ANMELDENDu gehörst mir.“ Drei Worte, die das geordnete Leben von Lena mit einem Schlag in Schutt und Asche legen. Als junge, bodenständige Heilerin in einer ruhigen Kleinstadt am Rande der Wälder hat Lena ihr Leben fest im Griff. Sie ist verlobt mit Julian – einem guten, verlässlichen Menschen, mit dem sie im Sommer heiraten will. Ihre Zukunft ist sicher, planbar und frei von Überraschungen. Bis in einer stürmischen Nacht ein schwer verletzter Fremder durch ihre Hintertür bricht. Liam ist eine Naturgewalt. Dunkel, gefährlich, blutüberströmt und mit Augen, die im Halbdunkel golden aufleuchten. Als Lenas Hände seine brennende Haut berühren, schlägt der Mate Bond ein wie ein Blitz. Ein elektrischer Schock durchzuckt ihren Körper, und plötzlich erwacht in ihr eine Sehnsucht, die sie nicht kontrollieren kann – wild, primal und absolut verbotenerweise. Liam ist der Alpha eines mächtigen, im Verborgenen lebenden Rudels. Er weiß sofort, dass diese menschliche Heilerin seine Schicksalsgefährtin ist. Doch das Band zwischen ihnen bringt tödliche Gefahren mit sich. Während Julian im Hintergrund ahnungslos die gemeinsame Zukunft plant, zieht ein gnadenloser Krieg in den Schatten herauf. Und Liam ist bereit, die ganze Welt brennen zu lassen, um die Frau zu beschützen, die sein Wolf um jeden Preis fordert. Ein Kampf zwischen menschlicher Pflicht und tierischem Instinkt. Zwischen der sicheren Liebe und einer Leidenschaft, die alles zu verschlingen droht. Wie lange kann Lena widerstehen, wenn der Wolf erwacht?
Mehr anzeigenDie kleine Praxis am Rande von Blackwood Creek roch um diese Uhrzeit nach getrocknetem Lavendel, antiseptischer Seife und der kühlen Feuchtigkeit des nahegelegenen Waldes. Es war kurz nach zehn Uhr abends. Draußen peitschte der Herbstregen gegen die Fensterscheiben, ein monotoner, beruhigender Rhythmus, den Lena normalerweise schätzte, um nach einem langen Tag zur Ruhe zu kommen.
Heute Abend wollte sich jedoch keine Ruhe einstellen. Auf ihrem hölzernen Schreibtisch lag ein Stapel Papierkarten – Einladungen. Handgeschöpftes, cremeweißes Papier, verziert mit zarten Efeuranken. Julian und Lena. Im Juni nächsten Jahres würden sie heiraten. Julian hatte sich stundenlang Mühe gegeben, die perfekte Schriftart auszusuchen, und als er ihr die Musterkarte stolz gezeigt hatte, hatte Lena gelächelt, genickt und gesagt, wie wunderschön sie war. Warum also fühlte sich der Gedanke an diesen Termin in ihrem Kopf gerade an wie ein schwerer Stein, der auf ihrer Brust lag? Lena strich mit dem Daumen über das Papier. Julian war ein guter Mensch. Er war zuverlässig, aufmerksam, arbeitete als Architekt in der Stadt und sah mit seinen warmen braunen Augen und dem সবসময় ordentlichen Scheitel aus wie der Inbegriff von Sicherheit. Er war die Vernunft. Er war das Leben, das sie sich immer gewünscht hatte – ruhig, geordnet, vorhersehbar. Ihr Handy, das neben den Einladungen lag, vibrierte kurz. Eine Nachricht von Julian: „Bin noch im Planungsbüro, Liebling. Der Entwurf für den neuen Anbau raubt mir den letzten Nerv. Ich hoffe, du machst es dir gemütlich. Bis später, ich liebe dich.“ Ein warmes, fast mütterliches Gefühl von Zuneigung durchströmte sie. Lena tippte eine kurze Antwort: „Lass dich nicht stressen. Bis später.“ Sie lehnte sich zurück, schloss für eine Sekunde die Augen und atmete tief durch. Sie war einfach nur überarbeitet. Die letzten Wochen in der Praxis waren anstrengend gewesen, und die Hochzeitsvorbereitung trug eben das ihre dazu bei. Es gab keinen Grund für diese plötzliche Unruhe, die wie ein leises Summen unter ihrer Haut tatzte. Plötzlich riss ein dumpfer, gewaltiger Knall die Stille des Raumes zerreißend auseinander. Lena fuhr herum. Das Geräusch kam von der Hintertür, die direkt in den kleinen, uneinsichtigen Personalhof führte. Jemand war mit solcher Wucht dagegen geschlagen oder gestürzt, dass das alte Holz quietschend in den Angeln erbebte. „Hallo? Ist da jemand?