetzen hing oder Blut von meinen Lippen und Händen rann. „Mit wem hast du gevögelt?“ Mit wem? „Zu dieser frühen Stunde bist du schamlos hierhergekommen, um mit einem Werwolf Sex zu haben. Es muss wohl gut gewesen sein, wenn du danach so erschöpft und erledigt daliegst, oder? Ich wusste, dass du keine Heilige bist, Divina, auch wenn du immer so getan hast, als wärst du eine. Du Hure. Wer ist dieser dumme Werwolf, der mit dir das Paarungsritual vollzogen hat? Weiß er überhaupt, dass er sich selbst damit Schande bringt?“ Mutter redete weiter, jedes einzelne Wort schnitt tief in mein Herz. Sie verstummte erst, als sie mich angewidert beobachtete, während ich versuchte aufzustehen und immer wieder zu Boden fiel. Ich hörte ihr Lachen, während sie mich weiterhin ansah, als wäre ich irgendeine lächerliche Vorstellung, die sie unterhielt. „Du kannst nicht einmal auf deinen eigenen Beinen stehen, Divina. Deine Beine müssen wohl völlig erschöpft sein. Der Werwolf, der dich gevögelt hat, muss es dir richtig besorgt haben, dass du jetzt nicht einmal mehr das Gleichgewicht halten kannst. Hahahaha!“ Ich sah zu, wie meine Mutter mich nach Herzenslust beleidigte und verspottete. Vielleicht war sie schon immer so zu mir gewesen, oder vielleicht hatte sie es auch früher getan und ich hatte einfach nie genau hingesehen. Nach jener Nacht meines achtzehnten Geburtstags, der Nacht, in der Vater starb, wurde der Hass auf mich immer größer. Nicht nur in meiner Familie, sondern im gesamten Rudel. Sie alle gaben mir die Schuld an Vaters Tod. Der Spott und die Beleidigungen, die ich seit jener Nacht ertragen musste, waren tief in meinem Gedächtnis eingebrannt, und ich würde sie niemals vergessen. Ich sah meine Mutter an, und der Ekel in ihrem Gesicht ließ mich vor Schmerz zusammenzucken. Tränen brannten in meinen Augen. „Es tut mir leid, Mutter, dass ich dir Schmerzen bereitet habe.“ Ich sagte es und betete, hoffte, dass sie den Schmerz und die Aufrichtigkeit in meiner Stimme hören würde. Doch wie erwartet, fuhr Mutter mich mit ihrer Zunge an. „Du warst niemals meine Tochter, du Hure. Keine Mutter wäre jemals stolz darauf, dich ihre Tochter zu nennen. Eine Schande und eine Schmach!“ Ich spürte die Wut in Mutters Stimme. Diese Worte stachen wie Bienen in mein Herz. „Zieh dir einen anderen deiner Lumpen an und geh in die Küche, um mit der Arbeit anzufangen. Du hast mich schon genug blamiert!“, zischte sie, bevor sie den Raum verließ und die Tür laut hinter sich zuschlug. Ich hielt mich an der Wand fest, während ich versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Der Schmerz war unerträglich, sodass ich die Augen fest zusammenpressen musste. Vorsichtig ging ich zur Tür und öffnete sie knarrend. Ich spähte hinaus und vergewisserte mich, dass niemand am anderen Ende des Flurs war. Als ich keine Stimmen hörte, öffnete ich die Tür weiter und schlich leise hinaus wie eine Maus, bevor ich hastig zurück in mein Zimmer eilte. Ich trat ein und schloss die Tür ab. Erschöpft und völlig ausgelaugt ging ich direkt zu meinem kleinen Bett. Vorsichtig setzte ich mich hin, um nicht noch mehr Schmerzen zu verursachen, als ich ohnehin schon hatte. Mein Blick wanderte durch den engen Raum, der von den unterschiedlichsten Knarrgeräuschen erfüllt war. Ratten waren meine einzigen Gefährten auf dieser Welt. Sie waren die eigentlichen Besitzer dieses Zimmers, nicht ich. Ich lächelte bitter. Es gab nur ein kleines rechteckiges Fenster, dessen einziger Zweck darin bestand, für