Masuk„Du hast immer noch die Wahl, Darcy. Dein Leben oder Alpha Kade.“
„Auf keinen Fall wird dieses wolfslose Ding Luna sein. Das Ironjaw-Rudel wird ein echter Witz sein!“ Tracy und Charlotte tauchten aus ihrem Versteck auf. Zufällig hatten sie das gesamte Vater-Tochter-Gespräch belauscht.
Darcy wirkte sichtlich erschüttert. Sie wusste, dass Tracy sich schon immer wie die zukünftige Luna des Rudels verhalten hatte, und als sie hörte, dass Alpha Kade Darcy zu seiner auserwählten Gefährtin machen wollte, war sie mehr als wütend.
„Ich habe ein Treffen mit Alpha Garrick und den anderen Ältesten.“ Damit machte er Anstalten zu gehen, blieb aber an der Tür stehen.
„Darcy, triff eine kluge Wahl.“ Und schon war er verschwunden.
William ließ Darcy allein zurück, um sich wie immer die Schikanen von Tracy und Charlotte gefallen zu lassen.
Die beiden rückten näher an sie heran. Tracys Blick war mörderisch. „Ich wage es dir, seinen Antrag anzunehmen. Du bist nicht geeignet, unsere Luna zu sein, und selbst wenn du es wärst, würde ich lieber einem anderen Rudel beitreten, als dich zu respektieren.“
Tracy sprach mit solcher Bitterkeit, dass Darcy sich fragte, ob sie sie vielleicht unwissentlich verärgert hatte. Sie sagte nichts, starrte die beiden nur an, was Tracy noch wütender machte.
„Ich rede mit dir.“ Sie packte Darcy grob am Gesicht, die ihr nicht gewachsen war, da sie ihren Wolf noch nicht entfesselt hatte.
Charlotte stand daneben und genoss das Spektakel.
Darcys Gesicht verzog sich vor Schmerz, als sie versuchte, sich aus ihrem Griff zu befreien, doch alles vergeblich. Sie zappelte, wehrte sich und konnte sich schließlich aus ihrem Griff befreien. Ihr Gesicht war bereits rot angelaufen, und darauf waren Spuren zu sehen.
Tracy hingegen konnte nicht glauben, dass Darcy sich aus ihrem Griff befreien konnte, wo sie doch nur die Kraft einer gewöhnlichen Frau hatte.
„Ich werde ihn heiraten. Es ist mir egal, was du oder das Rudel von mir halten.“
Darcy hielt inne und schnappte nach Luft, bevor sie fortfuhr: „Er ist der Einzige, dem ich etwas bedeute. Bei ihm fühle ich mich gesehen, und du hast ja keine Ahnung, was mir das bedeutet!“
Charlottes Augen weiteten sich, während sie sprach; offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass Darcy ihnen Paroli bieten würde.
„Na, ist das nicht toll.“ Sie schenkte Darcy ein kleines Lächeln. „Endlich können wir dich loswerden, ohne uns die Mühe machen zu müssen. Die Silvercrest-Brüder, die deine Mutter getötet haben, werden auch dich töten.“
Charlotte wandte sich an Tracy und bedeutete ihr, dass sie gehen sollten, doch Tracy hatte andere Pläne. Ihre Fingernägel verwandelten sich in Krallen, ihre Haut in Fell, während das Geräusch von knirschenden Knochen die Luft erfüllte. Es dauerte nicht lange, da stand ein grauer Wolf vor ihnen, dessen graue Augen fest auf sein Ziel gerichtet waren. Darcy.
Darcys Herz setzte ein paar Schläge aus, als ihr kalter Schweiß ausbrach. Gegen Lux hatte sie keine Chance, und Weglaufen kam nicht in Frage.
Sie wich langsam an die Wand zurück, in ihren Augen spiegelte sich die Angst wider, die sie empfand. „Charlotte, bitte halte sie auf. Hilf mir!!“
Charlotte schnaubte nur und unternahm keinen Versuch, den grauen Wolf aufzuhalten. Darcy konnte ihr Schicksal nur hinnehmen; sie schloss die Augen und wartete auf den Aufprall von Tracys Wolf, doch sie spürte nichts.
Nach ein paar Minuten öffnete sie langsam die Augen und sah einen großen schwarzen Wolf vor sich stehen – schlank, aber kräftig und wendig. Er nahm eine schützende Haltung ein, als wolle er sie vor Tracys Blicken abschirmen.