“, rief Lena, während ihr Herz mit einem Mal bis zum Hals schlug. Sie erhob sich hastig von ihrem Stuhl, die Hand tastete reflexartig nach der schweren Taschenlampe auf der Anrichte. Keine Antwort. Nur ein schweres, rasselndes Atmen, das selbst durch die dicke Holztür hindurch zu hören war. Es klang nicht menschlich. Oder zumindest nicht nach einem Menschen, der die Kontrolle über seinen Körper hatte. Mit zitternden Fingern drückte Lena die Klinke nach unten und zog die Tür auf. Der kalte Nachtwind schlug ihr entgegen, trug den Geruch von nassem Asphalt, Schlamm und Herbstlaub heran. Und noch etwas anderes. Ein stechender, archaischer Geruch, der sofort jede Nervenfaser in ihrem Körper elektrisierte: Der Duft von feuchtem Zedernholz, schwerem Rauch, verbrannter Erde und kaltem Stahl. Es roch nach Gefahr. Es roch nach Raubtier. Im Halbdunkel des Hofes, zusammengesunken an der Backsteinwand, lag eine Gestalt. „Oh Gott“, entfuhr es Lena, und alle Vorsicht war augenblicklich vergessen. Die Heilerinstinkte, die tief in ihren Knochen saßen, übernahmen die Kontrolle. Sie trat sofort nach draußen in den strömenden Regen, ungeachtet der Kälte, die augenblicklich ihre Bluse durchnässte. Als sie näherherankam, stockte ihr der Atem. Der Mann, der dort im Schlamm lag, war riesig. Seine breiten Schultern füllten fast die schmale Nische aus. Er trug eine dunkelgraue, völlig zerrissene Lederjacke, und über seine linke Schulter und Brust zog sich eine tiefe, entsetzlich klaffende Wunde, die aussah, als wäre sie von gewaltigen Klauen aufgerissen worden. Dunkles Blut, das im fahlen Licht der Hoflampe fast schwarz schimmerte, tränkte seinen Stoff. „Verdammt“, knurrte eine Stimme tief aus seiner Brust. Sie klang rau wie geschliffener Granit, dunkel, gefährlich und von unerträglichen Schmerzen verzerrt. „Bewegen Sie sich nicht“, befahl Lena mit einer Festigkeit in der Stimme, die sie selbst überraschte. Sie kniete sich sofort in den nassen Kies, ignorierte das Schmutzwasser, das in ihre Hosenbeine khorchte, und zog ihre Arzttasche heran. „Sie bluten schwer. Ich muss mir das ansehen.“ Der Fremde zuckte zusammen, als sie mit ihren bloßen Händen nach seiner Schulter griff, um den Stoff der Jacke wegzuziehen. Seine Muskeln unter der Haut spannten sich steinhautartig an. Langsam, quälend langsam, hob er den Kopf. In diesem Bruchteil einer Sekunde schien die Zeit stehenzubleiben. Seine Haare waren dunkel, nass von Regen und verklebt mit Schweiß, die harten, markanten Züge seines Gesichts von Schmerz verzerrt. Aber es waren seine Augen, die Lena den Atem raubten. Sie blickten sie aus einem dichten, unzähmbaren Schatten an – und während sie hineinsah, flackerte in ihnen ein unverkennbares, helles Gold auf. Kein menschliches Leuchten. Ein inneres, wildes Feuer. Lena starrte ihn an, unfähig, auch nur einen Gedanken zu fassen. Ihr Verstand schrie ihr zu, dass das unmöglich war, dass Menschen so etwas nicht taten. In dem Moment, als ihre Fingerspitzen die brennend heiße Haut über seinem Schlüsselbein berührten, passierte etwas, das sich anfühlte wie ein elektrischer Schlag. Es war kein bloßes Berühren. Es war, als würde ein Blitz durch ihre Adern jagen, der ihren gesamten Körper von den Haarspitzen bis zu den Zehenspitzen durchschüttelte. Jede Zelle ihres Seins schrie auf, eine plötzliche, unbändige Hitze breitete sich in ihr aus, und ein Schauer lief ihr über den Rücken, der so intensiv war, dass ihr schwindelig wurde. Der Fremde riss die Augen weit auf. Sein schweres Ratschender Atem stockte abrupt. Seine Augen leuchteten nun in einem reinen, intensiven Gold, das im Dunkeln glühte. Die animalische Anspannung in seinem Körper explodierte in eine vollkommene, steinerne Starre. Er packte mit seiner unversehrten Hand blitzschnell ihr Handgelenk. Sein Griff war eisernen Schrauben gleich – fest genug, um Knochen zu zermalmen, aber er drückte nicht zu. Er hielt sie nur fest, als würde er sich an einem rettenden Anker klammern, während der Sturm um sie herumtobte. Sein Brustkorb hob und senkte sich schwer. Er starrte sie an, als sehe er zum ersten Mal in seinem Leben die Wahrheit. Als er den Mund öffnete, kam kein ‚Danke‘ über seine Lippen. Keine Bitte um Hilfe. Seine Stimme war ein raues, dunkles Knurren, das tief in Lenas Magengegend vibrirte und jede Abwehrkraft in ihr augenblicklich zunichte machte: „Du gehörst mir.