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Du hast sie gewählt. Ich nahm mir alles.
Du hast sie gewählt. Ich nahm mir alles.
Author: Major_Canis

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Author: Major_Canis
last update publish date: 2026-07-20 13:49:33

„Ähm ... langsam, Adrian.“

Diese Stimme ließ Tara auf dem Weg zum Arbeitszimmer ihres Ehemanns abrupt stehen bleiben. Sie kam ihr so vertraut vor, dass sie ihren eigenen Ohren nicht trauen wollte. Hatte sie sich vielleicht verhört?

„Wie soll ich langsam machen, wenn es um dich geht?“

In diesem Moment schien Taras Herz aufzuhören zu schlagen. Das war ... Adrians Stimme?

Sie bemerkte nicht, wann ihr Atem kurz und abgehackt geworden war. Hastig tastete ihre Hand nach etwas, das ihr Halt geben konnte. Ihre Fingerspitzen berührten den kleinen Beistelltisch neben der Tür zu Adrians Arbeitszimmer, und sie klammerte sich so fest daran, als würde ihr Körper in sich zusammenbrechen, sobald sie losließ.

Ihre Schritte waren kaum zu hören, als sie näher kam, obwohl sich jeder einzelne Zentimeter unerträglich schwer anfühlte. Ihre Beine zitterten, ihr Kopf dröhnte. Doch die Stimmen hinter der Tür waren zu deutlich, um sie zu ignorieren.

Ein unterdrücktes Stöhnen war zu hören, gefolgt von einem leisen Lachen, das Tara das Blut in den Adern gefrieren ließ.

„Adrian“, erklang die Stimme der Frau sanft und schmeichelnd – und Tara kannte sie nur allzu gut. „Du kannst dich wirklich überhaupt nicht beherrschen, oder?“

Tara schloss für einen Moment die Augen. Nein. Das konnte nicht sein.

„Glaubst du wirklich, ich könnte ruhig bleiben, wenn ich mit dir zusammen bin, meine geliebte Kara?“ Adrian lachte.

Kara.

Dieser Name traf Tara erbarmungslos. Ihr Griff um den Tisch wurde noch fester. Ihre Fingernägel bohrten sich in das Holz, bis ihre Fingerknöchel weiß hervortraten, doch sie spürte keinerlei Schmerz. Ihr ganzer Körper war wie betäubt.

„Wenn Tara das erfährt.“ Kara kicherte leise, als genieße sie etwas, das weit über ein gewöhnliches Gespräch hinausging. „Was glaubst du, für ein Gesicht sie machen wird?“

Adrian lachte mit, als laste keinerlei Schuld auf ihm. „Sie wird es nicht erfahren. Sie vertraut viel zu sehr darauf, dass ich sie über alles liebe“, sagte Adrian unbekümmert weiter. „Und genau das macht alles so viel einfacher.“

Taras Brust fühlte sich an, als würde sie immer enger werden.

„Manchmal frage ich mich“, sagte Kara wieder, „wie es sein kann, dass sie überhaupt nichts bemerkt hat. Selbst nach allem, was wir getan haben?“ Die Frau stöhnte erneut leise.

„Weil sie nie wirklich hingesehen hat“, antwortete Adrian. „Sie nimmt einfach alles an und glaubt, was wir ihr zeigen, Liebling.“

Tara biss sich auf die Lippen und versuchte, auch nur das kleinste Geräusch zu unterdrücken. Sie wollte weg. Wollte so weit wie möglich von diesem Ort fliehen. Doch ihre Beine rührten sich nicht. Als würden sie sie dazu zwingen, weiter zu warten und sich alles anzuhören.

„Übrigens“, sagte Kara zwischen ihren leisen Stöhnen. „Schon irgendwie komisch, oder? Jedes Jahr feiert sie ihren ‚Hochzeitstag‘, obwohl die Ehe offiziell gar nicht auf ihren Namen eingetragen ist.“

Taras Herz schien stehen zu bleiben.

„Ich frage mich nur: Falls sie eines Tages das Personenstandsregister überprüft – glaubst du, sie wird überrascht sein oder völlig zusammenbrechen, wenn sie erfährt, dass dort mein Name eingetragen ist?“

Tara erstarrte. Ihre Hand umklammerte die Tischkante noch fester. Ihr Blick begann zu verschwimmen.

„So weit wird sie niemals gehen“, antwortete Adrian ruhig. „Und selbst wenn sie es doch tut, spielt das dann keine Rolle mehr.“

„Außerdem“, fuhr Adrian fort, seine Stimme wieder kühl, „müssen wir nur warten, bis das Neo-Group-Projekt abgeschlossen ist.“

Neo Group. Das große Projekt, an dem Adrian gerade arbeitete – und das vollständig von Tara geleitet wurde.