etwas Belüftung zu sorgen. Mein Zimmer war leer. Keine Dekoration, nur alte Farbe, die von den Wänden abblätterte! Die Wände waren ein Zuhause für Käfer und Ameisen, die hier mietfrei lebten. Mein einziger Besitz in diesem Zimmer war ein sehr alter Stuhl, der bereits von Termiten zerfressen war, ein Tisch, ein kaputter Spiegel und eine kleine Lampenhalterung, bei deren Licht ich fast jede Nacht vor dem Schlafengehen las. Vater hatte mir immer Bücher, Romane, Artikel und Zeitschriften gekauft. Ich war eine Leseratte, und er wusste das. Er war immer stolz auf mich gewesen, wenn ich mit meinen guten Noten nach Hause kam. Mit einem stolzen Lächeln auf den Lippen sagte er dann immer: „Ausgezeichnet.“ Danach wandte er sich an meine Geschwister und sagte: „Nehmt euch immer ein Beispiel an Divinas Gewohnheit, zu lesen und gute Noten nach Hause zu bringen.“ Ich lächelte jedes Mal unschuldig, überglücklich darüber, dass mein Vater stolz auf mich war. Und genau da hatte ich versäumt, die Gesichtsausdrücke meiner Geschwister und meiner Mutter zu bemerken. Ich dachte, sie freuten sich alle für mich. Wenn ich nur gewusst hätte, was ich jetzt wusste. Ich ließ meinen Blick erneut durch den Raum schweifen und seufzte verzweifelt. Ich beobachtete die Ratten, die von einer Seite zur anderen huschten. Dieses Zimmer war einst ein Abstellraum gewesen, bevor Mutter mich dazu gebracht hatte, es in mein Zimmer zu verwandeln. Meine Schwester Shea hatte mein altes Zimmer übernommen und all meine Kleider und Accessoires an sich genommen, sodass mir nur einige abgetragene Kleidungsstücke geblieben waren. Das war mein Leben. Eine Träne rann aus meinem Auge, und ich wischte sie mit voller Kraft weg. „Der heutige Tag hat schon so schlimm angefangen. Ich wünschte, er würde nicht genauso enden“, murmelte ich vor mich hin, obwohl ich tief in meinem Inneren bereits wusste, dass genau das passieren würde. Ich stand von meinem Bett auf und ging ins Badezimmer, um mich zu waschen. Ich fühlte mich so schmutzig, während die Ereignisse der vergangenen Stunden wieder in meinen Gedanken auftauchten. Ich tauchte meinen Kopf ins Wasser und fühlte mich sofort etwas erleichtert. Nach einigen Minuten war ich mit dem Baden fertig. Ich zog einen meiner Lumpen an, wie Mutter meine Kleidung nannte, und verließ das Badezimmer. Ich stellte mich vor meinen kaputten, erbärmlich aussehenden Spiegel und starrte mein Spiegelbild an. Ich konnte kaum glauben, was ich dort sah. Früher war ich attraktiv gewesen, sogar wunderschön, doch die Person, die mir jetzt aus dem Spiegel entgegenblickte, schockierte mich. Ich sah so erbärmlich und hässlich aus. Meine Lippen waren rissig und hatten nicht mehr ihre gewöhnliche rosige Farbe. Mein Haar war völlig zerzaust. Es erinnerte an ein Vogelnest. Ich fand meinen braunen Kamm dort, wo ich ihn normalerweise auf dem Tisch aufbewahrte. Ich kämmte mein Haar und versuchte, die Knoten zu lösen. Ich hatte schwarzes, lockiges Haar, das mir normalerweise seidig bis zur Taille fiel. Wenigstens war es jetzt gekämmt. Ich sah etwas vorzeigbarer aus. Ich musste all das tun, weil heute die Nacht des Vollmonds war. Heute Nacht würden Wölfe und Lykaner ihre Gefährten untereinander und sogar unter den Menschen finden. Ich konnte unmöglich so ungepflegt herumlaufen und sie alle bedienen. Mutter würde mich noch mehr verabscheuen. Sie war die beste Köchin des Rudels. Bei wichtigen Ereignissen wie der Vollmondfeier kochte sie immer, und ich war nicht bereit für