MasukSo wurde beschlossen, Darcy zu den Vollstreckern des Konklaves zu bringen, um sie hinzurichten. Lucien gab Cassian ein Zeichen, Darcy auf sein Motorrad zu heben.
Die Verwirrung der jungen Frau war noch immer in ihren Augen zu sehen. Sie fragte sich, ob sie der Grund dafür war, dass die Brüder auf die Knie gefallen waren und warum sie plötzlich so aussahen, als wollten sie sie doch nicht mehr töten.
Sie sah, wie einer von ihnen, vermutlich der Jüngste, sich mit seinen Brüdern in Gebärdensprache unterhielt. Unsicher, ob er nicht sprechen konnte oder ob sie einfach nicht wollten, dass sie verstand, was sie sagten, seufzte Darcy und wartete auf ihre nächste Aktion.
Darcy stieß einen Schrei aus und stolperte gegen einen Stein, weil Cassian unerwartet heftig an ihrem Handgelenk zerrte, wodurch sie strauchelte und hinfiel. Ein stechender Schmerz schoss ihr durch den Knöchel und die Handfläche, sodass sie zischte und die Augen schloss, in der Hoffnung, die Wucht des Sturzes abzumildern – doch das schärfte ihre Sinne nur noch mehr.
Gleichzeitig durchfuhr die Qual die drei Brüder wie ein Blitz. Lucien biss die Zähne zusammen. Cassian holte scharf Luft, während Locke vor Schmerz zusammenzuckte.
Sie wandten sich alle gleichzeitig ihr zu, mit wilden Blicken. Cassian sprach als Erster: „Was zum Teufel ist gerade passiert?“ Er wandte sich an Darcy: „Haben wir gerade deinen Schmerz gespürt?“ Cassian deutete auf sich selbst und seine Brüder, und sein Blick drohte, Löcher in Darcy zu bohren. Das träge Grinsen von vorhin war verschwunden.
Darcy hatte nun noch einen weiteren Grund, Angst zu haben. Der Blick auf Cassians Gesicht konnte töten. Instinktiv wich sie einen Schritt zurück und wimmerte, sichtlich immer noch vor Schmerz. „Es … es tut mir leid.“ Ihr Blick huschte zwischen den dreien hin und her und verweilte etwas länger auf Locke. „Aber kann mir jemand sagen, was hier vor sich geht?“
Cassian trat mit langsamen, vorsichtigen Schritten auf Darcy zu, seine Augen wachsam und aufmerksam auf jedes noch so kleine Detail um sie herum gerichtet. Als er spürte, dass keine Gefahr bestand, ergriff er ihre Hände und begann, sie vorwärts zu ziehen.
Ihre Stimme war leise, ja sogar schwach. Lucien hatte bereits zum x-ten Mal die Zähne zusammengebissen und den Kiefer angespannt. Lockes Miene war ausdruckslos, als hätte er diesen Ausgang erwartet.
„Versuch’s noch mal“, zischte Lucien. „Zwick sie in die Haut, Cassian.“
Cassian tat, wie ihm geheißen, und der Schmerz setzte sofort ein. Alle vier zischten gleichzeitig.
„Verdammt!“, fluchte Lucien. Seine Augen loderten wie zwei Feuerbälle. Darcy war sich nicht sicher, was sie tun oder sagen sollte; sie konnte nur den Mund halten. Ihr Blick huschte zu Locke, der ein leichtes Lächeln auf den Lippen zu haben schien.
„Es ist die Erdbebenverbindung“, gebärdete er Lucien, dem es schwerfiel, die Folgen seines Handelns zu akzeptieren.
Locke gebärdete weiter, seine Hände bewegten sich so schnell, dass sie nur noch als Schemen zu erkennen waren. „Sie hat eine Erdbebenverbindung zwischen uns allen ausgelöst. Was auch immer mit ihr geschieht, geschieht auch mit uns.“
Cassian vergrub sein Gesicht in den Händen und legte sie über den Kopf.
Lucien ging mit großen Schritten auf Darcy zu, sein Gesicht wirkte, als wäre es aus Stein gemeißelt. Er packte ihr Kinn und hob es an, um ihr Gesicht besser sehen zu können, und befahl mit tiefer Stimme: „Brich es jetzt.“
Darcy wirkte verwirrt, doch sie brachte gerade noch hervor: „Was brechen?“ Lucien schloss die Augen und öffnete sie wieder, um sich davon abzuhalten, etwas zu tun, was er später bereuen könnte.
„Spiel nicht die Dumme, Kleine. Brich die Erdbebenbindung, oder ich zwinge dich dazu.“
Darcy starrte ihm in die Augen und runzelte die Stirn. Sie hatte keine Ahnung, wovon er sprach, antwortete aber trotzdem. „Zwing mich.“ Ihre Stimme klang perfekt, selbstbewusst.