Charlotte erkannte ihn als Erste. „Alpha … Kade?“, fragte sie, immer noch unsicher, ob er es wirklich war.
Kade knurrte Tracy an und befahl ihr, ihre menschliche Gestalt anzunehmen. Auch er verwandelte sich zurück, und Darcy musste wegsehen, um nicht über seinen Körper zu sabbern.
Ein Omega kam mit einem Umhang herein, legte ihn Kade über die Schulter und bedeckte damit seinen makellosen Körper.
„Du willst sie töten?“ Kade schien sehr verärgert darüber zu sein, dass jemand versucht hatte, seine zukünftige Luna zu töten.
„Wie kann sie es wagen, mir alles wegzunehmen?“, gab Tracy zurück.
„Ich lasse das nur durchgehen, weil ihr beide Schwestern seid. Versucht das noch einmal, und ihr bekommt es mit mir zu tun.“ Damit nahm er Darcy mit.
Ein spöttisches Lächeln huschte über Tracys und Charlottes Gesichter, als sie Darcys sich entfernende Gestalt beobachteten.
Kade brachte Darcy an einen ruhigen Ort und versuchte, sie zu trösten. „Es tut mir wirklich leid, dass du das alles durchmachen musstest. Geht es dir gut?“
Sie nickte und versuchte, seinem Blick auszuweichen.
„Was das angeht, meine Luna zu sein …“, fuhr Kade fort. „Das ist sehr riskant. Du hast doch schon von den Silvercrest-Brüdern gehört, oder?“
„Sie haben meine Mutter getötet – zu dritt. Wie könnte ich sie nicht kennen?“
Kade lächelte. „Nein, das tust du nicht. Seit sie behaupten, das Ironjaw-Rudel habe ihre Mutter getötet, bringen sie unsere Bräute um. Ihre Grausamkeit ist von einer ganz anderen Welt, Darcy.“
Er nahm ihre Hände, führte sie an seinen Mund und küsste sie. „Ich will dich nicht verlieren.“
Darcys Augen füllten sich mit Tränen. Es kam nicht jeden Tag vor, dass jemand ihr so etwas sagte, und sie war bereit, für ihn ihr Leben zu riskieren. „Ich werde deine Luna sein.“
Kade lächelte, und sie umarmten sich.
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DIE PAARUNGSZEREMONIE
Endlich war der Tag gekommen, auf den Darcy gewartet hatte. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass der zukünftige Alpha sie als seine Gefährtin wählen würde, obwohl sie kein Wolf war.
Endlich würden die Jahre des Spottes und der Schikanen, vor allem durch ihre Stiefmutter und ihre Schwester, ein Ende finden. Sie konnte die Aufregung in ihren Augen nicht verbergen, als sie aus dem Fenster der schwarzen Limousine starrte und von einem Ohr zum anderen grinste.
Sie holte ihr Handy heraus und benutzte den Bildschirm als Spiegel, um sicherzustellen, dass ihr Make-up und ihr Brautschleier noch an ihrem Platz waren. In diesem Moment vergaß sie völlig, in welcher Lebensgefahr sie schwebte, sollten die Silvercrest-Brüder sie finden.
Völlig in das wunderschöne Spiegelbild versunken, das sie anblickte, wünschte sich Darcy, ihre Mutter wäre noch am Leben, um ihre Paarungszeremonie mitzuerleben. Ihr Hass auf die Silvercrest-Brüder verhundertfachte sich, als sie die Tränen zurückhielt, die ihr in die Augen stiegen.
Ein Benachrichtigungston auf ihrem Handy riss sie aus ihren Gedanken. Sie fragte sich, wer es sein könnte, da sie keine Freunde hatte, die ihr eine Nachricht schicken könnten.
Sie entsperrte ihr Handy und öffnete die Nachricht – Stöhnen, Ächzen und das Geräusch von Haut, die auf Haut schlug, erfüllten augenblicklich den Wagen.
In dem Video waren die ineinander verschlungenen Körper von Alpha Kade und Tracy zu sehen. Ihr Körper zitterte unter ihm, während Kade mit unerbittlicher Kraft in sie stieß.
Tracy krallte sich an den Laken fest, ihre Knöchel wurden weiß, während ihr Mund sich öffnete und eine Flut roher Laute entfuhr.
