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Kapitel 5

작가: Tanja
„Yuna!“

Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.

Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“

„Frau Wolfhardt, hier entlang.“

Yuna hob den Blick und sah Viktor lächelnd im Aufzug stehen.

Er hatte hier offenbar längst auf sie gewartet.

Yuna lächelte und trat ein.

Die Tür glitt langsam zu. In diesem Moment kam Henrik aus dem Privatzimmer gestürzt. Er sah Yuna gerade noch mit Viktor im Aufzug verschwinden.

Henrik runzelte die Stirn. „Was macht Viktor hier?“

Ein Kellner antwortete: „Herr Wolfhardt, der Haushofmeister sucht eine Hochzeitslocation aus. Ende des Monats heiratet der „Schatten“. Sie wussten das nicht?“

Adrian war im Ausland aufgewachsen. Vor sechs Jahren war er zurückgekehrt und hatte mit eiskalter Härte ein Blutbad in der Geschäftswelt von Südstadt angerichtet. Die Schockwellen hallten einen Monat lang nach.

Seither nannte man ihn in der Branche nur noch „den Schatten“ – aus Furcht und Respekt.

„Adrian will heiraten?“

Henrik war sichtlich verblüfft. All die Jahre hatte der Großvater Adrian eine Tochter aus den besten Familien nach der anderen vorgesetzt. Adrian hatte nie mit der Wimper gezuckt. Und jetzt plötzlich eine Hochzeit?

Wie außergewöhnlich musste diese Frau sein?

Hastig drückte er die Ruftaste des Nebenaufzugs. Er musste Yuna da herausholen, bevor sie unwissentlich auf Adrian traf und ihn gegen sich aufbrachte.

Adrian war im wahrsten Sinne ein Irrer – auch bei Frauen kannte er keine Gnade.

In der obersten Etage glitt die Aufzugtür lautlos auf.

Viktor wies den Weg. „Bitte, Frau Wolfhardt. Der Wolkensaal liegt gleich vorn – die schönste Hochzeitslocation in ganz Südstadt.“

Yuna folgte ihm in die märchenhafte Halle.

Im selben Moment öffnete sich der Aufzug daneben.

Henrik trat heraus. Sein scharfer Blick flog über den menschenleeren Korridor – von Yuna keine Spur. Sein Herz sackte ab. Er sah mit ernster Miene zum Eingang des Wolkensaals.

War sie dort hineingegangen?

Genau das, was er befürchtet hatte.

Adrian war düster veranlagt, seine Methoden waren brutal. Wer sich mit ihm anlegte, dem erging es grauenvoll.

Henriks Herz raste. Er eilte zum Wolkensaal.

„Herr Wolfhardt, einen Moment.“ Eine Empfangsdame streckte respektvoll die Hand aus. „Im Wolkensaal sind hochkarätige Gäste. Ohne Termin ist der Zutritt nicht möglich.“

„Aus dem Weg!“

Mit finsterer Miene stieß Henrik die Tür auf –

„Henrik!“

Chiara packte ihn am Arm. Ihre Miene war angespannt und besorgt. „Beruhige dich. Adrian trägt sowieso schon einen Groll gegen dich. Wenn du jetzt bei der Wahl seiner Hochzeitslocation hereinplatzt, machst du ihn rasend.“

Henrik runzelte die Stirn. „Yuna ist da drinnen.“

„Schau auf den Aufzug, der ist schon wieder im Erdgeschoss. Sie ist längst nach unten gefahren.“

Chiara deutete auf den Aufzug, mit dem Yuna gerade nach oben gefahren war.

Henrik sah die Anzeige – das Erdgeschoss. Seine Anspannung löste sich, er stieß einen langen Atemzug aus.

Chiara sah seine Erleichterung. In ihr kochte wilde Eifersucht hoch. So weit hatte Yuna es getrieben, so unvernünftig benahm sie sich – und Henrik sorgte sich immer noch um sie.

„Henrik, eigentlich sollte ich das nicht sagen, aber ich kann nicht länger mit ansehen, wie Yuna dich an der Nase herumführt.“

„In das Projekt der emotionalen KI-Interaktion hat sie drei Jahre Schweiß und Mühe gesteckt. Sobald es vorgestellt wird, kommt sie zu Ruhm und Reichtum, wird über Nacht zum Star der Branche. Wie sollte sie ausgerechnet jetzt alles wegwerfen und tatsächlich kündigen?“

Sie sprach mit fester Überzeugung. „Sie macht nur eine Szene. Sie hat absichtlich den Vertragsabschluss platzen lassen, um dich zu erschrecken und dich zu zwingen, sie zu versöhnen und um Verzeihung zu bitten – und dich gleichzeitig dazu zu bringen, unser Kind abtreiben zu lassen. Wenn du jetzt nicht nachgibst, gerät sie spätestens zur Produktvorstellung selbst in Panik.“

Henriks Unruhe legte sich, seine Vernunft kehrte zurück.

Chiara hatte recht. Das KI-Interaktionsprojekt war Yunas einziger Weg, sich vor der Familie Wolfhardt zu beweisen. Sie würde sich nie vom Konzern lösen können – und schon gar nicht von ihm.

