LOGINMarcellous’ POV
Als ich den Kerker erreichte, hatte der vertraute Geruch von feuchtem Stein, rostigem Eisen und altem Blut bereits meine Lungen erfüllt.
Das unterirdische Gefängnis lag unter dem Westflügel der Festung, erbaut von meinen Vorfahren für einen einzigen Zweck – Feinde zu brechen, bis nichts mehr von ihnen übrig war außer Angst und Reue.
Kein Sonnenlicht erreichte jemals diesen Ort.
Hier unten gab es kein Konzept von Gnade. Nur Dunkelheit, Schmerz und die Art von Leid, die selbst den stärksten Wölfen den Stolz raubte.
Die dicken Eisentüren knarrten auf, sobald die Wachen mich nahen sahen.
„Supreme Alpha Marcellous.“
Ihre Köpfe neigten sich sofort, ihre Stimmen angespannt vor Respekt und etwas weit Nützlicherem – Angst.
Ich erwiderte keines von beiden.
Angst war für mich keine Beleidigung. Sie war notwendig.
Ein König, der nicht gefürchtet wurde, war ein König, der darauf wartete, herausgefordert zu werden. Und ich hatte mich nicht an die Spitze dieser brutalen Welt gekämpft, um von Hunden herausgefordert zu werden.
In dem Moment, in dem ich tiefer in den Kerker trat, fing ich zuerst Nates Duft auf, dann den Geruch von zwei unbekannten Wölfen, vermischt mit Blut und Schweiß.
Mein Blick wandte sich zur Haltezelle.
Zwei Abtrünnige waren mit Silberfesseln an die Wand gekettet, ihre Haut verbrannt, wo das Metall sie berührte. Ihre Kleider waren zerrissen, die Körper voller Prellungen, die Lippen blutig.
Einer hatte ein angeschwollenes Auge und eine geplatzte Lippe, während der andere bereits halb tot aussah, sein Kopf so tief hängend, dass er zu schwer für seinen Hals schien.
Schwach.
Ich sagte zunächst nichts. Stand einfach da und starrte. Stille konnte furchterregender sein als Drohungen, wenn man sie richtig einsetzte.
Die Luft im Kerker veränderte sich fast sofort, als meine Aura wie Gift durch den Raum kroch, dick und erdrückend, drückte auf jedes lebende Wesen, bis selbst das Atmen zur Anstrengung wurde.
Einer der Abtrünnigen hob langsam den Kopf, und in dem Moment, in dem seine Augen die meinen trafen, blitzte Entsetzen über sein Gesicht, bevor er es verbergen konnte.
Gut. Diese Reaktion verdammte mich. Noch bevor ich sprach, begannen beide zu zittern. Ihre Wölfe erkannten meinen.
Jeder Wolf tat das. Meiner war stärker. Überlegen. Geboren, um zu dominieren.
Ich ging mit absichtlicher Ruhe auf die Zelle zu, meine Stiefel hallten auf dem Stein wider.
Die Ketten rasselten, als einer von ihnen instinktiv versuchte, zurückzuweichen, aber es gab nirgendwo hin.
Ich blieb direkt vor ihnen stehen und musterte ihre Gesichter.
„Ihr seid in mein Territorium eingedrungen.“ Meine Stimme kam ruhig heraus. Die gefährliche Art von Ruhe.
Die Art, die Krieger dazu brachte, zu Göttern zu beten, die sie längst aufgegeben hatten.
Keiner antwortete mir.
Interessant. Also hatten sie entweder Mut… oder Dummheit.
Manchmal war der Unterschied zwischen den beiden lachhaft dünn.
Ich neigte leicht den Kopf. „Ich frage einmal“, sagte ich, mein Blick wanderte lässig zwischen ihnen hin und her. „Und ich empfehle dringend, dass ihr antwortet, bevor ich den letzten Rest an Geduld verliere, den ich heute Nacht noch habe.“
Einer von ihnen spuckte Blut auf den Boden.
