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Kapitel 3

Auteur: Tanja
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.

Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist sie aus Trotz zu jemandem…“

„Nein.“

Henrik hob nicht einmal den Kopf. Ungelenk schälte er einen Apfel, sein Ton war fest. „Yuna würde mir niemals etwas antun. Außerdem wollte sie heute mit mir aufs Standesamt.“

„Ihr wolltet heiraten?“

Chiara schreckte zusammen. In ihren Augen blitzte rasende Eifersucht auf.

Ihr Mann war tot. Jetzt war Henrik der Vater ihres Kindes. Warum musste Yuna ihr alles wegnehmen?

Konnte sie ihr Henrik nicht einfach überlassen?

Das Telefon klingelte.

Er ging ran. Aus dem Hörer drang Sieglindes wütende Stimme:

„Henrik. Hat Yuna jetzt komplett den Verstand verloren? Sie ist mit ihrem Koffer abgehauen. Wer macht denn jetzt im Haus alles? Wer kocht Chiara die Brühe?“

„Sie ist gegangen?“

Henrik hielt mit dem Schälen inne, seine Pupillen verengten sich. Sie wollten doch heute aufs Standesamt – worüber regte sie sich noch auf?

„Was bildet diese Person sich ein? Du hast dich doch bereit erklärt, sie zu heiraten – was will sie noch? Wenn ich von einem Mann so verwöhnt würde, was wäre das für ein Glück… Ach, anders als ich, mein Mann … ist nicht mehr da…“

Chiara senkte den Blick. Tränen tropften auf das Bettlaken. „Lass nur, geh und beruhige sie. Wenn ich Schmerzen habe, rufe ich eben die Schwester. Vielleicht haben sie viel zu tun … aber ich werde es schon irgendwie überstehen.“

Henrik sah zu, wie Chiara ihre Schwäche tapfer überspielte und sich klein machte, und dachte dabei an Yuna, die einfach davonzog. Eine sengende Wut stieg ihm in die Kehle.

Seine Mutter hatte recht. Yuna war von ihm restlos verzogen.

Chiara war schwanger, und statt Rücksicht zu nehmen, machte Yuna ausgerechnet jetzt Eifersuchtsszenen und lief davon. Das war nicht mehr zu fassen.

Mit grimmiger Miene rief er seinen Assistenten an: „Sperren Sie sofort Yunas Karte. Ohne Geld kommt sie heute Abend brav zurück.“

…

Erst nachdem fünf Beutel Infusion durchgelaufen waren, fühlte Yuna sich, als wäre sie aus den Klauen des Todes zurückgekommen.

Frau Bauer, die Pflegerin, kam mit der Bankkarte in der Hand zögernd näher. „Frau Sommer, ich war eben beim Bezahlen. Die Karte funktioniert nicht. Sie wurde wohl gesperrt.“

Gesperrt.

Yuna riss aus ihrer Benommenheit hoch, der Schmerz machte sie ein Stück klarer.

Nach der Hochzeit hatte sie für Henrik ein Spitzen-Jobangebot ausgeschlagen, sich vollständig in seinen Wolfhardt-Konzern eingebracht und an seiner Seite Projekte und Geschäfte geleitet.

Deshalb war ihr Gehalt nie offiziell über die Lohnbuchhaltung gelaufen. Stattdessen hatte Henrik ihr die gesamte Finanzhoheit übertragen und ihr eine schwarze Kreditkarte ohne Limit in die Hand gedrückt.

Ursprünglich waren diese Vollmacht über die Finanzen und diese Karte ein Liebesbeweis gewesen. Jetzt benutzte er das Geld, um sie unter Druck zu setzen.

Solange alles gut war, hatte er sie auf Händen getragen. Doch sobald die Stimmung kippte, scheute er auch vor den niederträchtigsten Mitteln nicht zurück.

„Wenn Sie aus dem Krankenhaus entlassen werden wollen, müssen Sie erst die Rechnung begleichen. Und mein Pflegerinnenhonorar… Frau Sommer, soll ich vielleicht Ihre Eltern anrufen?“

Ihre Eltern lebten weit weg in Nordstadt. Beide gesundheitlich angeschlagen. Wenn sie erfuhren, dass sie nicht einmal mehr ihre Arztkosten bezahlen konnte – wie sehr würde es ihnen das Herz brechen?