ihre Schreie und dafür, dass sie mich erneut eine Schande nannte. Ich war noch damit beschäftigt, mein Haar zu kämmen, als eine scharfe Stimme meine Sinne durchbohrte und mich beinahe zu Boden warf. Ich musste mir die Ohren zuhalten, doch selbst das half überhaupt nicht. „Wenn du noch eine Sekunde länger in diesem verdammten Zimmer verschwendest, werde ich nicht zögern, meinem Sohn zu sagen, dass er dich in den Kerker werfen soll. Du weißt genau, dass wir einen verdammten Vollmond vor uns haben, auf den wir uns vorbereiten müssen! Verdammt, Mädchen!“ Die Stimme gehörte meiner Mutter. Sie war wütend, und ich wusste, dass sie ihre Drohung ernst meinte. Ich warf den Kamm aufs Bett, riss die Tür auf und rannte in die Küche. Mit jedem Schritt, den ich machte, stieg meine Angst. Ich wusste, was mich erwartete, und trotzdem hoffte ich, dass diesmal alles reibungslos verlaufen würde. Dienstboten füllten die Küche. Alle waren mit ihrer Arbeit beschäftigt. In diesem Rudel war ein Dienstbote weitaus besser gestellt als ein Omega. Wenigstens besaßen sie ihre Wölfe und wurden nicht als die Niedrigsten des Rudels angesehen. „Divina, Liebes, deine Mutter ist vor Wut außer sich. Wo bist du gewesen, du armes Kind? Du solltest schon seit einer Stunde in der Küche sein, sogar früher als die anderen. Beeil dich und komm her. Nimm diese Tomaten und püriere sie.“ Das war Mrs. Cartwright. Sie war eine ältere Frau und die Assistentin der Rudelköchin. Sie war nach meiner Mutter die zweitwichtigste Köchin. Sie war diejenige, die mich nach dem Tod meines Vaters immer freundlich behandelt hatte. Sie war wie eine Familie für mich und schon für mich da gewesen, seit ich denken konnte. „Ja, Mrs. Cartwright. Ich bin gleich wieder da.“ Ich schnappte mir den Beutel mit den Tomaten, drehte mich schnell um und ging direkt zu dem Platz, an dem der Mixer stand. Ich wusch die Tomaten und begann, sie zu pürieren. Der Mixer lief noch, als ich plötzlich das Gefühl bekam, intensiv beobachtet zu werden. Angestarrt. Mein ganzer Körper wurde eiskalt. Ich schaltete den Mixer aus und bemerkte, wie still es überall geworden war. Zu still. Langsam drehte ich mich um. Und ich war nicht überrascht, Bernard zu sehen. Er stand einige Meter hinter mir, zusammen mit zwei gefährlich aussehenden Männern. Ich sah, wie er mir ein tödliches Grinsen schenkte. Seine Augen wurden für einen kurzen Moment dunkel, bevor sie wieder ihre normale Farbe annahmen. Ich erschauderte, als er auf mich zukam. Unbewusst wich ich zurück, bis mein Rücken gegen die Arbeitsfläche stieß. Es wäre eine gute Sache gewesen, wenn ich einfach mit der Arbeitsfläche verschmelzen und eins mit ihr werden könnte. Jeder fragte sich, was der zukünftige Beta in der Küche des Rudels zu suchen hatte. Nur ich wusste, warum er hier war. Er war gekommen, um zu beenden, was er angefangen hatte. Oder vielleicht, um etwas noch Schlimmeres zu tun. „Ich dachte, du wärst tot, Schwesterherz. Es dürfte dich interessieren zu wissen, dass ich bereits einen Sarg für deine Beerdigung vorbereitet habe.“ Ich hörte seine Stimme in meinem Kopf durch das Mindlink. Sie griff nach meinen Sinnen und quälte mich. Ich wusste, dass er gekommen war, um mir noch mehr Schmerzen zuzufügen und mein ohnehin schon erbärmliches Leben noch schlimmer zu machen. Und niemand konnte ihn aufhalten. Er war der zukünftige Beta. „Du kleine widerliche Omega hast mein Angebot abgelehnt, und noch nie hat es jemand gewagt, mich abzuweisen. Du hattest sogar die Frechheit, mir ins Gesicht zu schlagen und mir meinen Respekt zu nehmen. Ich werde dafür sorgen, dass du das bereust, kleine Hure.