Seine Handlung war kühn. Sehr kühn.
Er hob das Kinn, trotz der Angst, die seinen Duft überflutete. „Fick dich“, sagte er.
Stille folgte.
Dann seufzte Nate neben mir.
Ich sah ihn nicht an. „Genießt du es, mich zu reizen?“ fragte ich trocken über die Gedankenverbindung.
Nate verschränkte die Arme. „Nein. Aber ich kenne diesen Blick.“
Ich verengte die Augen. „Welchen Blick?“
„Den, den du bekommst, kurz bevor du zuerst tötest und später Fragen stellst.“
Ein kleines Grinsen zuckte an meinen Lippen. Er kannte mich zu gut. Wie sollte ich nicht in Versuchung geraten, wenn sie sich so verhielten?
Der Abtrünnige lenkte meine Aufmerksamkeit zurück, indem er bitter lachte. Ich runzelte die Stirn.
„Wenn du uns töten willst, dann tu es.“
Mein Wolf regte sich heftig in mir. „Töte ihn“, befahl er. Seine Stimme grollte durch mich wie Donner. „Reiß ihm die verdammte Kehle heraus. Lass ihn schreien.“
Ich spürte, wie seine Krallen an meiner Kontrolle kratzten, Gewalt verlangten, Blut verlangten.
Er wollte Fleisch zerreißen und die Wände rot bemalen. Ich auch. Aber noch nicht.
Ich hockte mich hin, bis mein Gesicht auf gleicher Höhe mit dem des Abtrünnigen war. Die Prahlerei in seinen Augen schwächte sich sofort ab. Ich roch es. Die Angst. Meine Lippen verzogen sich zu einem langsamen, grausamen, räuberischen Lächeln. Der Art, die erwachsene Wölfe zerbrach.
„Du missverstehst etwas“, sagte ich leise.
Sein Atem beschleunigte sich.
„Ich töte nicht schnell.“
Der zweite Abtrünnige begann härter zu zittern.
„Wenn ich entscheide, dass jemand den Tod verdient…“ fuhr ich fort und ließ jedes Wort in ihre Knochen sinken, „sorge ich dafür, dass sie zuerst darum betteln.“
Sein Selbstvertrauen zersplitterte.
Ich sah den genauen Moment, in dem der Instinkt seinen Stolz überwältigte. Unterwerfung kam immer irgendwann. Immer.
Ich beugte mich näher. „Wer hat euch geschickt?“
Keine Antwort.
Meine Geduld wurde dünner. Ich bewegte mich, bevor einer der Abtrünnigen reagieren konnte, meine Hand schoss durch die Gitterstäbe und schloss sich um den Hals des ersten Abtrünnigen. Meine Finger zogen sich sofort zu.
Nichts rührte sich unter meinem Griff.
Er würgte. Seine Füße verließen den Boden.
Der zweite Abtrünnige wimmerte.
„Wer“, wiederholte ich, die Stimme tief und tödlich, „hat euch geschickt?“
Er kratzte nutzlos an meinem Handgelenk. Gab mir immer noch keine Antwort.
Mein Wolf knurrte. Ich ließ den Abtrünnigen los. Sein Körper krachte auf den Boden und hustete heftig.
Erbärmlich.
Nate bewegte sich leicht neben mir. „Alpha Marcellous.“
Er warnte mich, versuchte, die Dinge auszugleichen. Versuchte immer, die Stimme der Vernunft zu sein.
Ich hasste Vernunft. Besonders heute Nacht. Ich ignorierte ihn, sah beide Abtrünnigen erneut an und stellte die einzige Frage, die wirklich zählte.
„Wo ist Blade?“
Das veränderte alles. Beide Köpfe schnellten so schnell nach oben, dass es beinahe amüsant war.
Schock blitzte über ihre Gesichter. Reiner Schock.
Meine Augen verengten sich.