Kaum waren diese Worte über ihre Lippen gekommen, rissen Cassian und Locke vor Schreck die Augen auf.
Lucien murmelte leise vor sich hin: „Gib mir nicht die Schuld, wenn ich mich nicht zurückhalte.“ Er zog einen Dolch aus seiner Innentasche und schnitt ihr damit in den Arm. Darcys Atem stockte, ein leises Stöhnen entrang sich ihrer Kehle.
Genau in diesem Moment verspürten alle drei ein brennendes Gefühl, und an ihren Armen erschien eine Narbe. Locke hielt es nicht mehr aus, er riss Lucien den Dolch aus den Händen und warf ihm einen vernichtenden Blick zu, der lautstark verkündete: „Es ist okay.“
Cassian beschloss, sich mit der Wendung der Ereignisse abzufinden, und sagte: „Nun, sieht so aus, als könnten wir sie den Vollstreckern des Konklaves nicht mehr ausliefern. Wenn sie stirbt, sterben wir. Herzlichen Glückwunsch, Brüder, wir haben uns gerade eine Schwachstelle eingehandelt.“
„Verdammt, sie hat ja nicht mal einen Wolf.“ Er schimpfte weiter, bis Lucien ihn mit einem finsteren Blick zum Schweigen brachte. Er wandte sich an Darcy, seine Augen verengten sich zu Schlitzen, als er sagte: „Sie wird die Bindung auf dieselbe Weise lösen, wie sie sie geschaffen hat.“
Locke trat vor Lucien und deutete: „Ohne ihren Wolf kann sie das Band nicht lösen. Wir müssen sie zurückbringen und einen Weg finden, wie sie ihren Wolf erwecken kann. Bis dahin bleibt das ein Geheimnis.“
Keiner von ihnen bemerkte zwei Paar Augen, die sie aus der Ferne beobachteten. Die maskierte Gestalt lächelte unsichtbar verschmitzt und verschwand.
Lucien schlug wütend mit der Faust gegen eine Wand in seiner Nähe. „Na gut, dann kommt sie eben mit uns“, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen.
Cassian grinste: „Wenigstens ist sie schön, nicht völlig nutzlos.“ Mit einem breiten Grinsen sprangen sie auf ihre Motorräder.
Allerdings ließen Cassians und Luciens Motorräder Darcy nicht aufsteigen. Sie hießen „Lament“ und „Requiem“, und jedes ihrer Motorräder stand in Verbindung mit ihren Wölfen. Es ergab Sinn, dass „Requiem“ ihr ein brennendes Gefühl vermittelte, was offensichtlich die Strenge seines Besitzers Lucien widerspiegelte.
Der Motor von „Lament“ hingegen weigerte sich, anzuspringen. Sie alle wussten, dass das daran lag, dass sie nach Ironjaw roch. Nach so vielen Versuchen beschlossen sie, es mit Lockes Motorrad namens „Whisper“ zu versuchen.
Schließlich fuhr Darcy mit Locke auf „Whisper“. Der Motor knurrte, während Darcy Lockes Duft nach Benzin und Leder einatmete. Sie hatte das Bedürfnis, ihre Nase in seine Kleidung zu stecken, und ihr Traum wurde wahr, als sie plötzlich gegen etwas stießen. Dadurch wurde Darcy durchgeschüttelt und umklammerte instinktiv fest seine Bauchmuskeln.
Locke versteifte sich. Er erhöhte trotzdem das Tempo und manövrierte geschickt durch die Kurven, während sie sich krampfhaft an ihm festhielt.
Kaum waren sie in Silvercrest angekommen, folgten schon aufgeschreckte Ausrufe und Geflüster. Es war das erste Mal, dass eine Ironjaw-Braut überlebt hatte – und sei es auch nur eine Minute in den Händen der Brüder. Darcy fühlte sich wie eine Außenseiterin angesichts der verurteilenden und verächtlichen Blicke, die ihr die Rudelmitglieder zuwarfen. Es war offensichtlich, dass sie keine Ironjaw in ihrem Rudel haben wollten, doch da die drei Alphas auf ihrer Seite standen, konnten sie nur mit zusammengebissenen Zähnen zusehen.
Manche gingen sogar so weit, Beleidigungen und verletzende Worte zu schleudern. Darcy war es schon ihr ganzes Leben lang gewohnt, herabgewürdigt zu werden; obwohl sie sich daran gewöhnt hatte, hoffte sie dennoch auf eine Veränderung. Das heißt, falls sie überleben würde.