Henrik hatte fest darauf gesetzt, dass sie es nicht wagen würde, ihre Eltern zu beunruhigen.

Doch er begriff nicht: Diesmal war es kein Trotzanfall. Sie wartete nicht darauf, dass er sie wieder umstimmte. Sie wollte ihn wirklich nicht mehr.

Eher würde sie auf der Straße sterben, als zurückzukehren.

„Frau Bauer.“

Yunas Stimme war erstaunlich ruhig. Sie streifte den glitzernden Diamantring von ihrem Ringfinger. „Könnten Sie bitte einen Sprung in den nächsten Pfandladen für Luxusgüter machen und ihn verkaufen?“

Beim Packen hatte sie nur daran gedacht, alles aus dem Haus zu werfen und dabei den Ring an ihrer Hand vergessen.

Auch gut. In Geld verwandelt, so trug diese unwürdige Liebesgeschichte zumindest noch einen letzten Nutzen ein.

Anschließend wählte sie eine andere Nummer. Ihre Stimme war kühl und entschlossen.

„Frau Lehmann, bitte leiten Sie für mich ein arbeitsrechtliches Schiedsverfahren ein. Ja. Ich verklage Henrik Wolfhardt. Kein Arbeitsvertrag. Drei Jahre lang ausgebliebenes Gehalt.“

…

Yuna verließ das Krankenhaus und nahm sich ein Taxi nach Wolkenstein.

Sie stieg aus und blickte auf.

Das Anwesen, das sich auf halber Höhe des Berghangs erstreckte, lag im Abenddämmer da wie ein finsterer Koloss und schlug ihr eine vertraut-fremde Beklemmung entgegen.

All das, was sie über die Jahre verdrängt und gemieden hatte, drängte ihr nun ins Bewusstsein.

Hätte sie noch einen anderen Ausweg gehabt, hätte sie nie wieder etwas mit Adrian zu tun gehabt.

Doch Henrik besaß Macht und Einfluss. Er würde sie nicht so leicht ziehen lassen. Er hatte tausend Mittel, um sie zu zwingen, und er konnte sogar ihre Eltern hineinziehen.

Wenn sie das Band zu Henrik endgültig durchtrennen und unbeschadet davonkommen wollte, brauchte sie jemanden, der mächtiger war als er – jemanden, vor dem er Angst hatte: Adrian.

Adrian war der wahre Erbe der Familie Wolfhardt. Henriks älterer Cousin, ein Mann von außergewöhnlichem Können und unbarmherzigen Methoden. Im Machtkampf um die Familie hatte er bessere Aussichten auf den Platz des Oberhaupts als Henrik.

Selbst Henrik musste sich vor ihm in Acht nehmen und ihn mit größter Ehrerbietung behandeln, wenn sie sich begegneten.

In ganz Südstadt wagte es niemand, Henrik eine Frau auszuspannen – außer Adrian.

Yuna atmete tief ein, immer wieder, bis sie das Aufgewühlte und Bittere in ihrer Brust einigermaßen niedergerungen hatte.

Sie biss die Zähne zusammen und durchschritt das Tor des Anwesens.

Sie kam nicht umhin, ihm wieder gegenüberzutreten.

„Frau Wolfhardt, Sie sind zurück.“

Viktor Moll, ein Mann jenseits der fünfzig, kam ihr zügig entgegen. Sein dunkler Anzug saß makellos, sein Lächeln war mild und respektvoll. „Adrian musste kurzfristig dringende Geschäfte im Ausland erledigen. In den nächsten Tagen wird er nicht zu Hause sein.“

Nicht zu Hause? Wie wunderbar.

Das Herz, das ihr in die Kehle gestiegen war, sank wieder herab.

Viktor bemerkte ihre kurze Erleichterung. In seinen Augen blitzte ein wissendes Schmunzeln auf, doch er führte sie ehrerbietig zum Hauptgebäude.