“ Ich schloss die Augen und umklammerte den Beutel mit den Tomaten so fest, dass meine Finger schmerzten, während seine Stimme weiterhin in meinem Kopf widerhallte. Der Geruch meiner Mutter und Sheas drang durch meine Nase, als sie die Küche betraten. Ich öffnete die Augen und sah nur Bernards Lächeln. Er lächelte Shea an. Und da wusste ich, dass sie das gemeinsam geplant hatten. Mein Blick traf Sheas. Ich sah die Boshaftigkeit in ihren Augen und das verräterische Lächeln auf ihren Lippen. Bernards Lächeln verschwand, als er sich den Menschen in der Küche zuwandte. „Diese wolfslose Omega, dieses widerliche Mädchen, das mein Vater aus dem Nichts mitgebracht hat, damit sie in unserem Rudel leben kann, hat heute Morgen etwas äußerst Schändliches getan.“ Ich war bereit für die Lügen, die Bernard erzählen würde. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie verdreht sie sein würden.Divina„AAAHHHH! GÖTTIN, BITTE! AAAAHGGH!“*Der Schrei riss durch die dicken Steinmauern der Kammer wie ein gewaltsamer Donnerschlag.Ich schreckte auf der Kante der Matratze hoch, jeder Nervenende in meinem Körper spannte sich vollkommen an. Mein Herz schlug gegen meinen Brustkorb, ein hektischer, rascher Trommelschlag reiner Panik. Ich krabbelte vom Bett runter, meine nackten Füße klatschen gegen die kalten Bodenfliesen, als ich zu dem hohen Rundbogenfenster eilte, das den Blick auf die unteren Innenhöfe freigab.Die Stimme ... Mondgöttin, diese Stimme.Es war ein qualvolles, schrilles Kreischen reinen, unverfälschten Schmerzes – eine Stimme, die ich Tausende Male zuvor gehört hatte, aber normalerweise war sie diejenige, die die Qual verursachte, nicht die sie erlitt. Das Geräusch hallte wild durch die weitläufige Festung, vibrierte an den Steinklippen und blutete in den Himmel.Ich konnte nicht sehen, was da draußen geschah. Aus diesem Winkel bot das Fenst
MarcellousMeine Aura explodierte.Eine Welle von reinem, gottgleichem Alpha-Druck detonierte aus meiner Gestalt wie eine physische Schockwelle. Die Luft selbst zersplitterte.Jeder einzelne der hundert Black-Moon-Krieger brach augenblicklich auf dem gefrorenen Boden zusammen, ihre Knie schlugen hart auf den Steinfliesen auf. Das Geräusch von Knochen, die unter dem immensen Gewicht krachten, hallte durch die Lichtung. Mehrere rangniedere Wölfe übergaben sich heftig.Bernard stürzte mit dem Gesicht voran auf den kalten Dreck, seine Nase zersplitterte an den Steinen, während ein schriller Schmerzesschrei aus seiner Kehle riss.Nur Alpha Darius schaffte es, aufrecht zu bleiben; sein gesamter Körper zitterte unkontrolliert, seine Stiefel sanken zwei Zoll tief in den Dreck, als er seine Wirbelsäule zwang, unter dem unerträglichen Druck standzuhalten.Ich überstürzte nichts. Ich ging mit langsamen, bedachten Schritten auf Bernard zu, meine Stiefel knirschten geschmeidig auf dem frostigen Bo
Marcellous„Mein König ... das Black Moon Rudel wird ungeduldig.“Ich riss meinen Kopf in Richtung der Türöffnung, mein Kiefer spannte sich so hart an, dass meine Backenzähne unter dem Druck ächzten.Dort stand, leicht zitternd und mit gesenktem Kopf, ein junger, grün hinter den Ohren gebliebener Wächter. Der unerfahrene Kerl, der vorhin vor Divinas medizinischer Suite stationiert gewesen war.Eine dunkle, tödliche Stille hüllte die große Kammer ein. Immer noch tropfte Wasser von meinem Haar auf meine nackten Schultern, während die Wärme des frisch eingelassenen Bades rasch in die kalte Luft entwich.Ich war gerade erst aus dem Wasser gestiegen – meine erste echte Wäsche, nachdem ich fünf qualvolle Tage lang an das Bett meiner Gefährtin gefesselt gewesen war und zugesehen hatte, wie sie um ihr Leben kämpfte. Und dieser unverschämte Narr hielt es für klug, in meine privaten Gemächer zu platzen, um mir ihren Zeitplan mitzuteilen?Hätte Nate vorhin nicht erwähnt, dass der Junge ein bluti