Schließlich erreichten sie ihre Villa, und Darcy war sprachlos. Sie hatte noch nie ein so wunderschönes und majestätisches Gebäude gesehen. Bei den Ironjaws war das Haus des Alphas nicht so imposant wie dieses.
Darcy war ganz in ihre Fantasien versunken, bis Cassians laute Stimme sie aus ihren Träumereien riss. „Weißt du, wenn du draußen schlafen willst, helfen wir dir nur zu gerne dabei.“ Dieses verschmitzte Grinsen war wieder auf seinem Gesicht zu sehen, was sie ein wenig beruhigte und sie davon abhielt, ihn zu verärgern.
Ein wütender Cassian war wirklich furchterregend. Also huschte sie ihnen hinterher und ins Gebäude.
Erst nachdem Darcy ihr eigenes Zimmer gezeigt worden war und sie gebadet hatte, fiel ihr ein, dass sie keine Wechselkleidung dabei hatte – nur das schmutzige und zerrissene Hochzeitskleid lag auf dem Boden. Das würde sie auf keinen Fall anziehen.
In ein weißes Handtuch gewickelt, das ihre Oberschenkel kaum bedeckte, machte sich Darcy auf die Suche nach Locke. Er hatte ihr gesagt, sein Zimmer liege links um die Ecke. Sie kam an der Tür an und klopfte. Keine Antwort.
Nachdem sie dreimal geklopft hatte und immer noch keine Reaktion erhielt, drehte sie den Türknauf und öffnete die Tür. Sein Zimmer roch nach ihm – beruhigend und süchtig machend zugleich.
Es war niemand im Zimmer, doch plötzlich schwang die Badezimmertür auf, und da stand Locke in seiner ganzen Pracht.
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Währenddessen an der Tür.
„Hier sprechen die Vollstrecker des Konklaves. Uns liegt ein Hinweis vor, dass Sie eine Conduit in Ihrem Haus verstecken. Wir empfehlen Ihnen, sie uns sofort zu übergeben, damit sie unverzüglich hingerichtet werden kann.“
Das Geräusch des Medaillons, das auf den Holztisch fiel, hallte durch den Raum. Darcy starrte auf die zerbrochenen Stücke. Einen Moment lang bewegte sich niemand.Ein helles silbernes Licht schoss aus den Fragmenten hervor. Darcy taumelte rückwärts. Locke griff sofort nach ihr.„Darcy!“„Mir geht es gut.“Aber das stimmte nicht. Ihre Brust brannte.Ein seltsamer Druck baute sich hinter ihren Augen auf und plötzlich wurde der Raum um sie herum verschwommen. Sie konnte Stimmen hören.Flüstern.Hunderte davon, dann erhob sich eine Stimme über die anderen.Finde mich. Darcys Augen weiteten sich.„Wer bist du?“Die Stimme antwortete nicht.Stattdessen blitzte eine weitere Vision vor ihren Augen auf.Ein Wald. Dunkelheit. Regen.Eine Frau rannte. Darcy erkannte sie sofort.Ihre Mutter.Sie trug dasselbe Bündel Kräuter, das Darcy zuvor gesehen hatte. Doch dieses Mal folgte ihr jemand.Drei Gestalten. Jung. Silberne Augen.Die Silvercrest-Brüder.Darcy sah hilflos zu, wie ihre Mutter stehen
Der Morgen kam schneller, als Darcy erwartet hatte.Sie hatte kaum geschlafen. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie dieselben Dinge. Den Kenavara-Altar.Sarah, die daneben stand. Das seltsame Symbol und das Flüstern, das sich in ihrem Kopf immer wiederholte.Erinnere dich.Darcy saß auf der Bettkante und starrte auf das Medaillon auf dem kleinen Tisch neben ihr. Der Riss, der sich durch das Medaillon zog, war über Nacht etwas größer geworden. Sie griff danach.In dem Moment, als ihre Finger die silberne Oberfläche berührten, breitete sich eine schwache Wärme durch ihre Handfläche aus. Darcy zog ihre Hand schnell zurück.„Nicht heute.“Sie stand auf und zog sich an. Als sie das Wohnzimmer betrat, warteten die drei Brüder bereits. Cassian aß, während Locke still am Fenster saß. Lucien stand mit verschränkten Armen da.„Wir brechen jetzt auf.“Darcy nickte.„Wohin genau gehen wir?“„Zu Elara.“Cassian schluckte.„Sie ist ungefähr zwei Stunden von hier entfernt.“Darcy runzelte
Die Stille in der Wohnung fühlte sich schwerer an als zuvor. „Warum hat es auf mich reagiert?“ Lucien antwortete nicht. „Lucien.“ Er sah sie schließlich an. „Wir wissen es nicht.“ Darcy schüttelte den Kopf.„Du sagst das immer wieder.“ „Weil es wahr ist.“ „Aber du weißt etwas.“ Luciens Kiefer spannte sich an. „Ich weiß genug, um zu verstehen, dass das, was passiert, nicht gewöhnlich ist.“ Cassian hob das Medaillon vorsichtig auf. Das silberne Licht war verschwunden.„Vielleicht sollten wir es zerstören.“ Darcy schüttelte sofort den Kopf. „Nein.“ Cassian sah sie an. „Warum?“ „Ich weiß es nicht.“ Sie starrte auf das Medaillon. „Aber ich habe das Gefühl, dass ich es behalten soll.“ Locke schrieb in sein Notizbuch. Dann behalten wir es. Cassian seufzte. „Na gut.“ Er legte es zurück auf den Tisch. Darcy sah zur Uhr. Es war weit nach Mitternacht.„Wir sollten schlafen.“ Lucien nickte.