„Frau Wolfhardt, das hier ist Ihr Zimmer. Pflegeprodukte, Kleidung, Schmuck – alles ist vorbereitet. Sollte Ihnen etwas nicht gefallen, lassen wir es jederzeit komplett austauschen.“

„Das hier ist Ihr Taschengeld – eine schwarze Kreditkarte ohne Limit, fünfhunderttausend Euro in bar sowie ein Scheck über zehn Millionen. Verfügen Sie nach Belieben darüber.“

Und das hier sind die Bediensteten, die für Sie zuständig sein werden – insgesamt einhundertacht. Sie arbeiten in drei Schichten, damit Ihnen jeder Wunsch zu jeder Zeit umgehend erfüllt werden kann.“

Yuna sah die uniformierte Schar an und war sprachlos. „Ist das nicht ein bisschen viel?“

Diese Pracht übertraf Henriks Haus um das Zehnfache.

Auf Viktors Gesicht erschien eine Demut, die sagen wollte: Das ist doch nur selbstverständlich.

„Frau Wolfhardt, Ihr Mann ist unser Herr. Über Henriks Lebensstil schweigen wir lieber. Was er Ihnen nicht geben konnte oder wollte, ist hier bei Herrn Wolfhardt die Grundausstattung.“

„Künftig werden Sie nur das Beste tragen, das Beste nutzen, das Beste erleben. Adrian hat ausdrücklich angewiesen: Sie sollen sich um nichts kümmern müssen außer um Ihr eigenes Wohlbefinden.“

Yuna war sprachlos vor diesem Luxus, der den von Henriks Familie bei Weitem übertraf.

Unwillkürlich tauchte Adrians Bild vor ihr auf. Sie dachte an seinen tiefen Atem im Moment der Leidenschaft, der sie hatte taumeln und versinken lassen. Und an das kleine Muttermal unter seinem Schlüsselbein, schweißbedeckt – ein Bild, das sie bis heute nicht vergessen hatte.

Schade nur…

Yuna brach den unpassenden Gedanken ab und sammelte sich. „Herr Moll, sagen Sie mir bitte Bescheid, bevor Adrian zurückkommt.“

Sie brauchte Zeit, sich seelisch darauf vorzubereiten.

Viktor neigte ehrerbietig den Kopf. „Selbstverständlich, Frau Wolfhardt. Übrigens, Ihre Hochzeit mit Adrian ist für den 28. dieses Monats angesetzt. Die konkreten Vorbereitungen übernimmt ein erstklassiges Team. Was die Form der Hochzeit, die Wahl der Location und das Brautkleid betrifft, müssen Sie jedoch selbst entscheiden. Wann hätten Sie Zeit dafür?“

„Das können Sie alles selbst festlegen.“

„Aber Frau Wolfhardt, das geht nicht. Bei einer Hochzeit hat die Braut das letzte Wort. Adrian hat es vor seiner Abreise ausdrücklich gesagt: Die Hochzeit wird nach Ihrem Geschmack gestaltet. Alles richtet sich nach Ihren Vorlieben.“

Ihr Geschmack.

Etwas in Yunas Brust schlug leise an.

Damals, bei ihrer Hochzeit mit Henrik, war alles im kleinen Rahmen geblieben. Eine bedrückende, traditionelle Zeremonie, ganz nach Sieglindes Willen. Niemand hatte sie gefragt, ob sie das so wollte.

Henrik hatte ihr nur versprochen, irgendwann eine zweite, große, moderne Hochzeit nachzuholen.

Drei Jahre waren vergangen. Aus dem Versprechen war nichts geworden.

Stattdessen löste nun sein Cousin Adrian dieses Versprechen für ihn ein.

Wie absurd.

Sie konnte sich nicht vorstellen, was für ein Gesicht Henrik machen würde, wenn er von der Hochzeit erfuhr.

Yuna lächelte spöttisch. „In den nächsten Tagen habe ich Zeit.“

„Sehr gut, Frau Wolfhardt. Ruhen Sie sich erst einmal aus. Am Bett gibt es eine Klingel, die direkt zur Haushälter-Zentrale führt. Sie können jederzeit rufen.“

Viktor verbeugte sich und schloss leise die Tür hinter sich.

Mit dem Schließen der Tür blieb ein finsterer, lauernder Blick draußen zurück.

Dieser Blick kam aus den Tiefen des dämmrigen Korridors. Eine große Männergestalt, die mit den Schatten verschmolz, von der ein lautloser, schwerer Druck ausging.

Er starrte unverwandt auf die geschlossene Tür. Sein Blick war auf die geschlossene Tür gerichtet, als wollte er das massive Holz durchbohren und sich in den Menschen dahinter brennen.

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  • Du mit ihr, ich mit deinem Cousin   Kapitel 536

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