Der auf dem Boden hörte auf zu husten. Da. Diese Reaktion sagte mir genug. „Wie…“ keuchte er. „Wie kennst du unseren Anführer?“
Ich lachte, nicht weil es lustig war, sondern weil es beleidigend war. Diese Welpen dachten tatsächlich, Blade sei irgendein mysteriöses Geheimnis.
Blade Vanderwell.
Der abtrünnige Hybrid-Narr, der sich für einen König hielt. Meine größte Plage. Das einzige Wesen, das dumm genug war, meine Grenzen immer wieder zu testen und zu überleben.
Ich erhob mich langsam zu meiner vollen Größe. Der Kerker fühlte sich plötzlich kleiner an. Die Abtrünnigen sahen winzig aus, wie unbedeutende Ameisen unter meinen Stiefeln.
Ich ließ meine Aura vollständig ausströmen. Die Wände vibrierten. Die Wachen hinter mir erstarrten. Einer ließ beinahe seine Waffe fallen. Die Abtrünnigen begannen nun heftig zu zittern, ihre Körper verrieten sie, egal wie sehr sie dagegen ankämpten.
Das war die Wahrheit über Angst. Egal wie mutig man tat, der Körper sagte immer die Wahrheit.
„Beantwortet die verdammte Frage.“ Mein Gebrüll erschütterte den Kerker.
Der schwächere Abtrünnige brach zuerst. „Wir— wir wissen es nicht!“
Seine Stimme brach. „Wir schwören es!“
Ich starrte ihn an. Dann den anderen. Er schwieg. Dieser hatte mehr Rückgrat. Immer noch nicht genug, um zu zählen.
Mein Wolf knurrte. „Er ist nutzlos. Töte sie.“
Ich stimmte zu. Blade würde seinen Aufenthaltsort niemals niedrig rangigen Abtrünnigen anvertrauen. Das war zu einer Zeitverschwendung geworden.
Dann lachte der schweigende Abtrünnige. Er lachte tatsächlich. Was für eine Frechheit.
Blut bedeckte seine Zähne. „Du wirst ihn nie finden.“
Ich wurde vollkommen still. Gefährlich still. Er lächelte. Das war ein fataler Fehler.
„Blade wird dich vernichten.“
Das reichte aus, um meinen Wolf zum Reißen zu bringen. Die kleine Kontrolle, die ich noch hatte, verschwand.
Ich bewegte mich, zu schnell für ihre Augen. Meine Krallen schnitten sauber durch Fleisch. Warmes Blut spritzte über mein Hemd und meinen Kiefer.
Der Kopf des Abtrünnigen traf mit einem widerlichen Dumpf den Boden und rollte über den Stein.
Der zweite schrie.
Ich drehte mich um.
Sein Schrei endete in dem Moment, in dem meine Krallen ihm die Kehle aufrissen.
Stille kehrte zurück. Blut sammelte sich auf dem Boden. Der Kerker roch nach frischem Tod.
Ich starrte auf die Körper und spürte absolut nichts.
Keine Befriedigung. Keine Erleichterung. Keinen verdammten Frieden. Nur dieselbe verdammte Rastlosigkeit, die immer noch in mir kratzte.
Onyx’ Stimme grollte durch mich. „Gut.“
Das fühlte sich besser an.
Ich atmete langsam aus. „Schau an, wer sich endlich entschieden hat, ein Kompliment zu machen.“
Ich trat zurück, während Wachen herbeieilten, um die Körper zu beseitigen.
Er klang genervt. „Ich hatte nichts zu dir zu sagen.“
Ich hätte beinahe gespottet. „Wirklich?“
„Ja. Nichts, was du heute getan hast, hat mir gefallen.“
Das erregte meine Aufmerksamkeit. „Nicht einmal das Töten der Abtrünnigen?“ musste ich fragen.
„Außer diesem.“
Ich grinste schwach. Also waren wir wieder bei demselben Problem. Sex, Hunger, Frustration. Keine Frau befriedigte ihn. Keine Menge an Erleichterung half.