Darcy starrte auf die Inschrift. Kenavara. Das Wort schien sich in ihren Verstand einzubrennen. „Warum führt alles immer wieder zu diesem Ort zurück?“ Luciens Kiefer spannte sich an. „Weil das, was mit dir geschieht, schon lange vor deiner Begegnung mit uns begonnen hat.“ Darcy sah ihn an. „Du wusstest, dass das kommen würde.“ „Nein.“ „Du hast das Symbol erkannt.“ „Weil ich es schon einmal gesehen habe.“ „Wo?“ Lucien zögerte und Cassian seufzte.„Am Altar.“ Darcys Stirn legte sich in Falten. „Was hast du gesehen?“ Cassian tauschte einen Blick mit seinen Brüdern. „Nichts Ungewöhnliches.“ Darcy schnaubte. „Das ist eine Lüge.“ Cassians lässiger Ausdruck verschwand. „Na gut.“ Er lehnte sich gegen den Tisch. „Der Kenavara-Altar ist kein Ort, den wir zum Spaß besuchen. Dort wurde unser Blutschwur besiegelt. Unter ihm gibt es eine alte Kammer, aber wir durften sie nie betreten.“ „Warum?“ „Weil unser Vater es
Deracy blieb wie erstarrt. Das Medaillon fühlte sich seltsam warm in ihrer Handfläche an. Sie sah von Lucien zu Cassian und dann zu Locke.„Das Zeichen deiner Mutter.“Lucien nickte langsam.„Ja.“„Wie?“„Ich weiß es nicht.“Darcy zog die Brauen zusammen.„Aber du hast gesagt, dass die Silvercrest-Hexen seit Jahren nicht mehr gesehen wurden.“„Wurden sie auch nicht.“„Dann wie ist das hierhergekommen?“Cassian sah sich auf der belebten Straße um.„Das müssen wir herausfinden.“Darcy starrte erneut auf das Medaillon.Sie konnte es nicht erklären, aber irgendetwas daran fühlte sich vertraut an.Nicht, weil sie das Symbol schon einmal gesehen hatte, sondern wegen des Gefühls, das es in ihr auslöste.Als wäre sie irgendwie schon lange damit verbunden gewesen, bevor sie überhaupt wusste, was es bedeutete.„Kann ich es behalten?“Lucien sah sie an.„Vorerst.“Darcy steckte es vorsichtig in ihre Tasche.„Gut.“Cassian sah zu Locke.„Du hast es auch gespürt, nicht wahr?“Locke nickte.Cassian
Der Raum blieb vollkommen still. Darcy starrte auf den Zettel in Luciens Hand, während ihre Gedanken rasten. Es konnte unmöglich sein, dass ihre Mutter noch lebte. Das wusste sie seit Jahren. Sie hatte an ihrem Grab geweint. Unzählige Nächte hatte sie sich gewünscht, die Stimme ihrer Mutter noch einmal hören zu können, doch die Nachricht hatte etwas in ihr gelöst.Die Wahrheit über deine Mutter lebt noch.Was sollte das überhaupt bedeuten?Darcy streckte langsam die Hand nach dem Zettel aus.„Gib ihn mir.“Lucien zögerte, bevor er ihn ihr reichte.Sie las die Worte immer wieder. Mehr stand dort nicht. Kein Name, keine Erklärung, nichts, was ihr verraten konnte, wer ihn geschickt hatte.„Vielleicht ist es eine Falle“, sagte Cassian.Darcy sah ihn an.„Warum dann meine Mutter erwähnen?“„Weil sie wissen, dass das der einfachste Weg ist, deine Aufmerksamkeit zu bekommen.“Er lag nicht falsch. Darcy faltete den Zettel vorsichtig zusammen.„Aber jemand weiß etwas.“Lucien nickte.„Was bede