„Die meisten Kunden vertrauen ohnehin nur Tara“, sagte er weiter. „Ihr Ruf sorgt dafür, dass alle Kunden bei uns bleiben. Wir brauchen sie noch.“

„Und danach?“, fragte Kara leise.

„Dann werde ich sie loswerden.“

Er sprach diesen Satz völlig beiläufig aus, ohne jede Regung, ohne das geringste Zögern. Als wäre Tara niemand.

Als hätten die fünf Jahre, die sie miteinander verbracht hatten, niemals etwas bedeutet.

Die Welt um Tara herum begann sich zu drehen. Ihr Griff wurde schwächer, doch sie zwang sich, stehen zu bleiben. Fall jetzt nicht, Tara. Du musst stark sein, sagte sie sich im Stillen.

„Gut“, sagte Kara. „Ich bin es ohnehin leid, ständig etwas vorzuspielen.“ Ihre Stimme klang unbeschwert. „Dann machen wir unsere Feier zum fünften Hochzeitstag richtig groß. So, wie es unserem wahren Status entspricht. Was meinst du, Liebling?“

„Natürlich“, sagte Adrian. „Mach, was immer du willst.“

Doch draußen vor der Tür zerbrach etwas in Tara endgültig. Der Hochzeitstag, den sie schon bald feiern würden, die Ehe, an der sie gemeinsam mit Adrian festgehalten hatte – nichts davon ... gehörte ihr.

Taras Atem zitterte. Langsam lösten sich ihre Finger von der Tischkante. Ihr Körper zwang sich, aufrecht stehen zu bleiben, doch innerlich war sie leer.

Das Standesamt. Plötzlich schoss ihr dieser Ort durch den Kopf.

„Ich muss dorthin“, murmelte sie leise. „Um all diese Lügen zu beweisen.“

Wenig später befand sich Tara im Standesamt, in dem ihre Ehe eingetragen sein sollte.

„Miss Valmont, Ihr Name ist im Eheregister nicht vorhanden.“

„Das kann nicht sein“, widersprach Tara mit einem ungläubigen Lachen. „Bitte ... bitte sehen Sie noch einmal nach.“

Der Beamte seufzte leise, überprüfte die Daten schließlich jedoch erneut.

„Das ist jetzt das dritte Mal, Miss Valmont. Aber Ihr Name, Tara Elise Valmont, ist tatsächlich in keiner einzigen Heiratsurkunde eingetragen.“

„Das ist unmöglich! Ich bin seit fünf Jahren mit Adrian Ashbourne verheiratet.“ Tara schrie ungläubig auf. All die Worte, die sie hinter der Tür zu Adrians Arbeitszimmer gehört hatte, hallten erneut in ihrem Kopf wider.

Also war all die Zeit ...

„Wie Sie wissen, habe ich die Daten mehrfach überprüft“, sagte der Verwaltungsmitarbeiter geduldig. „Es gibt allerdings einen Eintrag mit einem Namen aus Ihrer Familie. Miss Kara Evangeline Valmont. Sie hat Adrian Lucien Ashbourne am 22. April 2022 geheiratet.“

Taras Welt brach endgültig zusammen.

Wäre einer der Angestellten ihr nicht zu Hilfe gekommen, wäre sie einfach auf dem Boden zusammengesunken.

„Das ... das stimmt doch nicht, oder?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Tränen liefen ihr bereits über die Wangen. „Das ist alles eine Lüge!“

„Möchten Sie eine Kopie davon?“, fragte der Beamte, der sichtlich verwirrt darüber war, dass Tara seit geraumer Zeit darauf bestanden hatte, überprüfen zu lassen, ob ihr Name in einem Eheregister eingetragen sei oder nicht.

„Kann ich sie bekommen?“

Kurz darauf hielt Tara eine Kopie der Heiratsurkunde in den Händen. Im selben Moment begann ihr Handy zu klingeln.

„Tara, hier ist Victor.“

Die Stimme des Anrufers ließ Tara für einen Moment verstummen. „Mr. ... Victor?“

„Ach, Tara.“ Am anderen Ende der Leitung lachte der Anrufer. „Hast du etwa deinen Schwiegervater vergessen?“

Wie hätte Tara Victor Ashbourne vergessen können? Aber ... warum rief er sie an?

„Ja, Mr. Vic—“

„Daddy, Tara. Warum bist du mir gegenüber so förmlich? Du bist meine Schwiegertochter“, sagte Victor bestimmt.

Tara schluckte nervös und verbesserte sich sofort. „Ja, Daddy. Was gibt es?“, fragte sie, nachdem sie sich wieder einigermaßen gefasst hatte.

„Hol mich in zwei Stunden vom Flughafen ab. Ich bin auf dem Weg nach Holland City. Und sag Adrian nichts davon, dass ich komme. Das schaffst du doch, oder?“

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