Divina„Du hast ihm Angst gemacht.“Alicias ruhige, melodische Stimme zerschmetterte meinen dunklen Gedankengang.Ich blinzelte, riss mich aus dem gewaltsamen Abgrund in meinem Verstand und blickte zu ihr auf.„Was?“Sie sah nicht wütend aus. Sie wickelte vorsichtig die saubere, weiße Bandage um mein Handgelenk, während ihr silbernes Haar weich über ihre Schultern fiel.„Ich arbeite seit Jahren für diese Familie“, sagte sie leise, die Augen auf ihre Arbeit konzentriert. „Ich habe ihn noch nie lächeln sehen.“Ein kleiner Moment der Stille verstrich.„Ich habe ihn noch nie neben einem Bett bleiben sehen“, fuhr sie leise fort. „Ich habe ihn ganz sicher noch nie vergessen sehen zu essen.“Ich starrte sie an, mein Magen verkrampfe sich zu einem engen, unbehaglichen Knoten. Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Ich wollte nicht darüber nachdenken, dass der Supreme Alpha King tagelang auf einem Stuhl saß, sich selbst aushungerte, während er mir beim Schlafen zusah.Es ergab keinen Sinn. E
DivinaSicher.Für eine flüchtige, unmögliche Sekunde, eingehüllt in die erstickende Wärme von Marcellous’ schweren Armen, fühlte ich mich sicher.Seine breite Brust war eine unerschütterliche Wand hinter mir, sein Duft nach Regen und dunkler Zeder umhüllte meine Sinne wie eine dicke Decke. Doch das Gefühl wurde augenblicklich von einer Spitze eisigen, lähmenden Terrors verschlungen.Das Black Moon Rudel war an den Toren.Mein gesamter Körper begann heftig zu zittern, meine Knie drohten genau dort auf den kalten Fliesen einzuknicken.Sie sind wegen mir hier.Sie hatten mich wie ein streunendes Tier aufgespürt. Ich hatte kaum den Bruchteil einer Sekunde Freiheit fernab dieses Höllenlochs geschmeckt, und selbst diese „Freiheit“ war ein furchterregendes Rätsel, das ich nicht begreifen konnte.Aber eine Sache wusste ich mit absoluter, absoluter Gewissheit: Ich würde mir eher mit meinen bloßen Nägeln selbst die Kehle aufreißen, als mich von irgendjemandem in dieses Territorium zurückzerren
MarcellousDer beschämte Gesichtsausdruck meiner Gefährtin war so verdammt süß.Ich sah, wie die Farbe in Divinas blasse Wangen stieg, während ihre dunklen, weiten Augen in einem völlig sprachlosen, atemlosen Staunen blinzelten. Ihre Lippen öffneten sich leicht, aber kein einziger Laut entkam ihrer Kehle.Das feurige, furchterregende kleine Glühwürmchen, das gerade noch gedroht hatte, mein gesamtes Königreich bis auf den Grund niederzubrennen, hatte sich vollständig verflüchtigt. An ihrer Stelle stand ein verwirrtes, verunsichertes Mädchen, dessen Gehirn in dem Moment, als ich erwähnte, dass Kira meine Schwester ist, offensichtlich einen Kurzschluss erlitten hatte.Es kostete mich alles, mir ein leises Glucksen zu verkneifen.Zum ersten Mal in meinen dreißig Jahren auf dieser Erde stahl sich ein echtes, unwillkürliches Lächeln auf mein Gesicht.Es fühlte sich fremd auf meinen Lippen an – eine Wärme, die durch das ewige Eis brach, das meine Seele umhüllt hatte, seit ich denken konnte.