„Ähm … argh … verdammt, Kade! Härter! …“
Darcys Hände zitterten, als sie das Video schloss – sie konnte es nicht länger ertragen. Die Umgebung um sie herum verblasste, und alles, was sie noch hören konnte, war der Klang ihres eigenen Herzschlags, der mit jeder Sekunde langsamer wurde.
Ihr Handy piepste erneut. Diesmal war es eine SMS von ihrer Stiefschwester.
„Wie naiv von dir zu glauben, der Alpha würde eine Luna ohne Wolf wollen. Du warst nur Köder für die Silvercrest-Brüder. Genieß deinen Tod, Schwester.“ Ein lachendes Emoji.
Darcy erinnerte sich an die Momente, in denen er sie gerettet und ihr geholfen hatte, an seine Versprechen. Daran, wie er ihre Hände gehalten hatte, als wäre sie der einzige Mensch auf der Welt.
Es war alles eine Lüge.
Der Schmerz in ihrer Brust war erdrückend, als wäre ihr Herz herausgerissen und mit Füßen getreten worden.
Sie blickte auf die Ampel, die wieder rot aufblinkte, und ohne nachzudenken öffnete sie die Autotüren, bückte sich, um ihre Pumps auszuziehen, und rannte los.
Das Geräusch des Medaillons, das auf den Holztisch fiel, hallte durch den Raum. Darcy starrte auf die zerbrochenen Stücke. Einen Moment lang bewegte sich niemand.Ein helles silbernes Licht schoss aus den Fragmenten hervor. Darcy taumelte rückwärts. Locke griff sofort nach ihr.„Darcy!“„Mir geht es gut.“Aber das stimmte nicht. Ihre Brust brannte.Ein seltsamer Druck baute sich hinter ihren Augen auf und plötzlich wurde der Raum um sie herum verschwommen. Sie konnte Stimmen hören.Flüstern.Hunderte davon, dann erhob sich eine Stimme über die anderen.Finde mich. Darcys Augen weiteten sich.„Wer bist du?“Die Stimme antwortete nicht.Stattdessen blitzte eine weitere Vision vor ihren Augen auf.Ein Wald. Dunkelheit. Regen.Eine Frau rannte. Darcy erkannte sie sofort.Ihre Mutter.Sie trug dasselbe Bündel Kräuter, das Darcy zuvor gesehen hatte. Doch dieses Mal folgte ihr jemand.Drei Gestalten. Jung. Silberne Augen.Die Silvercrest-Brüder.Darcy sah hilflos zu, wie ihre Mutter stehen
Der Morgen kam schneller, als Darcy erwartet hatte.Sie hatte kaum geschlafen. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie dieselben Dinge. Den Kenavara-Altar.Sarah, die daneben stand. Das seltsame Symbol und das Flüstern, das sich in ihrem Kopf immer wiederholte.Erinnere dich.Darcy saß auf der Bettkante und starrte auf das Medaillon auf dem kleinen Tisch neben ihr. Der Riss, der sich durch das Medaillon zog, war über Nacht etwas größer geworden. Sie griff danach.In dem Moment, als ihre Finger die silberne Oberfläche berührten, breitete sich eine schwache Wärme durch ihre Handfläche aus. Darcy zog ihre Hand schnell zurück.„Nicht heute.“Sie stand auf und zog sich an. Als sie das Wohnzimmer betrat, warteten die drei Brüder bereits. Cassian aß, während Locke still am Fenster saß. Lucien stand mit verschränkten Armen da.„Wir brechen jetzt auf.“Darcy nickte.„Wohin genau gehen wir?“„Zu Elara.“Cassian schluckte.„Sie ist ungefähr zwei Stunden von hier entfernt.“Darcy runzelte
Die Stille in der Wohnung fühlte sich schwerer an als zuvor. „Warum hat es auf mich reagiert?“ Lucien antwortete nicht. „Lucien.“ Er sah sie schließlich an. „Wir wissen es nicht.“ Darcy schüttelte den Kopf.„Du sagst das immer wieder.“ „Weil es wahr ist.“ „Aber du weißt etwas.“ Luciens Kiefer spannte sich an. „Ich weiß genug, um zu verstehen, dass das, was passiert, nicht gewöhnlich ist.“ Cassian hob das Medaillon vorsichtig auf. Das silberne Licht war verschwunden.„Vielleicht sollten wir es zerstören.“ Darcy schüttelte sofort den Kopf. „Nein.“ Cassian sah sie an. „Warum?“ „Ich weiß es nicht.“ Sie starrte auf das Medaillon. „Aber ich habe das Gefühl, dass ich es behalten soll.“ Locke schrieb in sein Notizbuch. Dann behalten wir es. Cassian seufzte. „Na gut.“ Er legte es zurück auf den Tisch. Darcy sah zur Uhr. Es war weit nach Mitternacht.„Wir sollten schlafen.“ Lucien nickte.