Das war noch nie passiert.
Als Nate und ich den Kerker verließen, traf die kühle Nachtluft meine Haut, aber sie tat nichts, um die Hitze zu kühlen, die unter meinem Fleisch brannte.
Nate steckte die Hände in die Taschen und warf mir einen Seitenblick zu. „Was genau stimmt in letzter Zeit nicht mit dir?“
Ich rieb mir die Schläfe. „Mein Wolf ist instabil.“
Das war das einzige Wort, das perfekt zu meiner Lage passte.
Nate blieb still.
Also fuhr ich fort. „Er ist rastlos. Gewalttätig. Sex tut nichts, um ihn zu befriedigen.“
Seine Brauen hoben sich langsam. „Du bist in letzter Zeit mehr herumgeschlafen als sonst.“
Ich starrte ihn an. „Ja, Nate. Danke, dass du das Offensichtliche feststellst.“
Er ignorierte den Sarkasmus. Dann klickte etwas in seinem Kopf. Ich konnte es in seinen sich weitenden Augen sehen.
Nein. Ich kannte diesen Blick bereits.
„Marcel…“ Er war wieder dazu übergegangen, mich beim Namen zu nennen.
„Nein.“
„Du weißt nicht einmal, was ich sagen werde.“
„Doch, das tue ich.“
Er hörte auf zu reden, aber seine Brauen hoben sich wieder und wieder. Er grinste auf diese nervtötende Weise, die mich dazu brachte, ihn erwürgen zu wollen.
„Deine Gefährtin…“
Ich knurrte. Endlich hatte er es gesagt.
Er grinste noch breiter wie ein Idiot. „Das erklärt alles.“
„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf. „Tut es nicht.“
„Dein Wolf spürt sie. Ich meine—“
Ich umklammerte das Lenkrad. „Sag es nicht.“
„Der Vollmond ist heute Nacht.“
„Nein“, sagte ich erneut in Verleugnung.
„Du wirst deine Gefährtin treffen.“
Meine Augen blitzten bernsteinfarben. Meine Aura stieg an.
Ich drehte mich langsam zu ihm. „Raus.“
Er blinzelte. Dann grinste er noch breiter. „Komm schon—“
„Raus aus meinem verdammten Auto, Nate.“
Lachend stieg der Bastard aus. Was für einen Idioten ich als Beta habe. Wenn er nicht mein Freund wäre…
Meine Gedanken kehrten zu dem zurück, was er gerade gesagt hatte. Eine Gefährtin? Unmöglich. Ich wollte keine. Brauchte keine.
Gefährten waren eine Schwäche. Schwäche brachte Menschen um. Das hatte ich vor langer Zeit gelernt.
Ich dachte noch tief darüber nach, als—
Eine panische Gedankenverbindung in meine einschlug.
Evander. Mein Gamma.
Es klang dringend. Angst strömte durch die Bindung.
„Supreme Alpha—“ seine Stimme zitterte. „Die… die Prinzessin…“
Jeder Muskel in meinem Körper versteifte sich.
Kira.
Eis flutete meine Adern. „Sprich.“ Das Wort kam tödlich heraus.
Evander stammelte. „Die Prinzessin war im Silvercrest-Rudel einkaufen und auf dem Rückweg erreicht mich jetzt die Nachricht, dass sie von Abtrünnigen entführt wurde.“
Alles in mir blieb stehen. Mein Herzschlag, mein Puls, alles. Dann explodierte meine Wut auf eine gewaltsame, monströse Weise.
Mein Griff zog sich so fest zu, dass sich das Metall unter meinen Fingern verbog. Diese dreckigen Hunde. Sie wagten es, einen Finger an meine Schwester zu legen.
Eine furchterregende Stille legte sich über mich. Die Art, die vor einem Gemetzel kam. Meine Eckzähne fuhren heraus, meine Augen brannten.
Onyx erhob sich.