Seine Schultern lockerten sich. Sein Gesicht wurde wieder gefasst und kühl.

Wenn sie unbedingt eine Szene machen und Katz und Maus mit ihm spielen wollte – gut. Er würde bis zur Produktvorstellung warten und zusehen, wie sie sich aus der Sache herauswand.

…

In einem halbdunklen Zimmer wählte Chiara mit eiskalter Miene eine Nummer. „Wo bist du? Komm sofort nach Südstadt zurück.“

Aus dem Hörer kam das anzügliche Lachen eines Mannes. „Was denn, Schätzchen, hast du mich vermisst? Stimmt, du bist ja im letzten Trimester, jetzt können wir uns wieder so richtig austoben. Ich habe gerade etwas Neues bestellt, ganz harten Stoff. An einer Schwangeren bestimmt noch schärfer…“

„Halt den Mund!“, unterbrach Chiara ihn scharf. „Pass mit solchen Sprüchen auf. Wenn Henrik rausfindet, dass das Kind von dir ist, lässt er dich vierteilen und den Fischen vorwerfen.“

„Wenn nicht zum Vergnügen, warum dann?“

„In ein paar Tagen ist die Produktvorstellung der emotionalen KI-Interaktionssoftware. Du wirst Yuna entführen. Sie darf an dem Tag nicht erscheinen.“

Sobald Yuna fehlte, würde Henriks Wut auf sie aufflammen und ihre Beziehung endgültig zerbrechen. Chiara selbst könnte einspringen und die Präsentation übernehmen. Damit wäre sie die offizielle Entwicklerin des Projekts.

Yunas drei Jahre Schweiß und Mühe, der Ruhm, das Geld – alles würde ihr zufallen.

Dann würde sie sogar genug Gewicht haben, um an die Nachtfeuer AG heranzutreten.

Die Nachtfeuer AG war der unangefochtene Marktführer der KI-Branche. Der humanoide Roboter, an dem dort gearbeitet wurde, war ein epochaler Durchbruch. Eine Kooperation würde den Wolfhardt-Konzern in der KI-Welt nach oben katapultieren – und sie selbst zur größten Heldin im Hause Wolfhardt machen.

…

Nachdem Yuna die Hochzeitslocation ausgesucht hatte, fuhr sie zurück nach Wolkenstein.

Kaum war sie aus dem Wagen gestiegen, klingelte ihr Handy. Ein Auslandsanruf.

„Frau Sommer, ich habe gerade die Nachricht erhalten – Sie verlassen den Wolfhardt-Konzern?!“

Am anderen Ende sprach ein Mann mit britischem Akzent, seine Stimme zitterte fast vor Aufregung. „Verzeihen Sie, ich bin etwas außer mir – aber das ist eine wahnsinnig gute Nachricht. Auf diesen Moment habe ich drei Jahre gewartet.“

„Das Angebot, das Ihnen die Nachtfeuer AG vor drei Jahren gemacht hat, gilt weiterhin. Mit verdoppeltem Gehalt. Die Position als globale Leiterin der KI-Forschung wartet seit drei Jahren auf Sie.“

„Frau Sommer, kommen Sie zu uns. Die Welt ist Ihre Bühne, nicht eine kleine Firma, in der Sie nur an einer emotionalen KI-Interaktionssoftware arbeiten dürfen. Bei uns können Sie verwirklichen, was Sie vor drei Jahren entworfen haben – einen echten humanoiden KI-Roboter. Sie werden eigenhändig ein neues Zeitalter der Künstlichen Intelligenz einläuten.“

Bereits drei Jahre zuvor hatte Yuna das Konzept und das Datenmodell für humanoide Roboter entworfen. Nur die Nachtfeuer AG besaß die technische Tiefe, um dieses Projekt zu stemmen.

Damals hatte sie diesen Traum für Henrik aufgegeben.

Jetzt…

In Yunas Augen kehrte ein längst erloschener Glanz zurück – klar und entschlossen.

„Ich nehme an. Anfang nächsten Monats trete ich an.“

…

Kaum verheiratet, sollte sie schon ins Ausland gehen. Yuna überlegte lange. Schließlich entschied sie sich, Adrian Bescheid zu sagen.

Sie suchte Viktor auf. „Herr Moll, wann kommt Adrian zurück? Ich muss etwas mit ihm besprechen.“

Viktor hatte unterwegs längst den Ring an Yunas Finger bemerkt und auch gehört, dass sie im Hotel Henrik begegnet war. Adrian hatte einmal erwähnt, dass Yuna Rosa liebte – doch sie hatte den Hochzeitsstil in Blau gewählt, was nach verhaltener Begeisterung aussah.

Ihr Telefonat eben war voller Lachen gewesen … alles deutete darauf hin, dass sie sich womöglich mit Henrik vertragen hatte.

Und jetzt wollte sie mit ernstem Gesicht etwas mit Adrian besprechen. Das war keine Besprechung, das war eine Absage der Hochzeit.

Sein Blick wanderte unwillkürlich zu einer dunklen Ecke des Korridors. Im selben Moment legte er eine todernste Miene auf.

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