Darcy starrte auf die Inschrift. Kenavara. Das Wort schien sich in ihren Verstand einzubrennen. „Warum führt alles immer wieder zu diesem Ort zurück?“ Luciens Kiefer spannte sich an. „Weil das, was mit dir geschieht, schon lange vor deiner Begegnung mit uns begonnen hat.“ Darcy sah ihn an. „Du wusstest, dass das kommen würde.“ „Nein.“ „Du hast das Symbol erkannt.“ „Weil ich es schon einmal gesehen habe.“ „Wo?“ Lucien zögerte und Cassian seufzte.„Am Altar.“ Darcys Stirn legte sich in Falten. „Was hast du gesehen?“ Cassian tauschte einen Blick mit seinen Brüdern. „Nichts Ungewöhnliches.“ Darcy schnaubte. „Das ist eine Lüge.“ Cassians lässiger Ausdruck verschwand. „Na gut.“ Er lehnte sich gegen den Tisch. „Der Kenavara-Altar ist kein Ort, den wir zum Spaß besuchen. Dort wurde unser Blutschwur besiegelt. Unter ihm gibt es eine alte Kammer, aber wir durften sie nie betreten.“ „Warum?“ „Weil unser Vater es
Deracy blieb wie erstarrt. Das Medaillon fühlte sich seltsam warm in ihrer Handfläche an. Sie sah von Lucien zu Cassian und dann zu Locke.„Das Zeichen deiner Mutter.“Lucien nickte langsam.„Ja.“„Wie?“„Ich weiß es nicht.“Darcy zog die Brauen zusammen.„Aber du hast gesagt, dass die Silvercrest-Hexen seit Jahren nicht mehr gesehen wurden.“„Wurden sie auch nicht.“„Dann wie ist das hierhergekommen?“Cassian sah sich auf der belebten Straße um.„Das müssen wir herausfinden.“Darcy starrte erneut auf das Medaillon.Sie konnte es nicht erklären, aber irgendetwas daran fühlte sich vertraut an.Nicht, weil sie das Symbol schon einmal gesehen hatte, sondern wegen des Gefühls, das es in ihr auslöste.Als wäre sie irgendwie schon lange damit verbunden gewesen, bevor sie überhaupt wusste, was es bedeutete.„Kann ich es behalten?“Lucien sah sie an.„Vorerst.“Darcy steckte es vorsichtig in ihre Tasche.„Gut.“Cassian sah zu Locke.„Du hast es auch gespürt, nicht wahr?“Locke nickte.Cassian
Der Raum blieb vollkommen still. Darcy starrte auf den Zettel in Luciens Hand, während ihre Gedanken rasten. Es konnte unmöglich sein, dass ihre Mutter noch lebte. Das wusste sie seit Jahren. Sie hatte an ihrem Grab geweint. Unzählige Nächte hatte sie sich gewünscht, die Stimme ihrer Mutter noch einmal hören zu können, doch die Nachricht hatte etwas in ihr gelöst.Die Wahrheit über deine Mutter lebt noch.Was sollte das überhaupt bedeuten?Darcy streckte langsam die Hand nach dem Zettel aus.„Gib ihn mir.“Lucien zögerte, bevor er ihn ihr reichte.Sie las die Worte immer wieder. Mehr stand dort nicht. Kein Name, keine Erklärung, nichts, was ihr verraten konnte, wer ihn geschickt hatte.„Vielleicht ist es eine Falle“, sagte Cassian.Darcy sah ihn an.„Warum dann meine Mutter erwähnen?“„Weil sie wissen, dass das der einfachste Weg ist, deine Aufmerksamkeit zu bekommen.“Er lag nicht falsch. Darcy faltete den Zettel vorsichtig zusammen.„Aber jemand weiß etwas.“Lucien nickte.„Was bede