„Wenn meine Schwester auch nur eine einzige Prellung hat“, sagte ich mit einer Stimme, kalt genug, um Blut gefrieren zu lassen, „werde ich jeden Abtrünnigen, der daran beteiligt ist, den Tag bereuen lassen, an dem sie aus welchem dreckigen Loch auch immer gekrochen sind.“
Onyx schnurrte in wilder Zustimmung.
Ich trat das Gaspedal durch. Der Motor brüllte.
„Wenn ich mit ihnen fertig bin…“ Meine Lippen verzogen sich zu etwas Grausamem.
„Werden selbst die Krähen zu ängstlich sein, um sich an dem zu laben, was übrig bleibt.“
Divina„AAAHHHH! GÖTTIN, BITTE! AAAAHGGH!“*Der Schrei riss durch die dicken Steinmauern der Kammer wie ein gewaltsamer Donnerschlag.Ich schreckte auf der Kante der Matratze hoch, jeder Nervenende in meinem Körper spannte sich vollkommen an. Mein Herz schlug gegen meinen Brustkorb, ein hektischer, rascher Trommelschlag reiner Panik. Ich krabbelte vom Bett runter, meine nackten Füße klatschen gegen die kalten Bodenfliesen, als ich zu dem hohen Rundbogenfenster eilte, das den Blick auf die unteren Innenhöfe freigab.Die Stimme ... Mondgöttin, diese Stimme.Es war ein qualvolles, schrilles Kreischen reinen, unverfälschten Schmerzes – eine Stimme, die ich Tausende Male zuvor gehört hatte, aber normalerweise war sie diejenige, die die Qual verursachte, nicht die sie erlitt. Das Geräusch hallte wild durch die weitläufige Festung, vibrierte an den Steinklippen und blutete in den Himmel.Ich konnte nicht sehen, was da draußen geschah. Aus diesem Winkel bot das Fenst
MarcellousMeine Aura explodierte.Eine Welle von reinem, gottgleichem Alpha-Druck detonierte aus meiner Gestalt wie eine physische Schockwelle. Die Luft selbst zersplitterte.Jeder einzelne der hundert Black-Moon-Krieger brach augenblicklich auf dem gefrorenen Boden zusammen, ihre Knie schlugen hart auf den Steinfliesen auf. Das Geräusch von Knochen, die unter dem immensen Gewicht krachten, hallte durch die Lichtung. Mehrere rangniedere Wölfe übergaben sich heftig.Bernard stürzte mit dem Gesicht voran auf den kalten Dreck, seine Nase zersplitterte an den Steinen, während ein schriller Schmerzesschrei aus seiner Kehle riss.Nur Alpha Darius schaffte es, aufrecht zu bleiben; sein gesamter Körper zitterte unkontrolliert, seine Stiefel sanken zwei Zoll tief in den Dreck, als er seine Wirbelsäule zwang, unter dem unerträglichen Druck standzuhalten.Ich überstürzte nichts. Ich ging mit langsamen, bedachten Schritten auf Bernard zu, meine Stiefel knirschten geschmeidig auf dem frostigen Bo
Marcellous„Mein König ... das Black Moon Rudel wird ungeduldig.“Ich riss meinen Kopf in Richtung der Türöffnung, mein Kiefer spannte sich so hart an, dass meine Backenzähne unter dem Druck ächzten.Dort stand, leicht zitternd und mit gesenktem Kopf, ein junger, grün hinter den Ohren gebliebener Wächter. Der unerfahrene Kerl, der vorhin vor Divinas medizinischer Suite stationiert gewesen war.Eine dunkle, tödliche Stille hüllte die große Kammer ein. Immer noch tropfte Wasser von meinem Haar auf meine nackten Schultern, während die Wärme des frisch eingelassenen Bades rasch in die kalte Luft entwich.Ich war gerade erst aus dem Wasser gestiegen – meine erste echte Wäsche, nachdem ich fünf qualvolle Tage lang an das Bett meiner Gefährtin gefesselt gewesen war und zugesehen hatte, wie sie um ihr Leben kämpfte. Und dieser unverschämte Narr hielt es für klug, in meine privaten Gemächer zu platzen, um mir ihren Zeitplan mitzuteilen?Hätte Nate vorhin nicht erwähnt, dass der Junge ein bluti