“Das helle Licht der kleinen Schreibtischlampe war das Einzige, das den ansonsten in tiefe Schatten gehüllten Behandlungsraum erhellte. Die Worte auf dem rauen Pergament – „Komm freiwillig, oder ich komme und hole dich“ – schienen im spärlichen Licht fast zu glühen, wie in Stein gemeißelte Gesetze, die keinen Raum für Ausflüchte oder Zögern ließen. Lena stand da, die Arzttasche lag unberührt auf dem Holz, und in ihrer Brust tobte kein verzweifelter Kampf mehr zwischen Vernunft und Instinkt. Dieser Kampf war vorüber. Die Angst, die sie tagelang gelähmt und in den Schlaf gezwungen hatte, war einer seltsamen, fast furchterregenden Klarheit gewichen. Jede Faser ihres Körpers wusste, dass sie den Umschlag nicht ignorieren konnte. Sie konnte nicht so tun, als hätte sie ihn nie gelesen. Sie konnte nicht nach Hause gehen, sich neben Julian auf das Sofa setzen und so tun, als wäre draußen im Dunkeln nicht ein ganzer Kosmos, der nach ihr rief. Mit einer langsamen, mechanischen Bewegung, die si
Das leise Klicken der Haustür, als Lena sie hinter sich ins Schloss fallen ließ, klang in ihren Ohren wie der Schlag einer Turmuhr, die das unerbittliche Ende einer Ära einläutete. Das Haus war in eine tiefe, fast greifbare Stille getaucht. Im Flur roch es nach dem geschlossenen Raum, nach staubtrockener Zivilisation und der sterilen Sicherheit, die Julian so sorgsam aufgebaut hatte. Lena stand für einen Moment reglos im Eingangsbereich. Sie strich sich mit den Händen über die Wangen, atmete tief aus und versuchte, das Zittern in ihren Knien unter Kontrolle zu bringen. Noch immer schien die Haut an ihrem Hals und ihren Lippen von Liams berührenden Händen und der brennenden Hitze seines Kusses zu glühen. Jede Faser ihres Körpers erinnerte sich an das Gewicht seiner Arme, an den wilden, doppelten Rhythmus seines Herzens, das sich wie eine zweite Natur in ihr eingeprägt hatte. Aus dem Schlafzimmer drang ein leises, gleichmäßiges Rauschen. Julian schlief tief und fest. Er hatte von alle
Die Welt, wie Lena sie gekannt hatte, existierte in diesem Augenblick nur noch als ferner, blasser Schatten. Da war kein Haus mehr, keine geordnete Zukunft, keine Verlobung, die auf handgeschöpftem Papier besiegelt werden sollte. Da gab es nur noch den nassen Kies unter ihren nackten Füßen, den scharfen Duft von herbstlichem Laub und das alles verzehrende, brennende Gewicht von Liam, der sie hielt, als gäbe es im gesamten Universum nichts Kostbareres auf der Welt. Seine Arme umschlossen sie mit einer Kraft, die jede Flucht unmöglich machte, aber sie tat es nicht. Jede Zelle ihres Körpers lehnte sich an ihn, trank von seiner Wärme und berauschte sich an der rohen, ungezähmten Energie, die von ihm ausging. Die Kälte der Nacht schien an seiner massiven, heißen Statur zu verbrennen. „Siehst du?“, flüsterte er knapp an ihrem Ohr vorbei, während sein rauer Atem über ihre empfindliche Haut strich und ihr eine Gänsehaut über den gesamten Rücken jagte. Seine Lippen berührten leicht die empfi
Das sanfte, gleichmäßige Atmen von Julian ging neben ihr auf dem Sofa, ein leiser, fast monotoner Rhythmus, der in krassem Gegensatz zu dem tobenden Sturm stand, der in Lenas Brust ausbrach. Sie saß wie erstarrt, die Muskeln bis zum Zerreißen gespannt, während ihr Blick an der dunklen Glasscheibe des Wohnzimmers hängen blieb. Draußen, im fahlen, kühlen Licht der Straßenlaterne, stand Liam. Seine Gestalt verschmolz fast mit der Nacht, doch die golden leuchtenden Funken in seinen Augen schnitten durch die Dunkelheit wie zwei brennende Dolche. Er klopfte nicht mehr. Er tat keinen weiteren Schritt. Er stand einfach nur da, eine Verkörperung von roher, unerbittlicher Urgewalt, und wartete mit der absoluten, felsenfesten Geduld eines Jägers, der genau wusste, dass seine Beute unweigerlich zu ihm gezogen wurde. Lenas Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass sie fürchtete, Julian könne das Pochen im Raum hören. Jeder Instinkt in ihrem Verstand schrie sie an, wegzusehen, die Augen zu