Divina„Du hast ihm Angst gemacht.“Alicias ruhige, melodische Stimme zerschmetterte meinen dunklen Gedankengang.Ich blinzelte, riss mich aus dem gewaltsamen Abgrund in meinem Verstand und blickte zu ihr auf.„Was?“Sie sah nicht wütend aus. Sie wickelte vorsichtig die saubere, weiße Bandage um mein Handgelenk, während ihr silbernes Haar weich über ihre Schultern fiel.„Ich arbeite seit Jahren für diese Familie“, sagte sie leise, die Augen auf ihre Arbeit konzentriert. „Ich habe ihn noch nie lächeln sehen.“Ein kleiner Moment der Stille verstrich.„Ich habe ihn noch nie neben einem Bett bleiben sehen“, fuhr sie leise fort. „Ich habe ihn ganz sicher noch nie vergessen sehen zu essen.“Ich starrte sie an, mein Magen verkrampfe sich zu einem engen, unbehaglichen Knoten. Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Ich wollte nicht darüber nachdenken, dass der Supreme Alpha King tagelang auf einem Stuhl saß, sich selbst aushungerte, während er mir beim Schlafen zusah.Es ergab keinen Sinn. E
DivinaSicher.Für eine flüchtige, unmögliche Sekunde, eingehüllt in die erstickende Wärme von Marcellous’ schweren Armen, fühlte ich mich sicher.Seine breite Brust war eine unerschütterliche Wand hinter mir, sein Duft nach Regen und dunkler Zeder umhüllte meine Sinne wie eine dicke Decke. Doch das Gefühl wurde augenblicklich von einer Spitze eisigen, lähmenden Terrors verschlungen.Das Black Moon Rudel war an den Toren.Mein gesamter Körper begann heftig zu zittern, meine Knie drohten genau dort auf den kalten Fliesen einzuknicken.Sie sind wegen mir hier.Sie hatten mich wie ein streunendes Tier aufgespürt. Ich hatte kaum den Bruchteil einer Sekunde Freiheit fernab dieses Höllenlochs geschmeckt, und selbst diese „Freiheit“ war ein furchterregendes Rätsel, das ich nicht begreifen konnte.Aber eine Sache wusste ich mit absoluter, absoluter Gewissheit: Ich würde mir eher mit meinen bloßen Nägeln selbst die Kehle aufreißen, als mich von irgendjemandem in dieses Territorium zurückzerren
MarcellousDer beschämte Gesichtsausdruck meiner Gefährtin war so verdammt süß.Ich sah, wie die Farbe in Divinas blasse Wangen stieg, während ihre dunklen, weiten Augen in einem völlig sprachlosen, atemlosen Staunen blinzelten. Ihre Lippen öffneten sich leicht, aber kein einziger Laut entkam ihrer Kehle.Das feurige, furchterregende kleine Glühwürmchen, das gerade noch gedroht hatte, mein gesamtes Königreich bis auf den Grund niederzubrennen, hatte sich vollständig verflüchtigt. An ihrer Stelle stand ein verwirrtes, verunsichertes Mädchen, dessen Gehirn in dem Moment, als ich erwähnte, dass Kira meine Schwester ist, offensichtlich einen Kurzschluss erlitten hatte.Es kostete mich alles, mir ein leises Glucksen zu verkneifen.Zum ersten Mal in meinen dreißig Jahren auf dieser Erde stahl sich ein echtes, unwillkürliches Lächeln auf mein Gesicht.Es fühlte sich fremd auf meinen Lippen an – eine Wärme, die durch das ewige Eis brach, das meine Seele umhüllt hatte, seit ich denken konnte.







